Ist Ernährung keine Privatsache?


Ernährung ist mit so vielen verschiedenen Aspekten verbunden, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Auf der einen Seite ist Ernährung etwas Soziales. Gemeinsam am Esstisch zu sitzen, kann verbinden. Auf der anderen Seite ist es auch mit gewissen Emotionen verbunden. So geht es nicht nur um reine Nahrungsaufnahme um mal eben den Körper am Laufen zu halten. Denn Essen schmeckt, es spricht optisch an, es kann einem gut tun. Manchmal verbindet man damit auch gewisse Kindheitserfahrungen oder Traditionen.
Und dann gibt es da auch wieder den ethischen Aspekt, dass hinter dem Konsum von Tierprodukten Tierleid steckt. Aber auch, dass für die Produktion dieser die Umwelt leidet sowie Menschen durch Ressourcenverschwendung, schlechte Arbeitsbedingungen usw. Und dann kann Essen auch wiederum eine Art Sucht darstellen. Egal ob Magersucht, Bulimie oder Binge Eating. Somit kann Nahrungsaufnahme zu etwas Belastendem werden, aber auch zu einer Obzession. So kann der Aspekt des Tierschutzes in Ernährungsfragen hierbei sekundär werden, da andere Dinge vorrangig sind.

Gerne scheiden sich insbesondere in Ernährungsfragen die Ansichten. Insbesondere dann, wenn es um die moralische Frage hinter unserer Ernährung geht. So sagen manche wir sollten uns alle rein pflanzlich ernähren, denn es sei unsere moralische Verpflichtung dies zu tun.

Manchmal wird es hierbei gerne mal dogmatisch. Egal ob Pro oder Contra. Manchmal macht es den Anschein jeder möchte Recht haben, doch keiner hat Verständnis für die Seite des anderen. Jeder hat seine Wahrheit und versucht den anderen von dieser zu überzeugen.

Ich denke, dass in der Frage ob unsere Ernährung Privatsache ist oder nicht generell gemischte Aspekte hinein spielen.
Manche sind der Überzeugung Essen ist keine Privatsache, denn die Kausalitätskette dahinter hat einfach weitreichende Konsequenzen. In anderen Aspekten jedoch, ist es erforderlich auch von dieser Sichtweise abzuweichen.
Bislang stand ich selbst immer auf der Seite des Veganers, empfand dies als das Konsequenteste (prinzipiell von mir selbst gesprochen, ohne dabei auf andere zu schließen). Doch auf der anderen Seite zu stehen, wenn man für das was man isst kritisiert wird… So durfte ich auch einmal die andere Seite kennenlernen, was ich als sehr bereichernd empfinde. Die ganzen Argumente, die man anderen immer entgegen brachte einmal selbst zu spüren, zu hören und dabei die unterschiedlichsten Sichtweisen zu erfahren. Wenn das Essen von Käse mit Kinderarbeit und dessen Auswirkungen verglichen wird, oder wenn man die Frage entgegen gebracht bekommt inwieweit der kurze Gaumengenuss von Käse das Tierleid dahinter rechtfertige usw.

Wir alle haben ein Herz für Tiere. Wir finden es grausam, wenn in anderen Ländern Hunde gegessen werden. Wir unterschreiben Petitionen, um diesen Menschen das Essen dieser Tiere zu verbieten, da es für uns hierzulande unvorstellbar ist, wie das für einen anderen Menschen der Normalität entsprechen kann.
Viele von uns haben oft ein schlechtes Gewissen, wenn sie von den Umständen in der heutigen Tierhaltung hören und sprechen daher den Veganern Recht zu, was ihre Ansicht betrifft.
Andererseits möchten wir uns nicht als schlechte Menschen fühlen, nur weil wir Tierprodukte essen. Daran beurteilt zu werden was wir essen, betrachten manche als kritisch und fühlen sich dabei persönlich angegriffen. So führt das gegenseitige Kritisieren ins Essensfragen nicht selten zu Zwist.

So finde ich es mitunter auch interessant sozusagen als Halbveganer von anderen Veganern kritisiert zu werden. Plötzlich steht man auf der anderen Seite. Auf der Seite der Tierprodukteesser. So kann ich inzwischen manche Mischköstler und auch Vegetarier durchaus besser verstehen, wenn sie die Ansichten mancher Veganer ihnen gegenüber als dogmatisch empfinden. Wenn sie sagen, dass sie sich nicht verstanden oder als Mensch an sich beurteilt fühlen. Denn der Fokus, wie ich eine Sache betrachten möchte, ist hierbei auch ein entscheidener Faktor. Und wie schnell dieser dann auf das vermeintlich Negative anspringt, und dabei das Positive in den Hintergrund rücken lässt, finde ich oftmals einfach schade. Und mit solchen Sichtweisen kann ich mich persönlich nicht identifizieren.

Früher dachte ich an diesem Punkt immer warum kann der andere nicht zwischen sich als Mensch und der Kritik an sich differenzieren? Das liegt wohl zum Einen an der Person selbst und wie diese mit Kritik umgehen kann. Und zum anderen auch daran, dass Essen einfach kein rein sachliches Thema ist. Genauso wie man als Veggie irgendwann mal aus einer emotionalen Entscheidung heraus beschlossen hat der Tiere wegen kein Fleisch, Fisch oder generell keine Tierprodukte mehr zu essen, so ist Essen auf der andere Seite auch wieder mit Emotionen verbunden.

Ist die Art wie wir uns ernähren dann nun Privatsache oder ist sie es nicht?

Ich denke inwzischen, dass man das auf sachlicher Ebene argumentativ durchaus so anbringen kann, dass es das nicht ist. Auf emotionaler, menschlicher Ebene jedoch spielen nicht nur sachliche Argumente eine Rolle um darüber eine Entscheidung zu treffen. Sondern der jeweilige Einzelfall. Sowie die unterschiedlichsten Faktoren, die hierbei mit einspielen. Wie soziale oder auch gesundheitliche und psychische Aspekte.
Wenn ich dabei nur auf rein sachlicher Ebene argumentiere, so empfinde ich persönlich das mittlerweile eher als oberflächlich. Denn ohne das Gesamtbild in Augenschein zu nehmen – meine persönliche Ansicht, aber auch die Ansicht des anderen, die einzelnen Aspekte, die jeweils mit einspielen – ist meine jeweilige Sichtweise nur einseitig.
So geht es in der Kausalitätskette zum Beispiel mitunter auch um Menschen. Doch wenn ich den Menschen vor mir außer Acht lasse, inwiefern macht diese Argumentation unter diesem Gesichtspunkt dann Sinn? Oder ist der Mensch in einem Entwicklungsland dann wichtiger als der Mensch vor mir? Oder sollten beide nicht gleichwertig sein, wenn es mir in Betrachtung der Kausalitätskette hinter dem Konsum von Tierprodukten auch um den Menschen geht?

Als Menschen haben wir eine gewisse Verantwortung über unser Handeln. Gerade deshalb halte ich den Aspekt des bewussten Handelns für so wichtig. Denn bewusstes Handeln bedeutet sich dessen was man tut Gewahr zu sein. Dennoch wird auch wiederum die Wertigkeit dessen von jedem Einzelnen anders bemessen. Der eine zieht die volle Konsequenz und wird Veganer. Und ein anderer reduziert seinen Fleischkonsum usw. Denn bewusstes Handeln hängt auch wiederum von der jeweiligen Sichtweise des Einzelnen ab und ob es mit dessen Überzeugungen oder dem was man vor sich selbst verantworten kann überein stimmt.

Konstruktive Kritik an anderer Stelle ist auch eine gute Sache. Denn sie gibt uns als Menschen die Möglichkeit uns weiter zu entwickeln. Somit betrachte ich heute die Frage ob Essen Privatsache ist oder nicht mit gemischten Gefühlen.
So denke ich auf der einen Seite ist es keine Privatsache, auf der anderen Seite wiederum schon. Denn auf der einen Seite geht es um die Konsequenz unseres Handelns, auf der anderen Seite aber auch um das persönliche Wohlbefinden. Und beides sollte mit einander in Einklang sein.

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