✰ Im Interview: Ilsa J. Bick

✰ Im Interview: Ilsa J. BickBevor Ilsa J. Bick als Autorin bekannt wurde, war sie bereits Kinder- und Jugendpsychiaterin und hat einen Abschluss in Literatur- und Filmstudien gemacht. Für ihre Romane – vor allem ihre Star Trek Romane  – hat sie viele Preise gewonnen. Nachdem sie zuerst hauptsächlich Science Fiction geschrieben hat, widmet sie sich mit Ashes nun einem jugendlicheren Zielpublikum zu. Zur Zeit lebt sie in Wisconsin.

Ilsa J. Bick hat sich bereit erklärt, mir einige Fragen zu ihrer Person und ihren Romanen zu beantworten.

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, meine Fragen zu beantworten. Beantworten Sie gerne solche Anfragen wie meine oder betrachten Sie es eher als Pflicht?

 ✰ Nein, keine Sorge. Die Fragen von anderen Menschen lassen mich nur genauer auf das schauen, vom dem ich dachte, ich wüsste es schon. Sie wären erstaunt, wie viele Aspekte ich so in Ashes entdeckt habe.

Wie wichtig ist die Reaktion der Leser für Sie? Nehmen Sie sich die Kritik der Leser zu Herzen und beachten vielleicht auch einige Aspekte, wenn Sie Ihren nächsten Roman schreiben?

 ✰ Ich will ehrlich sein; jeder hat seine eigene Meinung und es gibt keinen idealen Leser; und kein Buch, das ich jemals schreiben möchte, könnte von einem, Gremium erschaffen werden. Wenn ich versuchen würde, es allen recht zu machen, würde ich trotzdem immer jemanden übergehen. Aus demselben Grund habe ich nie einer Schreibgruppe angehört. Verstehen Sie mich nicht falsch; ich höre mir an, was Menschen mir zu sagen haben. Da ist zum Beispiel kein Platz für das eigene Ego wenn man mit seinem Lektor spricht. Aber letztendlich bin ich als einzige dafür verantwortlich, was auf eine Seite gedruckt wird.

Warum haben Sie sich dazu entschlossen Ihren Job als Psychiaterin – einen sehr interessanten Job, wie ich finde – aufzugeben und vom Schreiben zu leben? Haben Sie schon immer davon geträumt, Ihr Geld als Schriftstellerin zu verdienen?

✰ Die Antwort auf die erste Frage ist einfach: Ich habe meinen Job aufgegeben,  weil ich begriffen habe, dass ich klare Verhältnisse schaffen muss, wenn ich wirklich Schriftstellerin werden möchte. Ärztin zu sein ist ein sehr zeitraubender Job, und da ich meine Praxis alleine geführt habe, hatte ich 24 Stunden am Tag Dienst. Das heißt nicht, dass ich nicht geschrieben habe. Das habe ich und ich habe es geschafft, Geschichten und Romane zu veröffentlichen. Trotzdem sind mein Mann und ich überein gekommen, dass ich mich nur noch aufs Schreiben konzentrieren sollte um damit erfolgreich zu werden.

Aber nein – ich habe nie davon geträumt, Schriftstellerin zu werden. Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal machen würde, abgesehen davon, einen Star Trek Roman zu schreiben (was ich getan habe – und ich bin fürchterlich gescheitert). Aber dadurch wurde mein Wunsch geweckt, zu schreiben; und dann hat mich der Spaß am Erschaffen von Geschichten und Büchern bei der Stange gehalten. Aber eigentlich war es eine Mutprobe, mit dem Schreiben anzufangen.

Wie haben Sie damit angefangen, Geschichten und Romane zu schreiben? Und wie haben Sie Ihren ersten Roman veröffentlicht? Ich glaube, dass viele Menschen davon träumen, eines Tages einen Roman zu veröffentlichen – was würden Sie denen sagen, wenn sie Sie um Rat fragen würden?

✰ Wie schon gesagt, habe ich als eine Art Mutprobe mit dem Schreiben angefangen. Ich langweile mich sehr schnell und als ich in meiner psychiatrischen Praxis war, bin ich wieder zur Abendschule gegangen und habe meinen Master in Kunst mit dem Schwerpunkt auf Film und Literatur gemacht. So habe ich angefangen, Fachtexte über Filme und Psychoanalyse zu veröffentlichen und zu präsentieren – und dann, eines Tages hat mein Mann mich dazu herausgefordert einen Schritt weiter zu gehen. Er sagte, ich solle den ganzen akademischen Kram vergessen und versuchen etwas Kreatives zu schreiben. Zuerst dachte ich, er hat den Verstand verloren, aber ich habe die Herausforderung noch nie gescheut, oder jedenfalls selten. Zwei, drei Jahre  – und ungefähr 30 Geschichten und sechs zu recht unveröffentlichten Büchern – später, wollte ich nur noch aufgeben.

Durch einen Zufall habe ich dann eine Anzeige für einen Star Trek Geschichten-Wettbewerb gesehen – Strange New Worlds hieß der. Um es kurz zu fassen – man sollte eine Geschichte schreiben, die in einem der Star Trek Universen (aus der Serie) spielt und sie an Pocket Books schicken. Also dachte ich mir, „Okay, dieses eine letzte Mal noch und dann lasse ich es“. Innerhalb einer Woche habe ich eine Geschichte geschrieben, sie abgetippt, abgeschickt und das Ganze wieder vergessen. So schnell hatte ich noch nie etwas geschrieben, und das war Ende August 1998.

Um es abzukürzen, spulen wir jetzt vor bis November. Am Tag vor Thanksgiving hat mich ein Lektor von Pocket Books angerufen und mir gesagt, dass ich den Hauptpreis im Wettbewerb gewonnen hätte. Das hat mich von den Socken gehauen. Ich hatte nicht nur Geld für die Veröffentlichung bekommen, ich hatte auch genug Preisgeld gewonnen um einen Kühlschrank kaufen zu können. :-)

Außerdem hatte ich so eine wertvolle Lektion, jedenfalls für mich selbst, gelernt, nämlich schnell zu schreiben. Je langsamer ich schreibe, desto mehr tendiere ich dazu, mich selbst zu zensieren.

Die Gewinner-Geschichte „A Ribbon for Rosie“ hat mir das Selbstbewusstsein geben, es immer und immer wieder zu versuchen. Ich habe noch einige weitere Preise gewonnen und dann wurden meine Kurzgeschichten nach und nach veröffentlicht. Das führte zu einem Anruf von einem Lektor bei Pocket Books, der fragte ob ich einen Star Trek Roman für die Serie Die verlorenen Jahre schreiben wolle. Natürlich habe ich ja gesagt.

Und so hat alles angefangen.

Was den Ratschlag angeht, kann ich Ihnen nur sagen, was für mich funktioniert hat und das ist auch nur ein Auszug aus Robert Heinleins Regeln, die auch von anderen Autoren erweitert wurden (mir inklusive):

a) Du musst schreiben.

b) Du musst beenden, was schreibst.

c) Du musst aufhören deine Texte zu redigieren – außer wenn ein Lektor dich darum bittet – und auch dann NUR wenn du damit einverstanden bist.

d) Wenn man deine Texte ablehnt – und das wird passieren – musst du deine Arbeit präsent halten bis sie sich verkauft. (Schau trotzdem in die Ablehnungsschreiben. Manchmal findet man dort einen Anhaltspunkt, einen Grund warum die Geschichte oder der Roman abgelehnt wurde. Wenn du damit übereinstimmst, versuche, das auf dein Manuskript zu übertragen. Wenn nicht, ignorier den Brief und mach weiter.)

e) Du musst sofort mit dem nächsten Projekt beginnen. (Wirklich. Darauf zu warten, dass jemand etwas über deine Geschichte oder deinen Roman sagt, ist der Todesstoß. Arbeite immer am nächsten Projekt.)

Nur wenige Ihrer Romane sind bis jetzt ins Deutsche übersetzt worden. Wissen Sie warum?

✰ Nein. Aber Der Zeichner der Finsternis ist auf Deutsch erhältlich, genau wie meine MechWarrior Romane.

Wie wichtig ist es für Sie, dass ihre Romane in anderen, vor allem in nicht englischsprachigen Ländern veröffentlicht werden? Wie ist Ihre Beziehung zu Ihren Lesern, zum Beispiel in Deutschland?

✰ Ich liebe es einfach! Ich war kürzlich in Großbritannien und Irland auf Lesereise für Ashes, und auch wenn man dort englisch spricht, fand ich es sehr interessant zu erfahren, wie Kinder in anderen Kulturen bzw. anderen Ländern auf das Buch reagieren. Schriftsteller sind Unterhalter und mitteilende Menschen, und so fühle ich mich jedes Mal geschmeichelt, wenn ich von Menschen aus anderen Ländern Nachrichten bekomme.

Warum haben Sie sich dazu entschlossen eine Dystopie für Jugendliche zu schreiben? Dieses Genre ist sehr beliebt im Moment.

✰ Es ging mir nicht darum, einem Trend zu folgen oder dergleichen. Ich habe einfach das geschrieben, was ich im Gefühl hatte. Ich meine, welcher Teenager würde nicht gerne die ganze Welt in die Luft jagen oder denkt, er könne alles besser machen als seine Eltern? Ich bin außerdem mit Science Fiction aufgewachsen, einem Genre  in dem Weltuntergangsszenarien einfach dazu gehören. Ganz ehrlich, ich habe einige Dystopien für Jugendliche gelesen und fand sie ganz nett, aber in vielen waren die Charaktere einfach zu brav. Ich wollte etwas schreiben, was sich für mich authentisch anfühlt, das wissenschaftlich fundiert ist und wirklich passieren könnte.

Wie sind Sie auf die Idee zu Ashes gekommen? Ich finde die Idee einer elektromagnetischen Druckwelle einzigartig – ich habe jedenfalls noch nichts in der Art gelesen.

✰ Wie gerade gesagt: Ich wollte etwas schreiben, von dem ich wusste, dass es a) mitreißend, b) verheerend c) möglicherweise weltumfassend und d) theoretisch möglich ist. Als Ärztin – und als Computerfreak – dachte ich, dass elektromagnetische Pulse gut passen würden. Unser Kongress vor einigen Jahren hat eine Menge Vorträge über die Gefahren eines Angriffs mit Hilfe eines elektromagnetischen Pulses gehalten und kam dann zu dem Schluss, dass wir keine geeignete Abwehr dagegen haben. Ich kenne einige Experten für Politik und Kriegsstrategie, die schon seit Jahren über diese Bedrohung besorgt sind. Also war es kein großer Sprung für mich.

Ich denke, dass die Vorstellung von mutierten Teenagern, die sich wie Monster benehmen, ziemlich angsteinflößend ist, und ich frage mich immer wieder, ob das für Jugendliche nicht zu beängstigend ist. Oder sind das nur wir Erwachsenen, die sich zu viele Gedanken darüber machen, was Jugendliche alles aushalten können?

✰ Die ganze Popkultur – Filme, Bücher, Fernsehen, Musik – ist ja voll von Darstellungen monströser Teenager, weil eben gerade Erwachsene viele ihrer Unsicherheiten und Ängste auf Kinder projizieren. Als Seelenklempner kann ich Ihnen sagen, dass Jugendliche manchmal eine Menge tolerieren, nicht nur in der Schule oder auf der Straße, sondern auch in Familien wo Erwachsene sich selbst und Kindern furchtbare Dinge antun. Ich kann Ihnen nicht sagen, wie oft ich mit Menschen in meiner Praxis begegnet bin, die den Menschen, von denen sie sagen, dass sie sie lieben, die schmerzhaftesten Dinge angetan haben.

Alex ist ein sehr starkes Mädchen – sie hat bereits ihre Eltern verloren und leidet an einem Hirntumor – was sie zu einem Vorbild für Jugendliche macht, wie ich finde. War das auch ihre Absicht als sie sie erdacht haben?

✰ Nicht wirklich. Ich wollte nur, dass sie authentisch ist und authentisch fühlt. Ich habe viele wirklich tapfere Kinder kennengelernt.

In Ashes sind die Grenzen zwischen Gut und Böse nicht wirklich eindeutig, und es gibt immer eine Wendung in der Handlung, was eine Menge Spannung erzeugt. Aber gibt es auch eine Person im Roman, die wirklich gut ist?

 ✰ Sehr schön, ich freue mich, dass Sie das erkennen. Die Mutierten sind nicht die einzigen Menschen, die sich hier verändern; sie sind nicht der einzige und auch nicht der gefährlichste Feind.

Ob es eine Person gibt, die wirklich gut ist, nun, da müssen Sie einfach abwarten.

Was wird Alex noch alles passieren? Was wird aus ihr und Tom werden? Wird es ein Happy End geben?

✰ Sie wissen doch, dass ich Ihnen das nicht erzählen kann. :-) Alles, was ich sagen kann ist folgendes: Netten Menschen werden schlimme Dinge zustoßen und alles wird noch viel, viel schlimmer werden.

Wird es noch eine Episode über Alex Familie geben. Ich frage mich immer wieder was mit Alex Tante passiert ist. Und wird das Rätsel über ihre Eltern aufgelöst werden?

 ✰ Man kann nicht alles wissen.

Ich denke, dass Ihre Romane viel Spielraum für Spekulationen lassen, was ich mag, weil ich mir dann selbst Fragen stelle und neugierig über die Charaktere bleibe. Hatten Sie geplant, dass mit Ihren Lesern so zu machen? Sie neugierig zu halten?

✰ Genau. Ich hasse Bücher, die mir alles erzählen. Ehrlich gesagt, beende ich die selten.

Ashes wird ja eine Trilogie werden. Was sind Ihre Pläne für die Zeit danach? Haben Sie schon Ideen, vielleicht für eine weitere Trilogie?

✰ Ja, sicher. Mein nächster Roman – ein gewagter Gegenwartsroman für Jugendliche, der Drowning Instinct heißen wird – wird im Februar 2012 bei Carolrhoda Lab erscheinen. Sin-Eater, ein zeitgenössischer vMystery-Roman für Jugendliche wird 2013 erscheinen, auch bei Carolrhoda Lab.

Auf dem Schreibtisch meiner Lektoren liegt im Moment der erste Band einer neuen Serie für Jugendliche, für die ich bisher zwei Bücher eingeplant habe, aber die ich auch ohne Probleme auf drei ausweiten könnte. Und ich werde anfangen, an einem neuen Einzelband zu arbeiten, sobald ich die Korrekturen und Überarbeitungen für SHADOWS, den zweiten Band der Ashes-Trilogie abgeschlossen habe.

Gibt es noch etwas, dass Sie Ihren deutschen Lesern sagen möchten?

✰ Fans die mich bei Twitter (@ilsajbick) und Facebook kontaktieren können immer mit einer Antwort rechnen. Also nicht schüchtern sein. Mein Deutsch ist zwar schrecklich, aber danke fürs Lesen!

 

 

Ich kann mich hier nur nochmals für das Inteview bedanken! Ich warte schon sehr gespannt auf den zweiten Teil der Ashes-Trilogie – und wer wissen will, wieso, der sollte sich meine Rezension zum ersten Teil durchlesen.



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