"Keep an Eye Out" / "Au poste!" [F 2018]


Wieder einmal die Theaterbühne, auf der sich das Sein des Lebens abspielt. Diesmal erwischt es den unscheinbaren Louis (Grégoire Ludig), der Opfer des doppelten Bodens wird, in dem sich Quentin Dupieux unlängst häuslich eingerichtet hat. Louis wird verhört, weil er eine Leiche fand (samt Bügeleisen und Blutlache), ein abgelenkter, genervter, Rauch aus seinem Bauch ausstoßender Kommissar (Mann beißt Hund: Benoît Poelvoorde) befragt ihn. Louis liefert eine Chronik sterbenslangweiliger Unauffälligkeit – sieben Luftschnappgänge später vegetiert eine weitere Leiche im Schrank des Verhörzimmers, die an einem Geodreieck starb, aber nicht entdeckt werden soll ("Cocktail für eine Leiche"?). Buchstäblich sanft, schüchtern und filmtheoretisch eher unauffällig spielt Dupieux sein Spiel mit seinen Regeln – "Keep an Eye Out" verheiligt die Ausdrucksleere in Geschichten der Entrüstung, die nie eintritt. Gegen Hunger hilft (vorerst) ein Mars-Riegel, eine Insel, ein Hundehalsband, gegen Unaufgeregtheit, Schlaffheit, Monotonie eine Sendung über Pferde. Aber Achtung: Der Schein trügt, in der Komödie reißt das Narbengewebe einer Dramödie auf, im Erzählten steuerbar zu sein. Denn gefährlich ist nichts weniger als jene Grundannahme, dass die Bilder des Jetzt und Zukünftigen womöglich inszeniert wurden. Das Leben ist eine Erzählung, aber wie jede Erzählung enthält sie Wahres, Falsches und Geheimnisvolles. Hilfe verschafft ein Verhör mit sich selbst.

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