In aller Kürze: "Punisher: War Zone" [USA, D 2008]


Dritter (gefloppter) Feldzug des aus dem Marvel-Universum entstiegenen Punisher. Nach Dolp Lundgren und Thomas Jane lässt die deutsche Regisseurin Lexi Alexander diesmal Ray Stevenson ins Kostüm des desillusionierten Antihelden schlüpfen und zementiert ihren Ruf als hartgesottenes Superweib Hollywoods. Ihr grobschlächtiger Genrefilm erweist sich als ein Geschenk an die Fanboys und Gorehounds dieser Welt. Bei "Punisher: War Zone" ist der Titel Quintessenz. Alexander inszeniert ein launiges Schlachtfest samt unaufhörlich umherfliegender Körperteile, orgiastisch spritzendem rotem Lebenssaft aus teils preisgünstigen grafischen Computerprogrammen (die Qualität zwischen cool und verpixelt schwankt) sowie selbstironischen Anarcho-Schurken in einer Welt, wo das Recht erst erfunden werden muss und sich Cops mit selbsternannten Kämpfern für eine gute Sache arrangieren, wenn in Kooperation sadistische Gangster gleich mit 'ner Blutfontäne ins Jenseits denn auf die Anklagebank geführt werden. Das Sequel des Remakes präsentiert sich hierbei als derart überdreht, dass sein an jeder Ecke exzessiv vorhandener Comic-Charakter von vornherein jegliche reaktionären und ideologischen Tendenzen des Plots negiert. Ein unterhaltsames, ohne Zynismus und noch dazu verdammt rasantes "Hirn-aus-Pistole-raus-Kugel-rein"- Massaker, bei dem die pathetischen Grenzüberschreitungen bis auf die Kirchenszene angenehm reduziert und der Film lieber von bösem Humor böser Gestalten lebt. Apropos böse Gestalten: Während Doug Hutchison zu offensichtlich Hannibal Lecter imitiert und folglich gern mal zubeißt, wenn er nicht gerade in einem Anflug von hemmungslosem Over Acting mit dem Zerschlagen böser Spiegel und anatomischem Fachwissen beschäftigt ist, imitiert Dominic West nach einem stark nach "Batman"-Reminiszenz riechenden Flaschenbad zu sehr psychotischen Joker mit dem Pizzagesicht Freddy Kruegers und rekrutiert nebenbei ganze Armeen vor amerikanischer Flagge (sic!). Das nächste Mal wäre weniger Abgucken eine Option. Trotzdem: Spaß macht's.
6,5/10