Im Zweifel anständig

Wenn man sich fragen sollte, wie einer denn drauf ist, der seine Spiegel-Kolumne „Im Zweifel links“ nennt – und nicht etwa „Auf jeden Fall links!“ oder kurz und knackig „Entschieden links!“, der schaue sich doch die aktuelle Kolumne mal an. Jakob Augstein fragt sich allen Ernstes, wo angesichts des nun offenbar gewordenen Nazi-Terrors in Deutschland der Aufstand der Anständigen bliebe. Oder der Anstand im Aufstand, wie auch immer.

Angesichts der peinlichen Vorstellung im Bundestag hat Augstein Tränen der Rührung in den Augen – er spricht von einer Sternstunde, die wir nun erleben durften: Der Bundestag erhebt sich geschlossen und schämt sich! Gut, das ist bemerkenswert, auch wenn es Gründe dafür überreichlich gibt. Und immerhin, man entschuldigte sich auch bei den Hinterbliebenen der Terror-Opfer, dass man sie verdächtigt habe, irgendwelche Familienprobleme auf undeutsche Art geregelt zu haben. Als ob man sich in deutschen Familien nicht gegenseitig umbringen würde.

Angesichts der „demokratischen Lichterkette“, in die sich die Abgeordneten aller Fraktionen eingereiht hätten, fehlen dem Kolumnisten die „echten Lichterketten“ draußen im Land. Er wundert sich, dass angesichts des ganzen Entsetzens und all der Beschämung in der Politik die Leute auf der Straße so gleichgültig blieben. Nun sei Augstein daran erinnert, dass ja nicht die Bürger da draußen im Land, sondern die Politiker die Verantwortung für das Versagen von Polizei und Nachrichtendiensten tragen. Warum sollte ich mich dafür schämen, dass dem Verfassungsschutz die V-Leute aus dem Ruder laufen? Warum sollte ich mich dafür verantwortlich fühlen, dass die Polizei ihren Job nicht ordentlich gemacht hat und verdammt noch mal, warum soll ich mich mit einer Kerze in der Hand auf die Straße stellen, weil der Regierung einfach kein Licht aufgehen will? Es hilft ja doch nicht!

Ich frage mich, ob Herr Augstein jemals zu einer Gegendemo gegangen ist, wenn wieder irgendwo ein paar Nazis einen Aufmarsch veranstaltet haben? Dann wüsste er, dass die Leute aufstehen – in der Regel sind das sehr viel mehr, als die paar Nazis, die dann unter Polizeischutz ihre Fahnen schwenken. Dann wüsste er aber auch, wie man als linker Gegendemonstrant behandelt wird. Auch wenn man völlig unvermummt und unbewaffnet und absolut gewaltfrei demonstriert. Ich habe Ende der 80er in Göttingen durchaus erlebt, wie die Rechten von der Polizei freundlich aus der Stadt eskortiert wurden, nachdem sie ein paar Linke durch die Stadt gehetzt haben – bei einer solchen Aktion kam in November 1989 auch Conny W. ums Leben. Zu der Demo nach ihrem Tod kamen damals 16.000 Menschen.

Ich erinnere mich auch an eine Anti-Nazi-Demo vor ein paar Jahren in Berlin, bei der die Gegendemonstranten auf der Lichtenberger Brücke stundenlang eingekesselt wurden, damit die Nazis in Ruhe vorbeimarschieren konnten – da waren Eltern mit Kinderwagen dabei, das waren keine gewalttätigen Autonomen. Oder als Beispiel aus diesem Jahr, die Anti-Nazi-Demo im Februar in Dresden, bei der die linken Gegendemonstranten als potenzielle Gewalttäter stundenlang überwacht und abgehört wurden – die Nazis aber nicht! Überall und immer wieder stehen die Leute trotzdem auf, um den Nazis zu zeigen, dass sie nicht erwünscht sind. Obwohl die Politik es den Gegnern der Nazis nun wirklich nicht leicht macht – allen voran Frontfrau Kristina Schröder, die hinter jedem kritischen Menschen einen gewaltbereiten Linksextremisten wittert. Augstein, mach doch einfach mal die Augen auf! Und sei nicht nur links, wenn du zweifelst, sondern entscheide dich endlich mal. Schick nicht immer die anderen auf die Straße. Geh voran!

Im Bundestag muss keiner der anständigen Aufsteher befürchten, dass er für sein mutiges Zeichen gegen Rechts eine Eisenstange über den Schädel gezogen bekommt, noch dass er im Polizeigewahrsam landet. Da ist es leicht, Gesicht zu zeigen. Ich bin gespannt, wer von den Bundestagsleuten (außer Christian Ströbele, der kommt sowieso immer) bei der nächsten Anti-Nazi-Demo dabei ist, wenn es darum geht, nicht nur ein Zeichen zu setzen, sondern auch den Kopf dafür hinzuhalten.



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