Ich will einen Blog starten und damit Geld verdienen! Wie geht das ?

Von Michael
Diese oder abgewandelte Fragestellungen finden sich im Internet häufig in den einschlägigen Foren und Communities oder werden auch per Mail direkt an Seitenbetreiber gerichtet. Es gibt jedenfalls genügend Anregungen, die mich veranlasst haben einmal meine 2 Cent zu diesem Thema aufzuschreiben.

Geld verdienen, was heißt das eigentlich für dich?

Die Motivation diese Frage zu stellen kommt meistens durch folgenden Gedankengang zustande:


„Hmm, ich bin Schüler, Student, Arbeitslos, Hausfrau und es wäre ja geil ohne viel (körperliche) Arbeit reich zu werden, sozusagen mit dem was ich eigentlich eh den ganzen Tag mache, nämlich am Pc sitzen und mehr oder weniger planlos im Web rumsurfen."

Jens müller aus dormagen

Außerdem habe ich kein Geld, geschweige denn Startkapital und so ernst ist es mir auch nicht, dass ich jetzt große Vorabinvestitionen tätigen möchte.

Ich gehe ja noch zur Schule, in die Uni oder habe einen Vollzeitjob, da soll sich mein zukünftiges Nebeneinkommen bitte 24h am Tag im Schlaf generieren.

Ich habe da von einem Bekannten gehört, dessen Cousin verdient mit seiner Webseite über 2000 € im Monat und der macht da nicht wirklich viel im Sinne das er arbeitet, sondern es macht ihm eigentlich hauptsächlich Spaß und er verwaltet seine Seite so nebenbei mit seinem Ipad von der Couch aus, während er viel Kaffee trinkt.

Diese Story ist soweit erstmal richtig, aber mit ziemlicher Sicherheit übertrieben:

Richtig ist:

  • Blogger trinken auch Kaffee bei der „Arbeit"
  • Webseiten sind 24h erreichbar und können wirklich 24h lang „Einnahmen" generieren.
  • Man kann einen Blog wirklich mit einem Ipad verwalten
  • Man benötigt kein Startkapital für einen Blog
  • Man kann wirklich Geld verdienen

Aber merke:

Du wirst insbesondere in den ersten Jahren deiner Blogger-Tätigkeit einen besseren Stundenlohn bekommen, wenn du zum Beispiel beim Bäcker Brötchen verkaufst.

Falsch ist wahrscheinlich:

  • Wenn man seine eigene Domain und Webspace haben möchte, dann entstehen doch monatliche (überschaubare) Kosten von ungefähr 5€.
  • 2000€ im Monat mit einem Blog zu verdienen ist unwahrscheinlich und vermutlich eine geschönte Zahl. Es gibt zwar Leute die das können, aber die sind Ausnahmen.

Wie geht das jetzt also mit dem eigenen Blog?

1. Du brauchst ein Thema

Viele Leute installieren sich WordPress oder melden sich einen eigenen Blog bei einem der vielen Anbieter an. Doch nach den ersten zwei „ Hello World" und „ Das ist Kiki mein Hamster " Postings, fällt ihnen nichts mehr ein worüber sie eigentlich schreiben wollten.

Das Thema worüber du schreiben willst sollte die Leute auch interessieren. Zum Glück gibt es im Internet so viele Leute, dass es immer Jemanden gibt, den Irgendwas (banales, bescheuertes) interessiert. Das nennt man Longtail und ist vergleichbar mit der Produktbandbreite bei Amazon: Dort kaufen vermutlich die meisten Menschen aktuelle Bestseller, Dildos und saisonabhängig vielleicht noch Skier. Es gibt aber die Menschen, die einmal im Jahr ein Buch zum Thema Spomenik kaufen und obwohl das so selten passiert, wird es dennoch bei Amazon angeboten. Das Ziel ist all diese Menschen mit komischen Nischen-Interessen bedienen zu können, da diese in der Summe dennoch einen ordentlichen Umsatz bringen können.

Welche Themenfelder sind möglich:

Thema: Du selbst

Der Klassiker! Du berichtest allen über dein tolles Leben. Diese Form ist in der Regel häufig für Hausfrauen oder Mädels geeignet, da man super weitere Themen wie DIY, Deko, Kochrezepte, Haustiere, Baby/Mama-Artikel etc. einfließen lassen kann.

Außerdem verlinkt man sich viel mit seinen besten Freund(innen) und formt sozusagen in der Blogosphäre seine eigene kleine Subsphäre. Beliebt sind hier auch Bloggeraktionen bei denen man sich gegenseitig Bastelartikel erstellt und via Fotos auf dem eigenen Blog vorstellt. Man nennt das dann auch „Stöckchen", wohl in Anlehnung an die Staffelholz Übergabe beim Staffellauf.

Wenn man ein schönes Blog Design und einen gewissen Leserkreis hat, dann wird man in der Regel ganz automatisch von Firmen angesprochen, die Produktproben raushauen möchten und zum Testen verschenken. Man profitiert somit erstmal primär durch Sachwerte wie Windelpackungen, Kosmetikartikel oder Waschpulver über das man dann seine Erfahrungen mitteilen soll. Kann Spaß machen, kann aber auch ziemlich nerven. Hat man etwas Erfahrung, dann kriegt man eventuell auch Aufträge, die gegen Bezahlung durchgeführt werden können.

Wie bei den Models, gibt es dafür auch spezielle Blogger-Agenturen die sich um die Organisation und Abwicklung solcher „Reviews" und Produkttests kümmern und gegenüber Firmen als Vermittler zwischen Firma und Bloggern auftreten.

Thema: Cybergoths, Minecraft Letsplayer und Emokinder

Die Überschrift steht stellvertretend für irgend eine Jugend-Subkultur, der du dich entweder selber zugehörig fühlst oder die du zumindest lustig oder bescheuert findest. Du kannst nämlich entweder auf diese Subkultur einbashen oder sie in den Himmel loben.

Diese Subkulturen werden meistens durch ein paar große Internetversandhändler dominiert, die in China gefertigte Outfits und Accessoires für die Subkulturteilnehmer anbieten. Das bewirkt, dann leider meistens, dass irgendwann Alle gleich aussehen und mit den selben Sachen rumrennen, dadurch aber ein unglaubliches Gemeinschaft- und Zugehörigkeitsgefühl entwickeln.

Wir verdeutlichen das mal am Beispiel der „Pentafunk Jenny"

Wichtig ist auch der entsprechende Musikstil, denn so kann man gut über Youtube-Videos, Tanzeinlagen, Festivals und Veranstaltungen, Fotos von Kleidungsstilen usw. usw. bloggen.

Es entstehen meistens ganz von selber Diskussionen darüber, ob Lied A nun zu Genre B oder Genre C einzuordnen ist. Oder ob die Subkultur eigentlich nicht bereits Out und Mainstream geworden, oder in ihrer geschichtlichen Entwicklung eine andere Subkultur falsch verstanden, bzw. kannibalisiert hat. Entweder geht da dein eigenes Herzblut drin auf oder es interessiert dich eigentlich nicht die Bohne...ist letztlich auch egal, denn Geld kann man in diesem Fall über die Einblendung durch Google-Adwords verdienen oder über spezifische Partnerprogramme der angesprochenen Versandhändler.

Thema: Wasserkühlung für den PC (oder sonst irgendwas mit Technik)

Auch dieser Themenbereich ist nur beispielhaft zu verstehen. Das Prinzip funktioniert ähnlich wie bei den Jugend-Subkulturen nur befasst man sich inhaltlich mit einem technischen Spezialgebiet. Hier ist es definitiv von Vorteil, zumindest etwas Ahnung vom Thema zu haben.

Die ideale Lösung um Kapital aus einem erfolgreichen Nischenblog zu schlagen ist, diesen nach einigen Jahren in einen eigenen Webshop inklusive Forum umzuwandeln.

Kenne ein Beispiel aus dem Bekanntenkreis, da hat das sehr gut mit dem Verkauf von Schrauben für das Gewichtstuning von Fahrrädern funktioniert. Der Blog muss dann übrigens nicht aufgegeben werden sondern läuft als Firmenblog weiter. Hier spielt oft das Timing und etwas Glück eine entscheidende Rolle. Ich erinnere mich noch an die Zeiten, als es plötzlich etliche Webshops mit PC-Modding Artikeln gab. Viele davon lohnten sich nach abklingen des Trends schnell nicht mehr.

Thema: Fails, Epic Wins oder Compilation Videos, Katzen, Eulen, Makis und Picdumps

Hier ist alles möglich was an lustigen Inhalten im Netz rumgeistert. Die Inhalte eignen sich gut, da sie gerne von Freunden an andere Freunde weitergeschickt und durch diverse Büromailing-Verteiler geballert werden.

Ein Vorteil liegt im geringeren Arbeitsaufwand, da Texte nicht immer nötig oder zumindest kurz gehalten werden können. Diese Form des Blogs nennt sich auch „Tumblr-Blog" (wie der dazu entstandene Microblogging Dienst).

Hier werden Fundstücke des Netzes mehr oder weniger stark vom Autor kommentiert und gepostet. In der Anfangszeit waren das meist reine Linklisten, dann kamen Kombinationen mit eigenen Sammlungen wie Picdumps oder Gifdumps hinzu. Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von großen, professionell Geführten Portalen mit sehr hohen Besucherzahlen.

Das ist gleichzeitig auch ein Nachteil, da der Markt einen gewissen Sättigungsgrad erreicht hat und durch Social Media Dienste wie Facebook oder Whatsapp an Bedeutung verliert.

Die Serviceleistung, „Funlinks" zu sammeln und zu präsentieren wurde zunehmend obsolet. Eine Reaktion war die Spezialisierung auf bestimmte „ Fun-Content-Unterkategorien„. Diese Spezialisierung lief entweder über die Art des Inhalts und folgt wieder den Gesetzen der Nische. So gibt es etwa reine „Picdump Seiten" oder Seiten die nur „Fail-Inhalte" oder nur „ Motivationalbilder " Sammlungen anbieten.

Bei Mischblogs kristallisiert sich meistens dennoch eine gewisse Vorliebe des Autors für bestimmte Themen oder die Art seines Humors heraus, die dann eine gewisse Differenzierung der Inhalte erzeugt und wieder unterschiedliche Zielgruppen ansprechen kann.

In den letzten Jahren hat in diesem Bereich leider eine ziemliche Abmahnwelle von (angeblichen) Rechteinhabern begonnen und eine Reihe von Betreibern sah sich mit hohen Kosten konfrontiert. Einige Blogs mussten deswegen schließen oder zumindest Ihre Inhalte stark reduzieren bzw. überdenken. 2018 kam dann noch die DSGVO hinzu und stellte viele Betreiber erneut vor Herausforderungen bezüglich des Datenschutzes.

Wenn du dich gerne weiter in das Thema einlesen willst, dann kannst du dir zur Zeit eine Kopie von „Das Taschenbuch für Gründer" holen.