Kenneth Branagh ermittelt den MORD IM ORIENT EXPRESS

Vielleicht hat manch einer den fast all-winterlichen Ausflug mit dem Hogwarts-Express in filmische Welten vermisst. Diese Lücke versucht nun ein ehemaliger Professor für Verteidigung gegen die dunklen Künste zu schließen. Gilderoy Lockhart-Darsteller Kenneth Branagh nimmt in der bereits vierten Umsetzung von Agatha Christies Mord im Orient Express sowohl im Zug selbst als auch hinter der Kamera Platz um den weltbesten Detektiv Hercule Poirot mit seiner verschroben-genialen Art in der modernen Filmlandschaft zu platzieren.

Nach der äußerst prominenten Verfilmung des Jahres 1974 durch Sidney Lumet verschlägt es uns nun also abermals in die 1930er Jahre, wo der berühmte Detektiv Hercule Poirot (Kenneth Branagh) an Bord des Orient Express eine kleine Auszeit von seinem stressig-investigativen Alltag nehmen möchte.

Dann aber wird er von dem Passagier Edward Ratchett (Johnny Depp) darum gebeten, ein Auge auf die übrigen Insassen zu haben, da er um sein Leben fürchtet. Nachdem Ratchett tot in seinem Abteil aufgefunden wird und der Zug durch eine Schneelawine zum Stehen kommt, findet sich Poirot auf einmal inmitten eines neuen Falles wieder, in dem er das Geheimnis um den mysteriösen Mord enthüllen muss.

Kenneth Branagh ermittelt den MORD IM ORIENT EXPRESS

Mord im Orient Express

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Was hat Hector MacQueen (Josh Gad) mit Edward Ratchett (Johnny Depp) zu tun?

Branagh hat der Verlockung widerstanden, aus den Fällen Poirots ein Action-Abenteuer zu machen, wie es zuletzt unter Guy Ritchie Sherlock Holmes widerfahren ist. Viel mehr bekommen wir einen spaßig gespielten Whodunnit Murder Mystery Movie, der selbst dann noch funktioniert, wenn man die Romanvorlage Christies (oder eine der vielen Verfilmungen) kennt.

In Mord im Orient Express werden immer wieder falsche Spuren gestreut, es werden Hinweise gegeben und keiner der Insassen wirkt wirklich wie ein Unschuldslamm. Poirot selbst scheint sich immer wieder im Kreis zu drehen, wenn er es mit Figuren zu tun bekommt, die von Penélope Cruz, Willem Dafoe, Judi Dench, Josh Gad, Derek Jacobi, Leslie Odom Jr., Michelle Pfeiffer, Daisy Ridley, Marwan Kenzari, Olivia Colman, Lucy Boynton, Manuel Garcia-Rulfo und Sergei Polunin so gespielt werden, dass man ihnen den Spaß an ihren Rollen anmerkt und dieser sich auf den Unterhaltungswert der Handlung überträgt.

Hier sollten zwei Darsteller besonders hervorgehoben werden: Daisy Ridley weil sie sich in ihrer ersten Rolle außerhalb des Star Wars-Universums behauptet und Josh Gad, der ganz ohne Scherz und Komik eine ernst gemeinte Figur verkörpert und dies mit bravour vollführt. Wenn wir Gad noch ein wenig Zeit geben, könnte er sich dazu in der Lage zeigen, die Lücke zu füllen, die Philip Seymour Hoffman mit seinem Tod hinterlassen hat.

Aber die wahren Stars finden wir hinter der Kamera. Kenneth Branagh gelingt es an seine eher besseren Werke – zumeist Shakespeare-Verfilmungen – anzuknüpfen und sich nicht in seinen wenigen Film-Schlappen zu verlieren (namentlich: Jack Ryan – Shadow Recruit). Unter seiner Regie wird Mord im Orient Express teils zum amüsanten Spiel um einen exzentrischen Poirot mit diversen Ticks, teils zu einem Krimi für die Massen, sollten diese sich auf einen ruhig und langsam erzählten Kino-Krimi einlassen.

Dann wäre da noch die Kamera, für die Branagh mit dem aus Zypern stammenden Haris Zambarloukos zusammengearbeitet hat, der in 2015 mit seinen Bildern einen Extra-Thrill aus dem Kriegsdrama Eye in the Sky herausholen konnte. Hier inszeniert er den Orient Express fahrend oder auch im Schnee fest steckend als eigene Figur des Films, schwelgt mit seiner Kamera aber ebenso in den Landschaften, die am fahrenden Zug vorbei huschen.

Kenneth Branagh ermittelt den MORD IM ORIENT EXPRESS

Mord im Orient Express

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Daisy Ridley als Mary Debenham

Besonders gekonnt werden dabei die kleinen Momente zu Beginn eingefangen, in denen die sich untereinander noch nicht bekannten Figuren immer mal wieder durchs Bild stolpern und so von Anfang an die Handlung bevölkern. Da schaut mal jemand durch ein Fensterchen, dort steht mal jemand am Bahnsteig und fragt sich, wo er überhaupt hin muss.

Johnny Depp wirkt dabei größtenteils fehlplatziert. Er gehört hier gar nirgendwo hin. Inzwischen möchte man die Hoffnung verlieren, dass er jemals wieder in einer auf ihn zugeschnittenen Rolle brillieren kann. Vielleicht hat er sich auch schlicht Unwohl gefühlt, da er sich in Mord im Orient Express hinter keiner skurrilen Maske verbergen darf. Da er das Opfer spielt, müssen wir uns aber auch nicht allzu viele enttäuschte Gedanken um seinen Kurzauftritt machen.

Mord im Orient Express ist ein langsam erzählter, wenn auch schnell abgehandelter Kriminalfall, der sicherlich mancherorts mehr Charaktertiefe hätte anbringen können. Aber während die Fahrgäste des Zugs hier nur ihre Stereotype erfüllen sollen, führt Kenneth Branagh mit seinen Film in die Welt von Agatha Christie ein und setzt seinen Hercule Poirot erfolgreich in dessen Mitte um hoffentlich mehr als nur diesen einen Fall lösen zu dürfen.


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