Kraftklub – Keine Nacht für Niemand

Von Pressplay Magazin @pressplayAT

Kraftklub – Keine Nacht für Niemand

10Indie/Pop

Drei Jahre haben sie ihre Fans auf das neue Album warten lassen – doch jetzt sind sie endlich wieder da! Mit ihrer Platte Keine Nacht für Niemand mischen die fünf Herren aus Chemnitz den guten alten Kraftklub-Sound aus den frühen Jahren mit Elementen, die eigentlich so gar nicht zum typischen Stil der Band passen wollen.  Anti-Arbeit, Anti-Exfreundin, Anti-Wutbürger, Anti-Alles – die Band mit K verabschiedet sich von ihren ewigen Gute-Laune-Party-Songs und fährt diesmal die ernste Schiene.

Spielten sie 2011 auf ihrem allerersten Konzert in Österreich noch vor 12 Leuten inklusive Personal, so haben sie sich mittlerweile zu einer der erfolgreichsten deutschen Bands ihrer Szene entwickelt. Mit vier Tourbussen unterwegs, seit 2012 auf jedem nennenswerten Festival mit dabei, ausverkaufte Konzerte innerhalb weniger Minuten – das lange Warten hat sich für die Fans in diesem Fall wirklich gelohnt.

Nach dem Erscheinen der ersten Single des neuen Albums Dein Lied und der wenig später folgenden zweiten Single Fenster, kam vor allem bei den alteingesessenen Fans Kritik auf, da sich die Band völlig abseits ihres üblichen Gute-Laune-Indierocks bewegte. Die Mehrheit feiert die experimentellen Ausflüge, doch auch für die Fans der ersten Stunde hat das Album einiges zu bieten. Der erste Track ist der lebende Beweis: Die Gitarrenklänge von Band mit dem K klingen bereits in den ersten Sekunden nach einer Hommage, nicht nur an die Band selbst, sondern auch an die frühen Werke. Sie setzen damit bereits in den ersten dreieinhalb Minuten ein Zeichen für die alten Fans.

Dem Partyknaller folgt ein Frauenkichern: Leben ruinieren ist eine eher ruhigere Nummer mit typischem frechen Kraftklub-Rap von Leadsänger Felix Brummer, der von Sarkasmus nur so trieft. Chemie Chemie Ya hingegen verspricht schon jetzt ein Hit zu werden. Trotz der eher melancholischer Leadgitarre, hat der Track Party-Potential. Die raffinierten Texte regen zum Mitrappen an und der Refrain lädt zum Tanzen ein.

Am Ende ist der erste Lovesong und gleichzeitig einer der wohl Rockigsten des neuen Kraftklub-Albums. Die Credits gehen an Gitarrist und Sänger Karl Schumann, der bekannt dafür ist, dass er Leadsänger Felix in den anspruchsvolleren Gesangspassagen mit seiner starken, tiefen Stimme unterstützt oder ablöst. Auch bei Fenster spielt vor allem der Part von Karl eine große Rolle, dem hier vonseiten der Fans, eine stimmliche Ähnlichkeit mit Farin Urlaub von den Ärzten unterstellt wird. Nicht nur der Sound, auch die gesellschaftskritische Thematik, die bei Kraftklub sonst eher humorvoll ausfällt, klingt eher ernst und düster.

Mit Fan von Dir kommt das zweite, überraschend ruhige Liebeslied der Platte. Umso mehr Stimmung kommt bei Hausverbot (Chrom & Schwarz) auf. Eine Nummer, die nicht nur den alten Stil der Band perfekt verkörpert und einen soliden Festivalhit bietet, sondern bei genauerem Hinhören, auch eine Ansage gegen politischen Rechtsdruck enthält.

Bei Dein Lied, der ersten Single des Albums, ist die musikalische Veränderung und Entwicklung der Band definitiv am markantesten. Statt schnellen Beats und rockigen Gitarren sind die Klänge eines Streichorchesters, gepaart mit Klaviermusik zu hören, während Sänger Felix, mehr schreiend als rappend und mit enorm viel Emotion ein paar Zeilen an seine Ex-Freundin richtet – und dabei bekommt sie ordentlich ihr Fett weg. „Du verdammte Hure, das ist dein Lied“, erklingt der Refrain im kunstvoll gestalteten Musikvideo, in dem hinter der Band ein riesengroßes K in lodernden Flammen aufgeht – da bekommt selbst der härteste Fan Gänsehaut. Mit diesem Song hat Kraftklub etwas Einzigartiges, Unvergleichliches geschaffen, das ihnen so schnell keiner nachmachen kann.

Sklave ist erst vor Kurzem als Single erschienen. Bei diesem Song könnte man sich nun fragen, wie viele verschiedene Beats aus wie vielen verschiedenen 80er Jahre Hits reingemischt wurden, gleichzeitig üben die Jungs heftige Kritik an Arbeitsmarktpolitik und der gewinnorientierten, ausbeutenden Wirtschaft. Die gesellschaftspolitischen Themen, von denen sich die Band früher eher distanziert hatte, gewinnen auf diesem Album immer mehr an Bedeutung. Anderes verspricht Venus, eine ziemlich eindeutige, überzogene Message an all die Hater, die Kraftklub nicht als Rapkünstler anerkennen wollen. Gleichzeitig zollen Kraftklub ihren unkonventionellen Deutschen Künstler-Freunden, wie Deichkind und KIZ, mit Zitaten ihren Tribut.

Hallo Nacht ist gänzlich im Stil des Old School Rocks gehalten, die Stimmen von Felix und Karl ergänzen sich wieder perfekt. Den Abschluss des Meisterwerks bildet Liebe zu Dritt, ein weiterer Kraftklub-typischer Festivalsong, zu dem sich am Konzert ordentlich abshaken und so richtig schön auf alles scheißen lässt.

Alles in allem haben die Chemnitzer seit ihrem ersten Album eine enorme Entwicklung durchgemacht. Trotz neuen Einflüssen, Experimenten und Andersartigkeit haben sie es geschafft, ihrem einzigartigen, unverwechselbaren Stil treu zu bleiben. Keine Nacht für Niemand ist das perfekte Comeback für alle alten und neuen Fans. Insgesamt ist das Album um einiges düsterer, als ihre früheren Werke, trotzdem schaffen sie die perfekte Mischung aus Partyknallern und regen die Hörer dennoch zum Nachdenken an. Dabei dürfen dann auch die Liebeslieder natürlich nicht fehlen.

Kraftklub ist und bleibt eine Kultband unserer Zeit, die vor allem durch ihre Bodenständigkeit und Nähe zum Publikum überzeugt. Die Jungs beehren Österreich im Rahmen ihrer Albumtour mit noch zwei Konzerten die bereits in wenigen Minuten restlos ausverkauft waren. Wer sich eine unglaublich kraftvolle Liveshow mit großartiger Musik und toller Stimmung dennoch nicht entgehen lassen möchte, für den gibt es eine gute Nachricht: Kraftklub spielen 2017 wieder auf Festivals, auch auf dem FM4 Frequency im August in St. Pölten!

Kraftklub – Keine Nacht für Niemand, Vertigo/Universal, www.kraftklub.to

Text: Alica Ouschan


Autor

pressplay redaktion
 
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