INSULANER – Die Einleitung

Roman Reischl

INSULANER

Wunderbare Welten

Fantasy

Einleitung

Tag und Nacht glichen sich in der Inselwelt Mikronesiens. Nicht dass man den Unterschied zwischen der Dunkelheit und den Sonnenstrahlen nicht erkennen konnte. Vielmehr herrschte Stille, seit der Tyrann Adrian spurlos verschwunden war. Die Erleichterung darüber wurde getrübt von der Angst der Insulaner, sein plötzliches Verschwinden könnte zu ebenso unerwarteter Wiederkehr führen.

Die Suche nach dem Herrscher gestaltete sich schwierig, denn keine der Inseln im Reich war überaus groß. Jede Einzelne wurde abgesucht.

Adrian hatte alle Bevölkerungsgruppen unterjocht: Die einst mächtige Fischwelt leistete keinen Widerstand mehr, das Volk der Urtiere am Land war dessen Waffen und dem Heer ausgeliefert. Selbst seine Artgenossen der Inselmenschen hatten bis zuletzt geschwiegen, um ihn insgeheim zu verdammen.

Des Herrschers Sohn Wayne saß in diesen Tagen zerknirscht auf den langen Balkonen des königlichen Anwesens und machte seiner Gemahlin Olivia unangebrachte Vorwürfe. Die Wut konnte deren Unschuld aber nicht überdecken.

Smaragdgrüne Buchten und die Höhlen in den Klippen von Bewohnern aus der Vergangenheit machten Mikronesien zum wunderbarsten Punkt der Erdgeschichte in der Kreidezeit. Abgeschieden von allen Kontinenten hatte sich dort eine Hochkultur entwickelt, während andernorts ein Brachland dem nächsten angrenzte.

Doch die Weiterentwicklung wurde den Inselvölkern zum Verhängnis. Man versuchte, sich zu bereichern, zu regieren und zu zerstören. Adrian hatte das zunächst unterbunden, doch mit den Jahren kam auch bei ihm eine gefährliche Intelligenz durch. Erst hatte er die Welt der Fische, aus welcher evolutionär alle weiteren Lebewesen entstanden waren, mit der Landbewohnerschaft versucht, zu vereinigen. Es war ihm gelungen.

Gebrochen wurde der Frieden allein durch ihn selbst. Er machte sich die biologische Beschaffenheit der Inselmenschen zu nutzen. Jegliche Achtung vor sich hatte er nicht verloren, jedoch die seiner Umwelt.

Kap Diamond, 15 Uhr:

Ein Scherge des Verschollenen hastete zum Schloss und behauptete Unglaubliches.

„Herr, gib das bitte dem Sohn des Königs weiter und vertraue mir!“,

rief er einem der Befehlshaber der Festung zu.

„Ein Berg ist entstanden auf der bereits vorhandenen Anhöhe der gefallenen Krieger, ein Phänomen!“

Der erschöpfte Soldat brach zusammen. Mehrere hundert treue Diener Adrians machten sich sogleich auf den Weg zum beschriebenen Ort.

Es glich einer fantastischen Gegebenheit. In der Tat hatte sich ein steinernes Monument wie aus dem Nichts erhoben.

Am Fuße der Stadt Marinata, der Metropole der wichtigsten Insel Mikronesiens war man überwältigt und beobachtete mit starrem Blick, was sich zugetragen hatte.

Am Gipfel des spitzen Berges konnte man ein rötliches, für manche Bewohner magisches Licht fackeln sehen.

„Das ist das Zeichen der Erlösung!“, meinten einige.

„Das ist das Ende der Sklaverei!“, analysierte Rion, ein Fischmensch und Anführer der Wasserwelt. Rion war ein Halbmensch, ausgestattet mit Kiemen und einem Organ, das ihm gestattete, auch an Land zu atmen. Sein Ziel war die Versöhnung. Ein Rebell, der sich durch seine Genetik an beide Welten angepasst hatte.

Ein wenig später sprach Melvin. Auch er hatte Vorteile durch eine Mischlingsgeburt und wurde schon vor der Zeit des menschlichen Regimes zur Stimme der Urtiere gewählt. Mit großem Erfolg. Trotz des Tyrannen herrschte auf den kleinen Inseln des Reichs Frieden und ein normales Zusammenleben.

Die Nachricht des noch nie da gewesenen Wunders verbreitete sich rasch. Melvin war vorsichtig. In der Sprache der Tiere versuchte er sein Volk davor zu schützen, diese Erscheinung voreilig als göttlich einzustufen. Auch Rion besänftigte die Welt der Fische, besonders die Anführer der großen Schwärme. Es ließ sich nicht abstreiten, dass das Monument Übersinnlichkeit in den Gedanken aller drei Völker heraufbeschwor.

Wie in Trance pilgerten zur Stunde sowohl zivile als auch bewaffnete Inselmenschen an die ersten Ausläufer der Erhebung. Wie eine mächtige, unbezwingbare Festung ragte das Massiv in den strahlend blauen Himmel Mikronesiens. Von jeder kleinen Nebeninsel konnte man den Berg nicht übersehen. Folglich setzten auch erste Riesenfloße voll beladen mit Urtieren auf das Archipl über. Melvin lotste sie mit Hilfe von zwei Affenkriegern in die Bucht der Greifvögel. Dort beriet man und bemühte sich um die Organisation eines eigenen Aufstiegs auf den Gipfel des unfassbaren Mysteriums.

Das rote Licht an der Spitze brannte nach wie vor und schien die Größe eines brennenden Scheiterhaufens zu haben.

„Das soll kein Wettlauf mit den Menschen werden, hört ihr?“,

wetterte Melvin zu seinen Urtieren. Sie gröhlten. Nicht zuletzt waren sie weitaus besser ausgerüstet und vorbereitet als ihre ewigen Konkurrenten.

Jene stürmten blind auf der anderen Seite der Insel über die spitzen und zackigen Felsvorsprünge.

Am steilen Vulkanriff der grünen Lagune der Haie hingegen hatten sich tausende Bewohner der Wasserwelt versammelt. Kein Anzeichen deutete darauf hin, dass Neid oder Missgunst auf die Landbevölkerung aufkam. Vielmehr hatte der Fischmensch Rion und seine bezaubernde Schwester, die Meerjungfrau Bea, Bemessungsgeräte an den Stränden aufgestellt. Beas hochintelligenter Sohn, dessen Vater aus der Gilde der weißen Haie entstammte, war mit vor Ort. Durch seine Abstammung war Olaf ein Wassermensch mit radarähnlicher Sehfähigkeit. Sein Gehör vermochte die Laute der Wale zu verstehen. Weiterhin war er auch an Land neben Rion der höchste Vertreter aller Schwärme.

Diese Anführer beschützten die Fischwelt mit all ihrer Stärke. Adrian ging ihnen einst auch am Höhepunkt seiner Tyrannei aus dem Weg.

Rion verkündete: „Wie ihr wisst, ist unsere Hauptinsel von tiefen Grotten unterspült. In weniger als zwei Stunden steigt der Wasserpegel. Während der Abenddämmerung schwimmen alle Schwertfische, Schollen und Fische mittlerer Größe von allen Seiten bis unter das Zentrum der Insel. Mit Hilfe der Krabben- und Sardinenschwärme machen wir es uns zu Nutzen, jeden kleinsten Winkel zu erforschen. Ihr werdet an nie besuchte Punkte gelangen, da es dort kein Futter gibt!“

Alle Schwärme wurden von ihren Ältesten angeführt. Ein bis ins Detail geplante System funktionierte. Während die „Irdenen“ den Berg bestiegen, durchleuchtete die Fischwelt dessen Basis. Rion vermutete den Ursprung des Naturschauspiels dort unten.

Am Gipfel loderte nach wie vor das Feuer. An der Lichtung eines Pinienwaldes wurden königliche Schutzzelte aufgebaut. Die Oberen der Hauptstadt erwarteten dort noch vor Einbruch der Dunkelheit den Thronfolger Wayne samt Gefolgschaft. Ein Dutzend Experten stand bereits an den Vorzelten Schlange. Mit Plänen und Formeln auf Pergament Gekritzeltes des Herrschers. Die Hofdamen dekorierten das abgesperrte Gebiet liebevoll mit Flaggen und gravierten Speeren. Man hatte dort noch nicht erfahren, dass bereits zwei Hand voll Kletterer in die Tiefe stürzten. Weitere Bergsteiger waren zur Stunde auf dem Weg nach oben.

Melvin, der wieselflinke Affenmensch hatte mit dreißig treuen Kriegern verschiedenster Urtiere eine erste Etappe hinter sich gebracht. Ähnlich wie Rion´ s Fische nutzte er die Artenvielfalt der Leute zu seinem Vorteil aus. Ein Dutzend Greifvögel spähte aus der Luft die Routen aus. Reptilmenschen bildeten Ketten und krallten sich in das Gestein der steilen Wände. Somit kamen auch die sich von Ast zu Ast hangelnden Affen weiter.

Als Melvin auf einer drei Meter breiten Trasse stand, blickte er ein wenig erschöpft auf den Ozean hinab. Kurz zögernd tippte er seinem besten Freund auf die Schulter. Er deutete wortlos auf einen seltsam hellen Punkt im sonst so tiefblauen Wasser. Interessanterweise konnte man selbst aus dieser Entfernung zahlreiche Strudel an der Stelle erkennen.

„Rion hat das sicher längst entdeckt, mein Freund Melvin. Auch das war vorher nicht da! Es gehen seltsame Dinge vor. Wer weiß, was noch alles passieren wird.“

Melvin blinzelte und setzte sein unverwechselbares Grinsen auf. Das Abenteuer und die Neugier, der unerwartete Moment und die Veränderung, das war die Welt des ranghöchsten Urtieres.

Zwischen den Vororten der Menschen und den Wäldern bildeten Wasserfälle im Laufe der Jahrhunderte einen großen See, das einzige Süßwasser-Reservat der Inselgruppe. Auf Befehl Rions versammelten sich hier die Mächtigen des Stammes der Schalentiere. Riesige Krebse und der Skorpionmensch Janus wurden zur Hilfe gebeten.

„Die schnellen kleinen Schwärme haben am hell erleuchteten Meeresgrund, an der Mündung zum Pazifik, eine Lichtquelle entdeckt“,

rief die Meerjungfrau Bea in die Menge.

„Mit euren Zangen und Scheren werdet ihr uns unterstützen. Es wurde ein Gegenstand dort unten gesichtet. Öffnet ihn!“

Bea genoss den jubelnden Beifall sichtlich.

Die Welt der Fische kam in Laune. Während die Landbewohner den Berg erklommen, hatten sie einen für jene unerreichbaren Punkt im Visier. Doch war das nur ein Baustein eines Puzzles?

Als die Schalentiere sich auf den Weg machten, entdeckte sie nach der Ankunft in ihrem Haus etwas, das ihr in all den Jahren nie aufgefallen war. Am Bett ihrer Mutter fand sie ein Wappen, das von der Beschaffenheit niemals der Kultur Mikronesiens entsprechen konnte.

Mittlerweile war die Nacht angebrochen. Die Meerjungfrau stand an ihrem Fenster und schrie förmlich in den Sternenhimmel zu all den Planeten:

„Irgendwer gibt uns etwas auf. Jemand möchte, dass wir nachdenken! Ich tue das. Zeit meines Lebens. Wir werden das Rätsel lösen, hört ihr?“

Ihr langes Haar öffnete sich, wie zarte Seide glitt es an ihrem Rücken herunter.

Tags darauf begutachtete ihr Bruder Rion das geheimnisvolle Zeichen. Er brauchte nicht lange, um dann zu erzählen zu beginnen:

„Dieses Wappen ziert auch die Brust unseres Verbündeten Melvin bei den Urtieren. Melvin weiß nicht, seit wann er es hat und wer es ihm eingebrannt hat. Nicht einmal dessen Eltern wissen, woher es stammt. Doch eines ist noch seltsamer: Sowohl seine Mutter als auch der Affenmensch berichten oft von identischen Träumen. Mir wird nun erst Zusammenhang bewusst. Beide berichten doch immer wieder von einem weiten Land und riesigen Gebirgen.
Bisher tat ich es als Traumvorstellung ab. Eine Eingebung könnte es sein. Vielleicht waren beide schon einmal dort, ohne sich zu erinnern?“

Bea sah Rion erstaunt an. Sie kannte die Anspielungen ihrer Mutter seit der Kindheit.

Selbst Forscher Mikronesiens hatten immer wieder beteuert, dass ein Kontinent jenseits des Horizonts nicht ausgeschlossen wird.

Inzwischen waren die Krebse an der Stelle der Lichtquelle angelangt.

Ein Bild, das wie göttliches Wirken schien, gab sich ihnen preis. Mit Ehrfurcht umkreisten die kleineren Fischschwämme weiträumig das Objekt. Wie von Geisterhand gesteuert sendete ein fast schon visionäres Gefährt Strahlen aus dem Meer in die Atmosphäre. Bedingt durch das grelle Licht konnte man nicht erkennen, ob sich etwas oder jemand im Innenraum befand.

Die Bergtruppen der Menschen hatten schon den Weitermarsch zum Gipfel auf den folgenden Tag verlegt, als Melvins unermüdliche Urtiere kurz vor der letzten Etappe waren. Dutzende Greifvögel umrundeten seit Stunden das flackernde Feuer, ohne jedoch einen Landeplatz zu finden.

Eine weitere Ernüchterung folgte. Das Feuer erlosch. Erstaunlicherweise verschwand auch der funkelnde Punkt im Pazifischen Ozean. Die Zeit der Schalentiere war gekommen. In der Tat stand das Fahrzeug auf dem Meeresgrund still. Es war, als wollte es schweigen. Die Geschwister der Wasserwelt eilten herbei, so schnell es ging.

Dunkelheit kehrte ein. Für Mikronesien selten schwarze Wolken trieben einen tropischen Platzregen über die verunsicherte Inselwelt. Eine ängstliche Stimmung machte sich breit. Die Zelte der Menschen des Königshauses wurden abgebaut und es wurde zum Heimkehren aufgerufen.

Melvin kauerte. Seine Verunsicherung war spürbar. Die Tiere, die unten geblieben waren, sahen zum Himmel.

Indessen säbelten tausende Schalentiere an den Türen des Unterwasserfahrzeugs. Was in der Welt hatte man noch zu verlieren? Die Aufklärung des Phänomens schien augenblicklich wichtiger zu sein als das eigene Leben.

Rion tauchte in die Tiefe. Er fand seine Kämpfer beim Öffnen der Karosserie, was sie auch zu Stande brachten. Beim Anblick des Insassen hörte bei jedem zwangsläufig das reale Denken auf. War die Zukunft in die Gegenwart gereist? Anzunehmen war das. Neben dem Salzwasser zerfressenen Leichnam eines Menschen saß eine Art Roboter, welcher in dieser Welt unbekannt war. In dessen, aus starkem Metall geformten Händen, befand sich eine eiserne Truhe. Doch anstatt ängstlich zu reagieren, entwendete Rion der futuristischen Gestalt diese einfach. Des Roboters Lichter, mit denen er reichlich bestückt war, erloschen ebenso wie zuvor das Feuer.

Nicht wenig später hatten die Tapferen den Toten und die Truhe in die Bucht geschafft. Bea und Melvin wurden herbeibestellt. Inzwischen herrschte auch Gewissheit über die Identität der Leiche. Kein anderer als der lang vermisste Tyrann Adrian war es. Seinem Körper war ein Stück Haut entnommen worden, welches anschließend mit einer Schriftrolle nach dem vorsichtigen Öffnen des Schmuckkästchens gefunden wurde. Den Anführern beider Tierwelten stockte der Atem. Das mysteriöse Symbol auf Melvins Körper uns Beas Mutter befanden sich also auch auf der Haut des Königs.

Mit zitternder Hand und gebrochener Stimme verlas die Meerjungfrau die Botschaft aus des Roboters Händen. Auch Menschen hatten sich nun eingefunden.

Die Schrift lautete:

„Mein geliebtes Mikronesien. Hier schreibt Euer jüngster Nachfahre aus dem nächsten Jahrtausend. Es ist mir gelungen, in meiner Zeit herauszufinden, woher ich komme und warum ich alleine bin in der Welt. Weil ihr euch gegenseitig fast ausgerottet habt. Ich fand die Bücher meines Urgroßvaters. In diesen stand, dass derjenige herrscht, der das Wappen an sich trägt. Jedoch nur, wenn er seine Aufgabe gut erfüllt. Adrian tat das nicht. Deshalb habe ich ihn getötet und bin in die Vergangenheit gereist. Ich habe mich selbst verewigt als steinernes Monument. Wenn ihr das Licht am Gipfel wieder entfacht, erscheine ich als Orakel, das euch den Weg zu den Kontinenten und auch anderen Planeten weist.
Und nun wählt in alter Tradition Melvin zu eurem Herrscher. Dieser Mann ist der Träger des magischen Wappens. Möge er seinem Ziel, dem Frieden gerecht werden. Es gibt ein steinernes Rad in den Tiefen der Grotten, das Euch dir Pforten öffnen kann. Suchet und findet!“

Das gesamte Volk der Inselwelt lag sich schweigend in den Armen.

Monate später heiratete der Affenmensch aus tiefster Liebe die Meerjungfrau Bea.

Der tapfere Rion und seine Scharen zeigten nach der Befragung des Bergorakels auch der Menschenwelt das Ergebnis.

Der Niedergang zur Selbstvernichtung eines Paradieses wurde verhindert. Ist Mikronesien ein Ort wie Atlantis?


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