Islamismus und Islamophobie schaukeln sich gegenseitig hoch und reduzieren demokratische Rahmenbedingungen in Europa

22.11.2015Hintergrundcreated by Dawud Gholamasad

Einige Thesen zur Psychogenese von Islamismus und Islamophobie als gegenseitige Eskalation der de-zivilisierenden Aspekte der Demokratisierung in Europa

Islamismus und Islamophobie schaukeln sich gegenseitig hoch und reduzieren demokratische Rahmenbedingungen in Europa

Sogenannte "Dschihadisten"

In diesem Beitrag möchte ich – aus aktuellem Anlass –  Thesenartig auf die interdependenten sozio- und psychogentischen Aspekte des Islamismus und der Islamophobie als De-Zivilisierungsschübe in Europa hinweisen, die ich als Nachhinkeffekt des sozialen Habitus der involvierten Menschen in Demokratisierungsprozessen diskutieren möchte. Damit soll eine Überwindungsperspektive des Problems erörtert werden, indem die Ungleichzeitigkeit der drei komplementären und reversiblen Aspekte von Demokratisierungsprozessen sowie ihre Richtung und Richtungsbeständigkeit berücksichtigt werden. Denn in der Regel werden die funktionellen, institutionellen und sozial-habituellen Aspekte der Demokratisierung auf ihre institutionellen Aspekte zustandsreduziert.

I. Zum Zusammenhang von Demokratisierung, Zivilisierung[1] und De-Zivilisierung als komplementäre und reversible Prozesse 

a.   Um diesen Zusammenhang zu begreifen, müssen die Gerichtetheit, Richtungsbeständigkeit, Ungleichzeitigkeit und Reversibilität der funktionellen, institutionellen und sozialhabituellen Aspekte der Demokratisierung berücksichtigt werden.

b.  Der Umgang mit den vier Zwängen sind entscheidend für diese Entwicklungsrichtungen:

   i.    Die Kontrolle der außenmenschlichen Natur in Gestalt der Naturwissenschaft und der technologischen Entwicklung,

   ii.   Die Kontrolle der Fremdzwänge in Gestalt der Bedrohung anderer Menschen und anderer Menschengruppen, die zur Entstehung des Staates als einer Verteidigungs- und Angriffseinheit sowie des Gewalt- und Steuermonopols führt.

   iii.   Die Umwandlung der Fremdzwänge in Selbstzwänge bzw. in Selbstbeherrschung.

   iv.   Die Kontrolle der eigenen Natur in Gestalt der der Entwicklung individueller Selbstregulierung momentaner trieb- und affektbedingter Verhaltensimpulse oder deren Umleitung auf sekundäre Ziele und deren Sublimierung.

c.   Mit dem habituellen Aspekt der Demokratisierung sind die Fragen verbunden, inwieweit die Wertmaßstäbe zivilisiert und verinnerlicht worden sind. Diese Zivilisierung manifestiert sich u.a. in vorherrschende Gebote und Verbote sowie in den Scham- und Peinlichkeitsschwellen der Menschen als deren Verbots- bzw. Gefahrenzonen.

d.  Zu den demokratisierungsrelevanten Hauptkriterien des Zivilisierungsprozesses gehören u. a.:

1.  Veränderungen des sozialen Habitus bzw. der Persönlichkeitsstruktur der Menschen in Richtung auf ebenmäßigere[2], allseitigere[3] und stabilere[4] Selbstkontrollmuster.

2.  Ohne sich je von Fremdzwängen völlig loszulösen, gewinnen außerdem ihre Selbstzwänge gegenüber den Fremdzwängen größere Autonomie. (Z.B. Privateigentum als ein Verhalten) 

3.  Das Gleichmaß der Selbstregulierung im Verhältnis zu allen Menschen und in fast allen Lagen nimmt zu. Dies manifestiert sich in Erweiterung der Toleranzgrenze und abnehmender Diskriminierung.

4.  Im Zusammenhang mit der zunehmenden Verselbstständigung der individuellen Selbstregulierungsinstanzen, zu denen Verstand wie Gewissen, Ich wie Über-Ich gehören,  erweitert sich auch die Reichweite des Vermögens eines Menschen, sich mit anderen Menschen in relativer Unabhängigkeit von deren Gruppenzugehörigkeit zu identifizieren, also auch Mitgefühl mit ihnen zu empfinden.

5.  Ein De-Zivilisierungsschub bedeutet dann eine Veränderung in entgegengesetzte Richtung, d.h. vor allem (siehe Selbstwertlinie):

a.   eine Erhöhung der Erregbarkeit bzw. Affektivität im Sinne zunehmender „Unsachlichkeit“ bzw. Realitäts- Unangemessenheit des Erlebens und Verhaltens, weniger ebenmäßige, weniger allseitige und weiniger stabilere Selbstkontrollmuster.

b.  sowie eine Verringerung der Reichweite der Identifizierung und des Mitgefühls.[5]- wie wir sie bei Islamismus und Islamophobie vorfinden.

II. Islamismus und Islamphobie als ein sich gegenseitig hochschaukelnder De-Zivilisierungsschub.

a.   In diesem Sinne teilen Islamismus und Islamophobie gewisse Strukturähnlichkeiten trotz ihrer Gestaltunterschiede.

b.  Islamismus manifestiert eine massenhafte Identitätskrise, die als Folge der Diskontinuität der Lebenszusammenhänge zu begreifen ist. 

c.   Diese Identitätskrise ist Funktion einer Modernisierung der islamisch geprägten Gesellschaften. 

·   Mit den Globalisierungsprozessen und im Zuge der funktionellen Integrationsprozesse der islamisch geprägten Gesellschaften, geht eine institutionelle Modernisierung dieser Gesellschaften einher.

o  Es entsteht zwar Lohnarbeit, aber ohne dass die Arbeiter reell unter das Kapital subsumiert wären und Normen abstrakter Arbeit verinnerlicht hätten. 

o  Es entstehen moderne Verfassungen und Rechtssysteme, unter denen die Menschen zumeist aber nur formell subsumiert sind, ohne dass aus ihnen selbstbewusste Staatsbürger werden.

o  Auch die Säkularisierung des Alltagslebens bleibt mehr oder weniger eine Fassade, unter der sich enorme innere Spannungen und Konflikte verbergen. Dabei werden die Menschen unsicherer in der Steuerung ihres Verhaltens.

o  Diese Transformationsspannungen und -konflikte sind Nachhinkeffekt ihres sozialen Habitus bzw. ihrer Persönlichkeitsstruktur. Sie ist gekennzeichnet durch mangelnde Individualisierung und relativ geringere emotionale Entbindung von dem tradierten Zivilisationsmuster angesichts der modernen Anforderungen.

·   Diese Modernisierung vollzieht sich in Form sozialer Differenzierungs- und Integrierungsprozesse, die als soziale Auf- und Abstiegsprozesse erfahren werden.

·   Mit der Transformation der Gesellschaft in Modernisierungsprozessen verlieren die herrschenden sozialen Funktionsträger nicht nur ihre sozialen Funktionen, sondern auch ihre Werte verlieren mehr oder weniger an Bedeutung, weil die transformierte Gesellschaft neue spezifische Werte und Gesetze braucht, um die Beziehungen der Mitglieder zueinander und zu der Ganzheit zu regeln.

·   Dieser existentiell bedrohende soziale Abstieg wird nicht nur als ein Funktionsverlust und als Entwertung der affektiv besetzten eigenen Werte erlebt, sondern auch als eine erschütternde soziale Erniedrigung.

·   Der Islamismus ist Folge dieses erschütternden Erlebnisses traditioneller sozialer Gruppen und eine Reaktion gegen den Untergang der Scharia als offizieller normativer Struktur der Gesellschaft; diese  werden als eigen definierte Werte der Islamisten demonstrativ hervorgehoben und gegen moderne Werte verteidigt, die als „verwestlicht“ bekämpft werden.

·   Islamismus ist daher ein chiliastisch geprägter Nativismus: er ist also die demonstrative Hervorhebung der als selbstwertrelevant definierten Werte der sich als „rechtgläubig“ begreifenden Muslime, die die „Scharia“ als Inbegriff des „Islams“ und göttlicher Regulationsprinzipen der gesellschaftlichen Beziehungen im Sinne der Herstellung der paradiesischen Glückszustände auf Erden verstehen.

·   Mit der „Scharia“ wird eine selbstwertrelevante institutionalisierte Diskriminierung Andersdenkender und Andersgläubiger sowie der Frauen angestrebt und etabliert. Diese ist ein massiver Schub der De-Zivilisierung.

Dabei wird die physische Gewalt wieder zum Regulationsprinzip gesellschaftlicher Beziehungen.

d.  Die Islamophobie ist eine Radfahrermentalität: d.h. man beugt sich vor den Mächtigen und zertritt zugleich die Machtschwächeren.

„Man unterwirft sich dem Großen, um über Kleine Herr zu sein: diese Lust überredet uns zur Unterwerfung“ (Nietzche)

a.    sie ist eine, durch das selbstwertrelevante fiktive[6] Ziel der Überlegenheit geprägte, Grundhaltung, die zur Feindseligkeit von neurotischen[7] Europäern gegenüber den Muslimen drängt, die sie als starken Auftrieb von Unten erfahren.

b.  Als „Arbeiteraristokratie“ vergleichen sie sich mit den mächtigeren Gruppen in Europa und betrachten ihren, von Muslimen unterscheidenden, Verhaltensstandard als Distinktionsmittel und Hauptinstrument ihrer Prestigekonkurrenz und Prestigepolitik.

c.   Dies ist aber nur durch eine „Pars-pro-toto“-Verzerrung der Realität möglich. Dabei werden die besten Charaktereigenschaften der Minderheit der eigenen Gruppe für die „Wir-Gruppe“ verallgemeinert und der De-Zivilisierungsschub einer Minderheit der Muslime als Zivilisationsstandard „der Muslime“ generalisiert, um die eigene selbstwertrelevante feindliche Haltung ihnen gegenüber subjektiv zu legitimieren.

d.  Deswegen riecht alles, was an ihre Peinlichkeitsschwelle rührt, „islamisch“,  ist gesellschaftlich minderwertig; und umgekehrt rührt alles, was „Islamisch“ ist, an ihrer Peinlichkeitsschwelle – als eine Art Angst[8] 

e.   Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, sich von allem, was „islamisch“ ist, zu unterscheiden, die diese Empfindlichkeit verschärfen, weil sie sich weder durch ihre beruflichen Leistungen noch durch Besitztum und Geld  als Hauptinstrument der Prestigekonkurrenz und Prestigepolitik bedienen können.

f.   Ihr ganzes Wollen, Denken, Fühlen und Handeln ist aber durch ihr Minderwertigkeitsgefühl angestachelt, weil sie sich im Vergleich mit den mächtigeren Etablierten unzulänglich empfinden.

 (Selbstwertlinie & Unerreichbare Maßstäbe)

g.   Diese fiktive Überlegenheit der neurotischen Europäer ist Funktion ihrer „tendenziösen Brille“, die ihre Aufmerksamkeit und damit die bewusste Aufnahme des jeweiligen Inhalts ihrer Erlebnisse, Wahrnehmungen und ihres Denken  steuert.

h.  Diese „tendenziöse Brille“ ist Funktion einer in Europa tradierten kolonialen Kultur der Machtüberlegenheit. 

i.   Denn sie schauen wie jeder Mensch zwar mit ihren eigenen Augen, sie sehen aber mit den Augen des Kollektivs.[9]

j.   Mit dieser tendenziösen Brille wird der „Islam“ gleichgesetzt mit Islamismus, gegenüber dem sie als Nativismus den eigenen Chauvinismus demonstrativ hervorheben und so zur Eskalation der Feindseligkeit in Europa beitragen. 

k.  Damit entsteht eine „Beziehungsfalle“ bzw. eine „Schicksalsschleife“ des Islamismus und der Islamophobie, die sich gegenseitig hochschaukeln. Und dadurch die Rekrutierungsmöglichkeit des IS in Europa erhöht.

III.   Förderung des Gleichwertigkeitsgefühls und Ermutigung der Migranten als notwendiger Präventionsmaßnahme gegen  Islamismus und Islamophobie

a.  Nur durch die Anerkennung der Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung der Migranten als Einzelne und Gruppen fühlt sich der potentielle Islamist dazugehörig und findet produktiv seinen Platz in der Gesellschaft, wo er als Staats- und Wirtschaftsbürger respektvoll behandelt wird.

b.  Ohne eine emotionale Entbindung im Sinne der „Ausreifung“ der Migranten aus den früheren Integrationseinheiten, die bisher die überlagerten Schichten ihres sozialen Habitus geprägt haben, wäre keine produktive Integration im Sinne der „Einreifung des Charakters“ möglich.

c.   Der „Islamische Staat“ (IS) repräsentiert in diesem Sinne eine Art „Scheingemeinschaft“, eine Art „Ur-Wir“, welches auf einer Verschmelzungsphantasie der „Wir-brüchigen“ basiert und auf das frühkindliche Erlebnis der Dyade bzw. „symbiotischen Einheit“ zurückzuführen ist.

d.  Die potentiellen Islamisten, „die Schläfer“, entstehen dadurch, dass die emotionalen Entbindungen der Migranten nicht gefördert und die Chance neuer beruflicher und affektiver Bindungen durch ihre Ermutigung verweigert wird – indem man ihnen das Gefühl der Selbstachtung und Leistungsfähigkeit vorenthält.

e.   Diese Transformation der islamisch geprägten Menschen in gewaltbereite Islamisten ist dann die Folge einer Umfinalisierung der versagenden Menschen, bei denen sich die Balance zwischen ihrer Kooperations- und Konfliktsbereitschaft zugunsten der letzteren verschiebt.

f.    Dies geht aber einher mit der Verschiebung der Balance zwischen ihren überlagerten Schichten des sozialen Habitus zugunsten älterer Schichten. Vor allem zugunsten der vorsprachlichen und unbewussten Ebene, welche dann dominierend handlungssteuernd wirken. 

g.   Wenn sie ihre bisherigen Ziele, dazu zu gehören und ihren Platz in der Gesellschaft zu finden, nicht durch nützliche Mitarbeit erreichen können; wenn sie sich nicht dazugehörig fühlen und sich ihres Wertes nicht sicher sind, finden sie andere Ziele; Ziele, die ihnen größere Möglichkeiten zu bieten scheinen, sich wichtig und bedeutend zu empfinden.

h.  Mit dem Erlebnis des Versagens und dem sich daraus ergebenden Abwehrprozess der Regression, die zu einer mehr oder weniger starken Infantilisierung führt, bemächtigen sie sich vor allem „Ziele des störenden oder versagenden Kindes“.[10]

i.   Jeder dieser Ziele stellt aber ihre Überzeugung dar, unter welchen Umständen sie sich wichtig, bedeutend und dazugehörig fühlen können.

j.   Das erste Ziel ist in der Regel, sich um jeden Preis Beachtung zu verschaffen, weil sie ihr Gefühl der Zusammengehörigkeit von der Beachtung der anderen abhängig machen. Wenn aber die positiven Methoden versagen, versuchen sie mit störenden Mitteln die ersehnte Beachtung herbeizurufen.

k.  Wenn der dadurch entstandene Machtkampf mit den Etablierten verstärkt wird, dann versuchen sie ihren Platz in der Gesellschaft durch verschiedene Formen der Machtkämpfe zu gewinnen. 

l.   Wenn die Machtkämpfe zu brutalen und gewalttätigen Reaktionen der Etablierten zu ihrer Unterdrückung führen, dann können sie versuchen, andere so zu verletzen, wie sie sich von ihnen verletzt fühlen: Rache ist dann das dritte Ziel, das einzige Mittel, bei dem sie sich zur Geltung bringen können. Deswegen kann der blutrünstige Islamist, der vor laufender Kamera unschuldige Menschen enthauptete, in einem Interview behaupten, erst hier habe er den Sinn seines Lebens gefunden.

m.  Der Islamismus ist deswegen der destruktive Ausdruck des Versagens der islamisch geprägten Menschen, ihren Platz produktiv in der Gesellschaft zu finden. Die bisher bekannt gewordenen Informationen über die rekrutierten Islamisten aus Europa demonstrieren exemplarisch, wie die Verweigerung der Produktivität zur Destruktivität führt.

n.  Allerdings bleiben noch mehr entmutigte Muslime, die jeden Versuch der Beitragsleistung und Anteilnahme aufgeben, da sie keine guten Ergebnisse ihres Bemühens erwarten. Ihre  Passivität und Lethargie manifestiert sich deswegen in ihrem „chiliastischen Quietismus“ in Gestalt der „friedlichen“ Muslime, die ihren „paradiesischen Glückszustand“ nicht unbedingt auf der Erde suchen.

o.  Um aber ihre schlummernde „Aufbruchsbereitschaft zur Herstellung der paradiesischen Zustände“ nicht zu aktivieren, muss eine Deeskalation der gegenseitigen Feindseligkeit und der sie begleitenden Gewaltakte angestrebt werden. 

p.  Die Deeskalation hat nur eine Chance, wenn wenigstens die eher distanziertere Seite des Konfliktes in Europa das zunehmende emotionale Engagement bremst. Denn jedes weitere Gefühl der Bedrohung (des Selbstwertes) steigert das emotionale Engagement und führt zu weiterer Eskalation der Gewalt und Gewaltbereitschaft.

Fazit: Zur  absolut notwendigen Bedingung der Überwindung der Islamophobie gehören:

· die Förderung der Einsicht in den Selbstzwang zu einem fiktiven Ziel der Überlegenheit in entwickelteren Gesellschaften und damit,

· die Überwindung des sonst kultivierten neurotischen Apperzeptionsschemas in einem institutionalisierten Bildungsprozess im Sinne einer humanistischen Umorientierung und

· Förderung des Gleichwertigkeitsgefühls.

Nur so ist eine Verschiebung der Balance zwischen Kooperation und Konflikt zugunsten der ersteren möglich.  

Denn Menschen sind im Unterschied zu manchen anderen sozialen Lebewesen auf die Mobilisierung ihrer natürlichen Anlage zur Selbstregulierung durch das persönliche Lernen von Trieb- und Affektkontrolle im Sinne gesellschaftlicher Zivilisationsmuster angewiesen, um mit sich selbst und mit anderen Menschen leben zu können.[11]

Hannover, 31.10.2015

http://gholamasad.jimdo.com/kontakt/


[1] Die Zivilisierung bezieht sich auf die Entwicklung individueller Selbstregulierung momentaner trieb- und affektbedingter Verhaltensimpulse oder deren Umleitung auf sekundäre Ziele und deren Sublimierung. Dieser gerichtete psychische Transformationsprozess führt zum Strukturwandel des Seelenaufbaus der Menschen als Einzelne und Gruppen.

[2] Die stetige Selbstkontrolle sucht die Kontraste und plötzliche Umschwünge im Verhalten, die Affektgelegenheit aller Äußerungen  gleichermaßen zu verringern.

[3] Das ganze Verhalten, alle Leidenschaften werden gleichermaßen einer genaueren Regelung unterworfen.

[4] Abnehmende Triebdurchlässigkeit der Verhaltenssteuerung.

[5] Vgl. Norbert Elias, Zivilisation, in: Bernhard Schäfers (Hrsg.), Grundbegriffe der Soziologie, Opladen 1986, S. 382ff.

[6]„Als eigentliche Fiktionen im strengen Sinne des Wortes stellen sich Vorstellungsgebilden dar, welche nicht nur der Wirklichkeit widersprechen, sondern auch in sich selbst widerspruchsvoll sind.“ (Hans Vaihinger, die Philosophie des Als Ob, Volksausgabe, 1924/2014, S. 15)

[7] „Das neurotische und psychotische Seelenleben als das Haften an der >>leitenden Fiktion>>…“ (Alfred Adler, Praxis und Theorie der Individualpsychologie, München 1930/ Köln 2012, S. 117)

[8] Vergl. Elias, Norbert, Über den Prozeß der Zivilisation, Bd. 2, S. 410f.

Sham- und Peinlichkeitsgefühl sind eine Art Angst, die sich automatisch und gewohnheitsmäßig bei bestimmten Anlässen in dem Einzelnen reproduziert. Es ist eine Angst vor der Übertretung gesellschaftlicher Verbote und damit verbundene Unterlegenheitsgefühl. Bei der Scham-Erregung ist man selbst der (potentielle) Täter; bei der Peinlichkeit sind die Anderen.  Sie sind also Ängste vor sozialer Degradierung, die sich aus der Wehrlosigkeit vor der Überlegenheit Anderer ergibt. (Vergl. Elias, N. a.a.O., S. 397ff)

[9] „Wir schauen mit den eigenen Augen, wir sehen mit den Augen des Kollektivs. ( Ludwig Fleck, a.a.O, S. 154)

[10] Vergl. Rudolf Dreikurs, Grundbegriffe der Individualpsychologie,  Stuttgart, 19906,   S. 73f. & 99f.

[11] ibid.

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