Ich brauche aber kein Tanzkostüm

Choy Ka Fai aus Singapur und Surjit Nongmeikapam aus Indien bildeten in der Säulenhalle des Weltmuseums ein wunderbares Duo. Anlässlich des ImpulsTanz Festivals zeigten sie dem Publikum im Zeitraffer, wie eine Choreografie zustandekommen kann. Aber auch, wie man die Erwartungshaltungen des westlichen Publikums erfüllen muss, um Erfolg zu haben.

„SoftMachine: Surjit Nongmeikapam by Choy Ka Fai“ hieß jener Abend, an dem der in Berlin lebende Choy Ka Fai einen jungen indischen Tänzer vorstellte. „Ich performe gerne und suche mir immer etwas, was andere nicht machen“, erklärte das umtriebige Multitalent bei einem Interview. Und außerdem würde er niemanden anderen kennen, der sich wie er in humorvoller Weise im Tanzbereich äußert. Tatsächlich war der Abend ein äußerst vergnüglicher und das nicht auf Kosten des indischen Tänzers, sondern vielmehr auf Kosten des Tanz-Establishments, das hier gehörig aufs Korn genommen wurde.

Nongmeikapam, der aus der Provinz Manipur aus dem Nord-Osten aus Indien kommt, kennt sich nicht nur mit seiner lokalen Tanztradition, sondern allen insgesamt acht traditionellen indischen Tänzen gut aus. Sein Handycap, aber auch seine Chance, in Europa auf Tournee gehen zu können, wie sich im Laufe des Abends herausstellte. Denn, so Choy Ka Fai, der ihn anlässlich einer Recherche über den asiatischen zeitgenössischen Tanz kennenlernte: „Dieser Exotismus wird in Europa gern gesehen!“ Da spielt es keine Rolle, dass der junge Tänzer eigentlich auch eigene Choreografien parat hat, die nichts mit den historisch überlieferten Formen zu tun haben. „Wenn du mitkommst auf die Show nach Europa, dann mach das lieber so“, erklärt ihm sein Mentor des Öfteren im Laufe des Abends und verweist auf einige Tanzstile, von denen er weiß, dass sie das europäische Publikum liebt. Und so kommen die Zuseherinnen und Zuseher in Wien einerseits in den Genuss, das indische Tanzrepertoire in Mikrochoreografien kennenzulernen. Andererseits erhalten sie aber auch einen kleinen Einblick in die aktuelle indische Tanzszene, die sich auf wenige bekannte Akteurinnen und Akteure wie zum Beispiel Jayachandran Palazhy beschränkt. Seine Truppe tourt seit vielen Jahren erfolgreich in der westlichen Welt. Choy Ka Fai schlägt Nongmeikapam deswegen vor, doch auch Elemente dieser Produktionen aufzunehmen. „Das ist zwar langweilig, immer dasselbe“, kontert dieser, macht dann aber bereitwillig mit.

Surjit Nongmeikapam, der zu Beginn in einer Filmprojektion einen Hügel in seiner Heimat besteigt und sich dort als sitzender und grübelnder Choreograf präsentiert: „Zeitgenössische Tänzer verbringen die meiste Zeit mit Denken!“, hatte bei der Visums-Beantragung für Österreich einige Hürden zu überwinden. Mit Nachdruck wollten die Beamten sein Tanzkostüm sehen und waren erst nach halbstündiger Überredung einsichtig, dass er ein solches für seine Arbeit nicht braucht. „In vielen westlichen Tanzproduktionen tanzt man heute ohne Shirt!“, gesagt getan und schon entledigte sich der zarte Mann seines Oberteils. Es war die humorvolle Aufdeckung von Erwartungshaltungen, denen die Produzenten unter allen Umständen gerecht werden wollen, um volle Häuser zu bekommen, die so großen Spaß bereitete. Aber auch jene kleine Einlage, in welcher der Inder Tanzschritte im Stil von europäischen Größen wie Sasha Waltz oder Pina Bausch imitierte. Deutlicher kann man jene große Kluft nicht aufzeigen, die das Tanzverständnis im europäischen und indischen Raum trennt. Auch das zeitgenössische.

Dabei konnte aber nicht übersehen werden, dass es dem Tänzer schließlich gelang, Choy Ka Fais Inspirationen und Anregungen mit eigenem Leben zu füllen. In seiner finalen Choreografie ließ er schließlich, wie gewollt, traditionellen, zeitgenössischen indischen und auch westlichen Tanz ineinanderfließen. Dabei präsentierte er jedoch ein neues Ganzes, das uneingeschränkten Beifall erhielt.


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