John Frusciante – Enclosure

Von Pressplay Magazin @pressplayAT
Alben

Veröffentlicht am 14. Mai 2014 | von Lisa Schneider

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John Frusciante – Enclosure

John Frusciante – Enclosure Lisa Schneider

Wertung

Summary: Ein Album, der den Lärm der Musik vorzieht

1.5

Rock


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John Frusciante ist in seiner wirklich langen musikalischen Karriere an dem Punkt angelangt, wo er sich zurücklehnen kann und wirklich nur noch das tun, was ihm in den Sinn kommt. Diesen Luxus gönnt er sich nun ausgiebig.

Mit seinem nunmehr elften Studioalbum legt John Frusciante ein schwer zugängliches, sehr experimentelles Werk vor. Vom Rolling Stone auf Platz 18 der 100 besten Gitarristen aller Zeiten gewählt hat sich John Frusciante auf seinem neuen Album Enclosure auf neun Tracks beschränkt, die er wortwörtlich durch den Fleischwolf zieht. Es scheint, als massakriere er seine Musik selbst, als würde er bei jedem neuen Stück, das beginnt, versuchen, dagegen anzukämpfen. Kaum eine Nummer dieser Platte wird rhythmisch bis zum Ende an einer Klang – oder Melodielinie durchgeführt, alles wird mitten drin umgebrochen, Refrains lassen John Frusciante scheinbar überhaupt kalt. Der Synthesizer, der schon seit seiner Abwendung zum Stil der Chili Peppers zu einem sehr geliebten Unterstützer eigenlich aller seiner Platten wurde, darf auch dieses Mal wieder überall mitmischen. Was dieses wabernde, nicht zu entwirrende Zusammenspiel von Synthie, Gitarrenriffs, Trommeln, Elektronika sowie Jazz- und Percussionelementen zusammenhält, ist natürlich die säuselnd-beruhigende Stimme des Sängers sowie sein unermüdliches Gitarrenspiel.

Er kann Hits aus dem Ärmel zaubern, das hat John Frusciante schon bewiesen. Auch sonst hat er der Musikwelt so ziemlich alles geboten, was von einem Rockstar erwartet wird. Auf Enclosure findet man aber nun das pure Chaos. Ausgetüftelt präsentiert der Gitarrist und Sänger, über was er sich musikalische Gedanken macht, er zeigt jeden Winkel des eigentlich Unspielbaren, teilweise klingt das, was einem da aus den Lautsprechern entgegen dröhnt, mehr nach Lärm als noch nach Musik. Unmelodiös, experimentell, ausdrucksstark aber doch überstrapaziös. Ab und zu, zum Beispiel bei Fanfare klingt wieder der klassischere Frusciante an, der schlichtweg schöne Songs schreiben kann. Wird dann aber gleich wieder verworfen: so schließt Excuses diesen Zyklus an wirklich verstörenden, aufrüttelnden Tracks genauso zerrissen, wie ihn „Shining Desert“ begonnen hat.

Leicht macht John Frusciante es dem Zuhörer also nicht. Will er scheinbar aber auch nicht, er richtet sich nicht nach Erwartungen, nach dem Geschmack seiner Fans oder sonst irgendjemandem. Es sei ihm gratuliert zu seiner persönlichen Entwicklung und zu dem Status des Freigeists, den er sich über lange Jahre des kreativen Prozesses geschaffen hat. Nur eins: letzten Endes sollte Musik doch auch Freude machen. Und dieses Album lässt einen leider doch mit blutenden Ohren zurück.

John Frusciante – Enclosure, Caroline/Universal Music, johnfrusciante.com

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Über den Autor

Lisa Schneider Aufgabenbereich selbst definiert als: Groupie, nichtsdestotrotz. Findet „Schrecklich amüsant aber in Zukunft ohne mich“ (David Foster Wallace) immer wieder treffend.