Ich habe darüber nachgedacht, ob ich das Wort schreiben kann und darf: Freundin.

Die Freundin ist tot. Vielleicht war es noch nicht einmal mehr meine Freundin, denn in den letzten Jahren hat eine furchtbare Krankheit ihre Persönlichkeit auf den Kopf gestellt und verdreht.

Ich habe darüber nachgedacht, ob ich das schreiben kann und darf: Freundin. Denn wir haben uns entfremdet. Erst einmal so, durch unterschiedliche Lebenswege, dann durch den Alltag, der voll war und ist. Und dann eben auch, weil sie anders geworden ist.

„Bekannte“ könnte ich jetzt schreiben, und auf die letzten Jahre trifft dies vermutlich zu. Bekannte, weit entfernt, Neuigkeiten nur indirekt. Aber die meiste Zeit war sie wohl dies: Eine Freundin.

Ich versuche, an sie zu denken, als die, die sie einst war: Fröhlich, lustig, wanderlustig, auf Entdeckungstouren im Wald und auf allen möglichen Bergen, reiselustig mit ihrer Mutter auf Mallorca, denn eine eigene Familie zu gründen war ihr nicht vergönnt. Einen Mann hatte sie sich gewünscht, aber der Passende ist ihr leider nicht über den Weg gelaufen.

„Wo liegen denn Ihre Stärken, Frau Freundin?“

Erinnerungsfetzen ziehen wie zerrissene Nebel durch mein müdes, müdes Gehirn. Da waren wir doch zusammen in ihrer Wohnung und haben Bewerbungsgespräche geübt: „Frau Freundin, wo sehen Sie denn Ihre größten Stärken?“ Und da hat sie gelacht und gegrinst, bevor sie wieder ernst antworten konnte. Wir haben geguckt, was sie anziehen kann, weiße Bluse ja klar, aber Mini-Rock, nee, Mara, echt nicht. Also Hose. Den Job hat sie übrigens bekommen und ab da hatte sie endlich auch genug Geld, um zum Beispiel umzuziehen und sich ein Auto zu kaufen.

Davor gab es lange Jahre mit wenig Geld. Da hatte sie Werkverträge in irgendeiner Firma und wurde pro Datensatz bezahlt. Aber das machte nichts. Sie lebte mit ihrer Freundin zusammen, die ziemlich rund war, und deshalb sind die beiden häufig wandern gegangen, um das Runde zu verschlanken. Das hat auch geklappt.

Kürbissuppe aus dem Gartenparadies

Die beiden zusammen – das war immer lustig. Wenn ich oder wir (also ich mit Mann) in der WG waren, gab es Tee oder eine leckere, selbstgemachte Suppe. Sie hatte einen kleinen Garten. In dem habe ich nie gestanden, denn die Wohnung war ganz oben unter dem Dach und der Garten ganz unten, hinter dem Wohnhaus. Jedenfalls gab es dann Kübissuppe – quasi aus dem Garten. Die Wohnung war klein und im Sommer war es heiß. Wir saßen in der Küche und haben gequatscht, gequasselt, gelacht, junge Frauen eben. Die Freundin, die Runde, hat dann noch ein anderes Studium begonnen und beendet. Während der Abschlussarbeit wurde ihr Baby geboren. Das war das Ende der WG, also nicht wegen des Babys, sondern wegen der Hochzeit, die irgendwann vorher stattgefunden hatte.

Stimmen

Und nun bist du tot. Du hast Stimmen gehört, die dir sagten, dass du dich umbringen sollst. Du hast es vorher schon versucht. Die Stimmen haben aber nicht locker gelassen. Sie waren böse mit dir, weil du beim ersten Mal schon gescheitert bist. Du hattest vermutlich keine Wahl. Wenn die Stimmen so energisch sind, dann hat man keine Wahl mehr, dann muss man tun, was man für richtig hält.

Wir sind traurig, sehr, sehr traurig. Mögest du dort, wo du bist, Frieden haben, tiefen echten Frieden, ohne Stimmen, die dich verwirren und dich Dinge tun lassen, die niemand wollte, dass du sie tust.


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