Immer wieder gern: Das Ende der Welt

Weltuntergang auf allen Kanälen, aber schön zu sehen dabei, dass Deutschland als Ganzes noch funktioniert. Wie schon bei der Atomkatastrophe von Fukushima, beim Aufstand in Nordafrika, bei Sarrazin und Norwegen, als die Deutschen jeweils zu den ersten und am schwersten getroffenen Opfern gehörten, zeichnet sich auch bei der laufenden Finanzkrise 3.0 ab, dass die führende Wirtschaftsmacht Europas unter dem Druck der Abwertung der amerikanischen Kreditwürdigkeit als erste das Zeitliche segnen könnte.

Das Volk zittert, die Zeitungen liefern knallharte Live-Ticker vom erneuten "Endspiel um den Euro" (dpa), die Investoren flüchten. Alles ist ein sicherer Indikator für das unmittelbar bevorstehende erneute Ende von Allem: Der Goldpries steigt. Der Ölpreis sinkt. Der Hysteriechannel sendet rund um die Uhr. Die ARD schiebt einen Brennpunkt ein. Die Aktien fallen. Der Rettungsschirm, erst vor zwei Jahren in der Bundesworthülsenfabrik entwickelt, reißt und alle mit in den Abgrund.

Immer wieder gern: Das Ende der WeltAls habe es den 9. September 2001, nach dem nichts mehr so war wie zuvor, ebenso wenig gegeben wie den Tag, als die Bohrplattform Deepwater Horizon explodierte, weshalb danach nichts mehr so war wie zuvor, ist nach dem Urteilsspruch von S&P wieder nichts mehr zuvor. Noch grünt das Grün auf deutschen Bäumen, aber der Dax hirscht am Dow vorbei wie Sebastian Vettel an Barack Obama in einem ökologisch unbedenklichen Tretauto. Sind US-Aktien fünf Prozent weniger wert, dann geht es mit deutschen zehn Prozent runter. Sackt die Wallstreet um zehn Prozent, dann wird es in Deutschland 15 Prozent billiger.

Wer bietet weniger? Kann es wirklich sein, das der Volkswagenkonzern auch nach Obamas AAA-Rede noch 50 Milliarden wert ist? Mehr als die Barbestände von Apple? Ist es wirklich angemessen, dass der Chemiekonzern Bayer inmitten der größten Krise der letzten zwölf Monate binnen sieben Tagen nur ein Drittel seines Kurswertes verliert?

Bald wird keine Chemie mehr gebraucht, keine Autos, keine Banken, keine Software und kein Strom. Es sind einmal mehr die letzten Tage der Welt, die wir alle kennen. Alle werden alles verlieren, und noch mehr. Eine neue Währung wird selbst die enteignen, die noch einen Vorrat an selbsteingekochter Marmelade gerettet haben.

So schlimm es anderswo sein mag, hier ist es auf jeden Fall schlimmer. Denn der Weltuntergang ist daheim immer noch am schönsten. Das Tosen der Krisensendungen wie das Meer, das langsam steigt, um alles zu verschlingen. Die Kommentatoren in wortreicher Hilflosigkeit. Experten im Dauerstress. Sie sind die letzten, die noch glauben, dass die Post nächstes Monat noch da ist, um den Honorarscheck vorbeizubringen.

Von einer "Sonderbewusstseinszone Deutschland" schreibt Jens Schmidt im "Bonjour Tristesse" und er landet auf der Suche nach der Ursache für zielgenau in der deutschen Vergangenheit. Die habe den Deutschen gelehrt, dass Strafe sein müsse. Bereits die Exzesse der Wirtschaftswunderzeit hätten gezeigt, dass die Deutschen ihrem Glück nicht so recht trauen: "Während der so genannten Fresswelle Anfang der 1950er Jahre stopften sie sich mit Würsten, Eisbein, Grillhaxen und Sahnetorten voll, als gäbe es kein Morgen; im Zuge der Reisewelle, die der Fresswelle folgte, fielen sie, eingepfercht in Neckermann-Busse, in Scharen über die Länder her, die Vati mit seinen Kameraden bereits im Krieg erkundet hatte, als würde sich nie wieder die Möglichkeit ergeben, andere Gegenden der Erde kennenzulernen. Als die Adenauer-Regierung schließlich plante, die Bundeswehr mit Kernwaffen auszustatten, wurde die Angst vor der Vergänglichkeit von Reihenhaus, Nierentisch und VW-Käfer auch offen formuliert."

Die Angst ist der treueste Wegbegleiter der ebenso übergewichtigen wie dauerunglücklichen Menschen in der Mitte Europas, denen bisher noch jeder Zuwachs an Wohlstand Sorge gemacht hat, weil er rein rechnerisch das Ausmaß an Armut erhöht. Hier fürchten sie das Klima und den Strahlentod, das Versinken von Tuvalu und das Überleben von Ghaddafi, hier ist das Internet ein Schreckgespenst, Meinungsfreiheit ein noch zu begradigender Webfehler des Grundgesetzes und das verfassungsfeindliche Handeln der Regierenden von Notwendigkeiten diktiertes Krisenmanagement.

Ansonsten wissen sie hier alles besser und hier macht die Kanzlerin Urlaub, während die Welt untergeht. Urlaub nicht mehr in Südtirol, sondern im eigenen Land. Dort sind die letzten Tage am schönsten.

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