INTERVIEW: Foreign Diplomats

Von Bleistiftrockerde
„Wir waren früher nicht wirklich Freunde"

Gerade hat die kanadische Band Foreign Diplomats ihr Debütalbum „Princess Flash" auch bei uns veröffentlicht. Nun sind die fünf Musiker auf Europa-Tour, um auch auf unserem Kontinent die Fans für sich zu gewinnen. Wie sie das anstellen wollen? Das und mehr hat uns Sänger Élie Raymond im Interview verraten.

*** Click here for the English version *** bleistiftrocker.de: Ihr seid gerade in Deutschland auf Tour. Was erwartet ihr euch von den Auftritten?

Élie Raymond: Ich glaube es ist wichtig, dass man nicht zu viel erwartet. Trotzdem können wir es nicht abwarten, neue Städte und Locations zu entdecken. Unser Album wurde gerade veröffentlicht und wir sind gespannt darauf, ob die Menschen es mögen und zu unseren Shows kommen.

Und was können die Konzertbesucher von euch erwarten?

Wir versuchen, so energisch wie möglich zu sein. Wir lieben es herumzuspringen, vor allem unser Keyboarder Thomas.

Wie würdet ihr euren Musikstil beschreiben?

Wir glauben, dass es Art-Pop ist, aber ein bisschen protzig. Es ist Rock-Pop, tanzbar, leicht mitzusingen, aber wir versuchen trotzdem, interessante Elemente in unsere Arrangements und die Struktur der Songs einzubauen.

In eurer Heimat Kanada ist euer Debütalbum schon eine Weile draußen. Welches Feedback habt ihr dort bekommen?

Sehr gutes. Wir hatten das Gefühl, dass die Menschen das Album mögen, als sie damit begonnen haben, bei unseren Shows mehr und mehr mitzusingen. Es ist ein tolles Gefühl zu spielen und dabei einige Menschen im Publikum zu sehen, die alle Songs mitsingen. Unsere Shows ziehen immer mehr Menschen an und das ist ein gutes Zeichen dafür, dass das Album entsprechend läuft.

Welcher Song auf „Princess Flash" ist dein persönlicher Favorit - und warum?

Das ist eine gute Frage. Für mich sind sie alle sehr persönlich, deshalb ist es schwer, einen Favoriten auszuwählen. „Lily's Nice Shoes!" ist ein Song, den ich wirklich liebe. Der Groove ist großartig, es macht Spaß ihn live zu spielen und wir haben eine Menge kleiner Elemente eingebaut, während wir im Studio experimentiert haben. Außerdem mag ich „Drunk Old Paul (and His Wild Things)". Es bedeutet mir aus verschiedenen Gründen sehr viel und am Ende hört man den Lärm einer Party, die wir im Studio veranstaltet haben. Ein nettes Element, durch das das Album mit einem Höhepunkt endet.

In unserer Review haben wir besonders den Song „Beni Qui Qui" gelobt. Wovon handelt er?

„Beni Qui Qui" ist ein sehr düsterer Song. Das ganze Album handelt mehr oder weniger von einem gebrochenen Herzen am Ende einer Beziehung. Einige Songs sind bitterer und wütender als andere, aber ich würde sagen dieser ist der wütendste. Viel mehr kann ich dazu auch gar nicht sagen, ohne in persönliche Details zu gehen. Trotzdem hat es Spaß gemacht, den Song im Studio aufzunehmen. Wir haben mit einer Pedal-Steel-Gitarre experimentiert und niemand von uns wusste, wie man sie spielt. Am Schluss standen wir drei Typen um das Instrument und versuchten, es cool klingen zu lassen. Man kann das im zweiten Vers hören, dieses seltsame, pulsierende und scharfe Geräusch.

Wie müssen wir uns die kanadische Indie-Szene vorstellen?

Ich kann nur von Montreal sprechen. Es ist sehr vielfältig. Elektropop, Hip Hop und Heavy-Bands teilen sich die Bühne. Die Stimmung ist großartig und wir haben viele Freunde in anderen Bands. Es ist immer ein großer Spaß, mit Bekannten Shows zu spielen.

Welche anderen Bands kannst du den Musikhörern in Europa empfehlen?

Choses Sauvages. Sie sind großartige Freunde von uns und ihre Musik ist wirklich cool. Pif Paf Hangover sind ebenfalls genial. Dead Obies und Alaclair Ensemble sind tolle Hip-Hop-Bands. Chocolat, psychedelischer Garagenrock auf Französisch. Les Deuxluxes. Gazoline. Und kennst du U2? Die sind ziemlich gut.

Wie haben sich die Foreign Diplomats als Band gefunden?

Wir kannten uns alle von der High School. Wir waren aber nicht wirklich Freunde, bevor wir die Band gestartet haben. Eher Typen, die einfach Musik machen wollten. Danach sind wir dann Kameraden geworden.

Warum seid ihr damals nach Montreal gezogen?

Wir kommen aus einer Region, die eine Stunde nördlich von Montreal liegt. Es ist also nah und die Stadt hat eine lebendige und großartige Musikszene. Es war sehr einfach und wichtig für uns, in diese Stadt zu ziehen und dort zu arbeiten.

Eurer Facebook-Seite zufolge seid ihr viel unterwegs. An welchen Ort habt ihr besondere Erinnerungen?

Im Herbst 2016 waren wir in Mexiko und es war der Wahnsinn. Wir haben auf einem Festival vor 5000 Menschen gespielt. Sie kannten uns nicht, aber vielleicht gehen Mexikaner einfach so zu einer Show. Wir haben einen starken Auftritt hingelegt und sie haben es geliebt. Stundenlang wurden wir nach der Show nach Fotos gefragt. Das war ein seltsames, aber absolut großartiges Erlebnis.

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