Kommentar zu Die Paradoxität des Bösen II – Das Böse in Beziehungen von Katrin

Ich möchte mich heute den Beitrag "Die Paradoxität des Bösen" aufgreifen. Der Beitrag ist bewusst nicht detaillierter geschrieben um den Interpretationsspielraum weitläufig zu halten. Meine eigentliche Inspirationsquelle für den Beitrag war der Umgang mit psychisch kranken Menschen.

Das mag im ersten Moment etwas seltsam klingen, denn die Ausgangsthematik des erwähnten Artikels war "das Böse" im Allgemeinen. Doch wie ich schon in dem Beitrag erwähnte, ist einer der Gründe an das Böse zu glauben, die Sündenbockfunktion. Es ist sehr verlockend in bestimmten Lebenssituationen jemanden zu haben, der für den eigenen Schlamassel zur Rechenschaft gezogen werden kann.

Gerade in zerbrochenen Partnerschaften zu psychisch Erkrankten Menschen ist öfter mal die Reizschwelle überschritten. Der selbstausgesuchte, ehemalige Partner würd nur zu einem Sündenbock gemacht. Er ist Schuld, dass das eigene Leben völlig aus den Fugen geraten ist. Ist so ein Urteil zulässig?

Meiner Meinung nach in den meisten Fällen nicht. Besonders dann nicht, wenn man selber immer & immer wieder auf solch eine Person trifft, eine Beziehung mit dieser Person eingeht, um diese spätestens nach der Beziehung als "Inkarnation des Bösen" bezeichnen zu können. Eine Zweckbeziehung, sicherlich auf beiden Seiten, aber meistens wird doch die Schuldzuweisung auf die erkrankte Person geschoben. Auch wenn für mich in einer solchen Konstellation sich die Frage stellt, ob nicht beide Personen eine Erkrankung, im weitesten Sinne, haben?

Im Bereich der der Suchterkrankungen existiert mit der Co-Abhänigkeit ein Modell, wenn es auch umstritten ist, um die Verstrickungen innerhalb solcher Beziehungen zu erklären.

In diesem Fall, den der Beziehung zu einem psychisch Kranken, lohnt eine Betrachtung des Dramadreiecks von S. Karpman.

Kommentar zu Die Paradoxität des Bösen II – Das Böse in Beziehungen von Katrin

Ich will das Thema "Dramadreieck" nicht zu sehr ausweiten, dazu gibt bereits einige lesenswerte Artikel im Netz. Viel mehr möchte ich dieses Modell bekannter machen.

Das Modell geht von mindestens 2 Personen aus, die reihum in die 3 Rollen Opfer, Retter und Verfolger schlüpfen. Jede Rolle hat ihre individuellen "Vorteile".

Das Opfer kann sich z.B. darauf berufen, dass die anderen schuld an der eigenen Misere sein. Die Verantwortuung für das eigene Handeln und dessen Folgen wird vom Opfer auf andere verschoben.

Hier kann oft ein Retter eingreifen und seine (oft unangebrachte) Hilfe aufdrängen. Durch die Positionierung über dem Opfer erfährt er Aufwertung.

Der Verfolger versucht das Opfer mit Härte von seiner Lösung zu überzeugen. Retter und Verfolger scheinen dabei zu wissen, was dem Opfer fehlt.

Dieses Konstrukt lässt enorm viel Platz für komplizierte, emotionale Verstrickungen und Manipulation(en) und entwickelt oft, aufgrund der Eigendynamik, einige brisante Beziehungskonstellationen.

Durch die Rollen und den damit verbundenen Aufgaben, Gefühlen etc. wächst innerhalb der Personen eine Spannung die, die ganze Dramatik des Systems verdeutlicht. Problematisch für jede der drei Rollen ist, das Vorhandensein von "negativen Vorteilen" = Sekundärgewinn. Sie erschweren es den Beteiligten ihre Rolle zu verlassen, da sie oft als richtig und nicht als Problem angesehen werden.

Um diese Probleme zu lösen, muss sich jeder, der zuviel Drama in seinen Beziehungen erlebt, einmal fragen welche Rolle er spielt und welche Sekundärgewinne er aufgeben muss, um die Brisanz aus seinen Beziehungen zu nehmen.

Am Ende steht oft der psychisch Erkrankte mit einer Stigmatisierung alleine. Er wäre ja der Schuldige, der gelyncht werden müsse. Nein, er ist nicht der Alleinschuldige. Er hat auch Mitschuld an der Problematik. Solange aber der vermeintlich gesunde Partner nicht anerkennt, dass er genauso an der Problematik beteiligt ist, wird es ihn immer wieder, durch die Definierung der Position im Dramadreieck, zu einer Person führen, die er als den Schuldigen für sein Unheil verantwortlicht machen wird.

Ich hoffe, dass mit diesem Beitrag klar geworden ist, wie ich auf den ursprünglichen Beitrag gekommen bin. Eure Meinungen, Anregungen und sachliche Kritik sind gern gesehen. Wie seht ihr das? Konntet ihr durch diesen Text und Sekundärliteratur eure Probleme erkennen? Schreibt es in die Kommentare.

Bildquelle: Dramadreieck bei Wikipedia


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