Im Tal der träumenden Götter von Carmen Lobato

Träumende Götter Im Tal der träumenden Götter von Carmen Lobato

 

Große Gefühle in Mexiko

 

Mexiko Ende des 19. Jahrhunderts: Glücklich und zufrieden lebt Katharina mit ihrem Mann und ihren Kindern auf ihrem Landgut. Sie lieben ihre beiden Töchter Josefa und Annavera, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Stets fühlt sich Josefa zurückgesetzt, glaubt nicht dazuzugehören. Als sie einem zwielichtigen Großgrundbesitzer begegnet, verfällt sie ihm vom ersten Moment an. Kann Katharina ihre Tochter vor einem folgenschweren Fehler bewahren? (Klappentext)

 

Sehr atmosphärisch erzählt Carmen Lobato nicht nur eine großartige Familiengeschichte sondern beleuchtet auch die politischen Hintergründe sehr detailliert. Damit zeichnet sie ein glaubwürdiges Bild dieser mexikanischen Familie und ihrem Land und lässt mich eintauchen in eine mir unbekannte Zeit in einem exotischen Land. Was vom Klappentext her so schön klingt, ist in Wahrheit ganz anders. Deshalb kann ich wieder einmal nicht verstehen, warum solche Bücher so kitschige Titel bekommen.

 

Denn Kitsch sucht man in diesem erstklassigen Buch vergeblich. Sehr stimmungsvoll fängt Carmen Lobato das Lebensgefühl der damaligen Zeit ein. Die Tragödien, das Leid, aber auch die Lebensfreude und natürlich die Liebe schildert sie in ihrem sehr dichten und farbenprächtigen Schreibstil am Beispiel der Familie Alvarez. Die „glückliche“ Familie wird durch immer neue Ereignisse auf eine harte Probe gestellt. Die Unterschiede zwischen dem Leben auf dem Land und in der pulsierenden Stadt werden sehr deutlich dargestellt und passen sehr gut zu der Gegensätzlichkeit der beiden Schwestern Josefa und Anavera, die oft im Mittelpunkt des Geschehens stehen.

 

Das Buch ist in fünf Teile gegliedert und jeder Teil beginnt mit einem sehr stimmigen Zitat. Am Ende war ich überrascht, dass nur ein Zeitraum von eineinhalb Jahren vergangen war, es kam mir viel länger vor. Denn diesen Zeitraum hat Carmen Lobato mit so vielen Ereignissen gefüllt. Es war spannend, es war traurig und manchmal musste ich den Kopf schütteln, weil ich nicht verstehen kann, wie Menschen so sich so erniedrigen und demütigen lassen können. Da war mir mitunter zu viel Leidensfähigkeit, zu wenig Selbstbewusstsein, zu viel Selbstaufgabe. Das ist mein einziger Kritikpunkt. Gleichzeitig zeigt die Autorin so viele Facetten ihrer Hauptfiguren. Wen ich eben noch faszinierend fand, den habe ich im nächsten Moment verachtet, um ihn dann etwas später wieder zu bewundern.

 

Das zentrale Thema ist die Liebe, die verbotene, die leidenschaftliche, die verzweifelte, die bedingungslose Liebe. Carmen Lobato zeigt dem Leser sehr viele Facetten und ich finde es genial, dass sie nicht in Gefühlsduselei verfällt. Sie verdeutlicht eher wie viel Schmerz sich Menschen gegenseitig aus Liebe zufügen.

 

Ich bin beeindruckt von ihrem opulenten Schreibstil, der ohne Füllsätze und unnötige Abschnitte auskommt. Der Erzählstil ist so dicht und die Geschichte so vielschichtig, dass ich immer mal wieder pausieren musste, um die ganzen Eindrücke zu verarbeiten. Hinter jeder Seite lauerte eine neue Überraschung und selbst das Ende hatte ich so nicht erwartet.

 

Ein großartiges Porträt einer Familie im Mexiko Ende des 19. Jahrhunderts!

 

Das Buch ist im Droemer Knaur Verlag erschienen, hier gibt es auch ein Kurzporträt zur Carmen Lobato, die leider keine Homepage hat und eine Leseprobe.

 

Meine Rezension bei Amazon und weitere Infos zum Buch findet ihr hier.

 


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