Kannst Du es auch einmal etwas langsamer angehen lassen?

Ephraim Kishon sagte einmal: “Wenn man beginnt, seinem Passfoto ähnlich zu sehen, sollte man in Urlaub fahren.” Viele von uns sind gerade in Urlaub. Manche fahren erst, andere kommen schon wieder zurück. Doch auch an den übrigen Tagen des Jahres müssen wir darauf achten, dass wir genügend Mußestunden in unser Leben bringen.

Schneckenreiterbrunnen im Colombipark, Freiburg - zum Vergrößern bitte anklickenJeder von uns braucht hin und wieder eine Auszeit, um wieder zur Ruhe zu kommen. Momente, in denen wir die Arbeit einmal ruhen lassen, Atem holen, zu uns selbst kommen und neue Kraft tanken können. Nur so bleiben wir dauerhaft leistungsfähig und können unsere Aufgaben frisch und konzentriert erledigen. Und es gibt eine Menge Möglichkeiten, Dir mit wenig Aufwand einen Augenblick der Entspannung und Ausgeglichenheit zu gönnen.

Ein erster Schritt könnte sein, dass Du Dir die Worte Ruhe, Gelassenheit, Stille, Entspannung und Loslassen mehrfach innerlich vorsagst und tief in Dir nachklingen lässt – so lange, bis Du sie fühlst. Ein zweiter Schritt könnte sein, herauszufinden, was Dir persönlich besonders gut tut und Dich immer mal wieder daran zu erinnern, was Du heute für Dich selbst tun kannst. Dabei sollen Dir die folgenden Anregungen helfen. Wenn Du nur ein paar Möglichkeiten für Dich mitnimmst, dann hat es sich schon gelohnt.

 

  • Du könntest morgens etwas früher aufstehen, um den Tag in Ruhe und Frieden zu beginnen.
  • Eine der einfachsten Möglichkeiten, bewusst für einen Moment abzuschalten, ist etwas, was ich schon als Kind gerne getan habe, auch wenn es bei meiner Lehrerin nicht so gut ankam: einen Blick aus dem Fenster werfen. In die Bäume oder in den Himmel schauen, auf die Straße oder in den Garten. Eine kurze Pause, in der Geist, Seele und Körper verschnaufen können, um dann wieder zu dem zurückzukehren, womit Du Dich gerade beschäftigst.
  • Mache es Dir bequem, schließe die Augen, atme ruhig ein und aus, und gehe mit wacher Aufmerksamkeit durch Deinen Körper: Wo fühlt er sich besonders gut an? Welche Bereiche sind locker und entspannt? Und dann stelle Dir vor, wie das gute Gefühl ausstrahlt. Erst nur in kleinen Kreisen, die dann immer größer werden und schließlich als weiche Wellen Deinen gesamten Körper durchströmen.
  • Ob zu Hause oder bei der Arbeit: Ein kleines, nett gemachtes Stoppschild kann Wunder wirken.
  • Ganz wichtig finde ich, Dich selbst wie einen Freund zu behandeln, gut zu Dir zu sein, Dir selbst Mut zuzusprechen, Dich auch mal selbst in Frieden zu lassen, Dich mit etwas Schönem zu belohnen, Dir zu sagen, dass Du vollkommen in Ordnung bist, auf Dich zu hören, wenn Du eine Verschnaufpause brauchst und sie Dir auch zu gönnen – und auch mal richtig stolz auf Dich und zufrieden mit Dir selbst zu sein.
  • Hast Du Lust, in eine Gärtnerei zu fahren und Dir ganz nach momentaner Stimmungslage ein oder zwei Pflanzen auszusuchen? Vielleicht ein duftender Lavendel oder ein Jasmin? Vielleicht eine farbenprächtige Orchidee? Oder ein üppiger Zimmerfarn? Pflanzen laden Dich auf sanfte Art ein, sie anzuschauen oder an ihnen zu riechen und so für einen Moment zur Ruhe zu kommen.
  • Gönne Dir über den Tag verteilt immer mal wieder eine kleine Glücksminute, in der Du Dich über irgendetwas freust: zum Beispiel über die Sonne, die vom Himmel lacht, über Dein Kind, das auf dem Rasen spielt, über die schnurrende Katze oder einfach darüber, dass es DICH gibt.
  • Jede Mahlzeit kann eine kleine Entspannungsübung sein, wenn Du Dir Zeit dafür lässt. Wähle bewusst aus, was Du zu Dir nehmen willst. Frage Deinen Körper, was er heute braucht, und genieße das Gericht dann mit wachen Sinnen: sehen, riechen, schmecken. Hin und wieder kannst Du auch mal die Augen schließen und Dich ganz dem Geschmack hingeben. So wird auch Deine Seele genährt.
  • Trage öfter mal einen Termin mit Dir selbst in den Kalender ein. Setze Dich dann an einen schönen Platz im Haus, im Garten oder auch in einem Café und schreibe Deine Gedanken und Träume auf. Einfach nur so für Dich.
  • Auch Ordnung schaffen kann sehr befreiend und entspannend sein. Sicher kennst Du auch das zufriedene Gefühl danach, beim Betrachten des aufgeräumten Schreibtisches oder der ordentlich gebügelten Stapel im Wäscheschrank.
  • Ganz wichtig: Genieße hin und wieder auch das süße Nichtstun!
  • Bäume schenken Dir eine ganz besondere Energie. Sie strahlen Ruhe und Kraft aus. Wie wäre es, wenn Du einfach mal zu einem solchen Baum gehst und Dich vor ihn stellst. Spüre, wie Du mit beiden Beinen sicher auf der Erde stehst, und verwurzle Dich in der Vorstellung fest mit der Erde. Nimm nun wie der Baum Licht, Luft und Wasser auf. Wachse und sei stark, ganz stark! Und bevor Du wieder gehst, umarme den Baum ganz fest.
  • Schaue Dir einmal Deine Fotosammlung durch und suche Dir die schönsten Bilder aus: Aufnahmen aus glücklichen Zeiten, von Orten, an denen Du Dich besonders wohlgefühlt hast, von Menschen und Tieren, die Du liebst. Jedes Foto sollte ein Lächeln auf Dein Gesicht zaubern und ein wohliges Gefühl in Deinem Bauch auslösen. Wenn Du diese Bilder nun zusammen in ein kleines Album klebst, kannst Du, wann immer Du willst, in Dein ganz persönliches Glück eintauchen.
  • Sicher kennst Du den Ausdruck “Die Seele baumeln lassen”. Nimm ihn doch einfach mal wörtlich und stelle Dir bildlich vor, wie Deine Seele zum Beispiel auf einer Schaukel sitzt und auf und ab schwingt oder wie sie auf dem Ast eines Kirschbaums sitzt und mit den Beinen wackelt oder wie sie wie ein buntes Fähnchen fröhlich im Wind tanzt. Finde Dein ganz persönliches Bild für die Entspannung Deiner Seele und genieße seine Wirkung. Du kannst es Dir jederzeit vor Dein inneres Auge holen, wann immer Du eine kleine Pause brauchst.
  • Spanne einmal alle Muskeln kräftig an, halte die Spannung einen Moment und lasse sie dann mit einem wohligen Ausatmen los. Diese Übung kannst Du mit einzelnen Körperteilen ebenso wirkungsvoll durchführen wie mit allen Muskeln zusammen. Genieße dann das Wohlgefühl der Entspannung.
  • Manchmal braucht Dein Körper erst eine ordentliche Portion Bewegung, bevor die Muskeln tatsächlich loslassen und entspannen können. Spüre einmal in Dich hinein und folge dann Deinen Impulsen: Vielleicht will Dein Körper tanzen? Vielleicht will er rennen? Oder hüpfen?
  • Farbtupfer bringen Freude ins Leben und sorgen für kleine Energiespritzen zwischendurch: Buntes Obst in einer Schale, ein Strauß frischer Blumen, ein neuer Vorhang oder bunte Kissenhüllen, ausgewählte Fotos an der Wand, selbstgemalte Bilder. So kannst Du immer wieder einige Augenblicke lang in Farben schwelgen und sie auf Dich wirken lassen.
  • Es gibt Menschen, die Dir so guttun, dass schon ihre bloße Gegenwart eine echte Energiequelle ist. Bei ihnen kannst Du Ruhe finden und Nähe, ihnen kannst Du vertrauen. Solche Beziehungen sind kostbar und Du solltest sie wie einen großen Schatz achtsam pflegen.
  • Dich für wenige Minuten mit geschlossenen Augen aufs Sofa zu legen und für einen Moment einzunicken ist auch eine sehr gute Möglichkeit, zwischendurch Energie zu tanken. So ein Kurzschlaf wirkt wundervoll belebend!
  • Innere Ruhe und Kraft entstehen auch aus dem guten Gefühl, dass Du viel mehr kannst, als Du oft glaubst. Erinnere Dich deshalb auch immer mal wieder ganz bewusst an all das, was Du schon geleistet hast: Erfolge, Erreichtes, Überstandenes.
  • Gehe einmal Deine Musiksammlung durch und wähle ein Stück daraus aus, das ab sofort Dein Entspannungsstück wird. Es sollte eines sein, das Dich in eine ruhige und weiche Stimmung versetzt. (Vielleicht wirst Du ja auch auf meinem YouTube-Kanal fündig.)
  • Die Natur bietet unzählige Ruheoasen. Sie schenkt Dir Stille, wenn Du sie brauchst und begeistert Dich mit Farben, die Deine Seele beleben. Sie schenkt Dir die Luft zum Atmen und verwöhnt Deine Haut mit den Streicheleinheiten des Windes. Sie lässt Dich durch die Sonne wärmen und bietet Dir weiches Moos zum Darauflegen. Warst Du heute schon draußen?
  • Schaffe Dir ein paar sinnliche Rituale, die Du immer wieder in den Tagesablauf einbauen kannst: Deine Hände mit einer duftenden Naturseife waschen und sie dabei sanft und liebevoll streicheln. Sie tun so viel für Dich! Zwei frische Orangen auspressen und sowohl den Geruch als auch den frischen Geschmack intensiv auskosten. Voller Achtsamkeit eine Tasse Tee zubereiten und beim Trinken die Wärme bis ganz nach innen fließen lassen. Oder was Dir sonst noch so einfällt.
  • Betrachte Wartezeiten als Geschenk. Sie bieten Dir die Möglichkeit, eine kleine Pause zu machen!
  • Bildbände, ob nun mit Landschaften, Naturmotiven oder Reiseaufnahmen, können Dir wundervolle kleine Auszeiten schenken. Blättere die Seiten ganz langsam und achtsam um und lasse die Bilder auf Dich wirken. Atme dabei tief durch und tauche ganz in das ein, was Du dort siehst.
  • Ulrike und ich lieben das Spiel, Wolken anzuschauen und zu überlegen, was sie darstellen könnten. Der Blick in den Himmel weitet den Horizont, und das Spiel der Wolken zu beobachten kann den Kopf herrlich freimachen. Mache das doch auch selbst wieder einmal.
  • Ein Vollbad ist Erholung pur und der richtige Badezusatz sorgt für zusätzliche Entspannung: Melisse für die Nerven, Zitrone, Rosmarin, Sandelholz und Lavendel, um zur Ruhe zu kommen, Bergamotte für eine gute Stimmung und Eukalyptus für einen neuen Energieschub.
  • Klangschalen, wie sie auch zur Meditation genutzt werden, können Dich auf wunderbare Weise in die Entspannung tragen: Einfach anschlagen, die Augen schließen und dann innerlich dem Ton folgen, bis er ganz verklungen ist. Oder den Klang erspüren: Die Schale auf den Bauch stellen, anschlagen und den Ton fühlen.
  • Nur eins ist schöner, als Dir ein heißes Fußbad einzulassen und dann Deine Füße mit einem wohlriechenden Öl sanft zu massieren: Die Füße massiert zu bekommen!
  • Und zu guter Letzt: Nimm Dir am Abend die Zeit, das Erlebte ganz bewusst nach- und ausklingen zu lassen.

So weit meine kleine Auswahl. Es gibt natürlich noch eine ganze Menge weiterer Möglichkeiten. Was tust Du, um Dich zu entspannen?