Jahresrückblick 2019: Zahlen, Diagramme und ein bisschen Sentimentalität

Jahresrückblick 2019: Zahlen, Diagramme und ein bisschen Sentimentalität

Hallo ihr Lieben! 🙂

Ich kann es kaum glauben. Mein Jahresrückblick 2019 ist tatsächlich innerhalb der ersten zwei Wochen des Jahres 2020 fertig geworden! Ich finde, das verdient einen Tusch! Es hat sich ausgezahlt, dass ich dieses Mal sehr diszipliniert war und bereits zum Jahresende angefangen habe, mein Resümee zusammenzustellen. Übrigens, laut Duden ist ein Resümee eine „knappe Inhaltsangabe" oder „kurze Zusammenfassung". Nun, das ist hier nicht der Fall. Mit „kurz und knapp" kann ich nicht dienen - wie auch, schließlich soll dieser Rückblick 12 volle Lesemonate statistisch und emotional Revue passieren lassen.

Wie immer habe ich eine zweigeteilte Struktur gewählt, um euch die verschiedenen Facetten meines vergangenen Lesejahrs zu präsentieren. Im ersten Part werden wir 2019 statistisch aufarbeiten und anhand der Fakten ein objektives Fazit ziehen. Dafür habe ich bei Piktochart Infografiken erstellt, die euch mithilfe von Zahlen und Diagrammen einen transparenten Überblick verschaffen. Ich werde jede Kategorie einzeln kommentieren und interpretieren, damit ihr das nötige Kontextwissen erhaltet, um zu verstehen, wie die Statistiken einzuordnen sind. Ich möchte mich im Voraus dafür entschuldigen, dass die Legenden der Diagramme nicht mehr so gut zu lesen sind; das liegt einfach daran, dass Piktochart die Aufmachung veränderte und ich die Schriftgröße leider nicht beeinflussen kann. Ich bemühe mich, Zahlen und Prozentangaben in meinen Diskussionsabschnitten zu erwähnen, damit ihr diese trotzdem kennenlernt. Außerdem werde ich natürlich den Bezug zu den vergangenen Jahren herstellen, denn die entscheidende Frage, die es zu beantwortet gilt, lautet: Wie entwickelt sich mein Leseverhalten?

Im anschließenden zweiten Part machen wir es uns bequem, lehnen uns zurück und lassen 2019 emotional Revue passieren, Popcorn, Chips und Erfrischungen inklusive. Dafür werde ich 30 Fragen beantworten, die ursprünglich von Martina Bookaholics stammen. Seit einigen Jahren bietet sie das Formular nicht mehr auf ihrer Website an, deshalb habe ich auf die alte, bewährte Version von 2016 zurückgegriffen und meinen Header, den ich letztes Jahr erstellt habe, aktualisiert. Ich lade euch in die Kommandozentrale meines Bücherhirns ein; in dem kleinen Büro in einem Nebenraum meines Lektürearchivs wird es für uns alle vermutlich reichlich eng, aber ich habe Kissen und Decken ausgelegt, damit ihr es euch gemütlich machen könnt!

Habt ihr Lust auf einen ausführlichen Ausflug in die jüngste Vergangenheit? Dann klemmt euch die Sepiabrille auf die Nase, lasst euch von einem sentimentalen Harfenthema in die richtige Stimmung bringen und schon starten wir mit meinem Jahresrückblick 2019!

Ihr fühlt euch von Diagrammen, Zahlen und Statistiken unangenehm an den Mathematik-Unterricht erinnert und möchtet den ersten Part lieber überspringen? Dann gelangt ihr HIER direkt zur emotionalen Retrospektive!

Jahresrückblick 2019: Zahlen, Diagramme und ein bisschen Sentimentalität

Ugh, der Rückblick beginnt mit unerfreulichen Zahlen. 2019 habe ich mein jährliches Leseziel von 85 Büchern um 7 Bücher verfehlt. Wie diese beschämende Bilanz von 78 Büchern zustande kam, werde ich in den folgenden Kategorien genauer erklären, an dieser Stelle soll das ehrliche Geständnis meiner Schande genügen. Im Vergleich zu 2018 habe ich ganze 11 Bücher und 1.535 Seiten weniger gelesen; verglichen mit 2017 sind es 6 Bücher und 1.342 Seiten weniger. Es war das bisher erfolgloseste Jahr in der Geschichte des wortmagieblogs. Schluck. Für mich ist dieses Ergebnis zweifellos sehr enttäuschend, obwohl ich natürlich weiß, dass ich gute und legitime Gründe hatte, weniger zu lesen. Dennoch verbietet es mir meine Ehre als Bücherwurm, diese Zahl so stehen zu lassen. 2020 werde ich das Leseziel von 85 Büchern wieder erreichen, das schwöre ich hiermit feierlich!

Jahresrückblick 2019: Zahlen, Diagramme und ein bisschen Sentimentalität

Die zweite Kategorie vermittelt euch bereits einen Eindruck davon, wieso ich 2019 lediglich 78 Bücher gelesen habe. Im Laufe des Jahres beschlich mich das Gefühl, dass ich oft zu Büchern griff, die sich als dicke Wälzer qualifizieren. Daher dachte ich es, es wäre interessant zu sehen, wie groß deren Anteil in harten Zahlen ist und zu überprüfen, wie viele Bücher ich gelesen habe, die mehr als 500 Seiten umfassen. Es stellte sich heraus, dass meine intuitive Einschätzung ein wenig fehlgeleitet war. Nur 31 Bücher fallen in die Sparte „Ziegelstein", was rund 40% meiner gesamten Lektüreauswahl entspricht. Ich hätte Stein und Bein geschworen, dass es mehr waren. Überflüssiger Fun-Fact nebenbei: die meisten dieser Werke habe ich bis Juli 2019 gelesen, ab etwa Mitte des Jahres nahm diese Quote rasant ab.
Allerdings muss hier vermerkt werden, dass diese 31 Bücher mehr als die Hälfte meines Seitenkonsums in 2019 bestritten. Mit 20.639 Seiten sind es rund 55%. Irgendwie hatte ich also doch Recht, dicke Wälzer nahmen zumindest die Seiten betreffend tatsächlich die überwiegende Mehrheit meiner Lektüre in 2019 ein.
Darüber hinaus war ich überrascht, dass ich im vergangenen Jahr kein einziges Buch gelesen habe, das 1.000 Seiten oder mehr umspannt. Mein Spitzenreiter war„Breaking News" von Frank Schätzing mit 955 Seiten; am unteren Ende der Skala findet sich „The Stepford Wives" von Ira Levin mit 195 Seiten.

Jahresrückblick 2019: Zahlen, Diagramme und ein bisschen Sentimentalität

Natürlich musste sich die geringere Anzahl meiner Gesamtlektüre in der monatlichen Quote niederschlagen. Erstmals fiel ich unter meine üblichen 7 Bücher pro Monat und landete bei 6,5. Wie ihr seht, verzeichne ich für 2019 zwei Ausreißer nach oben und zwei nach unten.
Im Juni flippte ich völlig aus und las 11 Bücher, im Oktober immerhin 9. Im April und August las ich hingegen jeweils lediglich 4 Bücher. Der April ist der Auslöser dafür, dass ich über den Anteil der dicken Wälzer in meiner Lektüre nachdachte. Damals sollte ich für Weltenwanderers Motto Challenge ausschließlich Werke über 500 Seiten lesen. Meine Auswahl war suboptimal, denn zwei der vier Romane waren nicht nur umfangreich, sondern lasen sich auch schwer. Warum ausgerechnet der Juni für mich spektakulär erfolgreich war, kann ich nicht erklären. Ich vermute, dass ich einfach einen Lauf hatte, das erleben wir ja alle mal. Die anderen beiden Ausreißer im August und im Oktober hingen hingegen eng mit meinem Privatleben zusammen.

Ende Juli wurde bei meiner Hündin Chilli Anämie (Blutarmut) diagnostiziert. Ich möchte es euch und mir ersparen, hier noch einmal alle Details ihres Krankheitsverlaufs aufzuschlüsseln, es sollte ausreichen, wenn ich berichte, dass ich in der folgenden Zeit nach der Diagnose jede Woche ein- bis zweimal mit ihr zum Tierarzt und später auch in die Tierklinik musste. Diese Besuche waren nicht nur zeitraubend und teuer, sondern emotional und mental äußerst belastend. Mein Baby war todkrank. Ihr Körper zerstörte sich selbst, griff ihre eigenen roten Blutkörperchen an und nichts, was wir unternahmen (Medikamente, Medikamente, Medikamente), hatte irgendeinen Efffekt. Ich war in dieser Zeit ein von Sorgen zerfressenes Nervenbündel. Mit jedem neuen Test sanken meine Hoffnungen, aber das durfte ich sie nicht sehen lassen. Ich musste stark für sie sein und irgendwo in den Tiefen meines Ichs habe ich diese Stärke auch gefunden. Im August blieb das Lesen deshalb allerdings auf der Strecke. Ich konnte mich nicht konzentrieren und schaute lieber Serien. Im September verschlechterte sich ihr Zustand rasant. Ihre Werte sackten gefährlich ab. Sie wollte nicht mehr fressen. Sie konnte kaum noch laufen. Am 24. September traf ich dann die unendlich schwere Entscheidung, sie gehen zu lassen. Sie wurde zu Hause, in den Armen ihrer Familie, eingeschläfert. Dieses Erlebnis und die zwei Monate, die diesem vorausgingen... Ich finde keine Worte, um angemessen zu beschreiben, wie ich mich fühlte. Nach ihrem Tod wollte ich in meiner Trauer einfach nur noch fliehen. Bücher halfen mir dabei, weil sie es mir ermöglichten, die schmerzhafte Realität zu vergessen. Ich hielt mich an fiktive Welten, fiktive Personen, fiktive Ereignisse. Daher steigerte sich mein Konsum im Oktober. Ich schlief, ich arbeitete, ich las.

Mittlerweile geht es mir wieder besser. Ich trauere noch immer und werde es vermutlich noch lange tun, aber ich habe in mir den Willen gefunden, am Leben teilzunehmen. Ich heile. Ich will, dass sie stolz auf mich ist. Ich vermisse dich, mein Schatz.

Jahresrückblick 2019: Zahlen, Diagramme und ein bisschen Sentimentalität

Es ist erstaunlich, dass ich trotz meiner mageren Lesequote und der Rückschläge in meinem Privatleben fleißig Rezensionen geschrieben habe. Von meinen 78 in 2019 gelesenen Büchern habe ich 57 rezensiert, was einer Rate von 73% entspricht. Dieser Wert hat sich im Vergleich zu 2018 nicht verändert, da ich seit meinem Handgelenksbruch 2017 allerdings immer einen Rückstau der ausstehenden Rezensionen des Vorjahres zu verzeichnen habe, muss in diese Kategorie einbezogen werden, dass ich diese zusätzlich abgearbeitet habe. Deshalb ist die Gesamtsumme meiner veröffentlichten Rezensionen in 2019 trotzdem höher als 2018. Damals waren es nur 72, ich konnte mich auf 80 verbessern. In 2017, dem Jahr des Reitunfalls, waren es 75; in meinem Spitzenjahr 2016 hingegen 85. Könnte das bedeuten, dass ich mich wieder meinem Höchstwert annähere? Ich drücke die Daumen!

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Hallo, ich heiße Elli und ich liebe Fantasy-Literatur. Wie ihr seht, hat sich wenig verändert in der Genreverteilung; Fantasy nimmt noch immer die Mehrheit (53%) meiner Lektüre ein. Dennoch ist deren Anteil auf dem niedrigsten Stand seit Jahren: 2018 lag er bei 54%, 2017 bei 61,9% und 2016 bei 66,7%. Daraus schlussfolgere ich, dass meine Bemühungen, ein bisschen variabler zu lesen, langsam aber stetig Früchte tragen.

Besonders die Science-Fiction machte 2019 einen ordentlichen Sprung nach vorne, mit 15 Büchern aus diesem Genre liege ich jetzt bei einem Wert von 19%. Im Vergleich zu den Vorjahren, während derer sich der Anteil zwischen 10 und 12% einpegelte, ist das eine signifikante Verbesserung.

Die Sparte Thriller/Horror/Krimi habe ich für den Jahresrückblick 2019 erstmals zusammengefasst, daher ist es hier schwer zu sagen, wie relevant der Anteil von 13% tatsächlich ist, weil ich Horror meiner Erinnerung nach in der Vergangenheit meist unter „Sonstiges" erfasste.

Andere Genres mussten leichte Negativtendenzen einstecken; die Realistische Fiktion sank von 7% in 2018 bzw. 6% in 2017 auf 4% und die Historische Fiktion von 5% (2018) bzw. 4,8% (2017) ebenfalls auf 4%.

Die Non-Fiction, die in 2019 ausschließlich durch biografische Werke vertreten war, liegt mit 5% leicht unter dem Wert von 2018 (6%), dafür aber deutlich über der Bilanz von 2017 mit 3,6%, von den verschwindend geringen 1,1% in 2016 mal ganz zu schweigen. Es scheint, als würden sich Sachbücher Stück für Stück fest in meine Lektüreauswahl integrieren, worüber ich mich sehr freue.

Zu guter Letzt haben wir dann noch die Klassiker, deren Wert mit 2% mehr oder weniger gleich geblieben ist. In diesem Bereich kann der prozentuale Anteil beinahe vernachlässigt werden, wichtiger ist meiner Meinung nach die tatsächliche Anzahl. Mit 2 gelesenen Klassikern liege ich bei meinem üblichen Schnitt und gedenke nicht, daran etwas zu ändern. Wie bereits bekannt, glaube ich, dass die Lektüre von Klassikern nur dann Sinn ergibt, wenn man wirklich Lust darauf hat und bereit ist. Man kann Weltliteratur nicht erzwingen. Dazu möchte ich allerdings ergänzend erwähnen, dass mein Begriff von „Klassiker" relativ eng gefasst ist; viele Bücher, die gern als „moderne Klassiker" bezeichnet werden, landen bei mir in anderen Kategorien, weil sie für mich nicht zu den Werken zählen, die man gelesen haben sollte, um als belesen zu gelten. Diese Diskrepanz zeigt sich für mich immer wieder, wenn ich mich mit der Bücherkultur Challenge befasse, über die wir später noch sprechen werden.

Von all diesen Büchern zählen übrigens 17 (22%) zur Young Adult - Literatur, das möchte ich ergänzend erwähnen. Mit diesem Wert hat sich der Anteil um einen Prozentpunkt im Vergleich zu 2018 gesteigert. Dieses Ergebnis verblüfft mit ein wenig, weil ich im Verlauf des Jahres das Gefühl hatte, ich hätte deutlich öfter zu Jugendromanen gegriffen.

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Das sieht doch aus, als wäre mein Lesejahr recht erfreulich verlaufen, oder nicht? Der Anteil der Bewertungen mit 1 Stern ist auf einem historischen Tiefstand. Ich habe bis 2015 zurückgeblickt und herausgefunden, dass ich in den vergangenen Jahren immer mindestens zwei Bücher mit diesem negativen Urteil abstrafen musste. 2019 war es nur eines. Zähle ich die Bewertungen mit 2 Sternen dazu, waren es insgesamt lediglich 9 Bücher, die mich enttäuschten, was ich natürlich beizubehalten hoffe.

Ich glaube, dass der höhere Anteil von 3- und 4-Sterne-Bewertungen (insgesamt 79,4%) auch ein Ausdruck dessen ist, dass ich mich aktiv bemühte, mich leichter begeistern zu lassen, weil ich 2018 sehr unzufrieden damit war, dass mir meine Leseerfahrungen durchschnittlich erschienen. Ich wollte nicht länger die Meckertante vom wortmagieblog sein und ich denke, es ist mir gelungen, mich wieder mehr auf die positiven Aspekte der Geschichten zu konzentrieren.

Dass ich hingegen noch immer selten die Höchstwertung von 5 Sternen vergebe (2019 nur sechs Mal), empfinde ich nicht als problematisch, denn ich sehe darin eine Auszeichnung, die ausdrückt, dass wirklich alles stimmte. Das passiert eben nicht oft; es gibt wenige Werke, in denen nicht an dem einen oder anderen Schräubchen noch hätte gedreht werden können. Außerdem setzt diese Spitzenwertung auch immer eine spezielle Verbindung zwischen mir als Leserin und dem Autor bzw. der Autorin voraus. Diese Magie entfaltet sich noch seltener. Sie ist das Einhorn unter den Leseerfahrungen.

2019 sah ich mich darüber hinaus nur ein einziges Mal genötigt, komplett auf eine Bewertung zu verzichten. Sogar die Biografien, die ich im vergangenen Jahr gelesen habe, konnte ich beurteilen, weil kein Buch dabei war, das so persönlich oder intim gewesen wäre, dass mir eine Sternevergabe unangemessen erschien. Das eine Buch, bei dem ich trotzdem darauf verzichtete, ist ein klarer Fall von Befangenheit, denn es handelt sich dabei um den Debütroman meiner lieben Freundin Marina aka DarkFairy, an dessen Entstehung ich selbst mitwirkte. Noch voreingenommener hätte ich nicht sein können. 😉

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2018 habe ich entschieden, mich nicht mehr um die Sprachenverteilung meiner Lektüreauswahl zu kümmern. Lange genug hatte ich ein schlechtes Gewissen, weil ich glaubte, meine Muttersprache zu vernachlässigen, indem ich mehr und mehr zu englischsprachiger Literatur griff. Glücklicherweise ging mir auf, dass das Unsinn ist, weil die Sprache für mich einfach kein Auswahlkriterium ist. Im Laufe des vergangenen Jahres ahnte ich bereits, was sich nun in den Zahlen bestätigt: lässt man mir freie Hand, lese ich exakt doppelt so viele Bücher auf Englisch wie Bücher auf Deutsch. Warum? Weil ich es kann. Ich lese nicht auf Englisch, weil ich die Sprache so schätzen würde; ich verspüre nicht länger das Bedürfnis, meinen englischen Wortschatz und mein Gespür für englische Grammatik zu verbessern und ich wähle auch nicht deshalb englische Bücher aus, weil ich damit irgendwie angeben wollen würde, falls mir das jemals jemand unterstellt hat. Tatsächlich habe ich 2019 oft darüber nachgedacht, wieso englischsprachige Literatur so häufig auf meinem (metaphorischen) Nachttisch landet.

Ich glaube, abgesehen von den praktischen Vorteilen (niedrigere Preise, wegfallende Wartezeiten durch die Übersetzung, etc.), handelt es sich dabei mittlerweile um eine kulturell anerzogene Gewohnheit, die sich verselbstständigt hat. Es ist doch so: die westliche Literatur wird stark von englischsprachigen Autor_innen geprägt. Es wäre sicher ein Spaß, deutsche Verlagsvorschauen dahingehend zu überprüfen, wie viele Übersetzungen aus dem Englischen sie enthalten. Wir werden dazu erzogen, diese Schriftsteller_innen zu lesen und zu mögen, weil sie für uns prominent inszeniert werden. Als ich angefangen habe, die Autor_innen, die ich bisher übersetzt las, auf Englisch zu lesen, entfernte ich lediglich den Zwischenschritt. Das hatte allerdings unerwartete Konsequenzen. Über meine bevorzugten Schriftsteller_innen lernte ich internationale Verlage kennen, deren Ausrichtung mir gefällt. Orbit ist ein hervorragendes Beispiel, weil sich dieser Verlag auf Fantasy und Science-Fiction spezialisiert und damit meinen Vorlieben genau entgegenkommt. Ich abonnierte Newsletter und Vorschauen dieser Verlage und lernte dadurch wieder neue Autor_innen kennen. Empfehlungen auf Goodreads, meiner liebsten Buchcommunity, konnte ich plötzlich auf meine Wunschliste setzen, ohne zu bangen, ob das jeweilige Werk jemals übersetzt wird. Die Situation entwickelte ein Eigenleben. Für mich fühlte es sich an, als hätte sich mir zusätzlich ein ganz neuer Kosmos eröffnet, der einfach größer ist als der nationale Buchmarkt. Ich denke, diese Verhältnisse spiegeln sich heute in meiner Lektüreauswahl wieder.

Was ich 2019 erstmals bewusst ablegte, ist diese seltsame Auffassung in meinem Kopf, es bestünde eine Konkurrenz zwischen englischen und deutschen Büchern. Das ist Quatsch. Ich glaube, ginge ich in die Jahre zurück, in denen mein Blog noch nicht existierte, würde sich schnell herausstellen, dass ich immer einen überwiegenden Anteil Autor_innen gelesen habe, die eben nicht aus Deutschland, sondern aus englischsprachigen Ländern stammen. Ich habe sie nur übersetzt gelesen. Ich überlege mittlerweile, ob ich diese Kategorie für den nächsten Jahresrückblick (also auf 2020) komplett entferne, weil sie meiner Ansicht nach nicht mehr viel über mich aussagt.

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Da wir nun ohnehin bereits über Autor_innen gesprochen haben, wird es Zeit, zu überprüfen, ob ich meinen Vorsatz, 2019 mehr Autorinnen zu lesen, realisieren konnte. Tja. Mission failed. Als ich die Zahlen zuerst sah, amüsierte mich dieses Ergebnis gewaltig. Das ist einfach so typisch. Ich nehme mir vor, weiblicher Literatur ein Jahr lang den Vorzug zu geben und mein Bauch macht genau das Gegenteil und erhöht den Anteil der männlichen Schriftsteller sogar auf 58% (2018 waren es 55%). Nie habe ich mehr Bücher gelesen, die von Männern geschrieben wurden. Ein Schelm, wer da eine Trotzreaktion vermutet. Letztendlich diente mein Vorsatz allerdings ohnehin nur dazu, herauszufinden, ob ich das Verhältnis von Autoren zu Autorinnen bewusst steuern und umkehren kann. Nein, kann ich nicht. Botschaft angekommen. Ich akzeptiere, dass ich lieber männliche Literatur lese.

Für diese Kategorie überlege ich nun, ob ich sie für 2020 umgestalte. Nicht nur, weil sich seit Jahren derselbe Trend abzeichnet, sondern auch, weil mir die binäre Einteilung in Zeiten von Diversität und Gender-Vielfalt antiquiert und exkludierend erscheint. Ich riskiere jedes Mal, Personen zu verletzen, indem ich sie in die Geschlechterzweiteilung zwinge und mal ehrlich, sollte das überhaupt eine Rolle spielen? Ich gelange mehr und mehr zu der Ansicht, dass es falsch ist, das heteronormative Geschlechterkonstrukt unserer Gesellschaft hier anzuwenden, während ich mich an anderer Stelle um Offenheit und Toleranz bemühe. Ich denke, es wird weiterhin eine Folie dazu geben, wie viele unterschiedliche Autor_innen ich gelesen habe, aber nicht mehr zur Geschlechterverteilung. Ich möchte mir schließlich nicht vorwerfen lassen müssen, dass ich überholte Ideen reproduziere. 😉

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Es ist schon wieder passiert! Wieder habe ich mich in der Bücherkultur Challenge um exakt 3% vorangelesen (von 32% auf 35%), wie bereits 2018, 2017 und 2016. Keine Ahnung, wie ich das mache. Bewusst geschieht das jedenfalls nicht. Ich kann es nicht erklären. Da ich sonst allerdings relativ wenige Worte über diese Challenge verliere, möchte ich dieses Jahr ein bisschen plaudern und ein paar Gedanken dazu niederschreiben.

Die Bücherkultur Challenge läuft seit 2015 und umfasst (in meinem Fall) 135 Bücher, die es zu lesen gilt. Nach vier Jahren der Teilnahme kann ich stolz berichten, mittlerweile den Großteil dieser Bücher auch zu besitzen. Am Anfang war das nämlich nicht der Fall, ich hatte nur einen Bruchteil im Regal stehen und arbeite nun jedes Jahr fleißig daran, ein paar dieser Klassiker zu erwerben, um irgendwann die vollständige Liste hier zu haben.

Außerdem habe ich mal nachgeschaut, was eigentlich aus den Veranstalter_innen der Challenge geworden ist. Mir wurde bewusst, dass vier Jahre im Bloguniversum offenbar eine lange Zeit sind. Der Blog von Kim Leopold, Allthesespecialwords, existiert nicht mehr. Das mag dadurch begründet sein, dass Kim an ihrem Durchbruch als Autorin werkelt und sich eine offiziellere Website besser dafür eignet, diese durchläuft aktuell aber Wartungsarbeiten. Hennis Blog zu ende gelesen ist geschützt und nicht mehr öffentlich, das heißt, ich kann ihn nicht mehr ohne Einladung besuchen. Könnte an der neuen DSGVO liegen oder daran, dass er nicht mehr bloggt, ich weiß es nicht. Falls jemand was weiß, lass mir gern einen Kommentar hier. Franzi ist noch aktiv, ihr Blog heißt aber nicht mehr Lovely Mix, sondern Literatur-Mix. Auf ihrer Seite zur Bücherkultur Challenge erfährt man, dass diese tatsächlich nur noch bei ihr stattfindet.

Ich war überrascht, zu lesen, dass die Liste gewachsen ist! Das freut mich, denn damit kommen wir auch schon zu dem Punkt, den ich bereits in der Genreverteilung angedeutet habe. Die Auswahl auf der originalen Liste kann ich nicht völlig nachvollziehen. Da stehen Bücher drauf, von denen ich noch nie gehört habe und die sich meiner Meinung nach nicht einmal als „moderne Klassiker" qualifizieren. Andere fehlten dafür. Ein Blick auf die aktualisierte Liste zeigt mir jedoch, dass Franzi da ordentlich nachgerüstet hat. Ich muss noch entscheiden, wie ich mit dem Update umgehe, ob ich meine Liste sofort erweitere oder ob ich erst meine originale Liste abarbeite und die zusätzlichen Bücher danach ergänze. Eigentlich habe ich mit der usprünglichen Liste noch mehr als genug zu tun. Mal sehen. 🙂

Zum Lesebingo 2019 und der Motto Challenge 2019 muss ich wahrscheinlich nicht mehr viel sagen. Teilgenommen, gerockt, fertig. 😀 Mir ist es dieses Mal nur nicht gelungen, auch alle Bücher, die ich für das Lesebingo gelesen habe, zu rezensieren, aber das macht nichts. Ich wähle ja bewusst ausschließlich Challenges aus, die ohne Rezensionspflicht auskommen und muss mich demzufolge nicht schlecht fühlen.

Abschließend werfen wir noch einen Blick auf meine eigene Challenge, Wortmagie's makabre High Fantasy Challenge 2019. Kein gutes Ergebnis. Mein schlechtestes Jahr bisher. 73% sind wirklich mager, 2018 habe ich mit 83% abgeschlossen, 2017 mit 80% und 2016 sogar mit 93%. Das muss wieder besser werden, sonst erreiche ich mein Ziel, endlich mal alle 30 Aufgaben zu erfüllen, nie. Ich habe irgendwann ausgerechnet, dass ich pro Monat 2,5 High oder Low Fantasy Romane lesen muss, um die Challenge zu schaffen. Allerdings lege ich die Aufgaben so an, dass sich oft erst bei der Lektüre ergibt, ob man sich ein bestimmtes Buch auch wirklich anrechnen kann. Ich habe deshalb immer noch ein narrensicheres Rezept gefunden, das es mir ermöglicht, meine Quest erfolgreich abzuschließen.

2019 war für mich ein bitteres Jahr mit einem Herz aus Stahl. Es freut mich, dass es zumindest lesetechnisch respektabel war. Natürlich habe ich weniger gelesen, aber meine Erinnerungen an diese 78 Bücher sind überwiegend positiv, was die statistische Sternevergabe ja belegt. Auch denke ich, dass ich gerade aufgrund der großen Tragödie des vergangenen Jahres noch ein bisschen besser zu verstehen gelernt habe, wie ich lese, wann ich lese und warum ich lese.

Die Monatsverteilung zeigt, dass Bücher für mich eine Flucht aus dem Alltag darstellen, die ich gern nutze, wenn ich mir diesen Luxus leisten kann. Im August konnte ich das nicht, weil die Realität zu präsent war und zu viel meiner Kraft beanspruchte, um mich mit fiktiven literarischen Ereignissen zu beschäftigen. Im Oktober hingegen floh ich vor dem Schmerz meiner Trauer in die Welt der Bücher und wie die guten Gefährten, die sie nun mal sind, waren sie für mich da, als ich sie dringend brauchte. Vielleicht lag meine höhere Bereitschaft, gute Bewertungen zu vergeben, auch daran, dass ich unermessliche Dankbarkeit für ihre bloße Existenz empfand.

Ich fand außerdem den endgültigen statistischen Beweis, dass ich absolut keine Leserin bin, die ihre Lektüre weit im Voraus planen oder beeinflussen kann. Das ist insofern verblüffend, weil ich in allen anderen Lebensbereichen unflexibel und überhaupt nicht spontan bin. Ich liebe die Sicherheit, die mir Routinen und festgelegte Strukturen vermitteln - nur bei meiner Buchauswahl kann ich keine Listen, Pläne oder konkrete Vorhaben anwenden. Vielleicht ist das Lesen der eine Aspekt meines Lebens, in dem ich wirklich im Einklang mit meinen akuten Bedürfnissen schwinge und keine vernunftbasierten Kompromisse zu schließen vermag. Vielleicht ist es gut, dass ich nicht planen kann, weil es mich zwingt, in mich hineinzuspüren und zuzuhören, was meine Seele gerade braucht. Möglicherweise trete ich bei jeder neuen Buchauswahl so intensiv in Kontakt mit mir selbst, wie sonst selten.

Ich erreiche Stück für Stück einen Punkt, an dem ich meine Lesegewohnheiten einfach akzeptiere, wie sie sind, sei es nun die Sprachenverteilung, das Verhältnis von Autorinnen zu Autoren oder die Genreverteilung. Es stimmt mich glücklich, dass ich mittlerweile nicht mehr ganz so versteift auf die Fantasy bin, weil ich weiß, dass ich mir dadurch selbst neue Horizonte eröffne, doch ich halte es nicht mehr für sinnvoll, mich mit Macht aus meiner Komfortzone herauszureißen. Experimente sind in Ordnung, wenn ich bereit dafür bin und mich ihnen gewachsen fühle. Bücher zu lesen, die nicht meinem Wesen entsprechen, nur weil ein Teil von mir denkt „Ich müsste mal...", kommt hingegen nicht mehr in Frage.

Meine Liebe zu Büchern ist einer der Grundpfeiler meiner Persönlichkeit. Mehr noch, es ist ein Ausdruck meiner Persönlichkeit. Für mich ist es eine Übung in Selbstliebe, meine Buchauswahl und meine Lesegewohnheiten anzunehmen und zu schätzen, ohne etwas verändern zu wollen.

Ich gebe zu, das war ein etwas esoterisch angehauchtes Fazit des statistischen Jahresrückblicks 2019. 😀 Seit Chillis Tod arbeite ich stark an meinem Umgang mit mir selbst, um der Heilung den Weg zu ebnen. Da Lesen einen so großen Anteil meines Lebens einnimmt, sollte es niemanden überraschen, dass sich diese Einstellung auch in diesem Bereich manifestiert.
Aber vielleicht seid ihr jetzt gleich in der richtigen Stimmung für den emotionalen Jahresrückblick mit Martinas 30 Fragen! Einbezogen habe ich wie immer alle Bücher, die ich vom 01.01.2019 bis zum 31.12.2019 gelesen habe.

Jahresrückblick 2019: Zahlen, Diagramme und ein bisschen Sentimentalität Jahresrückblick 2019: Zahlen, Diagramme und ein bisschen Sentimentalität

Jahresrückblick 2019: Zahlen, Diagramme und ein bisschen SentimentalitätDas Jahreshightlight 2019 war für mich eine absolute Überraschung, denn dieses Buch zählt zu einem Genre, von dem ich niemals erwartet hätte, es an der Spitze meiner jährlichen Leseerfahrungen vorzufinden. Es handelt sich um „A Head Full of Ghosts" von Paul Tremblay und ist ein Horrorroman. Allerdings ist es nicht irgendein Horrorroman, der mit billigen Effekten die Klaviatur der Ängste der Leser_innen bespielt. Es ist die zutiefst tragische, psychologisch fundierte Geschichte einer Familie, die unter der möglichen Besessenheit der älteren Tochter leidet und letztendlich zerbricht. Ich fand dieses Buch auf so vielen Ebenen brillant, dass ich mich richtig darauf freue, eine Rezension zu schreiben.

Jahresrückblick 2019: Zahlen, Diagramme und ein bisschen Sentimentalität„Final Girls" von Riley Sager bescherte mir eine schlaflose Nacht. Diesen außergewöhnlichen Thriller empfand ich als sensationell nervenaufreibend, ein Buch, das man nur auf der Stuhlkante balancierend lesen kann und dessen Lektüre den Tod für jeden Fingernagel bedeutet. Es erhielt von mir die Bestwertung, weil ein Thriller eben genauso sein sollte: ein Grund, sich die Nacht um die Ohren zu schlagen.

Jahresrückblick 2019: Zahlen, Diagramme und ein bisschen Sentimentalität2017 begann ich eine leidenschaftliche literarische Romanze mit Nicholas Eames. Den Auftakt seiner High Fantasy - Reihe „The Band" , „Kings of the Wyld", kürte ich damals sogar zu meinem Jahreshighlight. Selbstverständlich muss die Fortsetzung „Bloody Rose" hier auftauchen! „The Band" ist momentan mit Abstand meine Lieblingsreihe, weil die intensive Wärme und Hingabe in Eames' Romanen bezaubernde Leseerfahrungen garantiert. Leider existiert noch immer kein Erscheinungsdatum für den nächsten Band, ganz zu schweigen von einem Titel. Ja, ich bin deswegen ein bisschen beleidigt.

Jahresrückblick 2019: Zahlen, Diagramme und ein bisschen SentimentalitätDer solideste Ziegelstein von 2019 war „Breaking News" von Frank Schätzing mit 955 Seiten, wie bereits im statistischen Rückblick erwähnt. Ich habe für diesen dicken Wälzer eine Woche gebraucht, also einen für mich völlig normalen Zeitraum. Der politische Thriller, der die gesamte Geschichte des Staates Israel von der Gründung bis zur Moderne aufrollt, ist ein Recherche-Meisterwerk, das mir erklärte, wieso der Nahe Osten bis heute ein Pulverfass ist und welche Ängste und Sehnsüchte sich in der aggressiven israelischen Politik äußern. Zur Höchwertung reichte es dennoch nicht, weil Schätzing meiner Meinung nach etwas viel von seinen Leser_innen erwartet. Die schiere Informationsflut dieses Buches ist wirklich nicht ohne Weiteres zu verarbeiten.

Jahresrückblick 2019: Zahlen, Diagramme und ein bisschen SentimentalitätEs ist nicht ganz einfach, knapp und spoilerfrei zu erklären, warum mir „Miramont's Ghost" von Elizabeth Hall negativ im Gedächtnis blieb. Die Rezension steht noch aus, deshalb habe ich noch nicht recherchiert. Aktuell kann ich nur vermuten, dass die Handlung des Buches auf Aufzeichnungen basiert, die die Autorin über die Geschichte des Anwesens Miramont Castle in Manitou Springs, Colorado, ausgrub. Das Anwesen wurde Ende der 1890er Jahre von dem französischstämmigen Priester Jean Baptiste Francolon erbaut, der dort mit seiner Mutter lebte. 1900 verließen beide das Anwesen unter mysteriösen Umständen fluchtartig und kehrten nie mehr zurück. Elizabeth Hall scheint mit ihrem Roman den Versuch einer Erklärung ihres seltsamen Verhaltens gewagt zu haben. Die Geschichte behandelt das Schicksal der jungen Adrienne, die durch eine Verkettung tragischer Umstände der Gnade der Francolons in Miramont ausgeliefert ist. Ich fand, dass Halls Bemühungen, Fakten und Fiktion zu verbinden, einerseits zu einer überwältigend trost- und hoffnungslosen, deprimierenden Handlung führte und Adriennes Beziehung zu den Francolons andererseits kaum überzeugend ist. Auf mich wirkte das Buch unlogisch und unrealistisch. Es war, als hätte Elizabeth Hall zwei Romanideen, die ursprünglich nichts miteinander zu tun hatten, auf Teufel komm raus miteinander kombinieren wollen. Das Ergebnis ist eine Geschichte, die ich oft nicht nachvollziehen konnte und die mir absolut keine Lesefreude bereitete.

Jahresrückblick 2019: Zahlen, Diagramme und ein bisschen Sentimentalität2019 hatte ich vor, eine Aktionswoche zu Robert E. Howards „Conan Chronicles" zu veranstalten. Howard gilt als einer der Väter der modernen Fantasy und ein Blick in sein Schaffen erklärt, wie sich das Genre bis heute weiterentwickelte. Sein Einfluss ist zu gewaltig, um ihn lediglich in mickrigen Rezensionen anzureißen. Deshalb wollte ich gewisse Schwerpunkte dieses Themenkomplexes in einer Beitragsreihe vorstellen und mit euch diskutieren. Das Projekt war für das Jahresende geplant. Zur Vorbereitung hatte ich mir „Blood & Thunder: The Life and Art of Robert E. Howard" von Mark Finn zugelegt, eine Biografie des Autors, die ich zusätzlich zu den Kurzgeschichten um Conan lesen wollte. Leider kam mir dann das Leben mit der vollen Wucht seiner unvorhersehbaren Tragödien dazwischen. Die Lektüre von „Blood & Thunder" verschob sich bis in den November. Als ich es endlich aus dem Regal zog, war ich noch immer überzeugt, die Aktionswoche 2019 über die Bühne bringen zu können. Mark Finn belehrte mich schnell eines Besseren. Seine großartige, eindringliche, analytische Biografie verknüpft Howards literarisches Werk so eng mit seinem kurzen Leben, dass es wahnsinnig kompliziert sein wird, die einzelnen Aspekte auseinanderzufriemeln. Ich habe die Lektüre sehr genossen, musste allerdings einsehen, dass ich es in den verbleibenden Wochen in 2019 nicht mehr bewerkstelligen würde, mein Projekt zu realisieren, weil ich das ganze Konzept komplett überdenken muss. Also schob ich die Conan-Aktionswoche ins neue Jahr und hoffe nun, dass ich 2020 den richtigen Ansatz finden werde, um euch zu erklären, wieso der berühmte Barbar zwar nicht repräsentativ für das Werk von Robert E. Howard ist, aber dennoch eine logische Konsequenz der literarischen Entwicklung des Texaners darstellt. Ich werde das große Vergnügen haben, mich 2020 noch einmal intensiv mit „Blood & Thunder" zu beschäftigen, das 2019 mit Abstand das beste Sachbuch war, das ich gelesen habe.

Jahresrückblick 2019: Zahlen, Diagramme und ein bisschen Sentimentalität

Jahresrückblick 2019: Zahlen, Diagramme und ein bisschen SentimentalitätDer schlimmste literarische Moment 2019 war die Jagdszene in „Blue Moon" (Anita Blake #8) von Laurell K. Hamilton. Selten habe ich mich durch die Beschreibung einer Situation so unwohl gefühlt. In dieser Szene wird Anita von einem fremden Werwolfrudel gejagt. Die Jagd ist ritualisiert, sie gehört zur Kultur der Lykanthropen, das Ziel ist physische Dominanz - aber Anita ist ein Mensch. Sie kann nicht mit den Werwölfen kämpfen. Ihre einzige Chance ist die Flucht, um einer Vergewaltigung oder der Möglichkeit, bei lebendigem Leib gefressen zu werden, zu entgehen. Eine schauerliche Ausgangslage. Ich traue mich kaum, über die sich darin spiegelnden Genderrollen oder die Bedeutung des Vergewaltigungskontextes nachzudenken, weil das resultierende Urteil für Laurell K. Hamilton vernichtend ausfiele. Dummerweise musste Hamilton diese grauenvolle Situation allerdings irgendwie auflösen, ohne ihre Protagonistin aus der Geschichte zu schreiben. Also entschied sie, dass Anita sich retten lassen muss. Von Richard. Indem er sie für sich beansprucht. Adieu Feminismus. Ruhe in Frieden.

Jahresrückblick 2019: Zahlen, Diagramme und ein bisschen SentimentalitätIn den ersten Monaten von 2019 habe ich die Trilogie „The Crimson Empire" von Alex Marshall gelesen. Ich mochte viele Aspekte dieser epischen Fantasy-Geschichte und war begeistert, wie Marshall die Themen Gleichberechtigung und Repräsentation händelte. Dennoch fiel mir spätestens im zweiten Band „A Blade of Black Steel" auf, dass der Autor sich mit der Handlung zu viel Zeit ließ. Er trieb ihren Fortschritt nicht konsequent genug voran und bummelte herum, was ihm bedauerlicherweise im Finale auf die Füße fiel. „A War in Crimson Embers" ist der merkwürdigste Abschluss einer Trilogie, den ich je gelesen habe. Da Marshall der Raum fehlte, alle begonnenen Handlungslinien gebührend zu beenden, sortierte er viele vielversprechenden Ansätze aus, bis nur noch das Wesentliche übrigblieb. Es reichte trotzdem nicht. Das Ende von „A War in Crimson Embers" ist eine schriftgewordene Vollbremsung, in der Marshall von jetzt auf gleich den Feierabend ausruft und unvermittelt alle Schotten dicht macht. Das war kein Abschluss, es war ein Abbruch. Die Geschichte hört einfach auf. Unbefriedigend hoch 10.

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Jahresrückblick 2019: Zahlen, Diagramme und ein bisschen SentimentalitätIch liebe Ben Styke aus der Trilogie „Gods of Blood and Powder" von Brian McClellan. Der Anführer der Kavallerieeinheit Mad Lancers ist... ja, was eigentlich? Styke ist vieles und schwer zu beschreiben. Er ist ambivalent. Ein bisschen verrückt, ein bisschen skrupellos, ein bisschen impulsiv. Aber er ist auch verantwortungsbewusst, loyal und bemerkenswert mutig. Er ist jemand, mit dem ich ein Bier trinken möchte, um seinen Geschichten zu lauschen. Jemand, den ich mir an meiner Seite wünsche, weil ich weiß, dass mir dann niemals irgendetwas zustoßen würde, solange er mich beschützt. Er ist Kumpel, Kriegsheld und Vaterfigur in einem. Ich bin noch nicht soweit vorgedrungen, dass ich erklären könnte, was genau er in mir anspricht, aber ich bin traurig, dass ich mich mit der Lektüre des dritten Bandes „Blood of Empire" von ihm und den anderen Hauptfiguren, Vlora und Michel, verabschieden musste, obwohl McClellan den Abschluss wirklich würdevoll und befriedigend inszeniert.

Jahresrückblick 2019: Zahlen, Diagramme und ein bisschen SentimentalitätJalan Kendeth aus „Prince of Fools" (The Red Queen's War #1) von Mark Lawrence ist eine wahnsinnig faszinierende Persönlichkeit. Er ist eine Zwiebel: Schicht für Schicht muss man sein Wesen freilegen, um irgendwann zum wahren Kern zu gelangen. Interessant daran ist, dass Jalan selbst überhaupt kein Verlangen zeigt, sich mit diesem Kern auseinanderzusetzen. Er gefällt sich in der Rolle des oberflächlichen Lügners, Spielers, Egoisten und Feiglings, um sich nicht mit den Konsequenzen beschäftigen zu müssen, gestünde er sich ein, dass er in Wahrheit ein guter Mensch mit einem funktionalen Gewissen ist. Die Ereignisse in „Prince of Fools" konfrontieren ihn allerdings mit seinen positiven Eigenschaften, was aus schriftstellerischer Sicht eine spannende Umkehr darstellt. Normalerweise müssen sich Figuren mit der Dunkelheit ihrer Seele abfinden; Mark Lawrence hingegen zwingt Jalan, das Licht in seinem Inneren zu akzeptieren. Ich habe unheimlich gern Zeit mit ihm verbracht, denn gerade weil er nachdrücklich darauf besteht, ein Lump und Taugenichts zu sein, ist er witzig und bietet viel Interpretationsspielraum.

Jahresrückblick 2019: Zahlen, Diagramme und ein bisschen SentimentalitätIch stehe seiner Figur nicht unkritisch gegenüber, aber Vaelin Al Sorna aus der Trilogie „Raven's Shadow" von Anthony Ryan stelle ich mir verflixt attraktiv vor. Dunkles Haar und dunkle Augen, groß und muskulös, ausgeprägte Gesichtszüge und eine raue Stimme. In den drei Bänden „Blood Song", „Tower Lord" und „Queen of Fire" wird er zwar als „nicht außergewöhnlich gutaussehend" beschrieben, doch in meiner Fantasie ist es vor allem seine Ausstrahlung und das Fehlen objektiver Schönheit, die seinen (mentalen) Anblick für mich reizvoll machen. Ich glaube, dass man Vaelin ansieht, was für ein Mann er ist und wie viel er erlebte. Seine Geschichte, seine Biografie spiegelt sich in seinem Gesicht, in seiner Statur, wie er sich bewegt und spricht. Das kennzeichnet ihn für mich als attraktiv, weil er Ecken und Kanten hat und eben kein geschniegelter Schönling ist.

Jahresrückblick 2019: Zahlen, Diagramme und ein bisschen SentimentalitätDie Wahl meiner liebsten Heldin 2019 hängt ganz stark mit meiner Kindheit zusammen. „Alice im Wunderland" von Lewis Carroll ist eine der Geschichten meines Lebens, weil sie mich schon so lange begleitet, wie ich mich erinnern kann - vielleicht sogar länger. Natürlich wollte ich deshalb unbedingt die moderne Adaption „Alice" von Christina Henry lesen. Ihre Version des berühmten Mädchens im blauen Kleid ist älter und deutlich traumatisierter, als Carroll es vermutlich je vorhersah, denn zu Anfang des Romans befindet sich Alice in der Psychiatrie. Sobald sie von dort entkommt, beginnt für sie eine transformative Reise der Selbstentfaltung und Selbstfindung, die mich beeindruckte, bewegte und viele der Aspekte ihrer Persönlichkeit anspricht, über die ich mit Vorliebe grübele. Henry inszeniert sie als eine erwachende Heldin, die ich verblüffend leicht als logische Extrapolation von Carrolls ursprünlicher Figur akzeptieren konnte. Das respektvolle Fingerspitzengefühl, das die Autorin somit beweist, verdient Applaus und ihre Alice einen Platz auf meinem mentalen Podest.

Jahresrückblick 2019: Zahlen, Diagramme und ein bisschen SentimentalitätIch durfte 2019 viele starke Heldinnen mit beeindruckenden Persönlichkeiten kennenlernen, aber keine faszinierte mich so sehr wie Königin Levana in „Fairest" (The Lunar Chronicles #3,5) von Marissa Meyer. Levana ist Meyers Version der bösen Königin/Stiefmutter aus Schneewittchen. Von Anfang an war sie als Antagonistin der Reihe vorgesehen, doch Marissa Meyer ist keine Autorin, die sich auf dem Label „böse" ausruht. Der Zwischenband erzählt Levanas Geschichte und erklärt, wie aus ihr die gewissenlose, grausame Herrscherin den Königreichs Luna wurde. Ich empfand das Buch als äußerst wertvolle Ergänzung, weil vieles, das bis dahin rätselhaft erschien, nach der Lektüre einen Sinn ergab. Meyer entwickelt darin für Levana ein überzeugendes, komplexes psychologisches Profil, das all ihre Motive nachvollziehbar offenbart und mit einer Biografie voller Traumata und Leid begründet ist. Sie beantwortet die eine Frage, die in Schneewittchen immer ungeklärt blieb: was muss einer Frau widerfahren sein, um sich diese Skrupellosigkeit anzueignen und so großen Wert auf Schönheit zu legen, dass sie bereit ist, furchtbare Taten zu vollbringen?

Jahresrückblick 2019: Zahlen, Diagramme und ein bisschen SentimentalitätHuch, gleich noch mal Marissa Meyer. Winter aus dem gleichnamigen Roman „Winter", das Finale der „Lunar Chronicles" , muss atemberaubend sein. Ihr Vorbild ist Schneewittchen und obwohl sie diesem Archetyp äußerlich nicht entspricht, verlangt ihre Geschichte dennoch, dass sie als Antwort auf die berühmte Frage „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?" fungieren kann. Mir gefiel es vor allem, dass Meyer sich bei ihrer Beschreibung nicht am weißen, europäischen Standard orientierte, sondern ihr dunkle Haut verlieh. Da es sich bei den „Lunar Chronicles" um Young Adult - Literatur handelt, erscheint mir Repräsentation besonders wichtig, denn dem jungen Publikum sollten visuelle Identifikationsmöglichkeiten angeboten werden, um die Botschaft der Geschichte besser transportieren zu können. Außerdem trägt Winter eine Narbe im Gesicht, was den lunaren (und irdischen!) Vorstellungen von Perfektion widerspricht, sie aber nur noch schöner macht. In meinem Kopf steht Winter deshalb nicht nur für Schönheit, sondern auch für Body Positivity.

Ganz unabhängig von Winters legendärer Schönheit ist der Roman übrigens zauberhaft. Bestnote. Ein wahrhaft wundervolles Finale, das mir alles bot, was ich mir unbewusst wünschte.

Jahresrückblick 2019: Zahlen, Diagramme und ein bisschen SentimentalitätDiese Antwort hat sich lange angekündigt. Es musste so kommen. Sie wollte es nicht anders. Die nervigste Protagonistin 2019 ist - mit Abstand - Rachel Morgan aus der gleichnamigen Reihe „Rachel Morgan" von Kim Harrison. Im vergangenen Jahr habe ich mich durch zwei Bände gequält, bevor ich die Reihe endlich an den Nagel hängte, „Blutdämon" (Rachel Morgan #9) und „Blutsbande" (Rachel Morgan #10). Als ich die Bücher vor Jahren in einem Hamster-Anfall kaufte, glaubte ich nämlich noch, ich würde sie mögen. Ähhm... Nein. Ich kann Rachel nicht ausstehen. Sie ist anstrengend, hysterisch, kopflos, chaotisch und unfassbar kindisch. Ich bin so gut wie nie ihrer Meinung, egal, worum es geht und würde mich nie so verhalten wie sie. Wir haben nichts gemeinsam und nachdem ich mich eine ganze Weile darum herumgedrückt habe, eine Entscheidung zu treffen und die letzten Bände in meinem Regal noch zu lesen, reichte es mir 2019 endgültig. Auf Nimmerwiedersehen.

Das Buch selbst war für mich eine schwierige Leseerfahrung, da ich nicht nur immer wieder über die die deutsche Sprache verschandelnde Namensgebung stolperte, sondern mich auch vom Autor alleingelassen fühlte. In einer Welt so voller Wahnsinn und Verzweiflung hätte ich eine führende Hand sehr geschätzt.

Jahresrückblick 2019: Zahlen, Diagramme und ein bisschen SentimentalitätDie „Anita Blake"-Reihe von Laurell K. Hamilton begleitet mich seit vielen, vielen Jahren. Genauer: seit mehr als einem Jahrzehnt. In all dieser Zeit hatte ich stets einen Favoriten unter den Nebencharakteren und 2019 belohnte ich mich mit dem Reread des neunten Bandes „Obsidian Butterfly", der genau diese Figur in den Mittelpunkt stellt. Es handelt sich um den Auftragskiller und Kopfgeldjäger Edward. Edward ist der einzige Mensch, der der Protagonistin Anita so richtig Angst macht - und das mit Recht. Edward ist angsteinflößend. Ich finde seine kompromisslose, disziplinierte Professionalität und seine tödlichen Fähigkeiten beeindruckend. Er ist ein Jäger. Niemand möchte auf seiner Liste enden. Ich feiere den Pragmatismus, mit dem er das Leben und das Übernatürliche betrachtet. Dieser äußert sich unter anderem in seinem schrägen Humor, der immer wieder hevorblitzt und mich grundsätzlich zum Schmunzeln bringt. Ja, ich bin ein Fan von Edward. Manchmal mehr als von Anita. Was macht es schon, dass er ein Soziopath ist?

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Jahresrückblick 2019: Zahlen, Diagramme und ein bisschen SentimentalitätArgh, Spoileralarm! Ich kann diese Frage nicht beantworten, ohne viel zu viel zu verraten, deshalb darf ich nur berichten, dass ich einen ganz bestimmten Kuss in „The High Lord" (Black Magician Trilogy #3) von Trudi Canavan sehr romantisch fand.

Jahresrückblick 2019: Zahlen, Diagramme und ein bisschen SentimentalitätErotik findet in meiner Wahrnehmung nur am Rande statt. Ich lese keine Erotikliteratur und meist sehe ich in den entsprechenden Szenen in anderen Genres nur ein Mittel zum Zweck. So war es auch 2019, deshalb überrascht es wohl niemanden, dass ich mich an keine konrekte literarische Situation erinnern kann, die ich außergewöhnlich heiß fand. Ich bin mir allerdings sicher, dass es eine entsprechende Szene in „Ein Biss von dir" von Chloe Neill gab. Gegeben haben muss. „Ein Biss von dir" ist der dreizehnte und letzte Band der Reihe „Chicagoland Vampires". Neill verlässt ihre Protagonistin Merit und die Vampire der Stadt Chicago - natürlich nicht ohne ordentlich Feuerwerk. Das nachfolgende Spin-Off „Heirs of Chicagoland" fokussiert Merits Tochter. Da wir alle wissen, wie das mit den Bienen und Blümchen läuft, müssen Ethan und Merit im finalen Band also mindestens einmal durch die Laken getollt sein und ich gehe davon aus, dass diese Szene gewohnt leidenschaftlich und heiß war.

Ich möchte „Ein Biss von dir" allerdings auch noch aus einem anderen Grund in diesem Kontext erwähnen. In der Frage ist von einer „Liebesszene" die Rede, nicht explizit von Sex. Ich finde, das erlaubt mir, darauf hinzuweisen, dass Ethan und Merit im finalen Band endlich heiraten. Das war wundervoll. Ich hatte mit der Reihe in der Vergangenheit so meine Schwierigkeiten, aber ich freue mich aufrichtig darüber, dass sie endlich das Glück miteinander finden, obwohl diesem natürlich noch ein paar Steine im Weg liegen. Ich war sehr glücklich mit diesem Reihenabschluss und verlasse meine vampirische Freundin voller Frieden und positiver Emotionen.

Jahresrückblick 2019: Zahlen, Diagramme und ein bisschen Sentimentalität2019 habe ich tatsächlich nur ein Buch gelesen, in dem Humor eine bewusst vordergründige Rolle einnimmt. Nein, dieses Mal habe ich Terry Pratchett nicht wieder vergessen. Es war das letzte Buch des Jahres, „Der Knochenhexer" (Die Fälle des IAIT #4) von Jens Lossau und Jens Schumacher. Ich erinnere mich, dass „Die Fälle des IAIT" schon einmal für mein komisches Jahreshighlight herhalten mussten (Zwerge, die Gartenzwerge sammeln *kicher*). Der vierte Fall für Meister Hippolit und Jorge den Troll kommt meinem Empfinden nach zwar wesentlich ernster daher, aber man kann sich einfach immer darauf verlassen, dass Jorge die Situation mit oft ungewollter Komik auflockert. Dieses Mal besucht er einen Psychotherapeuten. Das klingt doch schon wie der Anfang eines Witzes: Kommt ein Troll zum Psychologen...

Jahresrückblick 2019: Zahlen, Diagramme und ein bisschen SentimentalitätDas tragischste Buch des Jahres 2019 war kein Buch im konventionellen Sinne. Ich habe es weder als Print-Ausgabe noch als E-Book gelesen und habe auch keine Rezension dazu verfasst. Ich begann die Lektüre als Recherche für „Tschick", konnte mich dem Bann von Wolfgang Herrndorfs Blog-Tagebuch „Arbeit und Struktur" jedoch bald nicht mehr entziehen.
Herrndorf beging am 26. August 2013 Selbstmord, nach einem mehr als dreijährigen Kampf gegen einen bösartigen Hirntumor (Glioblastom). Nach seiner Diagnose begann er, seine Erlebnisse, Erfahrungen und Gedanken im Alltag mit einer tödlichen Erkrankung online schonungslos offen zu dokumentieren. Seine Aufzeichnungen gingen mir unter die Haut. Zwischen Lachen und Weinen durchlebte ich jede mögliche emotionale Reaktion und konnte nicht mehr aufhören zu lesen, weil Herrndorf eine unnachahmliche, ehrliche Direktheit pflegte, die sich nicht um Pietät oder Anstand kümmerte. Dadurch ist das Tagebuch äußerst intensiv. Ich hatte das Gefühl, Herrndorf wirklich kennenzulernen und zu verstehen, was es bedeutet, als unheilbar krank zu gelten. Ich blickte bangend auf die fortschreitenden Datumsanzeigen seiner Posts, weil ich wusste, dass sie irgendwann einfach abbrechen würden. Es war verrückt, ein kleiner, irrationaler Teil in mir hoffte dennoch auf ein Happy End. Zwischen seinem letzten Eintrag und seinem Suizid lagen sechs Tage. Ich glaube, diese sechs Tage der Stille beweinte ich mehr als jeden anderen Post zuvor. Wenn einem Schriftsteller die Worte ausgehen... *schluck* Es geht schon wieder los, ich könnte schon wieder weinen.

Jahresrückblick 2019: Zahlen, Diagramme und ein bisschen SentimentalitätDas beste Setting war die fatale Zukunftsvision von Neal Stephenson in seinem Science-Ficiton-Roman „Seveneves". Ich sage nur: 5.000 Jahre. Diesen Zeitraum umfasst die Handlung, was einfach mindblowing ist. Stephenson entwirft ein Szenario, in dem der Mond in abertausende Teile zerbricht, vom Himmel stürzt und die Erde in eine Flammenhölle verwandelt, auf der jedes Leben unmöglich ist. Der einzige Hoffnungsschimmer der menschlichen Spezies besteht in einer internationalen Mission zur Bevölkerung des Weltalls. Stephenson versetzte mich mit seinen detaillierten, offenbar gut recherchierten und realistischen Beschreibungen des Überlebens im All in Staunen. Dieser Aufwand verdient eine Auszeichnung - selbst wenn es nur eine kleine Erwähnung in meinem Jahresrückblick ist.

Jahresrückblick 2019: Zahlen, Diagramme und ein bisschen Sentimentalität

Jahresrückblick 2019: Zahlen, Diagramme und ein bisschen SentimentalitätIch habe beschlossen, diese Frage künftig nur noch aus handwerklicher Perspektive zu betrachten, um Überschneidungen mit der ersten Frage nach dem Jahreshighlight so weit wie möglich zu vermeiden. Damit meine ich, dass ich hier schriftstellerische Kunstfertigkeit prämieren möchte. Deshalb kann die Antwort lediglich Ira Levin mit „The Stepford Wives" lauten. Von allen Büchern, die ich 2019 gelesen habe, wies dieses den ausgefeiltesten, pointiertesten Schreibstil auf. Levin erreichte mit minimalen Mitteln die maximale Wirkung, denn es gelang ihm, auf nicht einmal 200 Seiten eine beklemmende Geschichte zu entwickeln, die hauptsächlich auf den Assoziationen der Leser_innen basiert. Niemand sagt uns, dass in Stepford etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Niemand sagt uns, dass die Protagonistin Joanna in Gefahr schwebt. Und doch wissen wir es, weil Levin an strategischen Punkten geschickt Hinweise platzierte, die das Kopfkino in die richtige Richtung lenken. Das ist schlicht brillant.

Grundsätzlich neige ich dazu, Autor_innen, deren Bücher ich mit 5 Sternen bewertet habe, großes Vertrauen zu schenken. Wer mich einmal begeistert, erhält höchstwahrscheinlich die Chance, es mehrfach zu tun, weil ich normalerweise direkt nach der ersten positiven Lektüre eine Auswahl oder gleich das Gesamtwerk auf meine Wunschliste setze. So ist es 2019 mit Paul Tremblay, Riley Sager, Becky Chambers und Marissa Meyer geschehen. Mit Ira Levin habe ich mich noch nicht weiter beschäftigt, weil Klassiker nun mal eine Sparte für sich sind, werde mir aber definitiv noch weitere seiner Bücher aussuchen. Nicholas Eames hat bisher nur die zwei Bücher geschrieben, die ich gelesen habe, hier warte ich ungeduldig auf die Fortsetzung, wie bereits oben erwähnt.

Jahresrückblick 2019: Zahlen, Diagramme und ein bisschen SentimentalitätDas ist allerdings nur ein Teil meiner Antwort. Den zweiten Teil habe ich Mark Finn und seiner Biografie von Robert E. Howard, „Blood & Thunder", zu verdanken. Als ich im März den zweiten Band der „Conan Chronicles", „The Hour of the Dragon", las, dachte ich noch, Conan sei DAS Werk von Howard. Ich wusste, dass er viele verschiedene Kurzgeschichten geschrieben hat, die in ganz unterschiedlichen Genres verortet sind, aber ich war der Auffassung, das seien alles nur Nebenprojekte und Conan sei zentral, der eine Geschichtenzyklus, in dem sich der viel zu jung verstorbene Howard am meisten Zuhause fühlte. Laut Mark Finn ist das nicht wahr. Tatsächlich bezeichnet er Conan als Anomalie, weil Howard eigentlich kein Fantasy-Autor war. Zu erklären, warum und wieso er zu diesem Schluss kommt, würde hier zu weit führen und ist ein Thema für die ausstehende Aktionswoche. Der Punkt ist, seit ich die Biografie gelesen habe, würde ich gern all die Geschichten von Robert E. Howard lesen, die sich eben nicht um Conan drehen. Ich möchte ihn in dem Umfeld kennenlernen, in dem er brillierte und sein immenses Talent am deutlichsten zeigen konnte, weil er über Themen und Motive schrieb, die seiner Persönlichkeit und seiner Herkunft viel mehr entsprachen als der Barbar. Leider ist das alles nicht so einfach, weil es nach seinem Tod jahrzehntelang Streitigkeiten um sein Vermächtnis gab, weshalb viele Geschichten lange nicht verlegt werden konnten. Ich muss erst mal recherchieren, ob und wenn ja, welche Kurzgeschichtensammlungen heutzutage überhaupt käuflich sind.

Jahresrückblick 2019: Zahlen, Diagramme und ein bisschen Sentimentalität

Jahresrückblick 2019: Zahlen, Diagramme und ein bisschen SentimentalitätDas Cover von „The Accursed" von Joyce Carol Oates ist bildschön. Zugegeben, es ist auch ein bisschen unheimlich durch die blutroten Lippen und das Blutrinnsal, das der abgebildeten Dame aus dem Mundwinkel seitlich über das Kinn läuft, aber weil der Rest in Weiß gehalten ist und Details sich nur bei genauem Hinschauen herausschälen (z.B. der hohe, spitzenverzierte Kragen ihres Kleides), poppt das Rot umso mehr. Mir gefällt dieser harsche Kontrast von Unschuld und Grauen. „The Accursed" ist ein Schauerroman, der mich sehr an die Tradition der Southern Gothic erinnerte. Die gesellschaftliche Elite des Universitätsstädtchens Princeton wird um die Jahrhundertwende herum (1905) von einem Fluch heimgesucht, durch den sie für ihr unmoralisches Verhalten bestraft werden. Das Cover greift den Inhalt hervorragend auf und zieht meine Augen einfach an.

Jahresrückblick 2019: Zahlen, Diagramme und ein bisschen SentimentalitätAlso wer auch immer beim Verlag Hoffmann und Campe dachte, das Cover von „Nobels Testament" (Annika Bengtzon #6) von Liza Marklund sei eine gute Wahl, sollte seine bzw. ihre ästhetischen Ansichten noch einmal überprüfen. Die Gestaltung ist vollkommen nichtssagend und könnte auch jeden anderen Krimi mit einer weiblichen Ermittlerin schmücken. Es ist lieblos und einfallslos. Ich verstehe nicht, wieso auf dem Cover kein Bezug zu den außergewöhnlichen Umständen des Mordes hergestellt wird, um den es inhaltlich geht. Schließlich geschieht dieser im Rahmen der Nobelpreisverleihung für Medizin, das Opfer ist die Vorsitzende des Nobelkomitees. Die ideale Gelegenheit, um Nobels Testament für die Covergestaltung zu verwenden, von dem es durchaus Fotos gibt, das weiß ich durch meine eigene Auseinandersetzung mit dem Literaturnobelpreis, über den ich 2019 eine Beitragsreihe verfasst habe, um seine Abschaffung zu verlangen. Bei Interesse gelangt ihr HIER zum ersten Beitrag der Reihe.

Jahresrückblick 2019: Zahlen, Diagramme und ein bisschen SentimentalitätDiese Frage erinnert mich daran, dass da ein weiterer Rechercheauftrag auf meiner To-Do-Liste steht. „Stigmata: Nichts bleibt verborgen" ist ein Gemeinschaftsprojekt der Autorin Beatrix Gurian und ihres Mannes, des Fotografen Erol Gurian. Soweit ich es verstanden habe, stammt die Geschichte des Jugendthrillers von ihr, die eindringlichen Fotografien, die diese illustrieren, sind hingegen sein Werk. Was ich nun herausfinden muss, ist, was zuerst da war: schrieb Frau Gurian die Geschichte um die Fotos herum oder fotografierte Herr Gurian passend zur Geschichte? Henne oder Ei? Unabhängig von der Entstehungsgeschichte ist „Stigmata" eine äußerst ästhetische Komposition, ein Schmuckstück im Bücherregal. Alles ist aufeinander abgestimmt, von der Farbgebung bis zur Schriftart, sodass die Fotografien wirklich zur Geltung kommen. Obwohl ich vom Inhalt nicht besonders beeindruckt war, ist die Gestaltung ein echtes Highlight.

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Sollten noch Zweifel bestanden haben, räumte 2019 diese aus: ich bin eine Solo-Leserin. Durch und durch. Ich habe an keiner Leserunde teilgenommen und hatte kein Interesse an einem Buddy Read. Ich könnte nun argumentieren, dass meine private Situation mit Chillis schwerer Erkrankung und ihrem Tod im September dafür verantwortlich war, aber das wäre nur die halbe Wahrheit. Es stimmt, ich hatte seit Ende Juli nicht wirklich den Nerv dafür, mich mit Lesemeinungen anderer Personen zu befassen, doch ich kam bereits nicht auf die Idee, bei so einer Aktion mitzumachen, bevor bei Chilli Anämie festgestellt wurde. Das gilt also nur als halbe Ausrede. Ich denke, ich bin einfach nicht dafür geschaffen. Jede Leserunde, ob nun im großen oder kleinen Rahmen, braucht ein Mindestmaß an Regeln. Meist bedeutet das, sich nach vorher festgelegten Abschnitten auszutauschen. Ich habe noch keine Leserunde erlebt, in der mir das nicht zumindest ein bisschen lästig war. Nicht, weil ich eine gute Diskussion nicht schätzen würde, sondern weil diese notwendige Vorschrift meinen Lesefluss so gut wie immer unterbricht. Um ein Fazit zu einem Abschnitt zu schreiben, muss ich das Buch weglegen. Irgendwie entsprechen diese Abschnitte nie meinen Lesegewohnheiten; sie decken sich nie mit den Pausen, die ich ganz natürlich in der Lektüre einlegen muss, weil eben noch kein Weg gefunden wurde, Lesen und andere Aktivitäten perfekt zu vereinen (zum Beispiel unter der Dusche, im Schlaf oder bei der Arbeit). Für mich sind das immer künstliche Pausen, in denen ich gezwungen bin, zu unterbrechen, meine Gedanken zu sortieren, sie verständlich zu formulieren und dann auch noch aufzuschreiben, obwohl ich doch eigentlich nur weiterlesen will. Das funktioniert in Ausnahmefällen mit Personen, die mir ähnlich sind und die festgelegten Richtlinien nicht ganz so eng sehen. Mit Marina aka DarkFairy kann ich prima gemeinsam ein Buch lesen. Aber das ist eben die Ausnahme, nicht die Regel. Daher werden Leserunden und Buddy Reads wohl in Zukunft ebenfalls und weiterhin die Ausnahme bleiben.

Jahresrückblick 2019: Zahlen, Diagramme und ein bisschen SentimentalitätAndere Blogaktionen habe ich aus Zeitgründen bereits vor einer ganzen Weile abgeschafft, konstant ist bei mir nur die Montagsfrage, die mittlerweile von Lauter&Leise veranstaltet wird. Daran hat sich für mich nichts geändert, die Fragen machen mir Spaß und die Beantwortung gehört fest in meinen wöchentlichen Blogplan.

In meinem Umfeld bin ich die Person mit der größten Bibliothek. Abgesehen von meinen Eltern, die ja irgendwie nur so halb zählen, weil sie mein Leseverhalten maßgeblich prägten, lese ich mit Abstand am meisten. Daraus folgt, dass es sehr wenige Menschen gibt, die mir überhaupt Bücher empfehlen, weil ich mich in der Regel besser auskenne. Meine Vorliebe für High Fantasy wird darüber hinaus von sehr wenigen Leser_innen in diesem Ausmaß geteilt, was die Optionen für Empfehlungen ebenfalls begrenzt. 2019 erinnere ich mich an kein einziges Buch, das mir wirklich richtig empfohlen wurde, über das ich also nicht auf einem Blog oder bei Goodreads selbst gestolpert bin.

Trotzdem möchte ich die Frage nutzen, um von einem Buch zu berichten, das ich vermutlich niemals selbst ausgesucht hätte, wäre Marina aka DarkFairy damit nicht an mich herangetreten. Es handelt sich um ihren Debütroman „Frei und nicht allein" (Elfen & Priester #1). Hätte sie mich nicht darum gebeten, ihre Testleserin zu sein, wäre ich niemals ein Teil dieses spannenden Projekts geworden, mit dem sie sich einen Traum erfüllte. Wie ich in DIESEM Beitrag ausführlich geschildert habe, mutierte meine Rolle zur Lektorin, was mein Leben um eine unschätzbare Erfahrung erweiterte. Es ist nicht wichtig, dass „Frei und nicht allein" als Romanze so gar nicht meinen Genrepräferenzen entspricht, das Erlebnis, am Entstehen eines echten, richtigen Buches beteiligt gewesen zu sein, bereicherte mich außerordentlich und dafür bin ich Marina vermutlich bis an mein Lebensende dankbar. Also, wie wäre es, wenn ihr loszieht und aus erster Hand herausfindet, worum es in „Frei und nicht allein" geht? Über die Verlinkung auf dem Buchtitel gelangt ihr auf Marinas Website, dort findet ihr alle Informationen, wie ihr das Debüt bestellen könnt. Kauft es. Ernsthaft. Das war viel Arbeit. Kauft es. 😉

Puuh, geschafft! Ich denke, ich habe 2019 für euch nun erschöpfend zusammengefasst. Applaus für alle, die sich bis hierher gelesen haben. 😉 Bevor ich euch allerdings ins neue Jahr 2020 entlasse, möchte ich noch ein abschließendes Fazit formulieren.

Vergleiche ich den statistischen Part des Jahresrückblicks mit dem emotionalen Part, gelange ich zu der Auffassung, dass sich die Zahlen mit meinen Gefühlen decken. Ich bin insgesamt zufrieden mit dem literarischen Eindruck, den 2019 bei mir hinterließ. Obwohl das Jahr für mich eine harte Prüfung darstellte, mit deren Auswirkungen ich noch immer kämpfe, war der Einfluss auf meine Lesegewohnheiten doch relativ gering. Natürlich ist es schade, dass ich mein Leseziel von 85 Büchern nicht erreichen konnte, aber was meiner Ansicht nach wesentlich wichtiger ist, ist, dass 2019 literarisch nicht nur statistisch (s. Sternevergabe) erfreulich verlief, sondern dass ich auch emotional positive Erinnerungen damit assoziiere. Es gab Nächte, in denen ich viel zu spät schlafen ging, weil ich nicht aufhören wollte zu lesen, ich fand Ruhe, Frieden und Ablenkung zwischen den Seiten meiner Bücher, ich habe gelacht, ich habe geweint, mit meinen Lieblingsfiguren gelitten und Bösewichte leidenschaftlich verflucht. Für mich wiegen diese Erfahrungen schwerer als die bloße Anzahl meiner gelesenen Bücher. Müsste ich wählen, würde ich bewegende Lektüreerlebnisse zusätzlichen Büchern immer vorziehen.

Wir alle beten immer wieder vor, dass Lesen Spaß machen sollte und Leseziele keinen Druck erzeugen dürfen. Dennoch glaube ich, wir alle können uns manchmal nicht dagegen wehren, dass wir uns von unseren Lesevorhaben stressen lassen, wie auch immer sie aussehen mögen. Ich musste 2019 einsehen, dass es Phasen im Leben gibt, in denen Lesen einfach keine Priorität hat. Ich kann nicht leugnen, dass ich deshalb eine Weile mit einem schlechten Gewissen haderte, doch weil die Gründe dafür meine Erlebenswelt so stark beeinflussten, habe ich entschieden, dass Strenge mit mir selbst mir nicht dabei hilft, den Verlust meiner Seelengefährtin zu überwinden. Mir wurde der Mittelpunkt meines Lebens genommen. Das klingt unheimlich dramatisch, ist aber wahr. Chilli war alles für mich, ich habe 12 Jahre lang jeden einzelnen Tag meines Lebens nach ihr ausgerichtet, ihre Bedürfnisse standen für mich immer an erster Stelle. Es ist völlig logisch, dass mir erst die Sorge um sie und dann die Leere, die sie hinterlässt, den Boden unter den Füßen wegrissen. Dass ich überhaupt fähig war und bin, weiterhin zu lesen und Büchern einen Platz in meinem auf den Kopf gestellten Alltag einzuräumen, ist meiner Meinung nach bereits eine Leistung für sich und beweist, wie gewaltig der Anteil ist, den sie in meinem Selbstverständnis einnehmen. Mehr kann ich nicht von mir verlangen. Vielleicht ist das die letzte Lektion, die Chilli mir erteilte.

Eine weitere Lektion, die meine Bücher selbst für mich bereithielten, ist die aufgefrischte Erkenntnis, dass sie geduldig und genau dann für mich da sind, wenn ich sie brauche. In den letzten Jahren habe ich Bücher als selbstverständlich wahrgenommen. Sie waren meine Standardreaktion auf verfügbare Zeit, die ich ohne nachzudenken und vor allem ohne sie wertzuschätzen in mein Leben integrierte. Ich will damit nicht sagen, dass ich gute Bücher in der Vergangenheit nicht ebenso liebte wie heute. Ich will ausdrücken, dass ich nicht mehr in vollem Ausmaß erkannte, wie großartig das Geschenk des Lesens ist. Durch Chillis Erkrankung und Tod wurde mir erneut bewusst, dass ich gesegnet bin, weil ich in Geschichten Zuflucht, Sicherheit, Ruhe und Entspannung finde. Ich empfinde heute tiefe Dankbarkeit dafür, dass Bücher fest in mein Leben gehören und mir helfen, schwere Zeiten zu überstehen. Ich weiß, dass das eben nicht selbstverständlich ist und ich bedauere Menschen, denen diese Form der Bewältigung nicht gegeben ist, entweder, weil ihnen der Zugang fehlt, oder weil ihnen niemand die Magie des Lesens nahebrachte. Ich möchte mir gar nicht ausmalen, an welchem Punkt in meiner Trauer ich heute stünde, hätte ich keinen sicheren Hort in der Vielfalt meiner Bibliothek. Egal, was passiert, meine Bücher sind für mich da.

Deshalb möchte ich mich an dieser Stelle aus ganzem Herzen bedanken. Ich danke meinen Eltern, weil sie diejenigen waren, die mir den Zauber zwischen den Seiten beibrachten. Ich danke allen, die mich auf meinem Weg darin bestärkten, das Lesen niemals aufzugeben. Und ich danke euch. Ich danke euch, dass ihr da seid, um das Feuer meiner Leseleidenschaft lebendig zu halten. Diskussionen, Schwärmereien, Empfehlungen und alles, was sonst noch im weitesten Sinne mit Büchern zu tun hat, finde ich bei euch. Mit eurer Präsenz, lieben Worten und eurem Verständnis habt ihr mir 2019 durch sehr schwere Schicksalsschläge geholfen. Ihr tut es noch. Das bedeutet mir sehr viel. Es ist schön, euch in meinem Rücken zu wissen.

Bevor dieses Fazit nun aber völlig in die Sentimentalität abrutscht und sich hier am Ende noch jemand ein Taschentuch besorgen muss (Wer? Ich?), will ich es gut sein lassen. Lassen wir 2019 endlich hinter uns, auf zu neuen Ufern und Schandtaten!
Ich wünsche euch ein bombastisches Jahr 2020 und bin gespannt darauf, was es für uns bereithält.

Alles Liebe,
Elli ❤️

Das Kleingedruckte: Bildnachweise
Um die Grafiken für die Infografiken kostenlos verwenden zu können, habe ich mich bereit erklärt, folgende Links einzubauen:

Folie 1 (gelesene Bücher)
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Folie 2 (Größenunterschiede)
- aufgeschlagenes Buch: Designed by Freepik
- gestickter Rahmen & runder Rahmen: Designed by macrovector / Freepik
- Maßband: Designed by Freepik
- Trennlinie: Designed by Freepik

Folie 3 (Monatsverteilung)
- Trennlinie: Designed by Freepik
- Mondphasen: Designed by Freepik

Folie 4 (Rezensionen)
- Bücherstapel: Designed by Freepik
- Arbeitsplatz: iStock.com/Yuliia25
- Trennlinie: Designed by Freepik

Folie 5 (Genreverteilung)
- Trennlinie: Designed by Freepik
- Schatzkiste: Designed by Freepik
- Doodle Rakete: Designed by Freepik
- Doodle Strichlinien: Designed by Freepik
- Doodle Schwert: Designed by Freepik
- Doodle Mütze, Herz & Sonne: Designed by 0melapics / Freepik

Folie 6 (Sternevergabe)
- Trennlinie: Designed by Freepik
- Sternenhintergrund & kleine Sterne: Designed by 0melapics / Freepik
- Theatermasken: Designed by macrovector / Freepik

Folie 7 (Sprachenverteilung)
- Trennlinie: Designed by Freepik
- aufgeschlagenes Buch: Designed by Freepik
- Sprechblasen: Designed by Freepik

Folie 8 (Autor_innen)
- Trennlinie: Designed by Freepik
- Wanderpärchen Skizze: art of line/Shutterstock.com

Folie 9 (Challenge Fortschritt)
- Hand mit Checkliste: Designed by macrovector / Freepik