Ist Streak Running sinnvoll? Mein 30-Tage Test mit Dranbleiben, Abnehmen und Regeneration

Schon länger habe ich darüber nachgedacht, mal das Streakrunning auszuprobieren, also das Laufen in Serie, bei dem man jeden Tag mindestens eine Meile, also gut 1,6km läuft.
Mit der offiziellen Challenge der RunnersWorld, habe ich im Januar endlich den entscheidenen Anstoß bekommen, nun endlich loszulegen und bin seit 33 Tagen täglich laufend unterwegs. Also will ich heute einen Einblick in meine Erfahrungen mit dem Streakrunning geben.

StreakRunning – Was ist das?
Streak Running kann man auf deutsch wahrscheinlich am besten mit Serienlauf übersetzen. Denn die Regeln sind ganz einfach. Jeden Tag, zwischen 0 Uhr und 24 Uhr, mindestens eine Meile laufen, also genau 1,60934m. Dabei gibt es keine Regeln, ob man im Freien oder auf dem Laufband seine Streak-Running-Kilometer macht, nur zusammenhängend muss gelaufen werden und ohne technische Hilfsmittel oder die Unterstützung von anderen. Auch zum Lauftempo gibt es keine Vorgaben und wenn man betrachtet, daß ein normaler Spaziergänger mit etwa 5km/h unterwegs ist, dürfte also alles was unter einer Pace von 12min/km liegt, für das Streakrunning zählen.

SteakRunning Ranglisten & Verbände
Wer sich als Streakrunner auf den Weg macht, sollte sich schonmal damit abfinden, daß man wahrscheinlich niemals in irgendwelchen Ranglisten auftauchen wird – abgesehen vom Ende der Rangliste. Denn es gibt zwar immernoch relativ wenige Streakrunner unter den Läufern, aber dafür viele sehr ehrgeizige unter den Streakern. Auf der Seite des amerikanischen Streak-Running-Verbandes USRSA, United States Running Streak Association, wird man beispielsweise überhaupt erst aufgenommen, wenn man mindestens ein Jahr durchgängig gelaufen ist.
Der Rekord von Ron Hill mit mehr als 52 Jahren (19.032 Tage) Streakrunning ist immer noch ungeschlagen, aber es sind ihm schon einige Läufer auf den Fersen, seit er aus gesundheitlichen Gründen pausieren musste.

Ist Streak Running sinnvoll? Mein 30-Tage Test mit Dranbleiben, Abnehmen und Regeneration

Meine Erfahrungen mit dem Streakrunning
Vielleicht zunächst ein paar Worte zu meiner Vorgeschichte, damit man meine Erfahrunen besser einordnen kann. Ich laufe seit mehreren Jahren, jeweils mehr als 2.000 Kilometer im Jahr und dazu mehrere Marathons und unzählige Wettkämpfe. Zum Jahresende fahre ich meist mein Trainingspensum herunter, um dann im Januar durchregeneriert wieder aufzubauen. Im letzten Jahr hatte ich aber im Oktober und November krankheitsbedingt eine Laufpause und bin erst im Dezember wieder moderat ins Training eingestiegen. Meinen Streak habe ich am 31. Dezember mit dem Silvesterlauf Potsdam begonnen und bis jetzt über den kompletten #RWJanuarStreak durchgezogen.

Gerade zu Beginn der Serie habe ich meine Läufe noch weiter als die Mindestdistanz von einer Meile ausgelegt, damit der Lauf wenigstens länger dauert als das Umziehen vor und nach dem Lauf und das Duschen. So sind dann an den Streaktagen meistens so drei bis vier Kilometer zusammengekommen und an meinen offiziellen Trainingstagen beim Bahntraining und Gruppentraining natürlich entsprechend mehr. Zu Beginn des Steaks lag ich somit bei um die 50 Kilometer pro Woche. Relativ schnell spürte ich aber auch die Nachteile des streakens. Man läuft nämlich schnell Gefahr, die Regeneration zu vernachlässigen und in eine Überbelastung hineinzutrainieren. Bei mir meldeten sich die Schienbeinkanten und damit ein klassiker der Läuferbeschwerden, die bei meinem Hintergrund mal voll ins Schwarze trafen. Ein typischer Patient ist nämlich über 40 Jahre alt, leicht übergewichtig, der nach einer Pause überambitioniert ins Training zurückgehrt. Voll erwischt!
Aber deswegen muss man nicht den Streak abbrechen, man muss einfach vorsichtiger sein! War es mir zu Anfang noch irgendwie peinlich einfach nur 2 Kilometer zu laufen, so habe ich es in den späteren Wochen ganz bewusst gemacht und auch ganz bewusst auf das Tempo geachtet. Denn wenn man an einem Tag, der eigentlich zur Regeneration und Entlastung gedacht ist, wirklich moderat und locker läuft, geht das sehr wohl mit dem Erholungseffekt zusammen. Ich habe auch gemerkt, daß dieses tägliche, leichte antippen der Muskulatur mir auch bei der Regeneration hilft und die Motorik schult.

Vorteile des Streak-Running
Die größten positiven Veränderungen durch das Streakrunning habe ich tatsächlich bei der Motivation gespürt. Denn hier passieren gleich mehrere Dinge. Zum einen nimmt man sich einfach die letzten Ausfluchtmöglichkeiten, die ich mir sonst erlaubt habe. Das verschieben eines Trainings auf den nächsten Tag, a lá „dann laufe ich das halt morgen früh“, entfallen komplett. Denn man muss ja sowieso laufen, also braucht man auch garnicht erst lange innerlich mit sich selbst herumdiskutieren.
Während mein Schweinehund also noch am rumgenörgeln war, hatte ich meist schon die Schuhe an und war unterwegs. Und ist man erstmal am Laufen, hatte ich auch vergessen, was nun eigentlich das Problem gewesen sein soll. Zu kalt, zu dunkel, zu irgendwas? Who cares?
Aber auch das Loslaufen als solches ging immer einfacher. Während ich sonst ein paar Minuten brauche, bis ich richtig im Flow bin, konnte ich nun das „Programm Laufen“ sofort abrufen und aktivieren.
Man bekommt also eine beeindruckende Routine und irgendwann gehört das tägliche Laufen ganz normal dazu, wie das Aufstehen und Zähneputzen. Man denkt garnicht mehr darüber nach, ob man läuft, sondern nur noch darüber, wo man es am besten in den Tag einbaut.

Ich bin dann meist Abends auf dem Heimweg vom Büro laufen gegangen. Dabei habe ich noch weitere positive Erfahrungen gemacht. Durch die kurzen Einheiten gewinnt man viel mehr Flexibilität für die Laufstrecken und ein Streak eignet sich perfekt, um neue und teils ungewöhnliche Strecken zu testen und so mehr Abwechslung in den Laufalltag zu bringen. Ich bin beispielweise auf dem Parkdeck eines Einkaufszentrums gelaufen, zum schnellen Schaufensterbummellauf auf dem Kurfürstendamm, zur Grünen Woche am Messegelände, in Heavy Rotation über die Oberbaumbrücke und auch ein Treppentraining werde ich noch in meinen Streak einbauen. Jedenfalls kann man so neue Laufreviere austesten und wenn es gefällt, kommt man einfach für einen längeren Lauf wieder. Und wenn es blöd dort ist, ist man ja auch schnell wieder weg.

Neben dem Mentaltraining durch das tägliche Dranbleiben, hat mir die kleine Unterbrechung auf dem Heimweg aber auch geholfen besser zu entspannen. Denn auch wenn es nur zehn Minuten sind, reicht diese kleine Runde, um Abstand zwischen dem Bürotag und der Freizeit Zuhause zu schaffen und um Dinge, die nicht so gut gelaufen sind oder gestresst haben, nicht mit nach Hause zu bringen. Ich glaube auch, daß mir das Streakrunning beim abnehmen geholfen hat und auch dabei in der Erkältungszeit gesund zu bleiben. Denn ich arbeite im sitzen im Großraumbüro und die tägliche Laufrunde aktiviert meinen ganzen Körper, vom Stoffwechsel, der beim Abnehmen hilft, bis zum Immunsystem, daß ebenfalls aktiviert wird.

Ist Streak Running sinnvoll? Mein 30-Tage Test mit Dranbleiben, Abnehmen und Regeneration

Ist Streakrunning sinnvoll? Mein Fazit zum Selbstversuch!
Wenn man sich der Gefahren des Übertrainings bewusst ist und ganz gezielt auch kurze und langsame Läufe in den Streak einbaut, dann überwiegen für mich die positiven Eindrücke. Besonders die Routine, die man entwickelt, wenn das Laufen wirklich entgültig zum ganz selbstverständlichen Tagesordnungspunkt wird, den man ohne wenn und aber erledigt, finde ich toll und es steckt auch ein gewisses Suchtpotential darin.
Auch die positiven Effekte für das Immunsystem und meine Diät finde ich positiv. Daher eignet sich das Streakrunning wegen der besonderen Motivation, gerade für den Neueinstieg in die Laufsaison und für die dunkle Jahreszeit, wo Schweinehund, Viren und Bakterien besonders aktiv sind.

Sicherlich kann man ähnliche Effekte auch mit einem Ausgleichstrainingsplan erreichen, wenn man also täglich Sport treibt, aber mit wechselnden Sportarten wie Krafttraining, Laufen, Radfahren und Schwimmen. So ist die Belastung noch besser verteilt und der Körper wird sicherlich auch insgesamt gleichmäßiger trainiert – allerdings treten dann nicht diese Routinefaktoren ein, die durch das tägliche Laufen entstehen. Manche Streakrunner kombinieren aber auch das Wechseltraining mit dem Streakrunning, d.h. trotz eines Schwimmtrainings am morgen, folgt noch der kurze Streakrun am Abend.

Ich für meinen Teil werde erst einmal weiterlaufen und beobachten, wie sich das Streakrunning mit meinem Trainingsplan verträgt, wenn jetzt mehr und mehr Longruns und intensivere Trainingseinheiten dazukommen.

Wenn man also vorsichtig ist und die Signale seines Körpers richtig deutet und beachtet, kann ich das StreakRunning-Eperiment nur empfehlen. Daher ein großer Dank an das Team der RunnersWorld, die mir den Anstoß zum loslegen gegeben haben!


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