Kopfüber-Flug für Denzel Washington in “Flight”

© STUDIOCANAL GmbH Filmverleih / Der Schauplatz der Absturz-Tragödie in

© STUDIOCANAL GmbH Filmverleih / Der Schauplatz der Absturz-Tragödie in “Flight”

Es gab nicht einen einzigen Überlebenden bei dem tragischen Absturz von Alaska Airlines Flug 261. Grund für die Tragödie im Jahre 2000 war eine defekte Abdrückschraube. Die Piloten mussten binnen kürzester Zeit, innerhalb weniger Sekunden eine Entscheidung treffen um das Flugzeug eventuell doch noch sicher zu Boden zu bekommen. Um die Kontrolle über das Flugzeug wieder zu erlangen haben sie es kurzerhand auf den Kopf gestellt und sind verkehrt herum weiter geflogen. Leider hat das nichts an ihrem Schicksal geändert. Anders ergeht es Denzel Washington in „Flight“, dessen Handlung sich lose an diesem Ereignis orientiert. Es sind ungewohnt harte Bilder die Regisseur Robert Zemeckis zeigt. Er, der Mann hinter Filmen wie der „Zurück in die Zukunft“-Trilogie oder „Forrest Gump“ wie auch „Cast Away“ mit Tom Hanks. Zuletzt hatte sich der Filmemacher mit einer ganzen Reihe von Performance Capture Filmen ausprobiert: „Der Polar Express“, „Die Legende von Beowulf“ und „Die Weihnachtsgeschichte“. Offenbar hat er genug von artifiziellen Inhalten. Gemeinsam mit Hauptdarsteller Denzel Washington zeigt er den menschlichen – und ziemlich realen – Absturz eines Piloten, der erst noch erkennen muss, wie sehr er selbst abgestürzt ist.

Washington ist der Flugzeug-Captain Whip Whitaker, der mit einem schier unglaublichen Manöver die Kontrolle über sein Passagierflugzeug zurück erhält, während dieses mit der Nasenspitze voran gen Erde abstürzt. Durch das auf den Kopf stellen seines Flugzeuges schafft er es, in den Schwebezustand zu gelangen. So kann er das Flugzeug wieder in seine normale Position bringen und mit einer Notlandung viele Menschenleben retten. Whip wird als Held gefeiert. Niemand außer ihm hätte das Flugzeug so landen können. Doch die Untersuchung des Crashs bringt neue Fakten an die Oberfläche. Offenbar war der Pilot betrunken, hat das Leben der Passagiere gar aufs Spiel gesetzt. Ihm werden unangenehme Fragen gestellt, bei denen er sich entscheiden muss: Zwischen der Lüge, mit der er seinen Ruf und seinen Job retten kann – oder aber mit der Wahrheit, die viel Mut erfordert und ihn ins Gefängnis bringen wird.

 

Denzel Washington ist Whip Whitaker.

Denzel Washington ist Whip Whitaker.

Robert Zemeckis hält es unglaublich lange aus, seinen Antihelden in eine böse Richtung zu lenken, obgleich es eigentlich auch nur böse für Whip Whitaker enden kann. Entweder er verliert seine Seele, bleibt durch eine Lüge seinem Leben treu – ein Leben bestehend aus Alkohol und Kokain, ein Leben fern von seiner Ex-Frau, entfremdet von seinem Sohn – oder er gesteht sich seine Fehler ein. Mit routinierter Gelassenheit sehen wir Denzel Washington zu Beginn von „Flight“ das skandalöse Leben eines Piloten leben. Er wacht in einem Hotelzimmer auf, neben ihm eine nackte Frau. Am Morgen dann erst einmal ein Streitgespräch mit der Ex am Telefon, dann die erste Zigarette und gleich geht es weiter mit Alkohol und Drogenkonsum. Das war es mit Mr. Nice Guy für Denzel Washington, genug hat er in seinen letzten Filmen von „Déjà Vu“ über „The Book of Eli“ bis zu „Unstoppable“ die gute Seele, den wahren Helden verkörpert. Für Robert Zemeckis lässt er sich auf das Arschlochdasein ein – sieht im Pilotenoutfit dann aber wieder aus wie der smarte, nette Kerl. Es kratzt ein wenig an der Vorstellung des verantwortungsbewussten Piloten, dem die Passagiere Applaus klatschen, wenn er die Maschine sicher zu Boden bringt.

Diese Landung wird mit einem staunenden „Oh Lord Jesus“ begleitet. Eine Kirchturmspitze wird abgeschmettert, das Flugzeug landet auf einer Wiese, zerbricht, immer wieder blendet das Bild in einem weißen Lichtschein aus. Die Sicht verschwimmt, es sind nur noch surrende Töne zu vernehmen. Unweigerlich erinnert man sich an den weitaus bombastischer in Szene gesetzten Flugzeugabsturz in der Fernsehserie „Lost“ zurück. Doch in „Flight“ ist der Einschlag viel eher zu spüren. Das Chaos an Bord, wo zuvor noch vereinzelte Passagiere beim Rollmanöver aus ihren Sitzen purzelten, die hektischen, aber nachvollziehbaren Kamerabilder, Innenansicht, Außenansicht, dann der Aufprall. Whitaker bleibt die ganze Zeit über cool, man mag es seiner Routine und Erfahrung zusprechen oder aber dem Fakt, dass er hier gänzlich vollgedröhnt am Steuer sitzt. Derweil dreht sein Co-Pilot völlig durch, betätigt nur noch auf Befehl und aus Instinkt die Knöpfe, die Whip ihm abverlangt. Er ist das vor Angst kreischende Äquivalent zu Whip, die Ruhe in Person.

 

Harling Mays (John Goodman) ist Whips Drogendealer und Freund

Harling Mays (John Goodman) ist Whips Drogendealer

Nun meint man, man habe nach diesem katastrophalen Absturz, der trotz spektakulärer Landung sechs Tote gekostet hat – zwei Crewmitglieder, vier Passagiere – den Wahnsinn überstanden, doch hier beginnt erst die eigentliche Handlung von „Flight“. Denn diese Bruchlandung ist nur die Initialzündung für ein größeres Untersuchungsverfahren, bei dem sich Whip Whitaker seinem größten Gegner stellen muss: Sich selbst. Sein jahrelanger Alkoholismus, seine Sucht – mit Kokain lässt er sich von Kumpel Harling Mays (John Goodman) nach exzessiv durchgezechten Nächten wieder fit machen – suchen ihn heim. Seine Verleugnung dieser Sucht wird herausgefordert, nicht nur durch die Untersuchung dieses Vorfalls, sondern auch durch die Neubekanntschaft zu Nicole (Kelly Reilly), die selbst einen solchen Drogenabsturz erlebt hat und Whip im Krankenhaus in einer dialogstarken Szene kennenlernt. Nicole nimmt nach ihrem Krankenhausaufenthalt den guten Weg, lässt sich sofort auf Rehabilitierungsmaßnahmen ein, während sich Whip in seiner Rolle als Held der Nation windet – ein Held, aber nicht nach Vorschrift.

Hieraus entwickelt der Film seine eigentliche Thematik: Den Alkoholismus oder wie Whip Whitaker mit seiner Sucht umgeht. „I choose to drink“, das ist seine feste Behauptung, er hat alles unter Kontrolle, kann es sich frei aussuchen wann er trinken will und wann nicht. In vielen Szenen schüttet er das böse Zeug dann aber doch einfach fort, nur um dann wenige Sekunden später wieder zur Flasche zu greifen. Von wegen dieser Mann hat sich unter Kontrolle. Wo zuvor bei Denzel Washington noch die Routine, das selbstgefällige bessere Leben zu spüren war, wird nun deutlich, dass dieser Mann gar keinen Spaß an seinem Leben hat. Seine Ex-Frau hat er vergrault, sein Sohn will nichts mit ihm zu tun haben, kennt den Vater nicht einmal sonderlich gut, dann der übermäßige Alkoholkonsum – jetzt muss er die Verantwortung übernehmen, obwohl er sein Leben lang ein verantwortungsloser Kerl war. Nun sind da aber diese unschuldigen Opfer, die Toten, die ihm Schuld auflasten, die ihn Reue spüren lassen.

„Flight“ nimmt es sich also zum Ziel, Denzel Washingtons Figur des Captain Whip Whitaker als Alkoholiker zu outen. Der umgedrehte Flug des Flugzeuges könnte hierbei symbolisch für das sich drehende, sich ändernde Leben des Piloten stehen, die geglückte Notlandung ein Vorzeichen für Whitakers Bestimmung, der trotz Absturz am Ende weiß, wie es in seinem Leben weiterzugehen hat. Denzel Washington wirft das Actiongenre nun über Bord, gönnt sich wieder eine äußerst charakterstarke Rolle, die er nicht zuletzt einem ziemlich starken Robert Zemeckis zu verdanken hat.

Denis Sasse


 

Flight_Hauptplakat

“Flight“

 

Originaltitel: Flight
Altersfreigabe: noch nicht bekannt
Produktionsland, Jahr: USA, 2012
Länge: ca. 138 Minuten
Regie: Robert Zemeckis
Darsteller: Denzel Washington, Brian Geraghty, Kelly Reilly, Bruce Greenwood, John Goodman, Don Cheadle

Deutschlandstart: 24. Januar 2013
Offizielle Homepage: flight.studiocanal.de

 

 


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