[Kochbuch]: Schweizer Alpküche – Margrit Abderhalden

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Ich schiebe in den nächsten Tagen mal wieder ein kleines Special mit Kochbuch-Vorstellungen dazwischen. Erst gehen wir auf die Alp, dann wird es sommerlich, und wenn ich es schaffe, kommt danach noch etwas ganz anderes😉 .

Margrit Abderhalden lebt als Bäuerin im schweizerischen Toggenburg. Die Sommer verbringt sie seit 2011 mit ihrer Familie, 90 Kühen, 170 Rindern und ein paar Schweinen auf der Alp Malun. Ihre Erfahrungen mit der Küche auf der Alp hat sie nun in einem Kochbuch zusammengefasst.

Das ist ein schönes, wertig aufgemachtes Buch mit Hardcover und Fadenbindung. Das Layout ist schön dezent und übersichtlich – sanft graues Papier, braun, grau und schwarz als Schriftfarben, da kann das Auge sich ausruhen. Es gibt viele Fotos –  die Food-Fotos sind schön hergerichtet, konzentrieren sich aber auf das Wesentliche, nämlich das Essen auf dem Teller. Außerdem gibt es immer wieder schöne Fotos von der Alp. Da fühlt man sich gleich wie im Urlaub – und man möchte hinfahren und Zeit dort verbringen.

Ausnahmsweise mache ich mal nicht gleich mit den Rezepten weiter. Es geht ja natürlich ums Essen in dem Buch, ist ja ein Kochbuch. Es geht aber auch darum, woher die Produkte kommen, die wir konsumieren und wie sie entstehen. Deshalb habe ich mich an den Texten erfreut, die immer wieder in das Buch eingebunden sind – da geht es um den Tagesablauf auf der Alp. Der wird geschildert aus der Sicht des Hirten, aus Kindersicht (was für ein Leben – meine Kinder hätten es genossen😉 ), aus der Sicht des Senn….das ist alles interessant zu lesen.

Jetzt zu den Rezepten – die sind durch die Bank einfach. Gekocht wird mit dem, was die Alp und die nähere Umgebung hergeben. Unterteilt sind die Rezepte in Salat, Suppen, Hauptgerichte, Fleisch. Es gibt Süßes, Brot und Gebäck, Grundrezepte und Rezepte für die Vorratskammer. Ein ganzes Kapitel widmet sich der Verwertung von altbackenem Brot. Wir finden Löwenzahlsalat, grüne Kartoffelsuppe, Pilzrisotto mit Alpkäse, Rahmbraten, Käseschnitten. Es gibt Griessköpfli, Zimtfladen, Löwenzahnhonig und Alpenkräutertee. Abgeschlossen wird der Rezeptteil mit einer Liste von Heilkräutern und ihrer Verwendung. Und ein nach Zutaten und Rezepten geordnetes Register gibt es auch.

Die Rezepte sind gut aufgebaut und für weniger Kocherfahrene geeignet. Eine Grenze sind manche Zutaten – wenn Alpschwein oder wilder Schnittlauch verlangt werden muss man halt auf Alternativen ausweichen. Etwas seltsam fand ich aber die süßen Rezepte für Puddings und Cremes – da wird meist gar kein oder sehr wenig Bindemittel verwendet.

rahmkuchen

Und genau das war auch ein Problem:  ich hatte Lust auf Hefekuchen, da bot sich der Nidlechueche, ein einfacher Hefekuchen mit Rahmbelag an. Er sieht ganz gut aus, oder? Leider ist aber der Belag zeimlich flüssig geblieben. Es war wohl zu wenig Stärke am Belag. Oder die im Rezept verwendete Alpsahne verhält sich beim Garen anders, als das, was mir zur Verfügung stand.

zucchinigratin

Derartige Schwierigkeiten gab es beim Zucchetti-Gratin nicht. Das war war ebenso einfach wie gut. Geraffelte Zuchini werden mit geriebenem Käse, Zwiebel und Petersilie vermischt und mit Eierguss überbacken. Vorgemerkt für die Zucchini-Schwemme.

chässupp

Die Chässupp ist ein schönes Beispiel dafür, wie aus einfachen Zutaten etwas wirklich Gutes entstehen kann: Die Suppe besteht aus altbackenem Brot, Gemüsebrühe und Käse. Rasch gemacht ist sie und eine wunderbare Resteverwertung, wenn das Brot mal nicht weggekommen ist.

schokoladencreme

Die Schokoladencreme ist im Prinzip ein Pudding Flammeri, allerdings mit weniger Stärke und einer zusätzlichen Bindung mit Ei. Sie ist rasch gemacht und fand reissenden Absatz. Mir hat gut gefallen, das die Creme nicht so süß ist.

hacktätschli

Hacktätschli nach Älper Art – das sind Frikadellen. Ihre Besonderheit besteht darin, dass die Masse je zur Hälfte aus Hackfleisch und roh geriebenen Kartoffeln besteht. Das macht den Teig recht weich, aber zum Ausgleich ist das Fleischpflanzerl dann auch schön saftig. Dazu gab es Buttergemüse aus dem Ofen.

Fazit? Das ist die Faszination des Einfachen. Ich mag es gern, wenn aus einfachen Zutaten etwas Schönes entsteht, und das ist hier der Fall. Die Rezepte bieten wenig Neues; es ist einfache, klassische Hausmannskost. Aber man fühlt sich mitgenommen auf die Alp. Und man bekommt eine schöne Sammlung alltagstauglicher Rezepte; das ist schön. wenn man mal nicht experimentieren möchte.

  • Gebundene Ausgabe: 160 Seiten
  • Verlag: AT Verlag
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-3038008767
  • 29,95


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