Ich bin ja für die Einführung einer Jungen-Quote.

Von Berit Andersen

Ich bin von einem Besucher der Institution, in der ich arbeite, ermutigt worden, meine Kinder geschlechtsneutral zu erziehen. Erschlagt mich, ich habe keine Ahnung, wie wir vom eigentlichen Thema – Braunkohle – auf Erziehung kamen.

Das, was ich mache, mache ich eigentlich nicht, weil meine Kinder Jungs sind. Sondern vielmehr weil ich Hauarbeit – gelinde gesagt – nicht leiden kann.

Foto oben: Willkommen im Chaos-Club!

Maxe hat das sehr schön erkannt, als er einen Blick in mein Büro warf.

“Du aufräumen musst, Mama”, sagte er, während er seine Blicke desillusioniert über das Tohuwabohu schweifen ließ, “du viiiiel aufräumen.”

Meine Erziehungsziele sind rein egoistischer Natur: Je mehr die Kinder machen, desto weniger bleibt für mich übrig. Und zukünftige Schwiegertöchter werden mich lieben. Oder hassen. Wir werden sehen.

Waschmaschine

Aus irgendeinem Grunde gibt es immer Streit über die Befüllung der Waschmaschine.

“Immer darf nur Maxe die Waschmaschine anmachen!” heulte mein Großer heute morgen vor der Schule, “der hat schon das Waschpulver eingefüllt, dann darf ich wenigstens DRÜCKEN!”

Foto oben: Wenn es denn ein Trost ist: Noch viele Tausend Tonnen Wäsche werden in diesem Haushalt gewaschen werden. Wenn es einen Orden für Waschmaschinen gäbe – unsere würde einen erhalten.

Wäsche aufhängen

Beim Wäscheaufhängen könnten die Knaben ruhig etwas mehr Enthusiasmus aufbringen. Die bisherige Regel lautet, dass jedes Kind soviel Wäschestücke aufhängen muss, wie alt es ist.

Seitdem können die Zwillinge prima bis vier zählen. Manchmal hängen sie auch mehr auf. Weil sie es so toll finden, die Wäschestücke vor dem Hängen “auszuschlagen”, damit ich sie nicht bügeln muss.

Toms Zaun

Mark Twain hat es entdeckt: Wenn man Strafarbeiten als Aufgaben für Profis deklariert, kann man sogar Gewinn erwirtschaften. Auf den Gewinn bin ich gar nicht so scharf, aber wenn ich es schaffe, beim Blumengießen, Geschirrspüler ausräumen und Staubsaugen glücklich auszusehen, dauert es keine zwei Minuten, bis sich drei Kinder um den Staubsauger streiten. Oder um die Blumen. Trotzdem wird das Unkraut an der Hausmauer gegenüber immer noch mehr gegossen als meine jungen Erbsen. Auch die Straße wird regelmäßig geputzt und gewässert.

Foto oben: Maxe holt noch mehr viel Wasser. Wo es wohl heute landen wird?

Um die Attraktivität von Hausarbeit zu erhöhen, setze ich sogar ein Kopfgeld aus: Wer es schafft, das Wohnzimmer zu saugen, erhält einen Euro. Maxe hat sich sogar schon in der Nachbarschaft verdingt, allerdings nicht für schnöden Mammon, sondern für Schokobrötchen. Drei Stück. Zwei waren für die “Brüders”. <3"><3"><3"><3

Einladungskarten

Die Zwillinge wiederholen manchmal reflexartig meine hehren Worte wie “rosa ist nicht nur Mädchenfarbe” und “Jungs dürfen rosa auch gut finden”, aber wenn es ans Eingemachte geht, bleiben sie doch lieber bei dem, was sie im Kindergarten gelernt haben.

“Guckt mal, Maxe und Sohni, ich habe hier Papier und so für die Einladungskarten gekauft. Welches Papier wollt ihr denn haben?”

Kritische Blicke der Jungs.

Maxe will Marlene und Camille einladen.

“Dies hier”, er deutet auf rosa Karton mit Glitzer, “das sind Mädchenfarben.”

Foto oben: Omas Einladung ist auch rosa. Oma ist ja auch ein Mädchen.

Konsequent bekamen die Mädchen auch pinkes Papier, auf das ich den Einladungstext schrieb, welches ich dann in die rosa Glitzerpappe hüllte.

Sohni wich ein wenig vom Schema ab. Das Einlegepapier wurde gelb.

Eingeladen hat er aber auch zwei Mädchen: Merle und Mareike.

Ob das noch eine geschlechtsneutrale Geburtstagsparty wird? Ich bin ja für die Einführung einer Jungen-Quote. Wenigstens bei Kindergeburtstagen.