Karotten-Orangen-Salat: Willst du mit mir Möhren stehlen?

Von Stefanie
Um meine street credibility steht es nicht gut. Ich hatte keine überdurchschnittlich schlimme Kindheit, kenne Heroin nur durch Christiane F. und  Alkoholismus nur aus dem Fernsehen. Bisher wurde ich auch weder verhaftet noch angeschossen. Peinlich. Darüber beschwerte ich mich beim Wortfechter, als wir letztens  durch die örtliche Agrarwirtschaft flanierten. Während ich ihm noch allerhand Gründe aufzählte, die für eine Bosshaftigkeit meinerseits sprechen sollten ("Ab und zu schwänze ich Uni", "Ich höre Kollegha" und  "immerhin mache ich konsequent Muskeltraining") blieb er plötzlich stehen und deutete auf grünes aber ansonsten undefinierbares Gewölle im Feld neben uns: "Das Zeug da kenne ich glaube ich aus dem Edeka." Um mir zu beweisen, dass er Lebensmittel mindestens so sehr liebt wie der nette Wurstfachverkäufer aus der Supermarkt-Werbung, sprang er in das Feld und fing an zu buddeln. Tja, und was förderte er da aus den bodenlosen Tiefen eines fremden Ackers?
Eine echte, leibhaftige und perfekte Karotte! Ja, vollkommen richtig: Wie aus dem Edeka.Und obwohl der Wortfechter auf seine eigenhändig ausgegrabene Karotte verdammt stolz war, hat ihn mein street cred-Defizit wohl nachhaltig erschüttert. Denn in Homage an den lyrisch fragwürdigen Alligatoahhit "Willst du mit mir Drogen nehmen" rief er mich letztens an. Noch bevor ich irgendetwas sagen konnte, sang er in den Hörer: "Wiiiiiiiillst du mit mir Möhren stehlen?" Und da mir meine street credibility wie gesagt sehr am Herzen liegt, habe ich zugesagt.

Mit den geklauten Karotten habe ich zuhause meinen offiziellen Schnell-noch-was-gesundes-bevor-ich-mir-die-Schokosahnetorte-reinjage-Salat gemacht. Ratzfatz war der fertig. Wer keine geklauten Karotten zuhause hat, nimmt einfach gekaufte. Mit geklauten schmeckt er allerdings deutlich besser und mehr nach Abenteuer. Apropos Abenteuer: Nein, ich bin noch nicht wieder im Lande. Ich werde hier in Portugal noch ein wenig Wale erschrecken und mein dreifaches Körpergewicht in Form von Meerefrüchten absorbieren und mich dann von einem Christiano Ronaldo-Verschnitt ins Flugzeug rollen lassen.

Rezept für den Knüllerschlankmacher der Saison: Karotten-Orangen-Fenchelsalat mit Walnüssen (für 2 zum Sattessen)
2 mittelgroße Karotten2 Orangen1 Fenchelknolle1 Apfel1 handvoll gehackte Walnüsse1 cm großes Ingwerstück Cayennepfeffer, Salz, Pfeffer, Zucker, Olivenöl, etwa 1 EL gehackte Petersilie
Die Karotten waschen, schälen und in feine Streifen raspeln. Eine Orange schälen, filetieren und kleinschneiden. Die zweite Orange halbieren und eine Hälfte auspressen. Den Saft beiseite stellen. Die andere Hälfte ebenfalls schälen,  filetieren und kleinschneiden. Den Fenchel waschen, vierteln und den Strunk entfernen. Anschließend fein hobeln. Den Apfel waschen, schälen und grob raspeln. Ich mag es gerne, wenn die Apfelraspel etwas gröber sind als die Karottenstreifen. Aber das macht jeder nach Geschmack.
Den Ingwer fein hacken und mit dem ausgepressten Orangensaft, dem Cayennepfeffer, Salz, Pfeffer, Zucker, Petersilie und 2 EL Olivenöl zu einem fruchtig-scharfen Dressing verrühren. Das Dressing über den Salat geben, gut durchmischen und für 15 Minuten in den Kühlschrank packen. In der Zwischenzeit das Chaos in der Küche beseitigen, den Tisch decken oder ein Schokoeis mit Streuseln essen.
Vor dem Servieren die Walnüsse über den Salat streuen.


Superbrav oder ordentlich street cred: Ob Bonbons im Supermarkt oder die extra flauschigen Hotelhandtücher - Was hast du mal einfach mitgehen lassen?