Informationen über Tschernobyl und Majak

Von Frontmotor
Neben Tschernobyl können weitere riskante Regionen Russlands von den Wald- und Torfbränden erfasst werden. U.a. Majak, Standort einer Aufbereitungsanlage für Kernbrennstoffe. Dort hat es in der Vergangenheit gleich mehrere Unfälle mit Verstrahlung gegeben. Waldbrände dort würden die auf oder in den Böden gelagerten radioaktiven Stoffe aufwirbeln und verteilen. Allerdings ist die Frage, wie viel und wie weit.
Zwischen Tschernobyl und Majak gibt es Unterschiede:
Tschernobyl:
- Wegen der Explosion und den intensiven Bränden des Moderatorgraphits wurde die Radioaktivität bis in über tausend Meter Höhe hochgeschleudert und über tausende Kilometer verstreut (u.a. bis nach Schottland).
- Es wurde hauptsächlich Cäsium emittiert. Halbwertszeit des häufigsten Isotops: 30 Jahre.
- Cäsium wird vom menschlichen Körper nach der Aufnahme wieder ausgeschieden.
- In Deutschland bewirkte hauptsächlich radioaktives Jod für einige Wochen den Verkaufsstop einiger Lebensmittel (Milch).
Majak:
- Die durch eine chemische Reaktion ausgelöste Explosion eines Tanks mit "Atommüll" setzte eine ähnlich große Menge Radioaktivität frei wie Tschernobyl. 90% (Wikipedia) der Nukleide verblieben allerdings auf dem Betriebsgelände. (Welch eine Konzentration! Soviel zum Thema Ungefährlichkeit von Wiederaufbereitungsanlagen..) Die weiteste Entfernung, in der heute noch Spuren der Majakexplosion messbar sind, beträgt 400km.
- Jedoch kann der kontaminierte Waldboden durch Brand und Winde noch nachträglich großflächiger verteilt werden.
- Freigesetzt wurde vor allem Strontium (aber auch Plutonium und auch Cäsium), ein ionisierender Betastrahler, der messtechnisch schwierig zu erfassen ist und sich im Körper (hauptsächlich in den Knochen) anlagert aber nicht wieder ausgeschieden wird.
Waldbrände wirbeln ihre Asche "nur" in wenige Hundert Meter Höhe auf. Die Reichweite gefährlicher Mengen radioaktiver Stoffe ist somit begrenzt.
In Deutschland haben sich bisher u.a. der Strahlenbiologe Edmund Lengfelder, Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Strahlenschutz e.V., und Peter Jacob vom Helmholtz-Forschungszentrum in München zu den Risiken für Deutschland geäußert. Während Lengfelder vor einer Bagatellisierung des Risikos warnt und einen messbaren Anstieg der Radioaktivität in Deutschland nicht ausschließt, warnt der Helmholtz-Forscher vor einer Dramatisierung. Jacobs begründet seine Entwarnung damit, dass der von Tschernobyl nach Deutschland am meisten übertragene Stoff radioaktives Jod gewesen sei, das eine Halbwertszeit von nur 8 Tagen habe.