[Interview] Im Gespräch mit…Laura Kneidl

[Interview] Im Gespräch mit…Laura Kneidl

Seit vielen Jahren beobachte ich die Entwicklung von Autorin Laura Kneidl. Von den Anfängen mit dem Verfassen von Fan Fictions, dann die ersten Ideen für ganz eigene Stoffe, den zunächst mühsamen Weg eine Agentur und einen Verlag zu finden. Und dann durch Eigeninitiative selbst durchzustarten, was für Laura den Stein beim Carlsen Imprint IMPRESS ins rollen brachte. Laura hat nie aufgehört an sich und ihre Geschichten zu glauben. Autoren zu treffen, die immer wieder über sich hinauswachsen, ist besonders faszinierend für mich. Auf der Frankfurter Buchmesse habe ich etwas tiefer bei Laura Kneidl gebohrt.

Sandy: Liebe Laura, zunächst freue ich mich sehr, dass wir hier auf der Buchmesse ein bisschen plaudern können. Kennen tun wir uns schon seit einigen Jahren. Nach Veröffentlichungen im Bereich Urban Fantasy (Jugendbuch) und New Adult, ist gerade dein erster High-Fantasy Roman erschienen. Was mir von Beginn an sehr positiv bei DIE KRONE DER DUNKELHEIT aufgefallen ist, war dass du wieder stilistisch einiges drauf gelegt hast. Und inhaltlich bist du ebenfalls stärker. Diese Entwicklungen sieht man bei jedem deiner Projekte. Setzt du gezielt darauf an, den Anspruch an deine Arbeit zu erhöhen oder spielt die Zusammenarbeit mit deinen Lektoren auch eine Rolle?

Laura: Dankeschön, dass tut gut zu hören. Ich denke, es ist eine Mischung aus allem. Den Anspruch besser zu werden habe ich natürlich immer. Das geht den meisten Autoren so. Keiner möchte sich wirklich auf seinen Lorbeeren ausruhen. Ich ackere nun keine Lehrbücher durch, beschäftige mich aber gerne mit den für mich zur Verfügung stehenden Tools. Und ich habe über die Jahre einiges aus dem Lektorat mitnehmen können. Lektoren haben ein ganz anderes Augenmerk auf den Text. Sie gehen differenzierter heran und können einem so vermitteln, wie man z. B. einen Spannungsbogen noch anders gestalten kann. Mit dem Gedanken High-Fantasy zu schreiben, habe ich länger geliebäugelt. Ansätze gab es z. B. auch bei HERZ AUS SCHATTEN und WATER & AIR, aber die Ausrichtung war da natürlich anders. In DKDD habe ich mich bewusst für eine andere Welt entschieden. Man kann sagen, dass diese Projekte eine Art von Übung waren um dahin zu kommen, wo ich jetzt bin.

Sandy: Du hast es gerade schon angesprochen. Die Geschichte von DKDD schwebte dir länger im Kopf herum, wolltest dich aber erstmal durch andere Projekte verwirklichen. Begleitet hat dich die Idee immer wieder. Wie entstanden die Figuren und das Setting in deinem Kopf?

Laura: DKDD ist für mich so ein wilder Mix aus dem Stoff, den ich selbst immer am tollsten fand. Ich liebe zum Beispiel die Bücher von Brandon Sanderson, der wiederum einen starken Fokus auf Religion in seinen Büchern hat. Daher entsponnen sich in mir schon sehr früh Gedanken wie: „Ich will die Königsreligion und Götter in diesem Buch.“Die Persönlichkeiten aus anderen Büchern die ich liebe, haben mich inspiriert. Larkin ist so ein typischer Jon Snow [Game of Thrones]. Assasins gehen für mich eh immer. Und Piraten Geschichten finde ich mega spannend, also floss davon auch etwas rein. In Elroy steckt ganz viel Nicolai aus der Grischa-Trilogie von Leigh Bardugo. Natürlich wurden Verhaltensmuster und Persönlichkeiten unabhängig davon entwickelt und geschaut, was passt.

Sandy: Und es geht auch magisch zu…

Laura: Genau, die Kräutermagie und uralte Zaubersprüche/Bücher habe ich so ein bisschen aus „Charmed“ entnommen. Die Serie habe ich geliebt. Genau wie mich Patrick Rothfuss, Buffy usw. beeinflusst haben. Nach und nach entwickelte sich durch viele kleine Ideen die Welt aus DKDD. Ein genaues Augenmerk kann ich daher gar nicht mehr benennen.

Sandy: Wie lange hast du mit deinem Lektor denn an dem Buch gearbeitet [sowohl stilistisch, als auch inhaltlich]?

Laura: Oh…die Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Gekauft hatte der Piper Verlag das Projekt Anfang 2017. Nachdem ich das fertige Manuskript abgegeben hab, fingen wir Anfang 2018 daran zu arbeiten. Wobei wir inhaltlich nichts geändert haben. Es gab so Kleinigkeiten, wie Straffung im Plot oder Spannungsaufbau. Die Welt selber habe ich Jahre zuvor entwickelt. Auch mit meinem Agenten habe ich mich viel ausgetauscht.
Wann ich die Idee als Exposé bei meinem Agenten abgegeben hatte, weiß ich um ehrlich zu sein nicht mehr. Ich hatte 30 Seiten mit Exposé und Weltenbau, und dachte er wird mir den Kopf abschlagen. Seine Reaktion war in etwa: „die Idee ist wirklich nett, aber eigentlich ist es [noch] nicht so wirklich geil.“
Er hat mich aber wirklich toll beraten und geleitet. Derartiger Stoff muss bei der Anbietung an die Verlage ja direkt überzeugen. Und zu diesem Zeitpunkt waren „Berühre mich. Nicht“ und „Verliere mich. Nicht“ auch noch nicht erschienen. Das heißt man konnte zu diesem Zeitpunkt keinen großen Erfolg als Verkaufsargument platzieren. Ursprünglich hatte ich auch DKDD als Vierteiler geplant, aber meine Lektorin meinte, dass man mit einer Trilogie einen strafferen Prozess hat und der größere Abstand eigentlich nicht nötig ist.
Teilweise hätte ich natürlich gerne schneller geschrieben, aber ich musste Grenzen für mich stecken, da noch andere Buchverträge Vorrang hatten. Daher genieße ich es richtig, den zweiten Teil von DKDD mit dem Wissen schreiben zu können, dass er recht nah getaktet erscheinen kann. Voll gut!

[Interview] Im Gespräch mit…Laura Kneidl

Sandy: Die Welt von DKDD ist ungeheuer Detail verliebt beschrieben und die Bilder der Landschaften entfalten sich sehr lebendig vor dem Auge. Es ist kein Geheimnis, dass du Schottland über alles liebst. Hat dich das Land bzw. Landabschnitte zur Gestaltung der Welt inspiriert?

Laura: Ja, sehr. Eigentlich ist ganz Throbia Schottland nachempfunden. Na, mehr oder weniger. Die Karte, die man im inneren der Klappen des Buches findet, hatte ich anfangs grob skizziert. Eine Freundin von mir meinte dann, dass wäre ja der Umriss Schottlands. Mir war das zuvor gar nicht aufgefallen, aber es stimmt. *lach* Der Baustil der Burgen und die ruhige bergige Landschaft zum Beispiel, ist dem sehr nachempfunden.

Sandy: Zu welchem Buchprojekt hast du die bisher aufwändigste Vorarbeit bzw. Recherche betrieben?

Laura: Die aufwändigste Vorarbeit floss in DKDD, da ich mir natürlich einiges ausdenken musste. Die aufwändigste Recherche hingegen beanspruchte SOMEONE NEW (Lauras kommendes NA-Projekt beim LYX Verlag). Spoilern kann ich natürlich jetzt nicht. Der Inhalt verlangte aber einiges an Hintergrundwissen ab. Daher gab es einen Austausch mit jemanden, der mir auch einen großen Dokumentenstapel zugeschickt hat. Also,  habe ich Unterlagen von Ämter und Ärzten gewälzt und habe mit bestimmten Bezugsquellen gesprochen. Da das Projekt eine realistische Handlung in sich trägt, war es mir sehr wichtig, die Realität wieder zu geben. Es sollte nicht verfälscht oder verschönt umgesetzt sein. Ich wollte kein Trugbild erschaffen.

Sandy: Gab es schon einmal eine richtig aufsässige/nervige Figur, die der Geschichte bei der Entstehung mehr im Weg stand als wie vorantrieb? Wenn ja, was hast du getan um die Person loszuwerden?

Laura: Nichts. *lach*  Es gibt manchmal Charaktere, die drängen sich regelrecht in den Vordergrund. So ein typischer Charakter aus DKDD ist Elroy. Seine Rolle war klar vorgegeben, allerdings ist die Entwicklung von ihm in Band zwei überhaupt nicht geplant gewesen. Aber ich lasse die Figuren dann immer machen. Es hat wohl seinen Grund, warum es so kommt.

Sandy: Du pflegst sehr enge Freundschaften mit anderen Autoren und ihr schreibt an euren jeweiligen Projekten sogar in Autoren-WGs (Bianca Iosivoni, Mona Kasten). Habt ihr schon über Gemeinschaftsprojekte nachgedacht?

Laura: Tatsächlich ja. Es gibt immer wieder Ideen, die wir uns zurufen und womit wir dann rumspinnen. Nur leider ist das natürlich ein Zeitproblem. Jeder von uns hat seine eigenen Projekte. Ich muss noch zwei DKDD-Bände schreiben/abgeben, drei Projekte warten noch bei LYX. Bei Bianca und Mona sind das nicht anders aus. Aber ja, vorstellen können wir uns das sicher. Irgendwann.

Sandy: In den letzten Jahren sind von dir acht Bücher erschienen. Das ist beachtlich. Du hast dich im Jugendbuch der Urban Fantasy gewidmet und den mega Erfolg dann mit deiner New Adult-Dilogie gefeiert. Ich erinnere mich vor vielen Jahren an deine ersten Versuche im romantischen Bereich [als Beta-Leserin]…

Laura: Oh je, ich auch…*lach*

Sandy: Es war schon noch eine andere…Hausnummer. Ist aber auch schon ewig her.

Laura: Das hast du nett gesagt. Ich weiß, was du meinst…

Sandy: Gibt es noch eine Sub-Kategorie die dich noch so richtig locken könnte?

Laura: Im Moment eigentlich nicht. Ich konzentriere mich auf derzeitige Projekte und habe noch mehr Ideen im High-Fantasy und New Adult Bereich. Offen bin ich immer, aber so richtig reizen tut mich da gerade kein anderes Genre. Jugendbuch steht bei mir nicht mehr so im Fokus, weil ich gemerkt habe, dass ich diese YA/All-Age Grenze schon mit HERZ AUS SCHATTEN etwas strapaziert hatte.

Sandy: Glaubst du denn, dass du dich generell aus dem Jugendbuch gelöst hast, oder ist es vielleicht nur eine Phase?

Laura: Tatsächlich fühlt es sich eher wie eine Phase an. Ideen habe ich ja, aber sie derzeit vordergründig auszuarbeiten, reizt mich nicht genug.

Sandy: Thema Lieblingsfigur in DKDD. Für mich gehört definitiv die Wächteranwärterin Ceylan zu den liebsten Charakteren, weil ihre Vergangenheit so hart ist. Aber auch für Freya fiebere ich sehr. Für welche Figur blutet dein Herz?

Laura: Weylin liegt mir sehr am Herzen. Er ist eine sehr tragische Figur und er ist sehr vielschichtig. Er ist musisch veranlagt und hadert mit seiner Sexualität. Es ist viel in ihm verborgen. Das reizt mich. Und ansonsten Freya und Ceylan, weil es die tragenden Stimmen sind. Ihre Handlungen treibt das Buch voran, während alle anderen Charaktere sich quasi um sie herum positionieren.

Sandy: Eine finale Frage – Wie würdest du deinen Lesern MAGIEFLIMMERN beschreiben, ohne zu spoilern? Tease mal und bringe den Vorbesteller-Button zum glühen!

Laura: Oha. Wow…high pressure! Ich glaube tatsächlich, dass es im zweiten Band sehr viele Charakterentwicklungen gibt, womit man so gar nicht rechnet. Auch was vereinzelnden Figuren zustößt, wird überraschen. Jede Figur erfüllte im ersten Teil eine gewisse Rolle. Die Karten werden sicher nochmal anders gemischt.

Vielen lieben Dank an Laura für dieses super interessante Gespräch!!


Die Autorin…

[Interview] Im Gespräch mit…Laura KneidlLaura Kneidl schreibt Romane über alltägliche Herausforderungen, phantastische Welten und die Liebe. Sie wurde 1990 in Erlangen geboren und studierte Bibliotheks- und Informationsmanagement in Stuttgart. Inspiriert von ihren Lieblingsbüchern begann sie 2009 an ihrem ersten eigenen Roman zu arbeiten. Nach einem längeren Aufenthalt in Schottland lebt die Autorin heute in Leipzig, wo ihre Wohnung einer Bibliothek ähnelt. Sie ist auf Instagram und Twitter aktiv und tauscht sich dort gerne mit ihren Lesern aus.

Bereits erschienene Bücher von Laura Kneidl…

  • Light & Darkness (ebook)
  • Blood & Gold (Elemente der Schattenwelt I)
  • Soul & Bronze (Elemente der Schattenwelt II)
  • Magic & Platina (Elemente der Schattenwelt III)
  • Water & Air
  • Berühre mich. Nicht. (Band 1)
  • Verliere mich. Nicht. (Band 2)
  • Herz aus Schatten
  • Die Krone der Dunkelheit (Band 1)

Meine Rezensionen…


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