Kochbuch: Das große Strudelbuch * Irmtraud Weishaupt-Orthofer

Von Magentratzerl

Meine Vorliebe für Kochbücher ist ja bekannt. Inzwischen ist das Probekochen für Rezension auch irgendwie Teil des Alltags geworden. Rezepte im Buch und Vorratslage werden abgeglichen, und los geht es. Wenn hier kein Buch liegt und dann auch noch kein Gemüse verarbeitet werden muss, das müßig rumliegt, stehe ich tatsächlich hin und wieder ratlos da mit der ganzen freien Auswahl. Und ich gestehe, manchmal benutze ich die Rezensionen, um etwas dazuzulernen. Diesmal zum Beispiel:

Ich mag ja Strudel gern….habe aber auch eine natürliche Trägheit, die mich bisher daran gehindert hat, mich mit Strudeln näher zu befassen. Teig dünn ausziehen und so…aber jetzt. Da gibt es ja das Strudelbuch, eine Art Best of Strudel der Zeitschrift Kochen & Küche (die man wohl eher in Österreich kennt). Guckt mal:

Das Buch ist ein großformatiges, solide gemachtes Hardcover mit übersichtlichem, bodenständigem Layout. Das Papier ist leicht gemustert und erinnert an Stoff. Von jedem Strudel gibt es ein schön anzusehendes Foto, das ohne viel Drumherum das Essen in den Mittelpunkt stellt. Und die Rezepte sind übersichtlich in Spalten eingeteilt.

Und der Inhalt? Das Ganze beginnt (nach dem Vorwort) mit einem ausführlichen Grundlagenteil. Es werden die verschiedensten Teige vorgestellt: gezogener Strudelteig, Blätterteig, Plunderteig, Germ(Hefe)teig, Mürbteig und einige Varianten. Danach geht es an die Rezepte, unterteilt in pikante und süße Strudel und in andere Rezepte aus Strudelteig. Die Rezeptideen sind vielfaltig: da gibt es Fischfilets im Zucchini-Strudelblatt, Lungenstrudel oder Forellen-Blunzen (Blutwurst)-Strudel im pikanten Teil. Bei den süßen Strudeln darf natürlich der Wiener Apfelstrudel nicht fehlen es gibt aber auch Schusterstrudel mit Nudelfülle, Mini-Milchrahmstrudel oder Pflaumen-Polenta-Strudel. Das letzte Kapitel befasst sich eher mit Kleinteilen: Äpfel im Schlafrock, Spargel im Strudelteig-Stanitzel(Tütchen), Strudelbonbons mit Weintrauben oder Strudelteigkörbchen mit Faschiertem(Hackfleisch).

Die Rezepte sind gut strukturiert und funktionieren. Und da gibt es noch ein paar Extras: bei den Grundrezepten gibt es erhellende Step-by-Step-Fotos für die einzelnen Arbeitsschritte. Zusätzlich wartet noch ein QR-Code, der zu einem Video führt, in dem man sich die Zubereitung nochmal genau ansehen kann. Das ist wirklich praktisch. In den Rezepten werden teilweise gekaufte Teige verwendet; die kann man ja durch die Selbstgemachten aus dem Grundrezepte-Teil ersetzen. Ein wenig schade ist, dass da der Hinweis fehlt, wieviel Teig man herstellen muss. Umgekehrt gibt es nämlich Hinweise, durch wieviel gekauften Teig man den selbst Hergestellten ersetzen kann. Eine Übersicht über Mehltypen in Österreich und Deutschland und ein Österreichisch-Deutsches Glossar vervollständigen das Ganze. Ein Register gibt es leider nicht.

Angefangen habe ich mit mit einem Käsestrudel mit Zucchinifüllung. Die Hülle besteht aus einem Souffléeteig, der mit Parmesan angereichtert wird. In die Füllung kommen Zucchini, Champignons und nochmal Parmesan. Das hat wunderbar geschmeckt. Das Rezept hat gut funktioniert – ich war zufrieden mit dem ersten Strudel.

Vom Rhabarberstrudel gibt es kein  Foto. Das Rezept  hat funktioniert. Eigentlich  wird gekaufter  Teig verwendet; ich habe statt dessen  das Grundrezept für gezogenen  Strudelteig benutzt. Das hat gut geklappt. Leider habe ich mal wieder das Rezept  nicht gut gelesen. Ich habe zu viel  Füllung  in den armen Teig gepackt, weswegen  der Strudel recht malträtiert aus dem Ofen kam. Geschmeckt hat er aber so gut, dass mein Mann alles weggefuttert hatte, als ich mich endlich überwinden  konnte, das Malheur abzulichten.

Der Kartoffel-Linsen-Strudel war richtig klasse – der Teig liess sich gut ausziehen, die Füllung schön herzhaft, der Dipp dazu frisch und aromatisch.

Meine Tochter ist ein großer Fan von Kohlehydraten – und jetzt hat sie ein neues Lieblingsgericht: den Semmelstrudel. Strudelteig, gefüllt mit Semmeln, Nüssen und eigentlich auch Rosinen, die ich weggelassen habe. Im Ofen wird das Ganze mit gesüßter Milch überbacken. Der Strudelteig ist mit Eigelb und liess sich gut ausziehen.

Fazit: Wenn man tiefer in die Welt des Strudels einsteigen will, dann ist dieses Buch das geeignete Werkzeug. Es gibt eine große Vielfalt, sowohl an Strudelteigen als auch an den eigentlichen Rezepten. Alles ist gut erklärt und funktioniert. Ich werde nun bestimmt öfter mal strudeln, ich habe meine Trägheit überwunden. Und: normalerweise sage ich dazu nichts, aber das Preis-Leistungsverhältnis ist beeindruckend. Ihr bekommt für kanpp 15 € ein solide gemachtes, vernünftig ausgestattetes Hardcover.

  • Gebundene Ausgabe: 128 Seiten
  • Verlag: Stocker
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3702015978
  • 14,95