Ich bin kein Sprachrohr mehr

Viel zu lange habe ich mich schon als Sprachrohr für meine Mitmenschen verhalten und habe all die Interessen, die an mich herangetragen werden, an unseren Verwalter kommuniziert. Seit ich wegen Elternzeit auch tagsüber zu Hause bin, begegne ich natürlich auch mehr Nachbarn im Hausflur, mit denen man ein paar Worte wechselt. Und bei diesen Gesprächen werden eben auch Dinge angesprochen, die vielleicht nicht so gut klappen oder besser sein könnten.

Wir sind 5 Parteien im Haus, wovon allerdings nur 2 Wohnungen durch die Eigentümer bewohnt werden, 1 davon sind wir. Unsere Wohnung ist zentral gelegen und schön. Wir fühlen uns wohl in unseren 4 Wänden. Dennoch gibt es, wie überall wo Menschen zusammen leben, Dinge, die besser sein könnten, Unstimmigkeiten und unterschiedliche Meinungen.

Da ich ein Typ bin, der Dinge in die Hand nimmt, der Organisation und Schriftverkehr leicht fällt und die auch unliebsame Dinge anspricht, kommen auch die Mieter im Haus gerne auf mich zu, wenn es Dinge zu regeln gibt oder wenn sie mit etwas nicht zufrieden sind. Oft sind es Dinge, die mir auch schon auffielen und wo ich glaubte, damit allein zu sein. Wenn ich dann merke, dass andere auch so denken, geh ich zum Verwalter und sage es ihm. Dadurch bin ich für ihn oft eine „Nervensäge", die ihm Arbeit macht, die er sonst vielleicht nicht hätte. Ich bin der Meinung, dafür ist er da und dafür bekommt er ja eben auch die Verwaltergebühr.

Unter anderem geht es darum, dass der Hausmeisterservice, der sich um Winterdienst und Grünanlagenpflege kümmert, nicht so arbeitet wie ich (und auch andere Nachbarn) das für ordentlich erachten. Es erweckt den Eindruck, dass er dann bei uns arbeitet, wenn er gerade nix anderes zu tun hat. Und der Winterdienst ließ auch zu wünschen übrig. Obwohl die Vorgabe ist, dass es um 7 Uhr geräumt sein muss (aus haftungstechnischen Gründen), fängt er manchmal deutlich später an. Dadurch konnten wir einmal nicht zum Schwimmkurs der Großen, weil um 10 Uhr noch nicht geräumt war. Seit ein paar Monaten wird nun auch die Hausflurreinigung durch eine Angestellte von ihm erledigt - genauso oberflächlich wie auch der Hausmeisterservice, meiner Meinung nach. Auch hier bin ich nicht allein.

Diese beiden Sachverhalte wurden auf der Eigentümerversammlung besprochen, wo dann der Beschluss war, dass wir ab jetzt die Rechnungen zugesandt bekommen, bevor sie gezahlt werden, um eventuell nicht erledigte Tätigkeiten anmängeln zu können. Dafür sollten dann Daten und Arbeiten konkret benannt werden. Ich hatte mir Stichpunkte notiert, die ich an den Verwalter schickte. Und heute erhielt ich folgendes zur Antwort, was mich zunächst sehr geärgert hat:

© Mamis Blog

Ich äußerte mich dazu, indem ich schrieb, dass eine Sache zu beachten ist, nämlich dass die besagten Personen für UNS arbeiten, denn wir bezahlen sie für ihre Arbeit. Es hat nichts mit Kontrollwahn zu tun, sondern wenn einem Sauberkeit wichtig ist, fällt es einfach auf. Und weiterhin schrieb ich, dass ich mir ab jetzt nicht mehr den Mund verbrenne und das jetzt andere tun können. Mal sehen, ob die, die mich vorher immer im Hausflur ansprachen und für die ich als Sprachrohr handelte, nun selbst tätig werden.

Ich bin kein Sprachrohr mehr

© PeterFranz / pixelio.de

Auch wenn es mir sehr schwer fällt, mich nicht mehr dafür einzusetzen (weil es auch in meinem Interesse ist, dass alles ordentlich ist), werde ich nun meinen Mund halten und mich auf das konzentrieren, was

- mir am Herzen liegt

- mir Energie gibt statt raubt

- wichtiger ist als diese unliebsamen Themen

- Freude macht

- mich antreibt statt mich bremst

- schön ist

- es wert ist.

Dass der Spiegel im unteren Bereich dreckig ist, kommt wohl daher, dass Kinder im Haus wohnen bzw. zu Besuch sind. Wenn der Spiegel dreckig ist, muss sie ihn putzen - egal warum er dreckig ist, oder? Ist das schon Diskriminierung von Familien? Und diese beiden Personen, die die Arbeiten erledigen, sind sowas von unfreundlich - vermutlich, weil sie die Wahrheit nicht vertragen können. Wenn sie ordentliche Arbeit machen würden, dann hätte ich mich gar nicht beschwert. Haben sie also wirklich einen Grund, unfreundlich zu mir zu sein? Hätte nicht viel eher ich einen Grund, unfreundlich zu ihnen zu sein, weil ich (und auch die anderen Eigentümer) sie dafür bezahlen, obwohl sie schlechte Arbeit machen?

Ich glaube und vertraue darauf, dass die Zeit für mich spielt und IRGENDWANN offensichtlich wird, dass es richtig und gut war, als ich es angesprochen habe und dass diejenigen Menschen, die mich kritisieren und meinen, ich hätte Kontrollwahn, eines besseren belehrt werden. Insgeheim weiß ich nämlich, dass ich Recht habe und nichts falsch gemacht habe. Bis jetzt war es immer so, dass es irgendwann so kam, wie es schon viel früher hätte kommen können, wenn meine Worte nicht untergraben sondern ernst genommen worden wären. Daher hoffe ich auch dieses Mal darauf und werde einfach stillschweigend beobachten, wie es weiter geht. Bitte. Danke. Ich bin kein Sprachrohr mehr

Danke Euch für Euren Zuspruch und die lieben Worte auf Twitter, Frau Chamailion und Gluckeundso.

Ich geh jetzt den Tag genießen und mich nicht mehr ärgern.

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