Im Rausch der Worte

Im Rausch der Worte

Dass der erste Satz der schwerste Satz ist, gilt für alles Niedergeschriebene. Der erste Satz ist der Türöffner der Geschichte, die erzählt werden will. Und mit jedem neuen Tag beginnt die Beziehung zum Stift und einer leeren Seite, die sehnlichst darauf wartet mit Feingefühl beschrieben zu werden, von Neuem. Die Zeilen von gestern sind in den Köpfen gebrandmarkt und werden für jede neue Seite liebevoll mitgenommen. Jedes Mal ist das Aufeinandertreffen von Schreiber und Stift eine Herausforderung mit derselben Freude, derselben Aufregung und derselben Spannung, wie bei der ersten Begegnung, wie beim ersten Date.

 Frisch muss das Verhältnis zwischen Papier und Gedankenbesitzer sein, gepflegt wieder und wieder. Nirgends liegt alles so offen zutage, wie bei einem geschriebenen Text. Nichts ist dahinter, nichts ist versteckt. Nichts muss verkleidet werden und alles hat Struktur. Das was man nicht glaubte zu wissen, steht plötzlich auf dem Papier…

Nacheinander nimmt man die Worte und bringt sie geballt nebeneinander. Weich aber fest. Buchstaben verleihen die Freiheit eines Vogels, sie schenken Flügel und man fliegt mit ihnen weg, weit weg… in eine andere Welt.

Die Niederschrift der Gedanken, Gefühle, Analysen und Erkenntnisse ist viel mehr als eine Kunst, es ist ein Lebensstil, zu dem man stehen können muss. Nicht jede Schrift kann diesen Anforderungen gerecht werden, es bedarf große Geduld und Nachsicht. Der Stift muss dich mögen und der Schreiber den Stift, sie müssen sich gemeinsam dem Papier hingeben können. Die Zeilen dürfen die Gedanken nicht abstoßen, sie müssen ineinander fließen, wie eins. Sowohl beim Lesen als auch beim Betrachten dieser Kunst muss die Harmonie greifbar sein, spürbar und für die wenigsten riechbar. Da müssen Zeilen sein, ein Rhythmus, eine Melodie im Kopf, Bilder, die nicht schneller zu fassen sind.

Trotz allem ist Geduld das Zauberwort dieser Arbeit, nicht zuletzt weil das Schreiben keine Hetzjagd ist. Wie ein langwieriger Marathonlauf, was Übung und Kondition braucht. Mit jedem Kilometer, der zurückgelegt wird, kommt man dem Ziel näher. Bloß nicht die Geduld aus den Augen verlieren und zeitweise auch abwarten können. Denn das Blatt nimmt nur auf, wenn es will und das ist nicht immer ein Spaziergang. Manchmal dauert es 10 Kilometer im Langstreckenlauf und manchmal 40. Die Hindernisse auf dieser Strecke lassen einen manchmal fallen, doch das soll nicht der Grund dafür sein, auf der Strecke zu bleiben. Mit viel mehr Willen und Kraft soll um jedes Wort gekämpft werden. Ihnen neue Bedeutungen zuschreiben und an die richtigen Stellen platzieren, dort wo sie hingehören. Doch das entscheidet sich mit Empfindsamkeit.

Wenn man eins geworden ist mit den Buchstaben…

Worte brauchen nicht den Umweg der Geschichte. Wir alle wohnen in einem Worthaus und jeder Mensch, dem sich die Buchstaben erschließen, hat den Schlüssel zum Worthaus gefunden. Er kann es betreten. Er kann durch die Räume gehen. Und in den tausend und abertausend Zimmern dieses Hauses wohnen. Es ist seine Entscheidung, ob er im erstbesten Zimmer seine Wurzeln niederlässt oder doch weitergeht und sich die anderen Räume anschaut.

In diesem Sinne möchte ich der World Media Akademie danken… Barakallahu fikum.



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