Immer gefährlicher, immer rentabler

Die Debatte ob Atomkraft oder nicht, sie war schon vor Jahren eine rein ideologische, die wirtschaftliche Gesichtspunkte völlig ausklammerte. Das lag daran, dass die Atomkraft mausetot war und noch immer ist - lediglich die dahinterstehende Lobby und deren Lohnschreiber suggerierten, dass in der Atomenergie eine Zukunft liegen könnte. Das taten sie, während alle messenswerten Indikatoren präzisierten, dass dem nicht so ist, dass das Gegenteil wahr ist.

Die öffentlichen Debatten waren ein Scheingefecht - neue Atommeiler, als Zukunftsmodell, waren bestenfalls der feuchte Traum der Atom-Lobby, reines Wunschdenken. Man debattierte ausschließlich, um die bereits am Netz angestöpselten Reaktoren zu verlängern. Mit Reaktoren, die bereits im Betrieb sind, die bereits zwanzig oder mehr Jahre Strom erzeugen, verdient die Branche ihr Geld. Solche Reaktoren sind es freilich auch, die besonders störanfällig sind. Neue Projekte kosten Unsummen. Der Bau von Atommeilern ist zeitintensiv und wird von den Behörden, die von der öffentlichen Meinung unter strenger Beobachtung stehen, immer wieder gebremst. Das investierte Kapital ruht in dieser Zeit. Manche Baustelle tritt deshalb bereits ins dritte Jahrzehnt. Gerd Rosenkranz schreibt in seinem Buch "Mythen der Atomkraft" (fast schon ein Standardwerk, wenn auch im Hosentaschenformat!), dass man "in anderen Zusammenhängen [...] solche Baustellen: Bauruinen" nennt. So läppern sich unvorstellbare Investitionskosten an, die entweder niemals Gewinn abwerfen oder, falls der Reaktor nach vielen Jahren doch in Betrieb gehen sollte, die eine halbe Ewigkeit benötigen, um sich zu amortisieren. Außerdem müssen dann Rücklagen gebildet werden, um die Folgekosten zur Lagerung von radioaktiven Material oder der Stilllegung stemmen zu können. Letztere gäbe es ja quasi nie, wenn es nach den Atombetreibern ginge, denn nur alte Meiler sind rentable Meiler - und gefährlicher als jüngere Modelle, was man allerdings nicht so gerne laut sagt.

Als man vor einigen Jahren von einer Renaissance der Atomkraft sprach, da war die Zahl der Atommeiler weltweit rückläufig - und das, obwohl im asiatischen Raum Neubauten geplant und bereits begonnen wurden. In Europa existieren nur zwei Baustellen - beide jahrelange Friedhöfe für Milliarden. Die Bush-Regierung hat wie keine US-Regierung zuvor (und vermutlich wie keine danach) um Investoren für neue Meiler gebuhlt. Man versprach horrende Subventionen, entband etwaige Betreiber von der Verantwortung (gab diese dem Steuerzahler in die Hand), sollte es doch zu einem Zwischenfall kommen, wollte gar dafür sorgen, dass der Atomstrom künstlich, durch steuerpolitische Maßnahmen, konkurrenzfähig würde - allerdings wurde dennoch kein Investor gefunden.

Die Atomkraft ist nicht erst seit Fukushima tot. Sie ist eine greise, sterbenskranke Technologie. Jegliche Debatte will nicht "neues Leben" schaffen, sie will das Siechtum nur verlängern - Laufzeitverlängerung nennt sich das dann. Die Gefahr ist nicht, dass eine grundsätzliche Zukunftsausrichtung auf Atomkraft stattfinden könnte, denn neue Anlagen wird es nicht geben. Als die Bundesregierung ankündigte, sie würde alte AKWs vom Netz nehmen, jedenfalls so lange, bis sie nachgerüstet und auf den neuesten Stand gebracht würden, da haben einige Energie-Multis gleich davon gesprochen, solche AKWs nicht mehr eröffnen zu wollen - zu teuer, zu vage wäre eine solche Investition. Es geht nur noch um die Anlagen, die bereits existieren - und darum, ob die Diskussion über Jahre am Leben gehalten wird, damit heute nicht der endgültige Atomausstieg beschlossen wird, um übermorgen nochmals über Laufzeitverlängerungen zu entscheiden. Die amtierenden Meiler werden nämlich nicht nur immer störanfälliger und damit gefährlicher, sie werden auch immer rentabler - und wer gibt schon gerne eine Goldgrube auf?


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