Krankenstand – the show must go on

Der durchschnittliche unselbstständig Erwerbstätige hat eine ganze Reihe von Ansprüchen. Ein ordentliches Arbeitsumfeld, das die Gesundheit nicht gefährdet, ausreichend Ruhezeiten, minutengenaue Zeiterfassung und Abrechnung, Urlaubstage. Sonderzahlungen, Pausen und natürlich Krankenstände. Auch wenn eine Mutter keines der genannten Dinge genießen darf, vermisse ich die Krankenstände dann doch am meisten. Ich will ja nicht (nur) klagen. Schließlich kann ich mittlerweile, wenn die Kleinen in Kita und Schule sind, der Haushalt wieder als solcher erkennbar ist und die Einkäufe erledigt sind und das Essen so gut wie fertig ist, die Beine ein wenig hochlegen. Insgesamt gehen die beiden Größeren vier bis fünf Stunden zur Schule. Also bleiben mit, abzüglich der Wegstrecke, etwa drei Stunden täglich. Mein Kinderalltag ist mittlerweile von einem 24/7 zu einem 21/5 & 24/2 geworden. Über die Arbeitszeiten kann ich mich somit nicht beklagen. Aber einen richtig schönen Krankenstand würde ich mir auch gerne einmal gönnen.

Fleißige Andrea

Auch ich hatte ein Leben vor meinen Kindern und auch ich bin einem ganz normalen Job nachgegangen. Mal ehrlich, ein Krankenstand ist doch eine tolle Sache. Klar ist es doof, wenn man eine Erkältung hat und mit Fieber im Bett liegt, aber das ist ja nicht alles. Brav läuft man am ersten Tag mit laufender Nase zum Hausarzt des Vertrauens. Der notiert eine Krankmeldung mit Wiederbestellung nach einer Woche. Nach zwei, oder drei Tagen ist die Erkältung soweit abgeklungen, dass man das Leben und die Freizeit wieder genießen kann. Auskurieren ist das Zauberwort. Das ist auch verdammt wichtig, denn eine verschleppte Erkältung dauert nicht nur ewig, sondern kann auch schlimme Folgen haben. Das Prinzip, erst mal gesund werden und dann erst wieder zu arbeiten, hat also durchaus Sinn. Im Job als Mutter klappt das leider nicht.

Männerschnupfen

Das Klischee mit dem Männerschnupfen hat durchaus einen wahren Kern. Männer erkranken nicht nur häufiger, die Infektionen verlaufen auch schlimmer, als bei uns Frauen. Mein Mann ist da keine Ausnahme. Auch wenn man sich auf ihn in fast jeder Lebenssituation verlassen kann, entscheiden 0,5° Celsius bei ihm über Fitness, oder Nahtoderfahrung. Erhöhte Temperatur, die sich nur mit präzisen Innenohrthermometern nachweisen lässt, zwingt auch den stärksten Mann in die Knie. Dabei kommen bei einer Krankheit dann ein paar Vorteile, die mein Mann hat, zusammen. Einerseits geht er tagsüber normalerweise zur Arbeit. Er hat also an Wochentagen keine festen Aufgaben im Haushalt. Die Kinder sind es nicht gewohnt, dass er für sie da ist. So kann er entspannt im Schlafzimmer um sein Leben ringen und schlafen wie ein Baby, während ich meine tägliche Arbeit verrichte.

Krankenschwester

Nicht nur, dass er von seinen Pflichten zu 100% entbunden wird und vielleicht hin und wieder mit schwacher Stimme ein Telefonat führen muss, bevor er erschöpft auf das Kissen sinkt, er macht mir auch noch mehr Arbeit. Dabei ist es besonders unangenehm, dass er auch meine dreistündige Pause über gepflegt und umsorgt werden will. Er bekommt also Pflege, Liebe und Ruhe und auch sonst alles, was er braucht. Ein kurzer Arztbesuch und ein Anruf im Büro und er kann sich zu 100% auf seine Gesundheit konzentrieren. Nicht, dass ich ihm deswegen böse bin. Er kann ja nichts dafür und wie gesagt, es ist ja sogar wissenschaftlich bewiesen, dass Männer mehr leiden, wenn sie eine Erkältung haben. Ich bin nur ein wenig eifersüchtig.

Eifersucht

Nämlich spätestens dann, wenn ich krank werde. Da verbringe ich schon mal ein paar Tage mit knapp unter 38° Temperatur, ohne dass man eine Leistungseinbruch spürt. Erst wenn die Fieberkurve die 38er-Markierung hinter sich lässt und langsam aber sicher auf 38,5°, oder noch mehr zubewegt, klappt das mit dem Alltag nicht mehr so richtig. Irgendwann gehe auch ich zu Bett, ziehe mir die Decke über den Kopf und will einfach nur schlafen. Während mein Mann aber daheim keine Lücke hinterlässt, wenn er sich, statt ins Büro, ins Schlafzimmer zurückzieht, fällt meine Abwesenheit den Kindern unmittelbar auf. Da nützt auch die Pflege meines Mannes nicht viel. Alle drei wissen ganz exakt, wo ich liege und Kinder haben eine schreckliche Eigenschaft. Sie sind sehr egoistisch.

Bitte keine Pflege

Aber auch wenn sie einmal nicht egoistisch sind und nur irgendetwas von mir wollen, sondern beschließen mich zu pflegen, kann das anstrengend werden. Wenn sie mir Dinge ans Bett bringen, bei denen ich mir ausrechnen kann, welche Unordnung die Zubereitung verursacht hat, mich frage, wie sie wohl an den Küchenschrank gekommen sind und mir ausmalen kann, wieviel davon unterwegs in der Wohnung verteilt wurde, bin ich dankbar dafür, dass Felix Hoffmann 1897 ein recht wirksames Mittel gegen Schmerzen und Fieber entwickelt hat. Dabei ist bei einer Erkältung Dauer und Verlauf auch von der Ruhe, die man bekommt, abhängig. Solange die Viren sich im Körper noch ausbreiten kann man mit Medikamenten nur dafür sorgen, dass man weniger hoch fiebert und keine Schmerzen hat. Die Dauer kann man damit erst verkürzen, wenn das Immunsystem den Virus erfolgreich bekämpft.

Gesund bleiben

Die beste Option ist es also, so gesund wie möglich zu bleiben. Etwas Bewegung, Obst und Gemüse und möglichst wenig Stress, dafür etwas gute Laune, können den Körper unterstützen und fit machen, einen Virus schnell und effizient zu bekämpfen. Dazu hilft auch häufiges Händewaschen um Ansteckungen vorzubeugen. Die Hände bleiben weit weg von meinem Gesicht. So gewappnet stehen die Chancen gut, dass die schweren Erkältungen an mir vorübergehen. Stecke ich mich dann doch an, dauert es weniger lange und ich bin schnell wieder einsatzbereit. Auch wenn ich mich auf meinen Mann verlassen kann, ist der Alltag daheim in erster Linie meine Sache. Viele Abläufe und die täglichen Rituale kennt er einfach nicht, weil er normalerweise andere Aufgaben hat. Statt schlafen zu können werde ich also ständig gefragt wo dies, oder das ist und wie man was machen soll.

Licht in Sicht

Aber auch meine Kinder werden immer selbstständiger. Die Älteste findet sich schon allein zurecht und meldet recht zuverlässig, wenn die Kleinen etwas anstellen. Es dauert nicht mehr lange, dann werden alle drei selbstständig und in der Lage sein, ein paar Tage ohne meine 21 Stunden Betreuung auszukommen. Wenn es irgendwann in ein paar Jahren einmal so weit sein wird, dann freue ich mich schon jetzt auf verschiedene Sachen, die ich dann endlich machen kann. Eines davon ist dann wohl der Krankenstand, denn ich dann mehr als ein Jahrzehnt nicht hatte. Aber vorerst werde ich wohl noch davon träumen müssen, meine Familie pflegen, wenn sie krank sind und die Ohren steif halten, wenn es dann doch einmal mich erwischt.


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