„Klaras Haus“: Wahrheit entspannt!

Klaras Haus CoverUrlaubszeit – Lesezeit. Jetzt sind sie wieder da, die Menschen, die auf die Frage “Wie entspannen Sie”? antworten: “Ich lese viel.” Naja, Lesen ist nicht immer so entspannend wie alle Welt glaubt – kommt halt auf den Inhalt des Buches an. Da kann der Blutdruck schon mal hochgehen. Auf die innere Befindlichkeit, auf die der Inhalt trifft. Fingernägel leben dann gefährlich. Und noch mehr kommt es auf den Ort an, an dem man sich niederlässt, um zu lesen. Schlecht, wenn man sich nach fünf Seiten müde und leer fühlt. Gut, wenn es ein Kraftort ist.

Mir gibt der Nordseestrand von St. Peter Ording  schon in drei Tagen so viel neue Kraft, wie es andere Orte erst nach drei Wochen vermögen.  Augen zu und die Seele abhängen lassen im Strandkorb, ein leichter Windzug weht übers Gesicht,  Algengeruch der See in der Nase, um mich herum nur wärmende Sonne, feiner Sand, kühles Wasser, sanft rauschende Wellen, viel Himmel und Möwengeschrei – herrlich.

Und doch ist diese Landschaft so unberechenbar, dass ich schon tiefste Ängste ausgestanden habe am Strand, nur umgeben von Sonne, Wasser, Wellen, Sand und Möwengeschrei.

Es ist die schlichte Einfachheit, die einen zurückwirft auf sich selbst.

Es liegt wohl an dieser einmaligen wunderbaren Landschaft, dass mein Lieblingsbuch in dieser Gegend spielt. Die Buchhändlerin in St. Peter Ording hatte es mir empfohlen, weil die Autorin Sabine Kornbichler „von hier kommt“.  Ich war gespannt, ob sich von der unberechenbaren Seele des Ortes etwas in dem Buch wiederfand. Ich wurde nicht enttäuscht. „Klaras Haus“ steht auf einer Warft auf Pellworm, einer Hallig in der Nordsee, nicht weit von St. Peter Ording entfernt.  Tante Klara, die in der Familie als unscheinbare und blutleere  graue Maus galt, hatte das Haus auf Pellworm nach dem Tod des Onkels für sich gekauft und bestimmt, dass es nach ihrem Tod ein Zufluchtsort für die Nichten und Neffen der Familie sein sollte, die in seelische Not  geraten sind und dringend eine Auszeit brauchen.

Nordsee (fotografiert von D. Steffens, Köln)

Nordsee (fotografiert von D. Steffens, Köln)

Wenn es innerlich tobt, muss die äußere Umgebung ruhig sein. Kein Chaos, sondern klare Struktur, möglichst einfach gehalten, Ruhe und Geborgenheit sind gefragt. Die Hallig bietet diese Ruhe und Geborgenheit nur bedingt. Sie ist zwar eine Insel weit weg vom Festland, aber den Naturgewalten Wind und Wasser ausgeliefert. Dennoch hält die Warft dem stand – das Haus steht über den Naturgewalten, ist zeitlos. Sabine Kornbichler zeichnet ein Bild von behaglicher Geborgenheit, ein liebevoll eingerichtetes Reetdachhaus, von jemandem, der genau weiß, was eine Seele in Not braucht: Sanfte Farben, weiche Stoffe, runde Formen. Abgestimmtheit. Man glaubt, es zu riechen: das Gemisch von Möbelpolitur, Äpfeln und frischem Brot.

Zuerst hat die Nichte Nina Tilden noch über das Ansinnen „Zufluchtsort“ gelacht. Ein Jahr später sitzt sie in Klaras Haus auf Pellworm und weint. Ihr Mann hat sie betrogen und wird demnächst Vater, seine Geliebte erwartet ein Kind, auf das  er sich sehr freut. Nach und nach gibt  Sabine Kornbichler den Blick frei auf den gewaltigen Orkan, der in Nina tobt: Sie wäre gern Mutter geworden, aber mit ihr, Nina, hatte der stolze Anwalt nie ein Kind gewollt. Um ihren Mann nicht zu verlieren, hat sie sein Kind abgetrieben. Ohne sein Wissen. Und obwohl es ihr sehnlichster Wunsch war, ein Kind von ihm zu bekommen. Erzähl mir einer was von “Ich enspanne beim Lesen”!

Der Schmerz über den Scherbenhaufen ihres Lebens raubt ihr und mir fast den Verstand, doch es kommt noch schlimmer: Eine Woche später zieht Cousine Charlotte, das augenscheinlich glückliche Muttertier von vier noch glücklicheren Kindern, ins Haus ein. Sabine Kornbichler lässt die hasserfüllte Nina entdecken, warum die Cousine da ist: Weil ihr Mann sie als Heilige verehrt und darum nicht mehr als Frau begehrt, hat sie ihn jahrelang mit ihrem Jugendfreund betrogen, der ebenfalls verheiratet war. Der Jugendfreund ist auch mit in Klaras Haus gekommen, zur Hälfte jedenfalls – als Asche in der Urne auf ihrem Nachttisch, die sie in der Nordsee bestatten will. Humor gibt es also auch. Schonfrist für die Fingernägel.

Die Betrogene und die Betrügende in einem Haus auf einer einsamen Hallig – da geht was ab, und es hat wirklich nichts mit Entspannung zu tun.  Als Leserin darf ich höchste Wellengänge zwischen zwei Frauen miterleben, als wäre ich live dabei.  Aber als wirklich  hochspannend empfinde ich es auch beim fünften Mal Lesen noch, wie die beiden Frauen unter den malerischen Nolde-Himmeln sich selbst auf die Spur kommen, sich schließlich den eigenen inneren, bitteren Wahrheiten stellen, ihre  mühsam aufrecht erhaltenen Fassaden langsam aufbrechen, sich öffnen wie Blüten, zu sich selbst finden, so authentisch werden wie die Landschaft um sie herum und schließlich ganz entspannt in ein neues Leben aufbrechen, jede für sich und doch gemeinsam.

Eine ganz besondere Rolle spielt dabei Klaras Haus und der Hintergrund, warum Klara es als Zufluchtsort für gepeinigte Seelen bestimmt hat. Das ist die ausgleichende Komponente, die fein in die Geschichte verwoben ist und ein Aufeinanderzugehen erst ermöglicht.  Trotz der chaotischen Verflechtungen hält Kornbichler die klare Struktur durch und das ausgeglichene Tempo gibt dem ganzen Gebilde zusätzlich Halt.  Doch davon soll jeder selbst lesen – ich empfehle dazu meinen Zufluchtsort: den Strand von St. Peter Ording, mit viel Sand, Wasser, Wellen, Himmel und Möwengeschrei.

Inspiriert hat mich zu dieser Buchvorstellung Anne-Kerstin-Busch, die eine Blogparade gestartet hat. Wenn Sie für Ihre Urlaubszeit noch mehr Buch-Anregungen suchen, dann schauen Sie mal bei  Anne-Kerstin-Busch.com vorbei. Es lohnt sich!


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