Kein Verklärer als Erklärer!

oder: ein verfrühter Aufruf, Steffen Seibert kein öffentlich-rechtliches Engagement mehr zu gewähren.
Der Mann hat sich diskreditiert. Bereits mit seiner Entscheidung, Regierungssprecher zu werden. Nicht explizit jetzt, nicht ausdrücklich in den letzten Tagen oder Wochen. Seine Diskreditierung geschah schon vormals. Aber nun könnte es sein, dass die Ära Merkel ins Endstadium geht - und damit gehen auch jene ins finale Stadium, die durch ihre Regierung zu Posten kamen. Erfahrungsgemäß! Hoffentlich! Steffen Seibert ist so einer, dessen Tage gezählt sein dürften - dessen Zeit als Regierungssprecher dann passé sein wird.

Allerlei Regierungsabsichten, -vorhaben, -schweinereien und -halbheiten hat er verteidigt. Meist adrett, "Der nette Herr Seibert", meist vornehm und manierlich - manchmal hingegen zynisch. Willfährig war er immer. Gutwillig gefügig gegenüber seinem Brotgeber. Unkritisch ohnehin. Natürlich entspricht das dem Aufgabenfeld eines Regierungssprechers. Er selbst sprach damals, als er den Posten antrat, von "einer faszinierenden neuen Aufgabe für einen Journalisten" - damit rechtfertigte er den Schritt. Das war natürlich Unsinn; Journalisten sollten kritisch sein, objektiv sowieso. Nichts davon bietet so ein Regierungssprecherposten. Er ist das glatte Gegenteil. Er ist parteiisch, gutgläubig und subjektiv gestaltet. Der Regierungssprecher spricht, was man ihm aufschreibt - das ist nicht journalistisch: das ist propagandistisch!
Man kann Seibert keinen Vorwurf machen, dass er seine Rolle so ausfüllt, wie er sie ausfüllt. Man kann ihm aber einen Vorwurf machen, dass er es hat so weit kommen lassen, sprich: dass er diesen Posten jemals angetreten hat. Wer für eine Regierung oder ein Unternehmen vor die Presse tritt, der glänzt nicht mit journalistischen oder kritischen (Sach-)Verstand - dessen Rolle ist es, mancher Hässlichkeit ein schönes Gesicht und wohlklingende Worte zu verleihen. Unternehmens- oder Regierungssprecher sind Deeskalierer - sie kleiden allgemeine Unzufriedenheit, Anfragen und Neugier in deeskalierende Phrasen, üben sich in Widerlegen und Bestreiten. Die Sorge des Journalisten ist jedoch nicht die Deeskalation, die allgemeine Beruhigung der Gemüter - er ist, jedenfalls in der Theorie, der Wahrheit verpflichtet, nicht seinem Dienstherrn.
Wie oft hat Seibert die Unwahrheit gesagt, seitdem er Merkels hübsches Mediengesicht ist? Wie oft hat er gelogen und geschönt? Herumgedruckst und Sachlagen verkürzt und vereinfacht? Wahrheit gebeugt, dekliniert und so dargestellt, dass sie wahrer, schöner, besser klang? Nicht aus Boshaftigkeit - nein, weil sein Posten es verlangte. Wie oft hat er das Journalistische nicht nur abgelegt, sondern mit Füßen getreten?
Schon damals, als er vom ZDF in die Dunstkreise der Regierung wechselte, fanden sich Statements, wonach Seibert zurückkehren könnte, nach seiner Adelung, nach seinem Gastspiel im Kielwasser der Politik, seiner Anbiederung an die Regierung. Zurück ins öffentlich-rechtliche Fernsehen; zurück in eine Existenz auf Gebührengrundlage; zurück ins politische Ressort; zurück ins journalistische Fach - von dem er ja meint, sich nie entfernt zu haben. Da soll er dann wieder Politik erklären - er, der die Politik jener Regierung, die ihn als Sprecher engagierte, erklärte und sie somit verklärte. Er, der stichhaltig machte, warum Atomenergie notwendig und der hernach stichhaltig machte, warum der Atomausstieg alternativlos sei. Alternativlos - wie so vieles in der Agenda jener Regierung. Alternativlos - wie der Posten des Regierungssprechers alternativlos unjournalistisch ist. Er könnte nach seinem Zwischenspiel wieder GEZ-finanziert erklären. Er, der parteiisch Positionen verklärte.
Wie kann man einem Mann, der Positionen bezog, der glasklare politische Ranküne mittrug und vor der Presse rechtfertigte, klein- und schönredete - wie kann man einem solchen Mann noch jemals abnehmen, er sei nun wieder journalistisch unterwegs? Wie kann er jemals beispielsweise objektiv Deutschlands Europapolitik begleiten, wo er doch eindrücklich zur Schau stellte, dass er nur Merkels angeblich alternativlosen Kurs für verteidigenswert befindet? Man nimmt ihn doch nichts mehr ab - als Journalist ist es diskreditiert; die Gefahr, dass er Objektivität für etwas hält, was die Politik zu verordnen hat, ist bei ihm immens. Man kann nicht "verbieten", dass er bei privaten Fernsehsendern anheuert nach seiner Zeit als Regierungssprecher - aber bei dem öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten ist es eine Angelegenheit des res publica, da geht es uns alle etwas an!
Seibert hat dort nichts mehr verloren! Er kann unter vernünftigen Gesichtspunkten nicht mehr im dortigen politischen Ressort anheuern. Diese faszinierende neue Aufgabe, die er einst antrat, sie ist kein Einstellungskriterium - sie sollte eher abschrecken. Noch ist Zeit, noch liebäugelt niemand mit Seiberts Rückkehr - nicht laut, wahrscheinlich nur hinter vorgehaltener Hand. Aber die Zeit wird kommen, da man seine Rückkehr lobend formuliert. Schon jetzt wird man vermutlich in den Chefetagen der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten mit der Aussicht liebäugeln, dass er zurückkommt, der verlorene Sohn; wird man sich klammheimlich freuen über Verstärkung, über einen Mann mit Beziehungen. Daher dieser Aufruf schon jetzt, daher diese verfrühten Zeilen. Man kann nicht früh genug warnen!
Dies war also ein Aufruf. Ein stiller Aufruf. Ein vielleicht zu früher Aufruf - der aber in Zeiten des Internets immer wieder kopierbar, neu aufrollbar, stets nochmals zitierbar ist. Ein Aufruf, Seibert kein öffentlich-rechtliches Engagement mehr zu gewähren. Ein Aufruf, einem Verklärer nicht mehr die Rolle des Erklärers zuzugestehen!
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