Ja, man sollte die Bibel lesen. Vor allem aber richtig zitieren!

Am 10. September 2011 habe ich auf www.freigeist-weimar.de einen Artikel ein­ge­stellt, den ich ursprüng­lich für die der LINKEN nahe­ste­hende Zeitung UNZ geschrie­ben hatte – als Replik auf ein ganz­sei­ti­ges Interview mit Bodo Ramelow. Aus aktu­el­len Gründen soll die­ser hier noch ein­mal ver­öf­fent­licht wer­den.

Bibel und FreudMit Kopfschütteln habe ich wie­der ein­mal Aussagen von Bodo Ramelow lesen müs­sen. Auf einer gan­zen Seite in der lin­ken Thüringer Zeitung UNZ konnte er in Ausgabe 18/2011 seine sehr sub­jek­tive reli­giö­sen Sichten ver­kün­den. Und er for­dert, daß jeder Nichtgläubige die Bibel lesen sollte. Meint er da nur jeden Nichtgläubigen in Deutschland oder alle Menschen auf unse­rer Erde, die nicht an den Christengott glau­ben? Ja, man soll hier­zu­lande durch­aus die Bibel lesen, da stimme ich zu. Aber warum eigent­lich? Es gibt doch welt­weit unzäh­lige Sammlungen von Mythen und eben nicht nur DIE Bibel als das Nonplusultra!

Halten wir zunächst ein­mal dies in Über­ein­stim­mung mit stu­dier­ten Theologen fest:

Die Bibel ist KEIN Gesetzbuch oder Verhaltenskodex und aus ihr läßt sich über­haupt nur wenig Normatives ablei­ten. Die Bibel ist eine Sammlung unter­schied­lichs­ter Texte aus einem Zeitraum von fast tau­send Jahren mit den gegen­sätz­lichs­ten Feststellungen, Aufrufen, Reflexionen und Ansichten – und damit über­haupt nicht auf einen Nenner zu brin­gen. Und inso­fern steht den Kirchen immer noch BEVOR, ein­mal der Öffent­lich­keit zu erläu­tern WELCHEN Sinn die Beschäftigung mit die­sem Buch haben soll.

Im Untertitel des Interviews heißt es: Für Bodo Ramelow ist Glauben immer mit Toleranz ver­bun­den. An ande­rer Stelle sagt er: “Und auch die ande­ren der zehn Gebote finde ich akzep­ta­bel.”

Nun, ich habe in der Bibel gele­sen, und das nicht zum ers­ten Male, und da kann ich nur salopp sagen, daß der Ramelow mit gezink­ten Karten spielt.

Denn schon im ers­ten Gebot heißt es: “Du sollst neben mir keine ande­ren Götter haben.” Etwas spä­ter steht geschrie­ben: “Du sollst dich nicht vor ande­ren Göttern nie­der­wer­fen und dich nicht ver­pflich­ten, ihnen zu die­nen. Denn ich, der Herr, dein Gott bin ein eifer­süch­ti­ger Gott: Bei denen, die mir feind sind, ver­folge ich die Schuld der Väter an den Söhnen, an der drit­ten und vier­ten Generation.”

Na, das ist doch wohl das totale Gegenteil von Toleranz! Und gleich­zei­tig bekun­det die Bibel so ganz neben­bei, daß es “Gott” nicht gibt, son­dern daß der Gott der Bibel nur einer von vie­len ist…

In einem wei­te­ren Gebot heißt es u.a.: “Du sollst nicht nach der Frau dei­nes Nächsten ver­lan­gen, nach sei­nem Sklaven oder sei­ner Sklavin, sei­nem Rind oder sei­nem Esel…” (alle Zitate nach der Einheitsübersetzung der Bibel, Exodus 20, 1 – 21).

Soso, für Bodo Ramelow sind damit also die Sklaverei, die Gleichstellung von Ehefrau und Sklaven auf einer Stufe mit dem Vieh akzep­ta­bel… Wobei hin­zu­ge­fügt wer­den muß, daß mit dem Nächsten nicht jeder Mensch (eigent­lich Mann) gemeint ist, son­dern nur ein männ­li­ches Mitglied des eige­nen Stammes, Clans…

Aber im Interview kommt es noch dicker! Und zwar mit die­ser Aussage Ramelows: “…denn auch in den abra­ha­mi­ti­schen Schriften ist schon das Kriegsverbot fest­ge­schrie­ben.”

Lieber Bodo Ramelow, wenn dem so ist, warum benennst du denn diese Stelle oder Stellen nicht?

In einem hat er durch­aus Recht. Recht hat er, inso­fern einige der jün­ge­ren pro­phe­ti­schen Schriftsteller des Alten Testaments hef­tig gegen die kriegs­lüs­ter­nen Stämme und Führer des Volks pole­mi­sie­ren und statt­des­sen von einer zukünf­ti­gen Friedenszeit träu­men: “Dann wer­den sie ihre Schwerter zu Pflugscharen schmie­den, und kein Volk wird wider das andere Krieg füh­ren.”

Wohlgemerkt es sind Träume, keine Anweisungen…

Aber er vor allem Unrecht, weil diese pro­phe­ti­sche Kritik gerade des­we­gen geführt wurde, weil ein­fluss­rei­che Kreise in die­sem Volk immer wie­der Krieg geführt haben und wei­ter Krieg füh­ren woll­ten gegen “Ungläubige”, sogar zum “Heiligen Krieg” wird dort auf­ge­ru­fen.

Und die ganze Periode der “Landnahme” der noma­di­sie­ren­den Israeliten, die mit ihren Herden sich in frem­den Ländern nie­der­las­sen und seß­haft machen woll­ten, ist durch­zo­gen von Kriegs- und Gewalttaten gegen die Einheimischen der ange­grif­fe­nen und erober­ten Länder.

Und liest man in der Bibel genauer nach, dann erteilt Gott sogar kon­krete Kriegs- und Eroberungsaufträge. Man schaue doch bitte hier mal nach: Dtn 20, 10 – 16, und Dtn. 7, 1,2,5,17 sowie Num 31, 1 – 2, 7 – 10, 15 – 18, um nur einige wenige zu benen­nen. Hier heißt es sehr ein­deu­tig, aber anders als von Bodo Ramelow behaup­tet:

“…Wenn sie (eine Stadt, gegen die man krie­ge­risch anrückt, SRK) aber keine fried­li­che Über­ein­kunft mit dir ein­geht [...] dann magst du alles Männliche erschla­gen. Die Frauen und Kinder jedoch, das Vieh und alles, was sich in der Stadt fin­det, alles in ihr Erbeutete sollst du an dich neh­men und das von dei­nen Feinden (die eben keine Nächsten sind, SRK) Erbeutete, wel­ches dir Jahwe, dein Gott gibt, genie­ßen. Auf diese Weise sollst du mit all den Städten ver­fah­ren, [...] die nicht zu den Städten die­ser Völker dazu­ge­hö­ren. Nur aus den Städten die­ser Völker, wel­che dir Jahwe, dein Gott als Erbbesitz geben will, sollst du keine Seele am Leben las­sen, denn an ihnen mußt du den Bann unbe­dingt voll­stre­cken.” [...] Du aber sollst alle Völker, wel­che Jahwe, dein Gott, dir preis­gibt, ver­schlin­gen; du darfst sie nicht mit­lei­di­gen Blickes scho­nen…” [...] Mose fuhr sie an: ‘Habt ihr wirk­lich alle Weiber am Leben gelas­sen? [...] Tötet sofort alle männ­li­chen Kinder, ebenso tötet jedes Weib, das bereits mit einem Manne geschlecht­lich ver­kehrt hat!’”

Auch hier kei­ner­lei Spur von Friedensliebe, Toleranz, Barmherzigkeit usw.!

Und wie ver­hält es sich nun mit dem Gebot “Du sollst nicht töten?” – Ein sol­ches gibt es nicht, denn in der bereits erwähn­ten Einheitsübersetzung der Bibel heißt es: “Du sollst nicht mor­den!”

Hier haben wir nun end­lich das uns immer wie­der behaup­tete Tötungsverbot. Doch an die­ser Stelle ist ganz beson­dere Vorsicht gebo­ten. Denn hier wird im schrift­li­chen Original das hebräi­sche Verb “razach” ver­wen­det, das nur das gemein­schafts­wid­rige Töten, also das Morden aus nie­de­ren Beweggründen, meint. Nicht damit gemeint ist im Urtext das Töten in Über­ein­stim­mung mit einem Gesetz, das Töten im Kriege. Und die­ses Tötungsgebot bezieht sich auch nur auf Angehörige des eige­nen Stammes bzw. Clans. Volksfeinde und vor allem Andersgläubige waren davon aus­drück­lich aus­ge­nom­men. Im Gegenteil: ihnen gegen­über war das Töten sogar (gött­lich) gebo­ten!

Und das soll für Toleranz spre­chen?

Nein, es soll jeder glau­ben was er will, oder er soll nicht glau­ben (müs­sen). Aber bitte nicht falsch Zeugnis able­gen… Ach, auch das ist ja ein abra­ha­mi­ti­sches Gebot… Also bitte, lie­ber Bodo Ramelow, nicht etwas behaup­ten, was die Bibel angeb­lich fest­schreibt, son­dern ein­fach nur bei den Originaltexten blei­ben! Und wie sagte die Theologin Ilsegret Fink in dei­ner Veranstaltung vom 5. Juli? “Die Kirchen stan­den immer auf der Seite der herr­schen­den Ausbeuterklassen.” Und das gilt heute nicht min­der, auch wenn es immer auch ein­zelne Ketzer und Befreiungstheologen gege­ben hat und gibt. Diese aber wur­den und wer­den stets von den Kirchenoberen ver­folgt.

Siegfried R. Krebs


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