John Scalzi – Old Man’s War

John Scalzi – Old Man’s War

Angeblich entschied ein Münzwurf, dass John Scalzi Science-Fiction-Autor wurde. Als er beschloss, eine Karriere als Schriftsteller zu verfolgen, wollte er Literatur verfassen, die er selbst las und liebte. Für ihn bedeutete das entweder Science-Fiction oder Mystery. Er warf eine Münze: Kopf für Science-Fiction, Zahl für Mystery. Die Münze zeigte Kopf. Ist diese Anekdote wahr, kann man seinen Münzwurf wohl zu Recht als schicksalhaft bezeichnen. Scalzi wurde einer der erfolgreichsten Sci-Fi-Schrifsteller_innen der Moderne, dessen Romane mit zahlreichen Nominierungen und Preisen ausgezeichnet wurden. Sein erstes traditionell veröffentlichtes Buch war „Old Man's War", das mich mit der Idee einer Armee im Rentenalter vom Kauf überzeugte.

An seinem 75. Geburtstag erledigt John Perry zwei Dinge. Erst verabschiedet er sich an ihrem Grab von seiner Frau Kathy. Dann verabschiedet er sich von seinem Planeten. Bereits vor 10 Jahren entschieden John und Kathy, dass sie der CDF beitreten würden. Kathy starb, bevor sie ihr Vorhaben in die Tat umsetzen konnte, doch John will an ihrem Plan festhalten. Er wird Soldat. Die CDF ist eine private Militärfirma, die die Kolonien der Erde im Weltall verteidigt. Nach allem, was man hört, sind die Kämpfe brutal, blutig und zahlreich. Niemand weiß etwas Genaues. Bekannt ist, dass die CDF keine jungen Menschen rekrutiert. Sie verpflichten ausschließlich Menschen im Ruhestand, die Jahrzehnte an Lebenserfahrung und Wissen vorweisen können. Wer sich einschreibt, dient mindestens zwei Jahre. Dafür schenkt die CDF ihren Soldat_innen etwas Unbezahlbares: Sie macht sie wieder jung. Überlebt man die Dienstzeit, erhält man ein hübsches kleines Grundstück auf einer friedlichen Kolonie. Für John klingt das wie ein guter Deal. Ohne zu wissen, was ihn erwartet, beginnt er ein Abenteuer, das ihn weit von seiner Heimat fortführt - und von dem Menschen, der er glaubte zu sein.

„Old Man's War" ist ein schönes Beispiel dafür, wie leicht es mir mittlerweile fällt, mich für erwachsene Science-Fiction zu begeistern. Als ich über das Buch stolperte und den Klappentext las, verschwendete ich keinen Gedanken daran, dass es zu „Sci-Fi" für mich sein könnte. Stattdessen ließ ich mich sofort von der Idee einer intergalaktischen Streitkraft, die ausschließlich aus Rentner_innen besteht, mitreißen. Nach der Lektüre kann ich John Scalzi für diesen Einfall und das Konzept, das er daraus entwickelte, nur applaudieren. Die Vorstellung, alte Menschen in einen Krieg um das Universum zu schicken, bot mir genau das richtige Maß persönlicher Involvierung: Sobald mir der äußerst angenehme Ich-Erzähler John Perry erklärt hatte, wie die CDF rekrutiert, musste ich mich einfach fragen, ob ich ihr Angebot ebenfalls annehmen würde. Für mich ergibt ihre Strategie auf verblüffend naheliegende Weise Sinn. Wieso sollte man auf impulsive, unreife Soldat_innen zurückgreifen und der Erde ihrer menschlichen Ressourcen berauben, wenn man über die Möglichkeiten verfügt, lebenserfahrene, emotional gefestigte Menschen anzuwerben, die ihren wirtschaftlichen Beitrag zur Gesellschaft bereits erfüllten? Der entscheidende Faktor ist hierbei natürlich die Verjüngung, die meiner Ansicht nach den Dreh- und Angelpunkt von „Old Man's War" darstellt. Die Prozedur verschafft der CDF körperlich fitte Rekrut_innen auf der Höhe ihrer Leistungsfähigkeit, für die Rekrut_innen selbst ist die Verlockung wiedererlangter Jugend der Hauptmotivator ihrer Verpflichtung und für mich als Leserin war die Neugier, herauszufinden, wie die CDF das denn nun anstellt, der Kern des Spannungsbogens. Auf der Erde weiß nämlich niemand, wie sie dieses Wunder vollbringt. Durch ihren Status als private Militärfirma muss die CDF ihre Erkenntnisse nicht teilen, was wahrscheinlich besser so ist. „Old Man's War" reißt die Situation auf der Erde lediglich an, doch die Informationen reichen aus, um zu verstehen, dass die grundlegende Aggressivität unserer Spezies anhält. Im intergalaktischen Vergleich ist die Menschheit dennoch ein kleines Licht. Scalzi beschreibt ein von Feindseligkeit geprägtes Universum, in dem friedliche Koexistenz kaum möglich scheint. Vielmehr erinnert der erbitterte Kampf um Territorium und Rohstoffe an den Wilden Westen - es wird nicht lange gefackelt, bevor sich die extrem zahlreichen und vielfältigen Spezies gegenseitig abschlachten. Leider muss ich festhalten, dass ich nach den Offenbarungen zur Verjüngungskur der CDF und der Realität des Krieges ein deutliches Abflachen der Spannungskurve wahrnahm. Ich begleitete John Perry gern, aber da er nach seiner Ausbildung von einem Kampfeinsatz zum nächsten eilt, schlich sich eine gewisse Monotonie ein. Die Lektüre war nie langweilig, ich fragte mich allerdings, ob das schon alles sein würde. Die Wendung, die aufzeigt, dass die CDF brisante Geheimnisse hütet, kam für mich etwas zu spät und verlieh der Geschichte nicht die Tiefe, auf die ich gehofft hatte. Deshalb empfand ich das Buch als leicht unausgeglichen und wesentlich trivialer, als es hätte sein müssen.

John Scalzi schrieb „Old Man's War" ausdrücklich mit dem Ziel, ein kommerziell erfolgreiches Buch zu veröffentlichen. Vielleicht erklärt dieser Fokus meinen Eindruck, dass der Reihenauftakt etwas zu seicht und stark auf Kurzweil ausgelegt ist. Unterhalten fühlte ich mich auf jeden Fall, ich war allerdings unfähig, mich emotional eng an die Geschichte zu binden. Obwohl das Menschliche im Vordergrund steht und sich der Autor nicht in übertrieben theoretischen wissenschaftlichen oder technologischen Beschreibungen ergeht, gelang es Scalzi nicht, mich zu intensiven Gefühlsregungen zu verleiten. Nichtsdestotrotz begeistert mich sein futuristisches Worldbuilding genug, um den Folgebänden der gleichnamigen Reihe „Old Man's War" eine Chance zu geben. Erste Bände sind schließlich oft als Appetithappen zu bewerten - eventuell kommt der Hauptgang noch.


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