Klavierkonzert in Paris Gare de l’Est im Rahmen einer Aktion von SNCF – ein echter Geheimtipp für Musik Liebhaber

Von Joy Valley @joyvalleyde

Wir staunten nicht schlecht, als wir im Gare de l’Est von Paris plötzlich wunderschöne Pianoklänge vernahmen. Aber was war da los?

Mitschnitt am Ende des Artikels

Vorbereitungen für die Rückreise

Nach wunderbaren Stunden in Paris rief irgendwann die Rückreise. Wie schade! Deshalb machten wir uns auf den Weg zum Gare de l’Est. Von dort würde unser TGV nach Stuttgart fahren. Da die Gleise immer erst 20 bis 30 Minuten vor Abfahrt bekannt gegeben werden, liefen wir noch etwas durch die Bahnhofshalle und machten letzte Aufnahmen für unsere Fotosafari.

Eine unerwartete Entdeckung

Plötzlich hörten wir tolle Musik. Sie klang nach Live-Auftritt. Aber man konnte keine Bühne erkennen. An einem Geländer des Abgangs zur Metro entdeckten wir dann ein schwarzes Klavier mit einem jungen Mann, der sich gerade wahrlich die Seele aus dem Leib spielte. Er war komplett vertieft in seinen Stücken. Sein Spiel war auswendig und er improvisierte die Übergänge von Melodie zu Melodie gekonnt. Das Repertoire reichte von Klassik bis Moderne, seine Finger flogen nur so über die Tasten. Die Gesichtszüge verrieten, dass er mit dem Herz dabei war und die Musik regelrecht fühlte.

Gefangen in der Schönheit von Klavierklängen

Fast eine halbe Stunde zog uns der junge Mann in seinen Bann. Viele Passanten taten es uns gleich und bildeten einen Kreis um die Szene. Hier und da bekam der Pianist auch etwas Kleingeld auf das Piano gelegt. Davon hatte er allerdings nicht viel, denn als er aufstand, um kurz Luft zu schnappen, griff sich ein Zuschauer das Geld. Dafür bekam er nach seiner zweiten Einlage Kaffee und Croissant von einem älteren Ehepaar geschenkt. Das brauche er jetzt, meinte er auf Französisch, so gut habe er noch nie gespielt.

Kleider machen nicht unbedingt Leute

Leider konnten wir nicht den Namen des jungen Künstlers herausfinden. Aber er war wirklich unglaublich begabt. Auf den ersten Blick hatte er gar nicht den Eindruck gemacht. Schwarze Haare, Bart, Jeans, Turnschuhe, einen Kapuzenpullover, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, noch eine Jacke darüber. Man hätte ihn für einen „normalen“ Jugendlichen von der Straße halten können. Wie man sich manchmal in den Menschen täuscht!

Pianos in über 100 Bahnhöfen - SNCF lässt sich etwas einfallen

Hinter dem Auftritt steht eine Aktion von SNCF, die seit ca. 2013 läuft. Seitdem wurden in über 100 Bahnhöfen in Frankreich Klaviere aufgestellt. Jeder darf darauf spielen. Ursprünglich galt es als eine Art Zeitvertreib. Mittlerweile spielen auch mal wahre Stars der Szene an den jeweiligen Orten. Auf YouTube gibt es unzählige Aufnahmen zu verschiedenen Darbietungen. Man kann sie dort bewerten oder einfach nur genießen.

Einen kleinen Ausschnitt des von uns gehörten Konzerts möchte ich Ihnen hier per Video zeigen. Viel Spaß dabei!

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