Kampf dem Chaos: Setup 120

Im letzten Post habe ich euch meinen persönlichen Weg vorgestellt, um in wirklich stressigen Situationen wieder zumindest die wichtigsten Dinge auf die Reihe zu bekommen. Dann, wenn tatsächlich alle normalen Routinen versagen oder neu durchdacht werden müssen.
Hier gibt es die ausführliche Geschichte dazu, heute stelle ich euch die exakte Methode und meine Listen vor.
Setup 120 bedeutet, dass ich mir 120 Tage Zeit nahm, um die 120 m2 unseres Hauses nach dem Umzug halbwegs in den Griff zu bekommen. Die Methode funktioniert aber auch dann, wenn man nicht übersiedelt ist, sondern aus irgendeinem Grund der Haushalt völlig ins Chaos abgedriftet ist. Das kann vieles sein, eine Krankheit, eine Lebensumstellung, ein neues Kind, ein neuer Job, die Liste ist ebenso lang wie das Leben bunt ist.
Ganz wichtig ist, dass man zwei (oder drei) Listen führt und diese streng trennt: die "Putzliste" und die "Renovierungsliste" und eventuell die "Anschaffungsliste".
Ich stelle euch die Sache am Beispiel des Essbereichs vor, den ich damals als erstes in Angriff nahm.
1. Putzen Setup + Routinen erstellen
Mein Essplatz als Teil des Wohnzimmers hat rund 8 m2. Der Boden ist gefliest (wie unser gesamtes Erdgeschoss, dafür mit Fussbodenheizung, mhh), die Wände glatt weiß gemalt. Für das Setup durfte ich mir also bis zu 8 Tagen Zeit lassen. Der gesamte Zeitaufwand betrug aber unter 5 Stunden, und es herrschte definitiv das Chaos, besonders lange dauerte es, die vom Bauen noch völlig verdreckte Terrassentüre sauber zu bekommen.

Setup 
  • Tisch komplett abräumen und gründlich reinigen
  • Sessel abräumen und reinigen 
  • Decke + Wände abstauben
  • Boden gründlich saugen + aufwaschen
  • Terrassentüre gründlich reinigen
Routinen
  • täglich: aufräumen, wegräumen, Tisch abwischen, saugen - wenn erforderlich, Bodenmatte ausklopfen (Zeitaufwand 3 bis 5 Minuten)
  • wöchentlich: alles abstauben (Decke, Wand, Lampe, Bilder), Deko erneuern, Sessel saugen, Tisch komplett abwischen (auch Beine!), Boden saugen + aufwaschen, Glasscheiben Terrassentüre schnell reinigen (Hundenasenabdrücke, Kinderhandabdrücke) (Zeitaufwand 10 - 15 Minuten)
  • monatlich: Sesselbezüge grob reinigen (Zeitaufwand 20 Minuten)
  • alle drei Monate: Terrassentüre gründlich putzen, Vorhänge waschen, Sesselbezüge waschen (Zeitaufwand 30 - 45 Minuten + Trockenzeit)

2. Renovieren / Fertigstellen
  • alte Lampe aufhängen (alles ist besser als die Baufassung)
  • Sesselbezüge erneuern (billig und schnell, nur kurzfristig)
  • Bilder an Stirnseite aufhängen
  • Vorhangstange aufhängen
  • Alte Vorhänge Schlafzimmer umnähen und aufhängen 
  • Bodenvase in Ecke stellen
  • Steckdose neben Regal erweitern

3. Anschaffungen 
  • neue Lampe
  • neue Sessel 
  • Tablett für Salz / Pfeffer / Servietten
  • neue Vorhänge
  • Türmatte (dringend!)
Zu den Anschaffungen / Fertigstellungen nach drei Jahren: Die alten Vorhänge hängen immer noch, es sind cremeweiße Leinenvorhänge, die eigentlich nur eine Übergangslösung waren, aber so gut passen, dass sie zur Dauerlösung wurden. Die Sessel ersetzte ich bis dato auch nicht, dafür nahm ich mir etwas mehr Zeit für die Erneuerung der Bezüge. Die alte Lampe hing auch bis vor kurzem über dem Esstisch, weil es so unheimlich schwierig ist, eine schöne und erschwingliche Beleuchtung zu finden. Alles was mir gefiel, war in völlig inakzeptablen Preiskategorien angesiedelt. Erst vor kurzem fand ich eine Lampe, bei der Preis und Design soweit in Einklang standen, dass sie in unser Haus einziehen durfte. Manches dauert eben. Die Stühle sind nach wie vor auf der Anschaffungsliste, weil sie nach mittlerweile mehr als 20 Jahren demnächst am Ende ihres Lebens angelangt sind. Hier bin ich noch am Stöbern. Neue schöne Stühle, vor allem wenn man 8 Stück braucht, sind einfach teuer.
Trotzdem sind Übergangslösungen wichtig: wenn ich mit allem warte, bis ich das perfekte Produkt finde und es mir auch leisten kann, lebe ich in permanent unfertigen Räumen. Bei manchen Dingen lohnt es sich, eine Zwischenlösung zu finden, vor allem dann, wenn diese preiswert (oder gratis) und nur mit ein wenig Mühe verbunden ist. Die alten Vorhänge, perfekt gekürzt und an die Türe angepasst, werden noch lange dort hängen. Sie sind von einer kostenfreien Zwischenlösung zum fertigen Styling avanciert. Die alte Tischleuchte war zwar nie perfekt oder auch nur annähernd passend, aber es war eine Lampe und keine Rohfassung, wodurch der Essbereich zumindest fertig und nicht wie eine Baustelle wirkte.
Ein beliebter Fehler beim Putzen, Organisieren und Aufräumen ist, dass man den nachfolgenden Routinetätigkeiten keine oder zu wenig Beachtung schenkt. Somit versinkt der fertige und saubere Bereich ganz schnell wieder im Chaos und man hat das Gefühl, im Hamsterrad zu laufen. Je weiter die generellen gründlichen Säuberungsaktionen gedeihen, desto mehr Zeit muss man für die Instandhaltung der fertigen Bereiche einkalkulieren. Am ersten Tag kann ich die gesamte Stunde für die Neulandgewinnung einsetzen, am zweiten Tag schon nur mehr 57 Minuten, sonst versinkt der Kontinent des ersten Tages wieder.
Wichtig sind die kleinen Erfolge, die Etablierung täglicher Routinen und das konsequente Weitermachen, bis man halbwegs fertig ist oder einen Status erreicht hat, mit dem man selbst gut leben kann.
Meine aktuellen täglichen, wöchentlichen und jährlichen Routinen stelle ich das nächste Mal vor, diese sind weniger spezifisch als das Aufräumen und können für viele Haushalte einen Anhaltspunkt bieten.
Ich habe im Laufe der Zeit feststellen müssen, dass Routinen sich massiv ändern können. Beispiel staubsaugen. Als wir in einer Wohnung auf einer Ebene mit Klein- und Kleinstkindern lebten, mit zwei Katzen ohne Freigang, die Kinder den ganzen Tag zu Hause - da musste ich die gesamte Wohnung täglich gründlich saugen. Unbedingt. Mittlerweile, mit zwei Teenagern, die oft erst Abends von der Schule kommen, zwei Katzen die Freigänger sind, einem Hund, der nur im Erdgeschoss lebt und der räumlichen Trennung von Erdgeschoss und Obergeschoss - da sauge ich die Kinderzimmer und Schlafzimmer nur mehr ein- bis zweimal pro Woche. Mehr ist einfach nicht notwendig.
Ich putze und räume ebenso gerne oder ungerne wie die meisten anderen. Ich möchte ein schönes Haus haben, also sind diese Tätigkeiten notwendig. Einen Teil kann ich manchmal auslagern, auch meine Familie hat ihre Pflichten und muss in Bereichen mithelfen, den großen Rest muss ich aber selbst erledigen. Mit entsprechender Planung ist es schneller wieder sauber und das Gesamtergebnis ist ordentlicher. Eine Religion möchte ich daraus sicher nicht machen.
Wie geht ihr mit dem Chaos um? Was sind eure Lösungen, wenn der Haushalt einmal umzugsbedingt oder berufsbedingt oder krankheitsbedingt zusammenbricht? Wie kommt ihr wieder in die richtige Spur? Wie schauen eure täglichen Routinen aus?
Mit liebem Gruß
Marie
Natürlich nehme ich mit meinen Projekten auch immer an den vielen wunderbaren Linkpartys teil, die ich im Bloggerland so finde. Vielen Dank an die Veranstalter für die Mühe
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