Ich denke, also bin ich – Frau

Ich denke, also bin ich – Frau

Ich denke, also bin ich: Der erste Grundsatz der Philosophie stammt - wie könnte es anders sein - von einem Mann. Descartes war aber nicht nur Mann, sondern auch Denker. Ich persönlich mag das Paket "denkender Mann" - obschon ich einem Sixpack nicht grundsätzlich abgeneigt bin. Aber das eine schliesst ja das andere nicht aus.

Was uns sozusagen zur Theorie des Dualismus führt - die Idee der Trennung von Körper uns Geist. Mary Astell, englische Philosophin und Vorreiterin des Feminismus machte sich diese Theorie zu Nutze und verbreitete bereits im 17. Jahrhundert die revolutionäre Auffassung, dass Frauen genau wie Männer die Fähigkeit zur Vernunft besitzen (jupi!) und daher das Recht auf gleiche Behandlung haben (yay!). Danke denkende Mary. Frauen können denken. Ergo sind sie. Eine beruhigende Vorstellung. Denn eine Welt mit inexistenten Frauen - die wäre wahrscheinlich sogar den Männern nicht geheuer.

Worüber sollten sie sonst nachdenken?

Und überhaupt: wer macht denn dann die Wäsche?

Sorry, das war jetzt sexistisch - für beiderlei Geschlechter irgendwie. Natürlich können Männer auch Wäsche waschen. Ob sie es tun, ist wieder eine andere Frage. Ich wasche, also bin ich - Mann. Klingt irgendwie plausibel und in meinen Ohren attraktiv. Ob Descartes auch Wäsche wusch ist leider nicht überliefert aber ich zweifle mal daran. Letzteres hätte Descartes übrigens gefallen - auch er war ein Zweifler. Zweifeln und Denken gehen Hand in Hand - das behaupte ich jetzt einfach mal so ganz unfundiert - aus eigener Erfahrung. Ich bin eine Zweiflerin. Das war ich schon als Kind. Man sagte mir zum Beispiel, dass Menschen nicht fliegen können. Ich zweifelte daran. Ein paar offene Knie, ein abgeschlagener Zahn und zahlreiche blaue Flecken haben bis heute daran nichts geändert. Immerhin gut, dass ich nicht nur gezweifelt sondern irgendwann auch mal nachgedacht habe. Das hatte zur Folge, dass die Sturzwunden wegblieben. Fliegen tue ich trotzdem noch - zumindest wenn ich träume. Und mein Traum-ich gehört ja irgendwie auch zu mir. Aha, da haben wir sie wieder - die Trennung von Körper und Geist. Vielleicht hätte ich Philosophin werden sollen? Ich habe das Fach im Gymnasium geliebt - auch wenn ich meinen Philo-Lehrer zuweilen fast in den Wahnsinn trieb.

Unsere Diskussionen endeten meist mit seinem erstaunten Ausruf: "Frau Jakab, das glauben Sie aber nicht wirklich?" Ich stets: "Nein, das glaube ich nicht wirklich aber ich schliesse die Möglichkeit nicht aus." Übrigens hat meine 6-jährige Tochter mein "Philosophen-Gen" geerbt. Sie stellt alle möglichen Fragen - zuweilen in unmöglichen Situationen... So wie neulich als wir abends Coiffeursalon spielten. Schrecklich stereotyp, ich weiss - aber es ist unser liebstes Abendritual: Ich lasse mich genüsslich am Kopf kraulen und muss dabei nur dasitzen - sie macht den Rest. Immerhin bastelt sie tagsüber auch mit ihrer älteren Schwester Raketen, was mich als Feministin tröstet. Auch wenn unsere Girls dazu unser gesamtes Schuhregal auseinandergeschraubt haben... aber dazu ein andermal. Zurück zum Coiffeursalon - kämm, kämm, laber laber - ich schliesse meine Augen schalte genüsslich auf "Dös-Modus": "Mama, wo willst du mit der neuen Frisur hin? Ich murmle: "An einen Ball. Da will ich schön aussehen..." Auch mein Feministinnen-Ich macht ab und an ein Nickerchen. Sie quietscht vergnügt und beginnt zu flechten. Mmmh, wohlig. "Mama?" "Hmmm?" "Ziehst du dazu ein langes rosa Kleid an mit Glitzer?" "Mhmmm...". Feministinnen-Tiefschlafphase! Sie flicht weiter und holt verbal aus: "Mamaaa?" "Hmmmm?" "Manchmal weiss ich nicht wer ich bin." Ich wache langsam auf. "Äh, wie meinst du das?" "Es ist so ein komisches Gefühl, ich frage mich, wer ich bin, also ich weiss meinen Namen aber nicht so genau wer ich bin. Und wieso ich auf die Welt gekommen bin... ". Jetzt bin ich hellwach. Wenn die jetzt schon solche Fragen stellt, welche kommen dann mit 16? Der Schweiss bricht aus meinen Poren. "Najaaaa, wenn ich das wüsste... Vielleicht solltest du Philosophin werden. Die stellen solche Fragen und bekommen auch noch Geld dafür. Sie quietscht erfreut: "So viel, wie Papa? Genug, dass ich mir ein Pony kaufen kann?..." Kurze Denkpause: "... dann will ich nicht mehr Königin der Schweiz, sondern Philopin werden...!" "Also, das heisst Philosophin - und in der Schweiz gibt es keine Könige. Bei uns regieren sieben Menschen das Land. Die tun das in dem grossen Haus mit den coolen Spritzdüsen davor. Das Bundeshaus..." Sie holt bereits zur nächsten Frage aus... "Ich kann doch als Philophin regieren und mit dem Pony zur Arbeit reiten. Dann kann es da trinken, wenn es Durst hat. Ist doch suuuper!" Es reicht: Ich lasse das Pony kurzerhand verdursten: "Bettzeit! Husch husch - es ist schon spät!" Problem gelöst.

Was hätte ich denn sagen sollen?

Papa ist kein Philosoph - und wieviel verdienen die überhaupt? Ausserdem müsste ich dann von diesem Betrag noch rund 18% Lohnunterschied abziehen... (aha, auch die Feministin ist wieder wach!) Ob das noch für ein Pony reicht? Die fressen immerhin ganz schön viel Heu. So in etwa 10 kg pro Tag. Und ein Stall sollte das arme Tier wohl auch haben und dann muss es vielleicht auch mal zum Tierarzt oder besser zur Tierärztin (jep, Frauen dürfen seit 1864 auch Medizin studieren in der Schweiz). Diese Pony-Doktorin wäre dann logischerweise rund 18% günstiger für uns... Immerhin was positives. Uh - was für ein unsolidarischer Gedanke. Aber hey, niemand ist perfekt. Und das Leben ist kein Ponyhof. Ach ja, die Reitausrüstung ist auch nicht gratis. So ne Frauenpeitsche kostet wahrscheinlich sogar mehr. Schliesslich zahlen Frauen für gleiche Produkte im Schnitt 7% mehr als Männer. Pink-Tax lässt grüssen. Und lebt eine Stute eigentlich auch länger als ein Hengst? Oder ist das so ein Menschending? Falls ja, müsste man das unbedingt bei der Pony Fohlen-Wahl miteinkalkulieren. Grundsätzlich tut man als denkender Mensch auch gut daran, zu zweifeln, dass überhaupt eine Philosophin in den Bundesrat gewählt würde (falls doch - dann könnte sie sich definitiv ein Pony leisten).

Philosophinnen stellen wohl zu viele unbequeme Fragen. Zum Beispiel:

Wieso gibt es nicht mehr Bundesrätinnen?

Ich hab mal nachgezählt und kam auf 9 Bundesrätinnen (ab 1984) und 110 Bundesräte seit 1848.

Woran mag das liegen?

Sind Frauen nicht gebildet genug?

Ich zweifle daran. Google gibt mir Recht: Eine von drei Frauen hat in der Schweiz einen Hochschulabschluss. Wow.

Und wo genau findet man die vielen weiblichen klugen Hirnzellen?

In Leitenden Funktionen sucht man auf alle Fälle vergebens danach. Je nach Branche, Unternehmensgrösse, Region oder Quelle spuckt das Internet für die Schweiz Zahlen zwischen 14% und 22% aus. Jö! Ich hole die Lupe. Das sind ja goldige Aussichten für unsere Tochter. Nix Pony, sorry. Vielleicht wäre Auswandern die Rettung des Ponyhofs? Eine kurze Recherche aller Vor- und Nachteile bringt unsere Tochter nach Nicaragua oder Ruanda - Plätze fünf und sechs im Gleichstellungsranking des Weltwirtschaftsforums. Die Ränge eins bis vier (Island, Norwegen, Schweden, Finnland) wären zwar wirtschaftlich gesehen klüger aber wer mag schon durch die Kälte reiten? Die Schweiz ist übrigens auf Rang 20. Kein Kommentar. 108 Jahre soll es dauern bis die Geschlechterkluft auf der Welt verschwunden ist. Geht doch ruck zuck. Dann sind meine Töchter 114 und 116 Jahre alt - und können zur Feier im Altersheim ein richtig cooles Freudenfest veranstalten. Leckeres Apfelmus wird gefüttert und dazu klimpert ein fetziger Alleinunterhalter nostalgische Kindheitserinnerungen auf seinem schwebenden KWiiiiboard (Key boards sind bis dahin out). Die Sause steigt für die paar Nasen, die noch hören können und auf dem anstrengenden Weg in den Gemeinschaftsraum nicht dem endgültigen Dualitäts-Ding (Trennung von Körper und Geist) zum Opfer gefallen sind. Das wird eine fantastische Fete!

Leider werde ich das nicht miterleben - es sei denn unsere ältere Tochter macht ihren Traum wahr: Sie will Erfinderin werden und ein Medikament erfinden, das die Menschen ewig leben lässt. Ob das sinnvoll wäre... darüber kann sie sich dann mit ihrer Philosophenschwester streiten. Aber ich schätze mal: Mit einer solchen Erfindung könnte die sich immerhin ein oder zwei oder ein paar tausende Ponys leisten. Ich selber steh ja nicht so auf Ponys. Die haben keine Flügel. Und Sie wissen ja, ich will hoch hinaus. Darum präferiere ich Einhörner. Die können fliegen - und geben auch wirtschaftlich was her:

In der Wirtschaftswelt nennt man Start-Ups mit eine Marktbewertung (vor Börsengang oder Exit), von über einer Milliarde US-Dollar Einhörner. Ich weiss das so genau, weil ich kürzlich zusammen mit meiner geschätzten Geschäftspartnerin ein Start-up gegründet habe (kein Witz - Sie können ruhig im Handelsregister nachsehen). Unsere Ziele sind, wie könnte es anders sein, hoch gesteckt. Übrigens ist es ein Tech-Start-up (auch kein Witz) und heisst - TADAAA! Das muss man enthusiastisch und laut aussprechen, denn es ist ein revolutionäres Video Social Network für die gesamte Kunstwelt - Bilder, Musik, Fashion, Bücher, Film etc. - da ist Begeisterung durchaus angebracht. Und wetten, der Name bleibt Ihnen in Erinnerung. Gut so, denn Zur Zeit sind wir auf der Suche nach Seed Money... da kann ein bisschen Schleichwerbung zum Schluss nicht schaden. Immerhin kostet so ein potenzielles Einhörnchen etwa gleich viel wie ne stolze Ponyranch. Aber "Think Big" - wir schaffen das. Nicht obschon und auch nicht weil wir zwei Frauen sind. Sondern weil wir denken können. Und weil es nicht DER oder DIE, sondern - TADAAA - DAS Einhorn heisst.

Ich denke, also bin ich - Frau.

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