Kochbuch-Rezension: Pur genießen * Pascale Naessens

Von Magentratzerl

Pascale Naessens kommt aus Belgien. Früher war sie Model, heute ist sie Ernährungs- und Gesundheitsberaterin. Ihre Bücher – inzwischen gibt es 5 davon – genießen in Belgien hohes Ansehen. “Pur genießen” ist das erste Buch, das ins Deutsche übersetzt wurde.

Was erwartet uns da? Erst mal ein attraktiv gestaltetes Buch: freundliches, übersichtliches Layout, gut gemachte, ganzseitige Fotos, hochwertige Fadenbindung.

Und worum geht es? Im Großen und Ganzen um genussvolles Essen: Pascale Blaessens begann, wie gesagt, als Model. Gerne gegessen hat sie aber auch, und so kam sie etwas in Schwierigkeiten – die Spirale zwischen (fast) nichts essen und sich heißhungrig mit Paninis vollstopfen. So fing sie an, sich Gedanken zu machen. Heute ist sie ausgebildete Ernährungsberaterin, Restaurantfachfrau und Shiatsu-Therapeutin. Das alles bedingt, dass es in dem Buch nicht einfach irgendwelche Rezepte gibt, sondern das Ganze hat einen Plan: Wenn ich das Konzept richtig verstanden habe, geht es um Trennkost – Kohlehydrate kommen niemals zusammen mit Eiweiß auf den Tisch. Der Rest ist einfach: wir finden natürliche Zutaten und gute Fette.

Das Buch beginnt mit einer kurzen Einführung: wir erfahren, warum der Mensch oft nach Zucker und Fett giert, weshalb der weitläufige Konsum von Weizen zum Problem werden kann und warum man Kohlenhydrate ausschließlich zusammen mit Gemüse essen sollte.

Die Rezepte sind unterteilt in Saucen und Gerichte mit Gemüse und Obst. Dann kommt ein sehr ausführliches Kapitel mit Fisch und Meeresfrüchten: sehr viele Rezepte mit Garnelen (das nimmt fast 20 Seiten im Buch ein), kalte und warme Fischgerichte. Danach gibt es Rezepte mit Fleisch, gefolgt von Käse. Grillrezepte gibt es ganz viele. Ich habe noch ein paar Dinge auf meiner Nachkochliste. Die kalte Avocado-Spinat-Suppe zum Beispiel, die ofengegarte Zucchini mit Krabbensalat und Lachskaviar, den Lachs in kalter Tomaten-Grapefruit-Suppe oder die gefüllte Hähnchenbrust mit Spinat, Kräutern und Tomate.

Die Rezepte sind gut struktiert und funktionieren. Alles, was ich ausprobiert habe, hat geschmeckt. Die Portionsgößen sind variabel – man kann selbst entscheiden, ob man etwas als Vorspeise für viele oder als Hauptgericht für 2 auf den Tisch bringt. Und jetzt kommen meine persönlichen Einwände: das Trennkostmodell beruht auf der Annahme, das Kohlenhydrate nicht oder nur schwer zusammen mit Eiweiß verstoffwechselt werden können. Das ist aus ernährungswissenschaftlicher Sicht nicht haltbar. Aber das ist im Grunde egal – denn niemand ist daran gehindert, zu den Mahlzeiten aus diesem Buch eine Beilage zu servieren. Ich muss aber sagen, dass ich die Lebensmittelauswahl im Buch etwas einseitig finde. Es gibt ganz viel Gemüse, das ist toll. Kartoffeln, Pasta oder Reis bleiben außen vor. Na gut. Aber die wertvollen Hülsenfrüchte, die gibt es auch nicht. Dafür aber extrem viel Fisch und vor allem Garnelen. Sicherlich, beides ist gesund. Aber wenn man Überfischung und Zuchtbedingungen bedenkt, dann sollte man beides nicht massenhaft verzehren, sondern etwas Umsicht an den Tag legen. Und die Gemüseauswahl…nun, was mir da fehlt sind die Wintergemüse. Es gibt Aubergine, Tomate, Bohne, Paprika, Gurken und ganz viel Rucola. Das ist prima….aber was esse ich im Winter? Auch wenn es im Buch nicht erwähnt wird – dies ist ein Sommerkochbuch. Im Herbst soll ein weiteres Buch von Pascale Naessens erscheinen – ich gehe mal davon aus, dass es dort dann winterliche Rezepte geben wird.

Wie auch immer …. was ich gekocht habe, hat geschmeckt:

Ein einsamer Zucchino lag noch im Gemüsefach. Der Nori mußte auch endlich mal weg – also gab es erst mal die Zucchini-Röllchen mit Räucherlachs (bei mir Graved Lachs) und Nori. Dafür werden die Zucchini in feine Scheiben gehobelt, im Backofen angegart und dann mit Lachs und Nori zu Röllchen gewickelt. Eine feine Sache; allerdings fand ich die Zucchini ganz schön ölig. Ich hatte sie brav Scheibchen um Scheibchen mit Öl bepinselt, da würde ich mich beim nächsten Mal etwas einschränken.

Die Pilze auf dem Salatbett mit Brie sind aus dem Käse-Kapitel. Dafür werden Pilze in einem Sud aus Salzwasser, Pfeffer und Olivenöl zusammen mit Knoblauch kurz gekocht. Die Pilze kommen auf ein Salatbett (orignal Brunnenkresse, bei mir Feldsalat), bekommen ein Dressing aus Sojasauce, Zitronensaft und dem gegarten Knoblauch und werden zusammen mit einem Stückchen Brie gegessen – das war wirklich toll, Aroma pur. Und noch dazu blitzschnell gemacht.

Die Tomaten im Speckmantel sind fast eher ein Serviervorschlag als ein Rezept  – kleine Strauchtomaten werden mit Speck umwickelt und im Ofen gebacken. Das ist wirklich einfach, schmeckt aber genial. Und ich könnte mir vorstellen, dass die Tomaten in dieser Form öfter auf dem Grill landen werden.

Die Auberginen auf orientalische Art haben sich ziemlich heftig dagegen gewehrt, sich einigermaßen attraktiv ablichten zu lassen. Geschmeckt hat das Ganze aber gut: Auberginen werden im Ganzen in Wasser gegart, dann mit Olivenöl, Kräutern und Ras el Hanout mariniert und am nächsten Tag kalt gegessen – leicht und aromatisch.

Die Spargelsaison muss unbedingt genutzt werden – also gab es Grünspargel, im Ofen geröstet, dazu ebenfalls geröstete Tomaten und gebratenenen Halloumi. Auch das war eine runde Sache: der Spargel wird mit Kreuzkümmel geröstet und mit Balsamico verfeinert, Tomaten und der salzige Halloumi passen gut dazu. Serviert wird alles auf einem Bett von Rucola.

Wie klingt Artischocken, Krabben, geröstete Pinienkerne? Gut oder? So schmeckt es auch. Ich gebe zu, ich war ein bisschen kreativ….statt frischer Artischocken hatte ich TK-Artischockenböden und statt der Pinienkerne eine Kernemischung. Dem Genuß tat das aber keinen Abbruch: die Artischocken werden in eine Sud aus Wasser, Olivenöl, Salz und Pfeffer gedünstet und dann mit gerösteten Kernen, Petersilie, Rucola und Nordseekrabben angerichtet. Sehr fein. Und für längere Zeit das letzte Mal, dass ich irgendwas auf einem “Bett von Rucola” angerichtet habe ;-)

Wir brauchen ja jetzt noch ein Fazit….nun, das winde ich mich grade ein wenig. Obwohl….eigentlich ist es einfach: alles, was ich gekocht habe, hat geschmeckt. Die Rezepte sind gut strukturiert – und noch dazu sprechen wir von einer schnellen, aber doch feinen Alltagsküche. Ob man den restlichen Glaubensbekenntnissen folgen möchte oder doch die eine oder andere Kartoffel, Nudel oder Hülsenfrucht in seinen Speiseplan einbaut – nun, das können wir alle selbst entscheiden.