Kein Glück mit Werbung auf dem Handy: Gettings gibt (vorerst) auf


Es war ein Mobilfunkkongress mit international führenden Managern der Branche. Da fragt ein Teilnehmer die Runde, was man von einem Google Tarif halten würde? Genauer: Kostenlose SIM-Karten, kostenlose Gespräche am Ende gar noch kostenlose Handys, wenn die Nutzer dafür möglichst viel über ihre Vorlieben und Gewohnheiten verraten würden. Die führenden Mobilfunkmanager im Saal wurden leichenblass.

Gettings (vorerst) am Ende?

Gettings (vorerst) am Ende?

Die “Umsonstkultur” des Internets auch auf dem Handy? Keine Grundgebühren, keine Minutenpreise, dafür Werbung bis zum Abwinken und am Ende würden die Kunden das auch noch haben wollen?

Doch alle Versuche, so etwas in Gang zu bringen, gingen – zum Glück? – schief.

E-Plus probierte es mit “E-Plus Dabei” und schießlich mit Gettings. Die Kunden aus der E-Plus-Familie mussten sich dazu anmelden, ein paar Themen ankreuzen, die sie NICHT interessierten und los gings. 25 SMS-Kurznachrichten im Monat brachten bei Simyo oder Blau beispielsweise 2 Euro Gesprächsguthaben im Monat. Nur wer sein Handy allzuoft ausgeschaltet ließ wurde gekündigt, wenn die verschickten SMS nicht beim Empfänger ankamen. Nicht mehr als fair.

Schnell sprachen sich diese Möglichkeiten herum, auf einfache Weise selten genutzte Prepaidkarten mit wenigst Aufwand “am Leben” lassen zu können, denn jede gettings-Aufladung brachte neben den 2 Euros auch eine Verlängerung der Kartenlaufzeit. Die Werbung nahm man dafür gerne billigend in Kauf. Und eine funktionsfähige Fünft-Karte für alle Fälle, keine schlechte Idee. Etwa für Kleinanzeigen im örtlichen Anzeigenblatt. Oder einen kurzfristigen Flirt oder so…

Die SMS-Werbung kam spärlich. Kinofilm-Newsletter, wenn man auf teilweise nicht oder nur holprig funktionierende mobile WAP oder WEB-Seite wechselte. Oder Applikationen herunterladen sollte, sofern das eigene Endgeräte dafür überhaupt geeignet gewesen wäre. Eine merkwürdige Kurzwahl-Rufnummer wo man hätte Blumen bestellen können, bei Erstanruf mit 5 oder 10 Euro Startguthaben. Interessanterweise eine Blumen-Lieferungs-Kette, die nicht Fleu… heißt, aber fast genauso flächendeckend vertreten ist. Doch Blumen via Internet zu bestellen ist generell etwas teuer. Das macht man vielleicht am Valentinstag. Der ist einmal im Jahr.

Die 2 Euro kamen pünktlich, die Werbung wurde immer weniger.

Als sich vor 2-3 Wochen ein frischgebackener Simyo oder Blau Kunde bei Gettings anmelden wollte, ging das nicht mehr, der Gettings-Support bestätigte per e-mail, daß eine “Störung” vorliege, man möge es doch “Ende der Woche” nochmal probieren. Doch nichts klappte, bis die Spatzen von den Foren-Dächern pfiffen, daß es “Aus” mit Gettings sei.

Offiziell liest sich das anders: Man mache eine Pause, kündige zwar allen Kunden, werde aber “bald” (vielleicht noch dieses Jahr?) mit einem neuem Konzept für alle Mobilfunkkunden weitermachen, dann aber nicht mit baren Gutschriften, sondern eher Nutzen aus den angebotenen Werbungen, vielleicht einer Kinofreikarte oder 50 Frei-SMS, wenn man 500 SMS pro Monat auf 2 Jahre bucht oder einer Tafel Schokolade, wenn man 100 Tafeln abonniert oder so…

Die Kunden wissen offiziell bis dato nichts, die sind nur der lästige Faktor im Spiel.

Vielleicht hat das Angebot “Netzclub” der Erzrivalen von o2 den Gettings-Leuten die Freude verdorben. “Netzclub” verschenkt eine SIM-Karte wahlweise mit Freiminuten und/oder Frei-SMS. Man muß nur auf die empfangenen Werbe-SMS “aktiv reagieren”, ansonsten lebt die Karte als reguläre Prepaid-Karte (= Erst aufladen, dann nutzen) weiter.

Die Frage bleibt die gleiche: Ob Netzclub mit seinem Konzept auf die Dauer überleben kann?

Logische Überlegung: Wer Angebote wie Netzclub oder Gettings nutzt, ist kostenbewußt und sparsam. Zum Beispiel, weil er /sie sich schlicht und einfach nicht mehr für den Mobilfunk leisten kann oder will, weil das monatliche Einkommen vorne und hinten nicht reicht. Wird diese spezielle Klientel ein Werbeangebot jemals wahrnehmen, sprich Kinokarten kaufen, teure Reisen buchen, Blumensträuße übers Netz bestellen oder die fünfte Kreditkarte oder das siebte “kostenlose” Bankkonto einrichten? Wohl eher nicht.

Da plaziert man lieber eine Bannerwerbung auf einer Internet-Seite, die wird von allen gesehen, die auf der Seite vorbekommen, die müssen sich dafür nicht vorher aktiv anmelden, was die erreichbare Zielgruppe nur unnötig verkleinert.

Gegen eine wahre Kostenlos-Kultur im Mobilfunk würden die großen Netzbetreiber ganz schnell Front machen, weil damit die Möglichkeiten zu nachhaltigem Wirtschaften zu begrenzt erscheinen. Erst war der Mobilfunk extrem teuer, dann wollte man die restlichen Noch-Nicht-Mobilfunk-Kunden erreichen, was nur über den Preis ging und jetzt sind alle Kunden total verunsichert, weil sie gar nicht mehr wissen, was der Mobilfunk eigentlich “wert” ist.

Oder krasser gesagt: Ein Kunde im teuren Laufzeittarif und ein Kunde im billigsten oder gar kostenlosen Discounter- Tarif telefonieren im gleichen Netz und leiden unter den gleichen Funklöchern und Ausfällen. Das kann einfach nicht gut gehen.

Schlagwörter: E-Plus Dabei, Gettings, Netzclub, o2, Umsonst-Kultur, Werbetelefonie, Werbung


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