Jeder Tag kann der schönste in deinem Leben werden

Von Buecherchaos @FranziskaHuhnke

| Jeder Tag kann der schönste in deinem Leben werden | Emily Barr | Übers. Maria Poets | FJB, 2017 | 978-3841440075 | 16,99 € | 

Das Cover führt Euch zum Buch!

Flora Banks Leben ist wie ein tausendteiliges Puzzle in allen Farben des Regenbogens. Jeden Tag muss sie es erneut zusammensetzen. Sie muss sich daran erinnern, wer sie ist und was los ist. Manchmal stündlich. Nichts, was seit ihrem 10. Geburtstag passiert ist, bleibt ihr im Gedächtnis. Doch auf einmal ist da diese eine Erinnerung in ihrem Kopf. Und sie bleibt, verschwindet nicht wie die anderen Details aus ihrem Leben. Es ist die Erinnerung daran, wie sie nachts am Strand einen Jungen geküsst hat. Bewaffnet mit Handy, Briefen von ihrem Bruder aus Paris, einem prallgefüllten Notizbuch und tausenden von Zettelchen macht sich Flora Banks auf eine Reise, die sie letztendlich zu sich selbst führt. Denn zum ersten Mal in ihrem Leben kann sie jetzt entscheiden, wer sie wirklich sein will.

„Jeder Tag kann der schönste in deinem Leben werden“ ist ein Coming of Age Roman. Solche Romane thematisieren den Übergang zum Erwachsensein. Damit dieser Übergang gut sichtbar wird, sind die meisten Teenager ca.  16–18 Jahre alt und haben große Probleme. Manchmal erscheinen sie nur sehr groß, wenn es um die erste Liebe oder das erste Mal geht. Manchmal sind die Charaktere aber wirklich von großen Problemen umgeben: der Tod eines nahen Verwandten, der sie dazu zwingt, ab jetzt selbst zu handeln, Eltern, die sie nicht loslassen können. Es kann auch eine Krankheit sein, die sie zum Handeln zwingt oder das Ende einer Freundschaft, die ewig hätte halten sollen.

Flora Banks, die Protagonisten des Romans von Emily Barr, hat es nicht leicht. Sie ist im richtigen Alter, um die Welt zu entdecken und um zu entscheiden, wer sie wirklich sein möchte. Leider hat sie ein Manko, das sie nicht gut genug ausgleichen kann. Sie weiß nur noch, was in den ersten 10 Jahren ihres Lebens passiert ist. Alles, was danach kam und noch kommen wird, wird Flora wieder vergessen. Jeden Tag aufs Neue. Jede Stunden, wenn sie einen schlechten Tag hat.

Erst mal war ich geschockt. Wie schrecklich nicht einmal seine Eltern zu erkennen, da sich Flora nicht daran erinnern kann, älter als zehn Jahre alt geworden zu sein. Die Zeit bleibt nicht stehen, Menschen verändern sich, die Welt auch, aber jeden Tag vergisst Flora die Veränderungen wieder. Der Knackpunkt der Geschichte? Ein Junge küsst sie und Flora erinnert sich Stunden später immer noch an den Kuss. Sie muss es sich nicht erst aufschreiben. Sie weiß es einfach!

Dies ist der Wendepunkt. Schade ist nur, dass der Roman davon lebt, manche Dinge immer und immer wieder zu erzählen. Manche Begebenheiten aus Floras Leben erfährt der Leser immer wieder, denn Flora liest ihre Lebensgeschichte fast jeden Tag. Und auch der Satz: „Ich habe Drake geküsst.“, taucht so oder etwas abgeändert sehr, sehr oft auf. Nach einiger Zeit wünschte ich mir, dass Flora es vergessen würde. Manchmal dachte ich: „Bitte, bitte sag es nicht noch einmal.“ Denn dann würde ich das Buch zu klappen und wieder ins Regal stellen.

Ich verstehe, dass diese Sätze immer wieder erwähnt werden mussten. Es liegt an der Tatsache, dass sich dieser Roman zum Teil immer wieder im Kreis drehen muss, was an Floras Krankheit liegt. Was ich aber nicht gut finde, ist, dass dadurch andere Dinge zu kurz kommen. Flora lernt tolle Menschen auf ihrer Reise kennen. Menschen, die ihr freiwillig helfen und die erkennen, wie toll Flora ist und wie mutig sie ihr Leben alleine meistert.

Diese anderen Figuren haben zu wenig Aufmerksamkeit erhalten, erscheinen mir manchmal zu blass und unnahbar. Schade.

Gut gelungen ist die Entwicklung bzw. der Übergang im Coming of Age Roman. Flora entwickelt sich wirklich sehr stark, hat aber auch mit Rückschlägen zu kämpfen und verbreitet trotzdem Mut und Zuversicht. Wenn Flora ihr Leben meistern kann und sich aus einem gut behüteten Leben befreit, kann es auch jeder andere.


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