Justine privat - Bahnbekanntschaften

Justine privat - BahnbekanntschaftenEs ist Montag, ich bin wie immer zu spät dran und hetzte gerade noch rechtzeitig in die S-Bahn. Meine Raucherlunge pfeift aus allen Löchern und ich brauche einen Moment um mich wieder in den Griff zu bekommen, dabei realisiere ich zu spät, dass die Bahn losfährt und ich schwungvoll, halb auf jemanden direkt neben mir lande.Eingeklemmt zwischen dem mir fremden Mann, seinem Rad und einer weiteren Person, der ich leider Kaffee auf die teuer aussehende Jacke geschüttet habe, wage ich einen entschuldigenden Blick nach oben. Er grinst mich belustigt an und leckt sich leicht über die Lippen.
„Sorry?“„Schon okay, ist ne Weile her das ich so von einer Frau berührt wurde“, meint er grinsend und ich werde augenblicklich rot. Bis eben war mir gar nicht klar, dass ich mich an ihm festgehalten hatte. Unwillkürlich weiche ich zurück und entschuldige mich noch einmal, auch bei seinem Rad. Er lacht noch immer, besonders nachdem ich mich bei der Person mit dem Kaffeefleck auch noch einmal entschuldigt habe nur um mich dann darüber zu beschweren, dass sie ruhig etwas netter sein könnte. Dabei fährt die Bahn wieder an, ich fluche und stoße abermals gegen ihn, dieses Mal hält er mich jedoch automatisch fest, damit ich ihn nicht schon wieder unsittlich berühre. „Langsam wird es wohl zur Gewohnheit, was?“Ich versuche meine nicht vorhandene Haltung zu bewahren und sage sarkastisch: „Das nennt sich dann wohl Anziehungskraft.“Er grinst weiter und steckt sein Buch weg, während er mich mustert. Wahrscheinlich sind wir die einzigen beiden Personen in der Bahn die noch richtige Bücher dabei haben. „Zum Glück hast du nur Unbeteiligte mit deinem Kaffee beschüttet und keine wehrlosen Bücher!“„Ja, das hätte ich mir nie verziehen“, stimme ich zu und gebe mir eine Minute um ihn mir näher anzusehen. Groß, Blond, Dreitagebart und aus mir unerfindlichen Gründen stecke ich ihn sofort in die Studenten Schublade. Vielleicht ist sein rostiges Rad daran Schuld oder die Tatsache das er lesen kann. Trotzdem ist er niedlich. Die grünen Augen mich aufmerksam, als würde er in diesem Moment das gleiche denken. „Liest du nur blutige Thriller?“, will er wissen und deutet auf das Buch in meiner Hand. „Nein, ich steh auch auf Horror“, meine ich ironisch und verdrehe etwas die Augen. „Wenn man´s genau nimmt, lese ich eigentlich alles was ich in die Finger bekomme.“„Das Problem kenne ich.“„Du gehörst also auch zu den anonymen Lesesüchtigen?“„Wenn ich dir das verrate sind wir nicht mehr anonym.“„Die erste Regel des Fight Clubs …“„… sprech nie über den Fight Club“, ergänzt er und lacht. Ich spüre seinen Blick auf mir und kann nicht aufhören dümmlich vor mich hin zu grinsen. Zum Glück nähert sich meine Haltestelle, diese Situation ist auf einen Montag eindeutig zu viel für mich. Ich nippe an meinem halbieren Kaffee und weiche seinem Blick aus. „Also eigentlich …“, meint er und scheint kurz zu zögern. „Müsstest du mich als Entschuldigung für deine sexuelle Belästigung auf einen Kaffee einladen.“ Nun werde ich endgültig rot. Oder doch schon wieder?„Wäre ich Single würde ich das wahrscheinlich sogar tun“, meine ich ehrlich. Er verzieht das Gesicht etwas, nickt aber wissend. „Die bösen Mädchen sind immer vergeben.“Ich würde gerne empört meinen Mund aufreißen und ihn tadeln, doch die Bahn hält.„Tut mir wirklich leid.“„Tut es nicht“, sagt er und zwinkert. „Ich hoffe einfach das du mich nächsten Montag auch wieder umrempelst …“Ich winke zum Abschied und grinse etwas in mich hinein. Manchmal ist es gar nicht so ätzend mit der Bahn zu fahren. 

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