Interview mit Auswanderin Conny – 3. Leben in Australien

Dies ist ein Beitrag von Aussie Buschfunk

Leben in Australien PerthMeine Freunde Conny und Steffen reisten mehrmals durch Australien und entschieden sich daraufhin, in ihr Traumland auszuwandern. Heute leben sie in Perth. Im 3. Teil des Interviews stelle ich Conny Fragen zu ihrem Leben in Australien. Hast du die ersten beiden Teile des Interviews noch nicht gelesen? Hier sind sie:

Irina: Habt ihr euch gut in Perth eingelebt und Freunde gefunden?

Leben in Australien Kitesurfing

Foto: Conny Scharf

Conny: Ich denke, wenn man Australien mag, dann braucht man nicht lange, um sich einzuleben. Man mag den Lebensstil einfach und nimmt sich gerne die Gelassenheit an, das heißt die Pünktlichkeit und Korrektheit nicht ganz so genau zu nehmen, einfach den Tag und das Heute mehr genießen und nicht nur an morgen zu denken. Es fällt mir einfacher als ich je gedacht habe und wir haben mehr Zeit füreinander.

Wir haben hier sehr gemischte Freundschaften: Deutsche, die auch ausgewandert sind und Australier jeden Alters sowie Personen anderer Nationalitäten, die sich hier angesiedelt haben. Es ist nicht schwer, in Australien Leute kennenzulernen. Manchmal ist es etwas oberflächlicher (meine Erfahrung), aber die Leute sind bedeutend interessierter an die Person. Das heißt man lernt Leute kennen, hat intensive Gespräche mit ihnen, aber selten sieht man sich wieder. Deutsche Freundschaften werden hier auch anders gepflegt.

Irina: Was hat euch nach Perth verschlagen?

Conny: Perth war für uns aufgrund der Arbeitsmöglichkeiten, der Nähe zu den besten Surfstellen im Südwesten und die Natürlichkeit Westaustraliens interessant.

Irina: Wie sieht es mit Arbeit aus?

Leben in Australien surfen

Foto: Conny Scharf

Conny: Die Arbeitslosigkeit ist hier relativ gering. Jeder findet Arbeit, aber man muss auch flexibel sein, wenn man nicht gleich etwas in seiner Branche findet. Australien sucht immer nach gut ausgebildeten Leuten, denen auch viel gezahlt wird. Momentan gibt es ein kleines Tief und es werden keine neuen Mienen erschlossen. Somit wird es zur Zeit auch mit dem Visum etwas schwieriger sein.

Wir haben beide Arbeit. Ich bin Managerin im Einzelhandel. Steffen ist in der Landschaftsgestaltung tätig, obwohl er weiterhin Arbeit als Bauingenieur (engl. civil engineer) sucht . In den nächsten Jahren wird sich das aber entwickeln und Ingenieure werden wieder gefragt sein.

Der Lebensstandard ist in Australien aber gut und keiner verdient zu wenig. Wir sind zufrieden und freuen uns immer noch, das wir den Schritt gewagt haben. Uns war es in Deutschland mit unseren festen Jobs einfach zu langweilig und wir haben nach etwas mehr Abenteuer gesucht und es auch gefunden.

Irina: Kannst du es dir vorstellen, jemals wieder in Deutschland zu leben?

Conny: Tja, das ist schwierig zu beantworten. Ich denke, je länger man hier lebt, desto weniger kann man sich vorstellen, wieder nach Deutschland zurückzugehen. Ich war erst vor kurzem wieder in Deutschland und war erschrocken darüber, wie unfreundlich und spitz die Leute sind. Ich war froh, als ich wieder im Flieger war. Das hat mich aber auch traurig gemacht, da ich es in Deutschland nie so wahrnahm und hier zusätzlich etwas fand, das ich vorher nie gesucht hatte.

Irina: Was vermisst du aus Deutschland?

Conny: Ich vermisse viele Sachen, da Deutschland nun mal das Land ist, in dem ich aufgewachsen bin und es meine Heimat ist. Am meisten vermisse ich meine Freunde und Familie. Das deutsche Gesundheitssystem ist sehr übersichtlich und einfacher. An Lebensmitteln haben wir hier schon viel gefunden (Bäcker, Fleischerei, Importläden). Man muss halt suchen, bis man sie findet. Aber wie gesagt, man findet in Australien viel mehr als in den Reiseführern oder Auswanderbroschüren steht.

Leben in Australien

Foto: Conny Scharf

Irina: Wie stellt ihr euch eure Zukunft vor?

Conny: Ich bin momentan schwanger und freue mich, das unser Kind hier in Australien aufwachsen darf. Heutzutage gibt es kaum noch Grenzen beim Reisen und auch die ältere Generation (Omas und Opas) reisen gerne. Also sehe ich die Entfernung nicht als Hindernis, sondern mehr als Herausforderung an. Doch diese Entscheidung muss jeder für sich selbst treffen.

Irina: Vielen Dank für das interessante Interview, Conny! Ich hoffe, dass es unseren Lesern bei der Entscheidung, nach Australien auszuwandern oder nicht, ein wenig weitergeholfen hat.


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