Kino-Kritik: Contagion

Von Pascalritter89

Wenn Steven Soderbergh zur großen Fete einlädt, dann kommen sie alle. Schauspieler mit Rang und Namen, sowohl für Haupt- als auch für Nebenrollen. Das gelang ihm schon bei der Oceans-Trilogie und nun bei Contagion beweist er es erneut. Aber laufen sich in diesem Film die Stars nur so vor Enge in die Hacken oder gelang es tatsächlich jedem Schauspieler nach seinen Möglichkeiten einzusetzen?

Beth Imhoff (Gwyneth Paltrow) erkrankt auf einer Geschäftsreise an einer bisher noch unbekannten Krankheit. Sie und ihr Sohn sterben, ihr Ehemann Mitch (Matt Damon) überlebt, weil er immun ist.
Zeitgleich sterben überall auf der Welt weitere Menschen an der Krankheit. Wie ein Laubfeuer breitet sich der Virus über den Erdball aus und ruft dabei das CDC mit Dr. Ellis Cheever (Laurence Fishburne) und Dr. Erin Mears (Kate Winslet) und die WHO u.a. mit Dr. Leonora Orantes (Marion Cottilard) auf den Plan. Doch auch in der Bevölkerung macht die Geschichte vom tödlichen Virus die Runde, vor allem dank des Bloggers Alan Krumwiede (Jude Law).

Da schnalzt der gelernte Filmfachmann mit der Zunge. Paltrow, Damon, Fishburne,Winslet, Cotillard, Law – aber auch später u.a. Chin Han oder für uns Deutsche sehr interessant Armin Rohde – der Cast ist wirklich die Wucht in Tüten. Und um die Antwort auf obige Frage vorweg zu nehmen: Jeder Schauspieler hat genug Raum, um seinen Charakter entsprechend auszukleiden. Hier ist der Cast nicht Mittel zum (wirtschaftlichen) Zweck, sondern besticht auch durch schauspielerische und dramaturgische Brillianz.

Das braucht der Film allerdings auch, denn er bringt wenig Neues auf die Leinwand. Die Geschichte ist soweit bekannt und bis auf wenige Kleinigkeiten komplett vorhersehbar. Typisch Blockbuster würde man da sagen.
Dann wäre da aber wieder die Inszenierung, die so unglaublich ruhig ist, dass die Atmosphäre der Epidemie kraftvoll eingefangen wird. Hier wäre das eher typisch Independent-Movie. Also was ist Contagion nun?

Es gibt sehr wenig zu mäkeln an dem Film. In nahezu jedem Punkt ist Contagion gut oder besser. Alle Animösitäten beruhen auf subjektiver Empfindung, so hätte ich persönlich gerne mehr von Marion Cotillard und ihrer Storyline gesehen. Sie taucht nämlich Mitte des Films ab und bekommt dann noch ein paar Schlussszenen garniert. Das Gesamtbild des Films trügt es aber beileibe nicht.
Erschreckend und zugleich die Stärke des Films ist seine Authenzität. Dadurch, dass die Geschichte in mehreren Handlungsebenen erzählt wird, findet man Auswirkungen der Katastrophe in jeder „Schicht“ des Landes. Auch das geschickte Verweben der Geschichte rund um den Blogger Jude Law präsentiert uns diese Welt von Contagion als eine parallele Dimension unserer Welt. Die Katastrophe wäre nicht nur möglich, sondern ist möglich.

Contagion ist ein Blockbuster, der mit seinen Konventionen bricht. Dabei macht er keinen Halt davor, seine Schauspieler durch die Hölle und darüber hinaus gehen zu lassen. Effekthascherei ist hier völlig fehl am Platz. Man beobachtet die Katastrophe aus allen Augen: den normalen Menschen, Ärzten, Politikern usw. Wer keine Angst davor hat, vom Virus des Films angesteckt zu werden, sollte zugreifen. Denn eines kann ich euch versichern: realistischer wird man eine weltweite Virenkatastrophe nicht im Kino bewundern dürfen.