Kein Mitleid mit TelDaFax

Erstellt am 14. Juni 2011 von Hrgajek

Die aktuelle Insolvenz des Stromhändlers Teldafax wundert mich nicht.

Logo Teldafax (Quelle http://www.TelDaFax.de)

Sicher, für die betroffenen Mitarbeiter an der Basis, in Buchhaltung und bei den CallCentern von oder für Teldafax  ist es bitter. Aber es ist nun mal klar, daß ein permanenter Verkauf unter Einkaufspreis, nur um neue Kunden zu gewinnen, nicht funktionieren kann.

Es hätte so funktionieren sollen: Wenn TelDaFax irgendwann soviele Kunden und damit Marktmacht gewonnen hätte, hätten sie bei ihren Kunden die Preise erhöhen und/oder bei den Lieferanten die Einkaufspreise senken können. Die Lieferanten haben ihnen aber jetzt schon die rote Karte gezeigt, weil sie nicht gezahlt haben. Die Kunden wären sowieso sofort abgesprungen, wenn die Preise erhöht worden wären.

Was hat TelDaFax mit Telekommunikation zu tun?

Einiges. Die Abkürzung steht für Telefon Daten und Fax.

Erinnern Sie sich: Gestartet war man als günstiger sekundengenauer Anbieter von Call by Call (frühere Vorwahl 010 30) und Preselection.

Damals träumten die Manager von unmöglichen Zahlen und die Quittung kam prompt: Mit den ersten Tarifsenkungen beim marktbeherrschenden Anbieter Telekom und dem Aufkommen von Flatrates ist das Nutzungsaufkommen bei Call by Call implodiert. Preselection brachte eh nix, weil der Kunde sich nur eine neue Fessel anlegte, anstatt das muntere CbC-Preisroulette aktiv zu nutzen. Verträge sind längst out.

Doch die Branche hat sich auch selbst zerstört. Immer mehr Call-by-Call-Vorwahlen gehören am Ende immer weniger Anbietern, einige von ihnen ändern die Preise im 15Minuten-Takt, ködern die Kunden, die einmal ein der Zeitung oder im Internet eine billige Vorwahl “gefunden” zu haben glauben und erhöhen dann schwupps die Preise ins Unermeßliche.

Reklamierende Kunden haben es mit immer wieder neuen Firmen, Abrechnungsunternehmen und Inkasso-Gesellschaften zu tun, nur wenige haben Lust und Zeit dem grausamen Tun wirksam Einhalt zu gebieten und zahlen, mit schwerwiegenden Folgen:  Mitdenkende Kunden machen um Call-by-Call seitdem einen riesengroßen Bogen. (Und das betrifft auch Internet-by-Call für alle, die keine Flatrate haben können oder wollen.)

TelDaFax versuchte es zwischendurch mit DSL und schließlich mit Strom. Auch hier witterten die Manager erneute Morgenluft mit unglaublichen Provisionen: Wenn der Kunde seinen Anbieter wechselt und per Vorkasse bezahlt. Damit konnte man, eine kurze Zeit lang wenigstens, günstigere Preise vortäuschen, bis… Das Ende kam nicht unerwartet.

Nach der Odyssee des Service-Provider-Unternehmens “Tangens”, einst als Gegenstück zum übermächtigen Debitel-Konzern gegründet, landeten Tangenskunden bei der TelDaFax “Tochter” Hugotel. Sofern sie nicht vorher ausgestiegen sind. Und Debitelkunden? Reiben sich die Augen, weil die Rechnung jetzt von der Freenet AG kommt und das Produkt Mobilcom-Debitel heißt.

Für betroffenen TelDaFax/Hugotel-Telefon-Kunden, sind folgende Szenarien denkbar: Übelstenfalls würde die Handykarte gesperrt und etwaiges Prepaid-Guthaben könnte weg sein. Vielleicht greift hier auch die Netzbetreiber-Haftung und der Original-Netzbetreiber springt ein und rettet die Kunden. Kommt darauf an, wieviele Kunden es sind und wie lautstark sie sich bemerkbar machen.

Insolvenz bedeutet ja noch nicht, daß der Betrieb sofort eingestellt wird. Ein Insolvenzverwalter muß jetzt schauen, was noch zu retten ist und den Laden verkaufen oder zerlegen oder still legen. Falls Sie betroffen sind, sollten Sie ihre nächste Strom oder Telefonrechnung genauer lesen. Handykunden sollten die Karte auch einmal einschalten, damit sie keine SMS verpassen.

Was lernen wir daraus oder auch nicht?

Beim ewigen Schnäppchenjagen, einmal mehr überlegen, zum welchem Anbieter man geht und zu welchem nicht.

Was die Strompreise betrifft, es ist ähnlich wie beim Telefon. Besseren Service zu günstigeren Preisen gibts so gut wie nirgends. Aber die Gier nach dem ultimativen Schnäppchen läßt die Sicherungen regelmäßig durchbrennen.

Nein. Da habe ich kein Mitleid.