Iran - ein missverstandenes Land und eine Persienzeitreise über 8.000 bis 10.000 Jahre

Iran - ein
missverstandenes Land und eine Persienzeitreise über 8.000 bis 10.000 Jahre

Wir durften den frühlingshaften Aufbruch - und das auch im übertragenen Sinne in Zeiten der Verhandlungen über die Beseitigung der Embargos und Sanktionen - den Iran erleben.

Ein missverstandenes Land - davon konnten wir uns auf unserer Reise durch jahrtausendalte Kulturen, wilde und bizarre Gebirgslandschaften sowie in zahlreichen Begegnungen mit der einheimischen gastfreundlichen, aufgeschlossen und den deutschen Touristen mit großem Interesse entgegenkommenden Bevölkerung überzeugen.

Die Missverständnisse begannen schon während der Reisevorbereitungen: Ein oder zwei Passbilder und bei Frauen mit oder ohne Kopftuch für die Visabeantragung. Es sei hier gesagt: Ein Passfoto reicht,  und das vorsichtshalber mit Kopftuch im iranischen Konsulat in Berlin vorgelegte Passfoto (auf dem ich im Übrigen glatt als Stammesmutter eines iranischen Familienclans durchgegangen wäre) rief ein belustigtes Schmunzeln bei dem freundlichen Bearbeiter hervor.

 

Dann ging es los mit Iran Air. Und hier der nächste Irrtum: Die weiblichen Passagiere, die sich alle fragend beobachteten, mussten während des Fluges noch nicht das Kopftuch aufsetzen.

 

Die meisten unserer weiblichen Reiseteilnehmerinnen hatten den Empfehlungen folgend auf die Körperunebenheiten und Fettpölsterchen verhüllende Bekleidung gesetzt. Gegenüber der modebewussten, körperbetont gekleideten sowie auffällig und gekonnt geschminkten Iranerin, der wir nicht selten begegneten, ähnelten wir Landpomeranzen.

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missverstandenes Land und eine Persienzeitreise über 8.000 bis 10.000 Jahre

In Teheran angekommen wurden wir von Ali, unserem Reiseleiter, begrüßt, der uns 14 Tage mit seinem sehr guten Deutsch und Wissen sowie seinen umfangreichen Kenntnissen sein Land mit den persischen Traditionen, kulturellen und historischen Entwicklungen voller Stolz und in blumenreichen Worten nahebrachte. Die gelbe und die rote Karte, die er zur Disziplinierung der Reisegruppe zum Einsatz bringen wollte, musste er stecken lassen, da wir 21 Teilnehmer ihm zu seinem Leidwesen keinen Anlass boten.

 

Für die Hauptstadt Teheran,  eine nördlich im Elburzgebirge zwischen schneebedeckten 3000 bis 5000 m hohen Bergen gelegenen, pulsierende sich auf dem Weg in die Moderne befindliche Stadt mit rd. 11 Mio. Einwohnern, hatten wir nur 1 1/2 Tage für Besichtigungen. Aber bereits dort fielen uns die ausgedehnten sehr schönen Parks auf, die uns überall in den Städten mit ihrem üppigen Grün und bunten Blumenarrangements beeindrucken sollten. 

Unsere rund 4.000 km lange Tour führte uns vom Norden durch die abwechslungsreiche und bizarre, vom frühlingshaften Grün geprägte Landschaft des Zagrosgebirges in den Südwesten nahe des Persischen Golfs. Ali war gleichermaßen kenntnisreich in Geschichte, Tradition, Kultur und Moderne seines Landes. Ihm gelang es, mit seinen emphatischen Ausführungen sowohl unser Interesse als auch unsere Gefühle  anzusprechen. Alle 30 der zwischen 2.600 v.Chr. und 1979 wechselnden persischen Dynastien haben wir uns nicht gemerkt, aber  die hinterlassenen Kulturreichtümer - vielfach UNESCO Weltkulturerbe  - der wichtigsten wie Meder, Achäminiden (König Kyros der Große - Die Vereinten Nationen veröffentlichten 1971 in allen offiziellen UNO-Sprachen die Inschrift des Kyros-Edikts als „erste Charta der Menschenrechte“, Darius und Xerxes in Persepolis), Sassaniden (Susa), Safawiden (Isfahan), die Qajaren und zuletzt die Pahlavi in Teheran beeindruckten uns am nachhaltigsten.

Aber Ali verstand es nicht nur, uns mit enormem Wissen auszustatten, sondern die Reise auch durch unmittelbare Einblicke in die persischen Traditionen zu verschönern.

 

So verkürzte er uns die Busfahrten mit iranischer Folklore, machte uns die persische Küche durch Besuche in traditionelle Restaurants schmackhaft, führte uns in traditionelle Teehäuser, in denen persische Livemusik die Gäste zum Mitklatschen und –tanzen anregten und trug uns eigens vom ihm übersetzte Texte des beliebtesten und bekanntesten iranischen Dichters Hafez aus dem 14. Jahrhundert in einer einmaligen Kulisse (Grabmal des Dichter im wunderschönen Garten und vor schneebedeckten Gebirgsspitzen mit iranischen Musikklängen untermalt) vor.

 

Das Reiseprogramm und die Eindrücke waren so vielfältig, so dass wir nicht hervorheben können, was uns am besten gefallen hat – an erster Stelle natürlich die freundlichen und aufgeschlossenen Menschen - und so einiges nur stellvertretend genannt:

Die Haupt- und Regierungsstadt Teheran in fantastischer Höhenlage und Umgebung mit dem prächtigen Golestanpalast als Residenz- und Krönungspalast der Shah-Dynastien ab 1588 (letzte Krönung 1967 Mohammad Reza Shah – zumindest bekannt wegen seiner beiden Frauen Soraya und Fara Diba). Wegen der enormen Gastfreundschaft fiel unser Besuch der Kronjuwelen nicht aus. Trotz geduldigem und langem Warten in einer riesigen Schlange – Ali hatte offenbar nicht mit dem Andrang der einheimischen Familien gerechnet – ließ man uns mit freundlichen Aufforderungen“ wir seien schließlich Gäste und noch dazu aus Deutschland“ vor.

 

Unterwegs auf der Weiterfahrt hatten wir das große Glück, die 2-wöchigen Feierlichkeiten anlässlich des Neujahrsfestes ab dem 23.03.15 miterleben zu können. So haben wir unsere interessanteste Mittagspause inmitten von Familienfeierlichkeiten verbracht; auf einem trubeligen Markt im grünenden Gebirgstal die selbstgemachte einheimische Suppe gekostet und mit den einheimischen Familien gegenseitig Fotomotive per Smartphone geliefert.

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In der Stadt Hamadan - 700 v. Chr. gegründet und auf 1.820 m Höhe am Abhang des bis zu 3.580 m hohen Alvand-Gebirges (wir hatten wunderschöne Blicke auf die schneebedeckten Gipfel) trafen wir auf das Schaffen und Wirken des in Europa als Avicenna bekannten berühmten Arzt Ibn Sina (Medicus), der 1037 starb. Wir besichtigten die Überreste der antiken Stadt und während der Fahrt durch das Alvand-Gebirge antike Schrifttafeln und Felsreliefs.

Wir fuhren weiter südlich in Richtung persischen Golf durch Susa - der biblischen Hauptstadt des alten Elam (2.500 v. Chr.) - und besuchten eine rd.  1.300 v. Chr. erbaute, sehr gut erhaltene und beeindruckende Tempelanlage (UNESCO-Weltkulturerbe) des damaligen elamischen Königs.

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Den überwältigenden Eindruck, den Persepolis - den erstaunlich gut erhaltenen Ruinen der einstigen Residenz der Achämenidenkönige - auf uns machte, kann man nicht wiedergeben. Man muss einfach selbst inmitten der weißen Säulen, vor den Tempelanlagen der Könige Darius und Xerxes und den Geschichten und Sagen erzählenden Wandreliefs gestanden haben - umgeben vom strahlend blauen Himmel und von der Gebirgskulisse.

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Die weiteren bedeutenden Städte wie Shiraz - die als Stadt der Dichter und Rosen Moderne und Tradition harmonisch vereint, Kerman - gegründet im 2. Jahrhundert vom sassanidischen König Ardeshir - auf 1.760 m im Südosten des iranischen Hochlandes gelegen, Yazd in 1.200 m Höhe als interessanteste Wüsten-Großstadt Irans sowie Isfahan - ehemalige Hauptstadt einer der bedeutendsten Dynastien Safawiden (15. bis 18. Jh.) als neben Teheran lebendigste und größte Stadt konnten uns mit ihren jeweiligen Besonderheiten und eigenem Leben beeindrucken.

Wir bestaunten in den Palästen der jeweiligen Herrscher und in den Moscheen die farbenprächtigen, filigranen typischen persischen Fliesen-  und  gleißenden Siegelmosaiken, lustwandelten in den grünen fantasievoll angelegten, mit reichen Blumenbeeten versehenen Gärten.

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Ali informierte uns kenntnisreich über das Entstehen und die Wirkprinzipien der Windtürme (zur Klimatisierung der Räume) und der traditionellen Quanat-Bewässerungsanlagen (unterirdische, Stollen ähnelnden Kanäle), die hauptsächlich um und in Yazd zu finden waren. Yazd war überhaupt etwas Besonderes als Stadt der Zarathustrier (900 v. Chr. mit Schöpfergott Ahura Mazda, dem ewigen Feuer als Zeichen der Macht, den Türmen des Schweigens und den Feuertempeln). Alle Gebäude aus Lehm gebaut mit Kuppeln versehen, die bei Sonnenuntergang ein ganz eigens Licht verbreiteten. Jedes Zimmer des von bewohnten traditionellen Fahadan Museums Hotels, mit einem hauseigenen Qanat und mehreren Windtürmen, war individuell und der Innenhof mit Springbrunnen und Blumen- und Pflanzendekorationen lud als Restaurant zu den Mahlzeiten ein.

Wir erfuhren vieles über die philosophischen Religionsrichtungen wie Zarathustriern und Sufis, ihrem Gedankengut und Ritualen wie z.B. die Bestattung der Verstorbenen auf den Türmen des Schweigens und dem ewigen Feuer.

 

In der uns frei zur Verfügung stehenden Zeit eroberten wir die Städte auf eigenen Pfaden. Besuchten Heiligtümer, deren Betreten den Nicht-Muslimen laut Reisführer verwehrt werden sollte, und genossen eine überaus gastfreundliche Individualbetreuung durch junge freiwillige Helfer. Wobei ich natürlich den obligatorischen Tschador überwerfen musste, mit dessen überschüssiger Stofffülle und dem ständig herunterrutschenden Kopfteil ich zu kämpfen hatte. Obwohl eigentlich für Frauen im separaten Frauenteil nicht gestattet, durfte ich drei Fotos von dem prächtigen Interieur machen. 

 

Nach anstrengendem Stadtmarsch wurden wir im traditionellen Teehaus herzlichst von unseren beiden iranischen Tischnachbarinnen in die qualifizierte Einnahme der persischen Spezialität "Dize" eingewiesen.

Für Isfahan - die letzte Stadt unserer Reise - hatten wir leider zu wenig Zeit. Gern wären wir noch etwas länger geblieben, um nochmals in aller Ruhe durch die tollen Parks, über den Imam-Platz (als zweitgrößter Platz der Welt ein UNESCO-Weltkulturerbe) mit seinem Basarlabyrinth den Springbrunnen, den persischen Mosaiken und entlang des Flusses über die Brücken zu bummeln und dem zwanglosen Treiben der einheimischen Bevölkerung zuzusehen. 

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Die Teilnehmer unserer Reisegruppe haben übereinstimmend versprochen unser Bild vom Iran weiterzugeben. Und jedem, der mit Unverständnis (Unkenntnis) sagt: Was, in so ein Land reist ihr ? – alle unsere Mitreisenden haben bestätigt, auf diese Reaktion getroffen zu sein – empfehlen wir „ Fahrt hin, überzeugt euch selbst vor einem endgültigen Urteil!“

Wie uns bereits eine Mitreisende per Mail nochmals übermittelte: „... die ganze Reise, die Bevölkerung und die Landschaft waren wirklich beeindruckend.“