Komplott!

Lale Nikki Eggers Gang zur Toilette. Des Motoren vierter Zylinder. 

 

Ich sitze noch geschätzte 30 Minuten auf dem Boden der Toilette und das abgestandene Bier, in dem ich hier verweile, sickert bis zu meiner Unterhose hindurch. Was habe ich heute eigentlich für eine an? Dieser Gedanke beschäftigt mich jetzt einen Moment der Unendlichkeit. Ich glaube, es ist die Blaukarierte. Nicht gerade meine schönste, aber ich habe auch hässlichere. Wieder registriere ich dieses hübsche blonde Mädchen mit der Seidenbluse und mein Blick bleibt lächerlich an ihr kleben, während sie an mir vorbeizieht und mir diesen Ich-habe-es-nicht-nötig-mich-mit-dir-abzugeben-Blick zuschmeißt. Ihr Auftreten zieht meine peinlich erweiterten Pupillen fortwährend an, als sie einen Mann umschlingt, der ihr Vater sein könnte. Um mich herum knutschen derweil etwa sieben “Paare” miteinander rum und der schlafende Frederick mit der Kotze im Gesicht liegt noch immer auf meinem Schoß. Ein Szenenwechsel muss her.

Ich gebe Fritz, dem Türsteher meines Vertrauens, ein Handzeichen und bitte ihn, Frederick in ein Taxi zu tragen. Es ist heiß und kalt. Ich zittere so heftig, dass ich schwitzen muss. An meinem Harris Tweed Sakko haftet Fredericks getrocknete Kotze, die ich durch hektisches Aneinanderscheuern des Gewebes versuche loszuwerden. Damit bin ich so intensiv beschäftigt, dass ich mich furchtbar erschrecke, als mir plötzlich eine Spritze zwischen meine Beine fällt. Ich schaue verwirrt nach oben und bleibe erstaunlich ruhig sitzen, als eine Transe sich mit ihrer linken Hand an meinem Knie abstützt und ihr Accessoire wieder aufhebt.

Das war doch pure Absicht! Rasch schwingt sie ihre falschen schwarzen Haare nach hinten und verschwindet auf dem Fixerklo, wobei mir ihre schlauchigen Lippen in Erinnerung bleiben. Da hat sich ein Chirurg wohl sehr geschickt angestellt, der Rest sieht leider jämmerlich mislungen aus. Endlich stehe ich vom Boden auf und spüre das schwammige Gefühl in den Innenflächen meiner Schenkel. Jetzt wird die Bierlache an meiner Hose erst richtig unangenehm, jedoch ist sie mir optisch gesehen kein bisschen peinlich. Kaum habe ich das Gefühl der Widerwertigkeitfast ausgeschalten, klopft mir ein Jemand wuchtig auf den Hintern. Die Transe zieht zu meiner Linken an mir vorbei, aber mein Verstand hat sich leider schon von mir verabschiedet. Schade, denn sonst würde ich mit meinem Whiskeyglas nach ihr werfen. Der Gedanke, dass ihre Hand jetzt mit dem abgestandenen Bier, in dem ich minutenlang pausierte, befleckt ist, löst eine wundersam befriedigende Schadenfreude in mir aus. Mittlerweile wird mein Gedankenfluss wieder klarer und ich torkele an die Bar, stelle meine hässlichen Bewegungen aber als unbeholfenes Tanzen dar. Ich bin mir sowieso sicher, dass keiner diese Bewegungen registriert, irgendwie muss ich aber meine Unsicherheit verpacken.

Tremens

Tremens

Auf der etwas klein geratenen Tanzfläche reduzieren sich die Gäste, vereinzelt sind benutzte Servietten im gesamten Raum verteilt und die Musik klingt schon nach allgemeinem Rausschmiss. Nina Simone, my baby just cares for me. Allein an der Bar finde ich mich noch am schönsten, starre belangslos umher und entdecke zwischen Fritz und dem schwulen Barkeeper eine hübsche braunhaarige Bedienung. Ist die neu? Die habe ich zuvor entweder nicht wahrgenommen oder sie ist zum ersten Mal hier. Wie auch immer, sie ist schön. Ganz konzentriert presst sie, zusammen mit dem Schwulen, Limetten in mehrere Gläser. Das sieht unglaublich einfach aus, doch nur sie stellt sich so geschickt damit an. Ich rufe den Schwulen zu mir her.

“Die habe ich hier noch nie gesehen. Wer ist sie?”

Er ist schon in seinem allnächtlichen Tuntendelirium und gestikuliert mir nervig in mein Gesicht hinein.

“Juliet! Sie ist Studentin, aber was sie studiert… vergessen!!”

Er grinst sehr breit mit seinem riesigen Gebiss und die Sätze, die er spricht, finden auch keine Vollkommenheit mehr. Ich schaue ihn gar nicht an und als ihm seine schmierig fettigen Locken in die Stirn hängen, fragt er mich: “Also gehen wir jetzt zu dir oder zu mir?”

Ich schaue immer noch abseits seines Gesichtes umher, meide den Augenkontakt und zünde mir eine Zigarette an. Denkt er wirklich, ich würde darauf eingehen oder will er mich nur verunsichern und sich darin baden?

“Naja, also du gehst zu dir und ich gehe zu Juliet?”

Er schaut mich kritisch an, als wäre er mein Deutschlehrer aus der zweiten Klasse.

“Warum wirkt das Zeug nie, dass ich dir in die Getränke kippe?”

Ich glaube, in diesem Moment lächle ich ihn fast furchteinflößend an und der überschüssige Speichel, den ich versehentlich produziert habe, fließt langsam an meinem linken Mundwinkel vorbei, sodass ich ihn gleich wieder einziehe. Die Musik um mich herum klingt sphärisch und verwandelt sich schnell in eine Tonmasse aus dumpfen Lärm und ziehenden unerkennbaren Geräuschen. Das letzte Bild, was meine Augen abspeichern, ist das verschwitzte Gesicht des Barmanns, dann zieht sich mein Blickfeld zu.

Schwarz.

Ich spüre einen heftigen Schlag auf meiner rechten Gesichtshälfte, alle anderen Körperteile scheinen mir ausgelöscht.

Lale Nikki Eggers

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