Jan Toorop – der Meister-Symbolist

Jan Toorop – der Meister-Symbolist

Was Johann Wolfgang von Goethe für die Literaturgeschichte war, muss wohl der Niederländer Jan Toorop für die Kunstgeschichte sein. Ähnlich wie sich Goethe zwischen Sturm und Drang, Klassik und Romantik bewegte, streifte Toorop durch mehrere kunstgeschichtliche Strömungen. In der aktuellen Einzelausstellung wirkt es deshalb so, als ob mehrere Künstler beteiligt gewesen wären. Der Grund: Jan Toorop, 1858 geboren, sog vom Impressionismus, Symbolismus, Pointilismus bis hin zum Naturalismus und Jugendstil alles auf und schuf vielfältige Werke.

Jan Toorop lebte unter anderem in England, Brüssel und Den Haag. Er schloss Freundschaft mit James Ensor und stellte 1884 auf dem Salon des Indépendants in Paris aus, sowie 1890 und 1902 auf den Ausstellungen der Wiener Secession. Hinzu kommt, dass Toorop eigenhändig manche Werke bewusst zurückdatierte. Gerard van Wezel, der Kurator der Ausstellung, die vom Gemeentemuseum in Den Haag organisiert wurde, hat nun erstmals das gesamte Werk des umtriebigen Künstlers dokumentiert und zusammengetragen.

Jan Toorop in drei Werken

Über 130 Werke gibt es seit dem 27. Oktober in der Villa Stuck zu sehen, bevor die Ausstellung 2017 weiter in das Bröhan Museum in Berlin wandert. Wer einen Streifzug durch kunsthistorische Gattungen sehen will, ist hier also genau richtig. In diesem Blogbeitrag wollen wir drei Stücke aus dem ausgestellten Oeuvre Jan Toorops vorstellen.

1. Die Leichtigkeit des Pointilismus neu gedeutet

Jan Toorop – der Meister-Symbolist

Zwei Weiden – Novembernachmittag, 1889, Gemeentemuseum, Den Haag

Die Suche nach der richtigen – wobei richtig waren für ihn alle, adäquat für das Thema und seine persönliche Empfindung sollten sie sein – Ausdrucksform führte Jan Toorop über den Impressionismus zum Pointilismus. Inspiriert haben ihn unter anderen Vincent van Gogh. Den Stil der knapp nebeneinander gesetzten Farbtupfer verwendete der Künstler dabei nicht nur wie seine Künstlerkollegen für leichte Sujets, wie das der „Zwei Weiden“, sondern auch um das harte Leben der holländischen Bauern festzuhalten.

2. Was der Salatöl-Stil mit dem Jugenstil gemein hat Jan

Jan Toorop – der Meister-Symbolist

Toorop Delftsche Slaolie, 1895, Plakat, Farblithographie, Sammlung Gemeentemuseum Den Haag

Jan Toorop schuf nicht nur Gemälde, sondern auch Spiegel, Buntglasfenster, Buchillustrationen und Plakate. Wegen seiner Lithografie „Delftsche Slaolie“ war der Jugendstil sogar eine Zeit lang als Salatöl-Stil in den Niederlanden bekannt. Der Grund: Jan Toorop entwarf für die Delftsche Slaolie – einer Salatölfirma das Werbeplakat, das auch jetzt das Aushängeschild der Ausstellung geworden ist.

Speziell für diese Plakate und Bucheinbände entwickelte er einen eigenen “Serpentinen-Stil”. Geschwungene Linien, die parallel verlaufen, deuten Frauenhaare an und bedecken die gesamte Bildoberfläche. Und nicht nur das: in dem Werk „Linienspiel, das Aufkommen der neuen Kunst“ von 1893 führt Toorop das fantasiereiche, symbolistische Bildsujet auch auf dem Rahmen fort. Platz für Tiefe und Raum bleibt kaum. Allerdings war Toorop mit diesem Stil so erfolgreich, dass sogar der Großmeister des Jugendstils Gustav Klimt in seinem bekannten Beethovenfries ausgiebig bei Toorop abkupferte.

3. Glaube, Liebe, Hoffnung

Jan Toorop – der Meister-Symbolist

Geloof en Loon (‘Souffrance prolétarienne’, ‘Glaube und Arbeit’), 1902, Triton Collection Foundation

Das naturalistische Werk „Glaube und Lohn“ von 1902 ist das dritte in unserer Auswahl. Es hängt im unteren Stockwerk der Ausstellung und zieht den Betrachter sofort in seinen Bann. Dies geschieht vornehmlich durch die zwei vordersten Protagonisten im Bild: ein ländlich gekleidetes Paar umringt von der Familie. Die eisblauen Augen der Frau blicken den Betrachter direkt an. Im Hintergrund hängt ein Bild Jesus Christus mit zersprungenem Glas.

Ganz anders als bei dem Jugendstil-Plakat oder den zwei Weiden in flirrender Leichtigkeit, dominieren hier scharf konturierte Formen. Toorop malte mit Bleistift, farbiger Wachsmalkreide und Pastellfarbe das großflächige Bild. Diesen markanten Malstil übernahm er ab 1897 von der Beuroner Schule, die eine Erneuerung der religiösen Kunst anstrebte. In dieser Zeit konvertierte Toorop auch zum Katholizismus, nicht zuletzt um seine Ehe mit der strenggläubigen Annie Hall zu retten. Das realistisch gemalte Bild „Glaube und Lohn“ kann durchaus als Allegorie seiner schwierigen Ehe gesehen werden.


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