Jamal Mahjoub – Die Stunde der Zeichen

Von Nicsbloghaus @_nbh

Ich bin mir nicht sicher, ob ich dieses Buch gekauft hätte; es war ein Geschenk Und ich bin nun den Schenkenden dankbar.

Ilija Trojanow hat es sich (unter anderem) zur Aufgabe gemacht, mit der Edition Weltlese Bücher herauszugeben, die in Deutschland sonst nicht erscheinen würden. In dieser Reihe nun erschien Jamal Mahjoub’s Buch “Die Stunde der Zeichen”.

Hintergrund der Geschichte ist der Mahdi-Aufstand, der von 1881 bis 1899 den Nahen Osten erschütterte. Vor diesem Buch habe ich davon noch nie etwas gehört. Und dabei ist es doch einer der ersten und wichtigsten Aufstände gegen die Kolonialmacht England.
Der Anführer des Aufstandes, der selbsternannte Mahdi Muhammad Ahmad erreichte es, unter der Fahne des Islam eine starke Streitmacht aufzubauen, die sich gegen die englische und ägyptische Fremdherrschaft erhebt.

In den Hinweisen zum Buch erscheint immer wieder das Wort Fundamentalismus. So, als solle das Buch ein “Beweis” sein, dass Fundamentalismus generell falsch, schlecht und grausam ist. Doch – in diesem historischen Zusammenhang (und ich sehe auch aktuell Parallelen) – war dieser Fundamentalismus revolutionär. Machte er es doch möglich, dass sich ein David gegen den übermächtig wirkenden Goliath erhebt.

Nun kann man den Satz aus dem Klappentext:

Ein spannender Roman, der gegenwärtiger kaum sein könnte.

auf mindestens zwei Arten verstehen. Zum einen als Warnung vor dem Islam (oder besser: dem fundamentalistischen Islam) oder aber als Hinweis darauf, dass die Grundlage für den Fundamentalismus auch in der kolonialen Haltung des Westens zu sehen ist. – ich plädiere für die zweite Variante; das macht mir auch das Buch in seiner Kernaussage verständlicher.

Dem Autor gelingt es, das Zeitkolorit einzufangen und den Aufstand umfassend darzustellen da er sich nicht auf nur eine Sicht darauf beschränkt, sondern den Leser in das Lager der Mahdi genauso mitnimmt wie in die Städte der Engländer. Das macht (für mich) das Buch – die erzählte(n) Geschichte(n) sehr glaubwürdig.

Nun kann man sich sicherlich streiten, ob dieses Buch auch als unterschwellige Warnung vor Fundamentalisten zu verstehen wäre. Ich lese es nicht so. Auch wenn ich Fundamentalismus – egal von welcher Seite, von welcher Religion oder Heilslehre – für grundsätzlich falsch halte, so scheint es doch, als wäre der Mahdi-Aufstand gegen die Kolonialmacht England nur wegen der “Klammer” Religion möglich gewesen.
Glaubenskriege brechen nie aus wegen irgendeiner Religion. Die tatsächlichen Ursachen sind ökonomischer Natur (auch der Kampf um Bodenschätze und/oder Wasser ist ökonomisch determiniert!) Auch wenn Jamal Mahjoub das explizit so nicht erwähnt, ergibt es sich doch schlüssig aus der Handlung.

Noch einmal: Dank an die Schenkenden; ich hab das Buch gern gelesen.