Ich mache Nacktfotos und schlage kleine Kinder

dassanach2 Das Bistum Marsabit feiert sein 50-jähriges Bestehen. Als Festgeschenk wollen die Katholiken von Illeret ein paar Ziegen nach Marsabit bringen. Deshalb hat sich am Dienstag, an demselben Tag, an dem ich mit P.Florian die letzte Etappe nach Illeret gefahren bin, eine Gruppe junger Leute in den Busch aufgemacht, um dort von den Hirten Ziegen zu erbetteln. Florian mag solche Aktionen nicht, weil er schon weiß, was dabei herauskommt. Aber an jenem Dienstag war er halt noch nicht da, und außerdem gehen die jungen Leute aus Abenteuerlust, da ist es schwer, sie zurückzuhalten. Abenteuer haben sie bekommen, nämlich in Form von Hunger. Die Hirten haben ihnen innerhalb von drei Tagen drei Ziegen geschenkt, und außerdem haben sie ihnen Tee angeboten, sonst nichts. Sie gehören zwar zum gleichen Stamm wie die jungen Leute, aber sie sind nicht mit ihnen verwandt. Einer der jungen Leute marschiert also zurück nach Illeret und bittet, die ausgehungerte und erschöpfte Gruppe mit dem Auto abzuholen. Das übernimmt P.Winfried, der junge afrikanische Priester, der Florian während seines Urlaubs vertreten hatte. Ich begleite ihn und komme so zum ersten Mal zu den Nomaden hinaus.
Gleich, als wir ankommen, greifen viele Hände nach dem Außenspiegel, der völlig verstellt wird. Auch meine Kamera zieht neugierige Hände in Massen an, so dass ich eine Methode anwende, die ich in Illeret schon mehrfach beobachtet habe: Zuschlagen. Allerdings benutze ich dazu keinen Stock, wie das so manche Frau in Illeret tut, und ich deute den Schlag auch nur an.
Winfried fordert mich auf, ein Foto von ihm mit “this lady” zu machen. Andere kommen hinzu, die meisten tragen die traditionelle Kleidung oder Nicht-Kleidung der Dassanach. In der “Stadt” (“town”), wie Illeret hier genannt wird, sieht man mehr Kleidung (das untere Foto habe ich dort gemacht), aber auch dort laufen viele Menschen noch traditionell, nackt oder halbnackt herum. Die abgebildeten Menschen haben wahrscheinlich eine ungefähre Vorstellung davon, was ein Fotoapparat ist, aber gar keine Vorstellung, was das Internet ist. Deshalb stelle ich nur eine ganz kleine Version des Fotos ins Netz.
Nach dem Foto von Winfrieds “lady” wollen auch andere, Kinder und Erwachsene, fotografiert werden. Anschließend zeige ich ihnen jedesmal ihr Bild auf dem Display, was ziemliche Begeisterung auslöst. Die alte Frau rechts auf dem oberen Bild umfasst das Objektiv mit der ganzen Hand, bevor ich sie daran hindern kann. Ich bin nicht begeistert, kann aber angesichts ihres Alters schlecht zuschlagen.
dassanach



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